Tromm

Tromm
Tromm-Gebirgszug vom Weschnitztal aus
Höhe 576,8 m ü. NHN
Lage Landkreis Bergstraße, Hessen, Deutschland
Gebirge Odenwald
Dominanz 7,7 km → Hardberg
Schartenhöhe 154 m ↓ Kreidacher Höhe
Koordinaten 49° 36′ 16″ N, 8° 48′ 10″ O
Topo-Karte LAGIS Hessen
Besonderheiten Trommturm (AT)
Vorlage:Infobox Berg/Wartung/TOPO-KARTE

Die Tromm ist ein markanter Bergrücken im Odenwald im Südosten des Kreises Bergstraße in Südhessen, der sich östlich des Weschnitztales (mit den Dörfern Mörlenbach und Rimbach) rund 400 m über das Tal erhebt und an seinem höchsten Punkt eine Höhe von 576,8 m ü. NHN[1] erreicht.

Geographie

Lage

Die Tromm liegt im mittleren Odenwald zwischen dem Weschnitztal mit der Gemeinde Rimbach im Westnordwesten und dem Ulfenbachtal mit der Gemeinde Grasellenbach und dem Wald-Michelbacher Ortsteil Affolterbach im Osten. Der Gipfel der Tromm liegt auf der Gemarkung von Rimbach. Am Osthang des Tromm-Höhenzuges liegt der Ortsteil Tromm der Gemeinde Grasellenbach.

Geomorphologie

Der bewaldete, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Tromm-Höhenzug besitzt auf seiner Westseite, zum Weschnitztal hin, einen steilen Anstieg, während sich nach Osten, im Bereich des Überwalds, das Gelände im Übergang zum Buntsandstein-Odenwald sanfter abdacht und eher als ein Plateau erscheint.[2]

Geologie

Den Untergrund des Tromm-Höhenzugs bildet der Tromm-Granit, ein ausgedehnter Pluton aus Biotitgranit, der in der späten Phase der Variskischen Gebirgsbildung vor ca. 339 Millionen Jahren (U-Pb-Alter) intrudierte. An Biotit wurde ein K-Ar-Abkühlungsalter von ca. 324 Millionen Jahren gemessen.[3] Der Biotitgranit zeigt ein durch Kalifeldspatgroßkristalle hervorgerufenes porphyrisches Gefüge. Neben Kalifeldspat, saurem Plagioklas und Quarz zu etwa gleichen Teilen führt er Biotit und akzessorisch Titanit, Apatit und Zirkon.[4] Die Tromm weist zahlreiche markante Felsengruppen auf, die den durch Wollsackverwitterung veränderten Granit zeigen (siehe auch: Geologie des Odenwaldes). Der Tromm-Granit als auch der angrenzende Weschnitz-Granodiorit im Westen ist durch zahlreiche Scher- und Verwerfungszonen gekennzeichnet. Die östliche Grenze des Tromm-Granit bildet eine 1–2 km breite, nach Westen entlang der Otzberg-Verwerfung abfallende Zone intensiver Kataklase und Mylonitisierung.[5] Hydraulisch aktive Verwerfungen sind eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung erneuerbarer geothermischer Energie, z. B. im Oberrheingraben. Scherzonen sind wichtige Diskontinuitäten, die als bevorzugte Flüssigkeitswege durch die Erdkruste fungieren.[6][7] Anhand von Schwerkraft- und Radonmessungen wurden Verwerfungszonen mit erhöhter Porosität und Permeabilität im Tromm-Granit kartiert.[8] Zwischen den Ortschaften Brombach und Weschnitz an der B460 sind alle Übergänge von Tromm-Granit zu Myloniten und hornfelsartigen Ultramyloniten aufgeschlossen. Zwei ca. 500 m tiefe, vollständig gekernte Explorationsbohrlöcher (GeoLaB1 und GeoLaB2) wurden 2025 in den Tromm-Höhenzug gebohrt. Der bis zu 578 m ü. NN hohe Tromm-Höhenzug ist ein N-S-verlaufendes, morphologisch markantes Merkmal und das untersuchte potenzielle Ziel für das erste geothermische Forschungslabor unter Tage in Deutschland.[9] Erste Ergebnisse der Forschungsbohrung zeigen, dass sich in einer Tiefe von ca. 410 m unter der Oberfläche Deformationsform, petrophysikalische Eigenschaften und Bruchdichte des Gesteins ändern. Zudem treten subhorizontal geschichtete, teilweise mylonitische bis ultramylonitische granitische, granodioritische und metasedimentäre Gesteine auf. Dies deutet auf die Fortsetzung metamorpher Gesteine (Gneis) des Böllsteiner Odenwald (und/oder der „Zwischenzone“) unterhalb des Tromm-Granits hin.[10]

Schutzgebiete

Der Westhang der Tromm liegt im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Tromm (FFH-Nr. 6318-304; 3,2167 km²), einem Natura-2000-Gebiet.[1] Sein Schutzzweck ist definiert als: Abschnitt der waldreichen Mittelgebirgslandschaft des Vorderen Odenwaldes mit dem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Tromm-Höhenzug sowie einem fein verzweigten Gewässernetz, wobei Schlucht- und Hangmischwälder sowie Hainsimsen-Buchenwälder die markanten Lebensraumtypen sind.

Ireneturm

Der markante Ireneturm (manchmal auch Irenenturm genannt) war ein Aussichtsturm, der nach der Prinzessin Irene von Hessen-Darmstadt benannt wurde und bis zu seinem Rückbau im Jahr 2020 eines der Wahrzeichen der Region Überwald war.

Der Ireneturm wurde 1890 zunächst mit einer Höhe von 23 m westlich der Gipfelhöhe errichtet, musste aber 1907 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Der 1910 an gleicher Stelle neu erbaute, 27 m hohe Aussichtsturm, stand in der Gemarkung von Zotzenbach, einem Ortsteil von Rimbach, während die eigentliche Gipfelhöhe zur Gemarkung Kocherbach, einem Ortsteil von Wald-Michelbach, gehört. Zum 100-jährigen Jubiläum des zweiten Ireneturms im Jahr 2010 wurde das Eigentum an die Gemeinde Rimbach übertragen. Seit dem 2. Mai 2013 war der Turm aus Sicherheitsgründen gesperrt. Er bestand über dem gemauerten Sockelbau im Wesentlichen aus Weichholzelementen, in die der Borkenkäfer und Fäulnis eingedrungen waren.[11] Nachdem seit 2015 feststand, dass der Turm nicht mehr saniert werden konnte, wurde 2017 beschlossen, einen neuen, etwas höheren Turm zu errichten. Es war geplant, diesen zu 80 % mit Fördergeldern für das Projekt Geozentrum Tromm zu finanzieren.[12] Ende 2020 wurde der hölzerne Oberbau des Turms abgetragen und es steht nur noch der untere Mauerwerkssockel.[13]

Trommturm

Im Frühjahr 2022 wurde schließlich etwas südlich vom alten Turm der 34 m hohe Trommturm (im Volksmund auch „Schiefer Holger“)[14] als neuer Aussichtsturm errichtet, nach einem Plan der Architekten Pahl + Weber-Pahl Planungsgesellschaft mbH & Co. KG, Darmstadt mit den Tragwerksplanern Ing.-Büro Bollinger + Grohmann GmbH, Frankfurt/Main. Er ist eine um 35,7° nach Westen geneigte Stahlkonstruktion mit seitlich angebrachten Holzverkleidungen und wird wegen seiner starken Schräglage auch Himmelsleiter genannt.[15] 16 Treppenläufe mit insgesamt 192 Stufen führen kaskadenförmig zur runden Aussichtsplattform, die auf ca. 33,6 m Höhe über dem Waldboden liegt und an deren Südseite ein Antennenmast angebracht ist. Die Fundamente des insgesamt ca. 60 t schweren Neubaus sind mit 10 m langen Stahlankern im Granitgestein verankert. Nach Abschluss der Erdarbeiten und der Sanierung des vom alten Ireneturm verbliebenen Sockelbaus wurde der Trommturm Ende Juli 2022 eröffnet[16] und am 3. September 2022 offiziell eingeweiht.[14] Der neue Trommturm wurde im Rahmen des interkommunalen Kooperationsprojekts Geozentrum Tromm der drei Gemeinden Rimbach, Grasellenbach und Wald-Michelbach errichtet, das dafür Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ einwerben konnte.[17][18]

Die Aussichtsplattform des Turms bietet durch die zentrale Lage einen hindernislosen Rundblick über den Odenwald. Nach Westen reicht der Blick über das Weschnitztal und die Rheinebene hinweg bis zu Pfälzerwald und Donnersberg (63 km). Im Norden lässt sich der Taunus mit dem Großen Feldberg (74 km) erkennen, im Osten der Spessart sowie im Südosten der Katzenbuckel (23 km). Im Süden ist bei klarer Sicht der Nördliche Schwarzwald zu sehen und im Nordnordosten der Vogelsberg (106 km). Bei sehr guter Fernsicht reicht der Blick im Nordosten bis zur Rhön in 120 km Entfernung und im Südwesten bis zu den Vogesen in einer Distanz von über 170 km.[19]

Dreimärker-Stein

Dreimärkerstein
Wappen Mainz und Kurpfalz
Wappen Haus Erbach und Jahreszahl 1741

Etwa 100 m nordöstlich vom Ireneturm befindet sich als Grenzstein ein sogenannter Dreimärker-Stein, der die hier verwickelten Herrschaftsverhältnisse im Überland darstellt, die durch einen Flickenteppich von mittelalterlichen Grundherrschaften vornehmlich der Kurpfalz, von Kurmainz und dem Haus Erbach gekennzeichnet waren. Er ist einer der wenigen noch erhaltenen Dreiwappensteine im Odenwald. Mainzer Rad, Kurpfälzer Raute und Erbacher Drei Sterne Wappen mit der Jahreszahl 1741 sind noch gut auf dem ca. 50 cm hohem Stein in Form eines Prismas mit gleichseitigem Dreieck als Grundfläche auf jeder Seitenfläche zu sehen.

Pilgerweg Camino Incluso

Über den Höhenrücken der Tromm entlang führt der 84 km lange Pilgerweg Camino Incluso von Bensheim-Auerbach in den Odenwald und über dessen Höhenzüge bis nach Heidelberg. Er orientiert sich am Jakobsweg und ist als Zubringer zum pfälzischen und badischen Jakobsweg gedacht. Sein Wegkennzeichen ist ein Gelber Pilgerbeutel, geschaffen von den Schülern der SRH Stephen-Hawking-Schule (ein staatlich anerkanntes sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung) in Neckargemünd.[20]

Die Idee für den Weg ist es, einen Pilgerweg für Alle zu schaffen, nicht nur für unterschiedliche körperliche Voraussetzungen, sondern auch unterschiedliche Voraussetzungen bezüglich Religion oder Spiritualität. Im Vordergrund soll das Unterwegssein liegen und ein gemeinsames Bewältigen des Weges über körperliche oder geistige Schranken hinweg und der Möglichkeit spirituelle Erfahrungen zu machen.[21]

Sendemast

Auf dem nordöstlichen Ausläufer des Höhenrückens befindet sich ein Sendemast.

Wintersport

Auf der Tromm befindet sich eine flache, 600 Meter lange Skipiste. Früher war auf den Tromm der längste Skilift des Odenwaldes mit etwa 500 Metern Länge. Die Talstation auf der Tromm wurde jedoch durch einen Blitzeinschlag komplett zerstört. Die Liftanlage selbst ist inzwischen abgebaut. Früher waren auf der Tromm noch 15 weitere Rucksacklifte in Betrieb; sie wurden aber nach und nach wieder abgebaut und in anderen Skigebieten wieder errichtet. Heute befindet sich an der 900 Meter langen Hardbergpiste der längste Skilift des Odenwaldes.

Commons: Tromm – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Erwin Nickel: Odenwald. Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. Sammlung geologischer Führer, Band 65. Berlin und Stuttgart: Gebrüder Bornträger, 2. Auflage 1985, S. 15
  3. Eckardt Stein, Wolfgang Dörr, Jan Helm, Janina Schastok, Felicitás Velledits: Coeval subduction and collision at the end of the Variscan Orogeny (Odenwald, Mid-German Crystalline Zone, Germany). In: Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. 22. April 2022, S. 211–236, doi:10.1127/zdgg/2022/0287 (schweizerbart.de [abgerufen am 19. Dezember 2025]).
  4. Jürgen Hess, Gerhard Schmidt. Zur Altersstellung der Kataklasite im Bereich der Otzberg-Zone, Odenwald. Geologisches Jahrbuch Hessen, 117, Hessisches Landesamt für Bodenforschung, Wiesbaden 1989, 69–77.
  5. Wolfgang Schälike: Die Otzberg-Zone. In: G.C. Amstutz, S. Meisl, E. Nickel (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. Aufschluß Sonderband 27. Heidelberg 1975, S. 47–57.
  6. Gerhard Schmidt, Sami Al Najem, Margot Isenbeck-Schröter, Florian Freundt, Michael Kraml, René Eichstädter, Werner Aeschbach: Ascending Deep Fluids into Shallow Aquifer at Hydraulically Active Segments of the Western Boundary Fault of the Rhine Graben, Germany: Constraints from 87Sr/86Sr ratios. In: Procedia Earth and Planetary Science (= 15th Water-Rock Interaction International Symposium, WRI-15). Band 17, 1. Januar 2017, ISSN 1878-5220, S. 81–84, doi:10.1016/j.proeps.2016.12.001 (sciencedirect.com [abgerufen am 10. Dezember 2025]).
  7. Margot Isenbeck-Schröter, Werner Aeschbach, Sami Al Najem, Florian Freundt, Gerhard Schmidt: TRACE - TiefenReservoir-Analyse und Charakterisierung von der Erdoberfläche: Geochemisch-isotopisches Multimethoden-Konzept zur Charakterisierung tiefer Aquifere. Abschlussbericht TRACE. In: Leibnitz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften Universitätsbibliothek (Hrsg.): Teil B. Heidelberg 2016, S. 1–91.
  8. Matthis Frey, Claire Bossennec, Lukas Seib, Kristian Bär, Eva Schill, Ingo Sass: Interdisciplinary fracture network characterization in the crystalline basement: a case study from the Southern Odenwald, SW Germany. In: Solid Earth. Band 13, Nr. 6, 2. Juni 2022, ISSN 1869-9510, S. 935–955, doi:10.5194/se-13-935-2022 (copernicus.org [abgerufen am 10. Dezember 2025]).
  9. GeoLaB. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).
  10. Grimmer J. C., Deon F., Lüth S., Haaf N., Pierdominici S., Zimmermann G., Giese R., Neuwirth N., Rudolph B., Sass I., Kohl T.: The GeoLaB 1 exploration borehole in the Odenwald Crystalline Complex: constraints for the development of the geothermal research infrastructure GeoLaB. Hrsg.: Geo4Göttingen 2025, Conference. Georg August University of Göttingen 14. September 2025.
  11. Bergsträßer Anzeiger vom 2. Mai 2013: Ireneturm ab sofort geschlossen, abgerufen am 2. September 2013
  12. Ireneturm: Finanzierung des Neubaus auf der Tromm gesichert auf echo-online.de vom 17. Mai 2017, abgerufen am 25. Oktober 2017
  13. Zur Geschichte des Ireneturms, Informationen auf den Internetseiten der Gemeinde Rimbach, abgerufen am 13. November 2022
  14. a b Ein Projekt wächst in den Himmel in den Weinheimer Nachrichten vom 5. September 2022, abgerufen am 3. Oktober 2022
  15. Ireneturm Rimbach – Himmelsleiter aus Stahl auf der Tromm auf der Webseite von Donges Steeltec, abgerufen am 9. August 2022
  16. Trommturm Rimbach auf der Webseite der Gemeinde Rimbach, abgerufen am 9. August 2022
  17. Geozentrum Tromm. Abgerufen am 29. Februar 2024.
  18. Grasellenbach mit Rimbach und Wald-Michelbach, Geozentrum und Geopark. Abgerufen am 29. Februar 2024.
  19. udeuschle.de, abgerufen am 2. Juni 2025
  20. Schüler der SRH Stephen-Hawking-Schule gestalten einen Pilgerweg auf der Schulwebseite, 5. August 2019; abgerufen am 27. Januar 2020
  21. camino incluso - Pilgerweg für ALLE, auf www.tourismus-odenwald.de; abgerufen am 27. Januar 2020