Tule-Nebel

Tule-Nebel (engl. Tule fog) ist ein im Spätherbst und Winter im kalifornischen Längstal (engl. Central Valley) auftretender Strahlungsnebel, der sich bei feuchten Böden, klaren Nächten und schwachem Wind bildet und zu schweren Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs führen kann.

Begriff

Die Bezeichnung „Tule“ [ˈtuːliː] leitet sich von einer Teichbinsen-Art (Schoenoplectus acutus) ab, die das kalifornische Längstal vor seiner großflächigen Entwässerung und landwirtschaftlichen Erschließung prägte. Das Wort wurde ursprünglich von spanischen Kolonisten verwendet, die den von den Azteken verwendeten Nahuatl-Begriff „tōllin“ übernahmen, um die in Kalifornien angetroffene Pflanze zu bezeichnen.[1]

Entstehung

Das Central Valley bietet aufgrund seiner Topografie und klimatischen Bedingungen günstige Voraussetzungen für die Entstehung von Tule-Nebel im Spätherbst und Winter. Der Nebel bildet sich, wenn bodennahe Luftschichten, die durch Verdunstung aus Böden, Gewässern und bewässerten Agrarflächen mit Feuchtigkeit angereichert sind, in klaren Nächten stark abkühlen und den Sättigungspunkt erreichen. Bei windschwachen oder windstillen Verhältnissen können sich die kondensierten Wassertröpfchen nahe der Oberfläche ansammeln und eine dichte Nebelschicht bilden. Temperaturinversionen verhindern dabei eine vertikale Durchmischung der Luft, sodass sich der Nebel über große Teile des Central Valley ausbreiten und über mehrere Tage oder sogar Wochen hinweg bestehen bleiben kann.[2]

Einfluss der Luftverschmutzung auf die Nebelbildung

Langfristige Veränderungen in der Häufigkeit von Tule-Nebel stehen in engem Zusammenhang mit der Luftverschmutzung im Central Valley. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass insbesondere Stickoxide und daraus gebildete Aerosole als Kondensationskeime fungieren, an denen sich Nebeltröpfchen bilden können. Der starke Anstieg der Luftverschmutzung zwischen den 1930er und 1970er Jahren begünstigte demnach die Zunahme von Strahlungsnebel, während die seit den 1980er Jahren wirksamen Maßnahmen zur Emissionsminderung zu einem deutlichen Rückgang der Nebelhäufigkeit führten. Kurzfristige Schwankungen werden zwar überwiegend durch meteorologische Faktoren bestimmt, der langfristige Trend des Tule-Nebels ist jedoch maßgeblich durch Veränderungen der Luftschadstoffbelastung geprägt.[3]

Auswirkungen

Tule-Nebel kann erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr haben. Durch die oft extrem eingeschränkte Sicht steigt das Risiko von Massenkarambolagen. Ein häufig zitierter Fall ereignete sich im Dezember 1997, als dichter Tule-Nebel einen mehrere hundert Meter langen Auffahrunfall auf der Interstate 5 im Sacramento County verursachte. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, 36 weitere wurden verletzt; die Autobahn blieb anschließend für mehr als 24 Stunden gesperrt.[4]

Bestimmte Bereiche der kalifornischen Landwirtschaft profitieren im Winter vom Auftreten von Tule-Nebel. Nach Angaben der University of California, Davis gilt dies insbesondere für Kirsch-, Mandel-, Walnuss- und Pistazienbäume, deren Winterruhe durch die Nebelperioden begünstigt wird. Der Nebel wirkt temperaturausgleichend, indem er die Luft- und Baumtemperaturen nahe beieinander hält. Dies begünstigt eine stabile Winterruhe der Bäume, in der sie Energiereserven für die folgende Wachstumsperiode aufbauen können.[4]

Commons: Tule fog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. California Tule, über UC Davis, We Are California, zuletzt abgerufen am 27. Dezember 2025.
  2. An Unrelenting Tule Fog, NASA Earth Observatory vom 11. Dezember 2025, zuletzt abgerufen am 27. Dezember 2025.
  3. Ellyn Gray [u. a.], Impact of Air Pollution Controls on Radiation Fog Frequency in the Central Valley of California, in: JGR Atmosperes 124, 11 (2019), S. 5889–5905.
  4. a b Heather Waldman, Tule fog: The hazards and benefits the phenomenon brings to Northern California, in: KCRA3 vom 25. November 2025, zuletzt abgerufen am 27. Dezember 2025.