Tropicana (Club)

Das Tropicana ist ein Freiluft-Revuetheater und Nachtclub in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Es wurde 1939 auf einer Fläche von 24.000 m² im Stadtteil Marianao eröffnet und wurde international durch seine Freiluftshows sowie die Anfang der 1950er Jahre errichteten Arcos de Cristal des Architekten Max Borges Recio bekannt.[1] Das Tropicana wurde 1954 in der Ausstellung Latin American Architecture since 1945 des Museum of Modern Art (MoMA) in New York gezeigt[2] und steht seit 2024 auf der Tentativliste des UNESCO-Welterbes.[3]

Beworben als das Paradies unter den Sternen wurde das Tropicana bekannt für seine Tänzerinnen, Conga- und Salsa-Tanz sowie die farbenfrohen Produktionen. Im Unterschied zu europäischen Kabaretts liegt der Schwerpunkt der Show auf Tänzen mit einer Vielzahl von Beteiligten. Das Tropicana wurde unter anderem vom Choreographen Roderico „Rodney“ Neyra geleitet.

Bis heute werden jeden Abend zwei Shows mit rund 200 Tänzerinnen gezeigt. Beim Tanz der Kronleuchter tragen die Tänzerinnen eine Lampenkette mit elektrischer Beleuchtung. Das Tropicana gehört zu den teuersten Ausgehzielen Havannas und wird überwiegend von wohlhabenden ausländischen Touristen besucht.

Bekannte Stars waren Xavier Cugat, Carmen Miranda, Nat King Cole, Josephine Baker und Roberto Blanco[4]. Liebhaber des Tropicana waren Édith Piaf, Ernest Hemingway, Jimmy Durante und Marlon Brando.

Geschichte

Das erste Grundstück wurde von Guillermina Pérez Chaumont gemietet, bekannt als Mina. Die tropischen Gärten ihrer „Villa Mina“ boten eine üppige natürliche Kulisse für ein Freiluftkabarett. Victor de Correa sorgte für Bewirtung und Unterhaltung, während Rafael Mascaro und Luis Bular im Speisesaal des Hauses ein Casino betrieben. Mit einem Fanfarenstoß des Orquesta Alfredo Brito wurde der Club am 30. Dezember 1939 eröffnet.

Correa wurde aus dem Geschäft gedrängt, als Martin Fox die Villa Mina 1950 kaufte. Ab 1956 bot die Fluggesellschaft Cubana ein Tropicana Special mit einem Hin- und Rückflug bis zum nächsten Morgen in Miami an.[5] Kurz nach der Kubanischen Revolution von 1959 wurde das Unternehmen wie die übrigen Hotels und Casinos von der neuen Regierung unter Fidel Castro entschädigungslos verstaatlicht,[6] der ehemalige Besitzer Fox floh nach Miami, wo er 1964 starb.[7] 2002 erhielt das Tropicana offiziell den Status eines nationalen Kulturdenkmals.[8]

Architektur

Das Tropicana liegt in einer tropischen Gartenanlage.[9] Die Anlage verfügt über zwei Showbereiche: den Freiluftbereich Bajo las Estrellas sowie die überdachte Halle Arcos de Cristal. Bei gutem Wetter finden die Aufführungen im Freien statt, bei Regen oder großer Auslastung wird in die Betonschalenhalle gewechselt. Die Gesamtkapazität liegt bei rund 1.700 bis 1.750 Plätzen.[10]

Fox engagierte den Kubanischen Architekten Max E. Borges (1918–2009), welcher die Arcos de Cristal des Tropicanas, parabolische Betonbögen und Glaswände zur Überdachung der Bühne, schuf. Der Bau dauerte das ganze Jahr 1951. Am 15. März 1952 wurde das klimatisierte neue Kabarettgebäude Arcos de Cristal eröffnet. Insgesamt verfügte das Tropicana nun über 1700 Plätze im Innen- und Außenbereich. Das Gebäude wurde 1953 mit dem kubanischen Nationalpreis für Architektur ausgezeichnet.[11] Die Arcos de Cristal bestehen aus fünf dünnwandigen Stahlbetonschalen, die in weiten Kurven gespannt sind und Glasflächen zwischen den Schalen tragen. Palmen wachsen durch Öffnungen in der Dachstruktur, sodass Architektur und Vegetation eine räumliche Einheit bilden. Die Innenausstattung umfasste moderne Möbel, darunter Entwürfe von Charles und Ray Eames.[12] Für den Entwurf erhielt Borges 1953 eine Auszeichnung des kubanischen Architektenverbands. Die Schalenhalle war eines von sechs kubanischen Gebäuden, die 1954 in der MoMA-Ausstellung Latin American Architecture since 1945 gezeigt wurden.[13]

Internationale Nachwirkungen und verwandte Projekte

Der Erfolg des Tropicana in den 1940er und 1950er Jahren blieb nicht auf Kuba beschränkt. Das Zusammenspiel aus Freiluftinszenierung, tropischer Vegetation und moderner Betonschalenarchitektur wurde in mehreren Ländern aufgegriffen und diente als Vorlage für neue Cabarets, die versuchten, die Atmosphäre von „Paradise under the Stars“ nachzuahmen. Der Tentativlisteneintrag der UNESCO bezeichnet das Tropicana daher als „Modell für bedeutende architektonische Schöpfungen in Mexiko, Puerto Rico und anderen Teilen der Region“.[14]

Jacaranda (Mexiko-Stadt, 1954) Eines der bekanntesten dieser Projekte war das Cabaret-Restaurant Jacaranda im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt, das 1954 entstand.[15] Der Entwurf griff zentrale Elemente des Tropicana auf – einen tropisch gestalteten Innenhof, eine extrem leichte Betonschale und eine szenografische Nutzung von Licht und Vegetation. Jacaranda galt als eine Art „Tropicana im Kleinformat“ mitten in der Altstadt. Der Bau wurde beim Erdbeben von 1985 zerstört und ist heute nur noch aus Fotografien und Fachberichten bekannt.[16]

Tropicoro (San Juan, Puerto Rico, 1956–1957) Kurz darauf entstand im damaligen San Juan Intercontinental Hotel in San Juan das Cabaret Tropicoro.[15] Auch hier knüpfte die Gestaltung an das Tropicana an: parabelförmige Dachschalen, großflächige Verglasungen und üppige Bepflanzung erzeugten eine Mischung aus tropischer Freilichtbühne und mondänem Casino. Zugleich übernahm Tropicoro Elemente der aufkommenden Las-Vegas-Ästhetik und übertrug sie in die Karibik. Der ursprüngliche Bau wurde in den 1970er Jahren abgerissen oder stark umgestaltet, sodass die Originalstruktur nicht erhalten ist.[17]

Diese beiden kurzlebigen Projekte zeigen, wie das Tropicana weit über Cuba hinaus wirkte: weniger als Kopie, sondern als architektonisches und atmosphärisches Konzept, das in verschiedenen kulturellen Kontexten neu interpretiert wurde. Obwohl Jacaranda und Tropicoro heute nicht mehr existieren, gelten sie in der Forschung als wichtige Belege für den internationalen Einfluss des Tropicana.

„Zeitkapsel“ der 1950er Jahre

Weite Teile der Anlage – Wegeführung, Vegetation, Bühnenaufbau sowie die Kombination aus Freiluftbereich und Schalenhalle – sind bis heute weitgehend unverändert geblieben. Auch die Struktur der Shows folgt weiterhin Mustern aus der Hochphase der 1950er Jahre, mit großen Tanzensembles, Live-Orchester und opulenten Kostümen. In Erinnerungsberichten früherer Künstlerinnen und Gäste sowie in historischen Studien wird das Tropicana daher gelegentlich als eine Art „performative Zeitkapsel“ des vorkubanischen Nachtlebens beschrieben.[18]

Literatur

  • Rosa Lowinger, Ofelia Fox: Tropicana Nights: The Life and Times of the Legendary Cuban Nightclub. Coralstone, Los Angeles 2016, ISBN 978-0-9898085-2-1.
  • Museum of Modern Art (Hrsg.): Latin American Architecture since 1945. New York 1955, S. 108–109.
  • Eduardo Luis Rodríguez: The Havana Guide: Modern Architecture 1925–1965. Princeton Architectural Press, New York 2000, ISBN 1-56898-197-X.
  • Rosalie Schwartz: Pleasure Island: Tourism and Temptation in Cuba. University of Nebraska Press, Lincoln 1997, ISBN 0-8032-4257-3.
  • T. J. English: Havana Nocturne: How the Mob Owned Cuba and Then Lost It to the Revolution. William Morrow, New York 2008, ISBN 978-0-06-114771-5.

Dokumentarfilm

  • Thomas Wallner: Tropicana, Kabarett der Träume. Kanada/Kuba 2006/2009, 52 Minuten
Commons: Tropicana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. The Tropicana Nightclub, Havana, Cuba: History of the Island’s Best-Known Attraction. In: The Cuban History, 8. Juli 2023, abgerufen am 10. Dezember 2025, thecubanhistory.com.
  2. Henry-Russell Hitchcock: Latin American Architecture since 1945. Museum of Modern Art, New York 1955, S. 108–109.
  3. UNESCO World Heritage Centre: Cabaret Tropicana (Tentative Lists). abgerufen am 10. Dezember 2025, whc.unesco.org.
  4. Roberto Blanco wird 75 Jahre - und feiert im Familienkreis. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 6. Juni 2012, abgerufen am 29. August 2018.
  5. Night Club in the Sky
  6. Tropicana nightclub turns 70. In: The Hollywood Reporter. 29. Dezember 2009, abgerufen am 13. November 2018 (englisch)
  7. Fox Lowinger: Tropicana Nights
  8. Resolución No. 178: Cabaret Tropicana. (Memento des Originals vom 23. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cnpc.cult.cu Erklärung des kubanischen Rates für Kulturdenkmäler vom 12. März 2002, abgerufen am 13. November 2018 (spanisch)
  9. The Tropicana Nightclub, Havana, Cuba: History of the Island’s Best-Known Attraction. In: The Cuban History, 8. Juli 2023.
  10. Cabaret-Beschreibung in einer Cabaret-Guide-Ausgabe von 1956, zitiert nach: The Cuban History, The Tropicana Nightclub, Havana, Cuba: History of the Island’s Best-Known Attraction, 2023.
  11. Cabaret Tropicana. Webseite des kubanischen Rates für Kulturdenkmäler, abgerufen am 13. November 2018 (spanisch)
  12. The Tropicana Nightclub, Havana, Cuba: History of the Island’s Best-Known Attraction. In: The Cuban History, 8. Juli 2023.
  13. Henry-Russell Hitchcock: Latin American Architecture since 1945. Museum of Modern Art, New York 1955, S. 108–109.
  14. UNESCO World Heritage Centre: Cabaret Tropicana (Tentative Lists), 2024, whc.unesco.org, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  15. a b Ángel Manuel Álvarez Gómez: Los cabarets de Max Borges y Félix Candela: estructuras laminares compartidas. In: Revista Arquitectura y Urbanismo. 2016.
  16. Cabaret Tropicana, La Habana, por 85 años. In: The Cuban History / Diario de Cuba, 10. November 2024, thecubanhistory.com.
  17. The Incredible History of the Fairmont El San Juan Hotel. In: El San Juan Hotel Blog, elsanjuanhotel.com, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  18. Rosa Lowinger, Ofelia Fox: Tropicana Nights: The Life and Times of the Legendary Cuban Nightclub. Coralstone, Los Angeles 2016.