Tsai-Fan Yu
Tsai-Fan Yu (chinesisch 郁采蘩, Pinyin Yù Cǎifán, W.-G. Yü Ts’ai-fan; * 24. Oktober 1911 in Shanghai[1]; † 2. März 2007 in Manhattan) war eine US-amerikanische Medizinerin chinesischer Herkunft. Sie leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Ursachen und Behandlung von Gicht und entwickelte Medikamente, die heute noch verwendet werden. Sie war die erste Frau, die sowohl am Peking Union Medical College zum Chief Medical Resident in Innerer Medizin ernannt wurde, als auch eine Forschungsprofessur am Mount Sinai Hospital in New York City erhielt.
Karriere
Tsai-Fan Yu wurde in Shanghai geboren. Im Alter von 13 Jahren verlor sie ihre Mutter, woraufhin ihr Vater drei verschiedene Stellen annahm, um seine Tochter weiterhin zur Schule schicken zu können.[2] Ihr Bruder Jiefei Yu ging ebenfalls in die Medizin und wurde Chirurg. Zunächst besuchte Yu das Ginling College, wo sie 1932 den Bachelor-Abschluss erwarb. Mittels eines Stipendiums konnte sie am Peking Union Medical College, das mit der Johns Hopkins University verbunden war, studieren. Dort erlangte sie im Jahr 1936 mit Bestnoten ihren Doktor der Medizin. Nur drei Jahre später wurde sie als erste Frau zum Chief Medical Resident in Innerer Medizin ernannt.[2] Damals forschte sie auch über Pflanzenkrankheiten, wie beispielsweise bei Zitrusfrüchten und bakteriellem Mehltau an Bohnen.
1947 ging Yu nach New York City und arbeitete am Columbia University College of Physicians and Surgeons (P &S), wo sie ab 1950 als Instructor und ab 1960 Assistant Professor tätig war. In den 1950er Jahren erhielt sie die US-Staatsbürgerschaft. Ab 1957 war sie am Mount Sinai Hospital tätig, an dem sie 1966 zum Assistant Professor ernannt wurde und 1973 als erste Frau eine volle Professur erhielt. Zu ihren größten Verdiensten gehören ihre Forschungen zu den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Gicht, für die es damals außer Amputation des betroffenen Glieds keine Heilung gab. Am Mount Sinai Hospital war sie Mitbegründerin der Gichtklinik, wo sie eng mit Alexander B. Gutman zusammenarbeitete.[3]
Gemeinsam mit Gutman etablierte sie die Verbindung von Gicht mit hohem Harnsäurespiegel im Blut. Um die Harnsäure aus dem Körper zu entfernen, testete sie mit ihm diverse Medikamente, darunter Probenecid, mit dem die Harnsäure durch Urin ausgeschieden werden konnte.[3] Auch führten beide eine fünfjährige Studie durch, um zu sehen, wie sich das entzündungshemmende Mittel Kolchizin auf Gichterkrankungen auswirkte.[4] Tatsächlich konnten sie nachweisen, dass Kolchizin Gichtanfälle verhindern konnte. Die Resultate veröffentlichten sie 1961 in den Annals of Internal Medicine.
In den 1960er Jahren leitete sie eine weitere Studie, diesmal mit Allopurinol, das die Bildung von Harnsäure verhindert und nach wie vor zur Behandlung von Gicht und Nierensteinen verwendet wird. Ihre Arbeit legte somit den Grundstein für die moderne Gichtbehandlung.[5] Neben Purin-Stoffwechsel und Gicht befasste sie sich auch mit Phosphor- und Calcium-Stoffwechsel bei Osteomalazie. Als Mitglied des Beratungsgremiums für Stoffwechselerkrankungen diente sie den National Institutes of Health, die 26 Jahre lang ihre Studien finanzierten.[2] 1982 wurde sie emeritiert.
Privatleben
Tsai-Fan Yu hatte einen adoptierten Sohn namens Yu Yu und war die Tante der Krebsforscherin Hua Eleanor Yu. Im Jahr 1992 ging Yu in den Ruhestand. Sie starb am 2. März 2007 im Mount Sinai Hospital an den Folgen eines Schlaganfalls.[3]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- 1952: Current principles of management in gout (mit Alexander B. Gutman)
- 1953: Effect of Phenylbutazone (3,5 Dioxo-1,2-Diphenyl-4-N-Butylpyrazolidine) on Renal Clearance of Urate and Other Discrete Renal Functions in Gouty Subjects (mit Jonas H. Sirota und Alexander B. Gutman)
- 1960: Tubular secretion of urate in the dog (mit Lawrence R. Berger, S. Kupfer und Alexander B. Gutman)
- 1976: Gout and uric acid metabolism (mit John H. Talbott)
- 1980: Pharmacokinetic and Clinical Studies of Carprofen in Gout (mit James Perel)
- 1982: The Kidney in gout and hyperuricemia (mit Lawrence R. Berger)
Insgesamt veröffentlichte Tsai-Fan Yu zu Lebzeiten über 220 Artikel.[4]
Würdigungen
- Distinguished Career Achievement Award des Mount Sinai
- Master Award der American Association of Rheumatology
2004 wurde die Tsai Fan Yu Foundation gegründet.
Einzelnachweise
- ↑ Lebensdaten nach American Men and Women of Science, Thomson Gale 2004
- ↑ a b c Paid Notice: Deaths. YU, TSAI, FAN, M.D. ( vom 27. April 2015 im Internet Archive)
- ↑ a b c Jeremy Pearce: Tsai-Fan Yu, 95, Physician, Dies; Helped Alleviate Gout. New York Times, 12. März 2007, abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ a b Dr. Tsai-fan Yu (1911 - 2007) ( vom 9. Juni 2017 im Internet Archive)
- ↑ Nicola Dalbeth: Tsai-Fan Yu: physician and researcher who established modern gout management. In: Annals of the Rheumatic Diseases. BMJ Journals, abgerufen am 9. Dezember 2025.