Trolleybus Schaffhausen

Trolleybus Schaffhausen
Wagen 118 des Typs NAW BGT 5-25
gegenüber dem Schaffhauser Bahnhof, 2005
Netzplan 2019
Herblingertal
Kinepolis
Busdepot
Ebnatring
Waldfriedhof
Alpenblick
Birkenstrasse
Niklausen
Hohenstoffel
Ebnat
Kronenhalde
Schönenberg
Feuerwehrzentrum
Bahnhof Schaffhausen
Mühlentor
Brüggli
Kreuz
Gemarkungsgrenze
Scheidegg
Burgunwiese
Bahnhofstrasse
Gemeindehaus
Neuhausen Zentrum
Alusuisse
Kreuzstrasse
Neue Welt
Rhenania
Gemeindewiesen
Durstgraben
Herbstäcker

Der Trolleybus Schaffhausen war ein Trolleybus-System im Schweizer Kanton Schaffhausen. Es wurde am 24. September 1966 eröffnet und ersetzte seinerzeit die Strassenbahn Schaffhausen. Das Verkehrsmittel verband den Waldfriedhof in der Stadt Schaffhausen mit dem Wohngebiet Herbstäcker in der Nachbargemeinde Neuhausen am Rheinfall. Damit stellte es auch die touristisch bedeutende Verbindung zum Rheinfall her. Die zuletzt einzige Linie, die Durchmesserlinie 1, war am Schluss – nach zwei Verlängerungen – in Fahrtrichtung Neuhausen 7,7 Kilometer und in Fahrtrichtung Schaffhausen 6,8 Kilometer lang. Schaffhausen war ferner der jüngste und zudem kleinste Schweizer Trolleybusbetrieb. 2025 wurde er eingestellt, ersatzweise übernahmen Batterie-Gelenkbusse den Betrieb. Mit jährlich 3,56 Millionen Fahrgästen (Stand 2016) war die Trolleybusverbindung die mit Abstand aufkommenstärkste Linie der Verkehrsbetriebe Schaffhausen vbsh.[1]

Geschichte

Eröffnung

Die Umstellung der Strassenbahnlinie Schaffhausen Waldfriedhof–Neuhausen Zentrum auf Trolleybusbetrieb erfolgte aufgrund einer Volksabstimmung vom 13. September 1964. Der Wechsel erfolgte nahtlos vom 23. auf den 24. September 1966. Jedoch verkehrte der Trolleybus zunächst nur bis ins Ebnat, während die Strassenbahn eine Haltestelle weiter bis zum Waldfriedhof in St. Niklausen fuhr. Ursprünglich verkehrte das neue Verkehrsmittel im Normalverkehr alle zehn Minuten, in den Hauptverkehrszeiten alle fünf Minuten. Das Depot übernahm der Trolleybus ebenfalls von der Strassenbahn. Dieses befand sich ursprünglich beim Cardinal, auf dem Gelände des heutigen Feuerwehrzentrums.

Erweiterung

Im Frühjahr 1970 wurde der Trolleybus, wie einst die Strassenbahn, bis St. Niklausen verlängert. Das Quartier wurde fortan mit einer 1,9 Kilometer langen Häuserblockschleife im Uhrzeigersinn erschlossen, sie wurde ohne längeren Aufenthalt an der nominellen Endhaltestelle Waldfriedhof durchfahren.

Am 29. Mai 1974 ging die 1,1 Kilometer lange Neubaustrecke Ebnat–Herblingertal in Betrieb. Mit ihr nahmen die Verkehrsbetriebe eine zweite Trolleybuslinie in Betrieb, die Linie 9 Neuhausen Zentrum–Herblingertal. Sie war eine Verstärkerlinie, die nur in den Hauptverkehrszeiten verkehrte und mit vier Solowagen bedient wurde. Die Linie 9 ersetzte somit die Verstärkerkurse der Linie 1 in den Hauptverkehrszeiten, womit auf der Linie 1 einige Jahre lang nur noch Gelenkwagen fuhren. Die Linie 9 bediente den neuen Abschnitt im Herblingertal exklusiv, ausserhalb ihrer Verkehrszeiten wurde dort kein öffentlicher Verkehr angeboten.

Am 4. August 1980 erfolgte auch eine Verlängerung am anderen Linienende, damals ging die Strecke von Neuhausen Zentrum bis Neuhausen Herbstäcker in Betrieb. Dort entstand ebenfalls eine Häuserblockschleife, sie wurde gegen den Uhrzeigersinn und mit einem längeren Aufenthalt an der Endstation durchfahren. Dies führte zur Einführung eines dritten Liniensignals, denn nicht alle Kurse verkehrten bis Herbstäcker. Die kurzgeführten Trolleybusse, die nur bis Neuhausen Zentrum fuhren, wurden fortan als Linie 2 bezeichnet und weiterhin mit Gelenkwagen bedient. Im Gegenzug kehrten die Solotrolleybusse nach sechs Jahren wieder auf die Linie 1 zurück. In Richtung Waldfriedhof verkehrende Kurse wurden dabei als Doppellinie 1/2 beschildert. Die Linie 9 blieb von der Verlängerung unberührt, sie endete nach wie vor im Neuhauser Zentrum.

Am 31. Mai 1987 eröffneten die VBSH ein neues Trolleybus- und Autobusdepot im Herblingertal, die Anschrift lautet Ebnatstrasse 145. Die Anlage ersetzte das alte Depot aus der Strassenbahnzeit und war durch die Fahrleitungen der ehemaligen Linie 9 an das übrige Trolleybusnetz angeschlossen.

Ab Ende der 1980er Jahre wurden das Liniensignal 2 sowie das Doppelliniensignal 1/2 nicht mehr verwendet. Jedoch gab es die bis Neuhausen Zentrum kurzgeführten Kurse bis zuletzt als Linie 1, sie waren planmässig am Wochenende und an Feiertagen anzutreffen.

Am 20. September 1995 wurde die Linie 9 nach 21 Betriebsjahren wieder eingestellt, damit endete der Einsatz von Solotrolleybussen in Schaffhausen. Seither wird die Route von der Autobuslinie 6 bedient, auch sie befährt den betreffenden Abschnitt im Herblingertal nur in den Hauptverkehrszeiten. Zum Ausgleich für die entfallenden Kurse der Linie 9 wurde ausserdem die Trolleybuslinie 1 in den Hauptverkehrszeiten auf einen 7,5-Minuten-Takt verdichtet.

Der 0,8 Kilometer lange Teilabschnitt Ebnat–Busdepot war ab der Einstellung der Linie 9 eine reine Betriebsstrecke und diente den ein- und ausrückenden Kursen der Linie 1. Das ehemals anschliessende 0,3 Kilometer lange Streckenstück Busdepot–Herblingertal wurde zu Beginn des Jahres 2014 aufgrund von baulichen Veränderungen rückgebaut.

Zum 14. Dezember 2003 führte eine Linienwegsänderung der Autobuslinie 6, die fortan ebenfalls nach Neuhausen verkehrte, auf der Linie 1 zu einer Aufgabe des verdichteten 7,5-Minuten-Takts in den Hauptverkehrszeiten. Fortan verkehrte der Trolleybus ganztägig im starren Zehn-Minuten-Takt.

Vom 1. Juli 2007 bis zum 22. September 2008 wurde der ehemalige Bahnübergang über die Hochrheinbahn durch eine Unterführung ersetzt. Infolgedessen konnten die Trolleybusse nur bis Neuhausen Zentrum verkehren, der restliche Streckenabschnitt wurde über ein Jahr lang im Ersatzverkehr mit Solo-Autobussen bedient. Von dieser Baumassnahme profitierte auch der Trolleybus, zuvor behinderten geschlossene Schranken immer wieder den Betrieb.

Einstellung

2008 stand der Fortbestand des Schaffhauser Trolleybusbetriebs aus Kostengründen erstmals in Frage, neben der Umstellung auf Dieselbusse wurde auch der Einsatz von Gasbussen ausführlich untersucht. Der Stadtrat sprach sich jedoch 2008 nach gründlicher Diskussion aus ökologischen Gründen – trotz der etwas höheren Betriebskosten – für den Erhalt des elektrischen Betriebs aus. Über eine entsprechende Vorlage stimmte das Stadtparlament im September 2008 ab, womit auch der Weg für die Beschaffung von Niederflur-Gelenktrolleybussen frei wurde. Ausserdem wurde die Planung für eine zweite Trolleybuslinie aufgenommen. Damals war vorgesehen, auch die 8,4 Kilometer lange Autobuslinie 3 Sommerwies–Krummacker auf elektrischen Betrieb umzustellen. Hierdurch hätte sich das Fahrleitungsnetz nahezu verdoppelt. Unabhängig davon waren ab dem 1. Mai 2010 nicht mehr die Verkehrsbetriebe Schaffhausen, sondern die Elektrizitätswerke des Kantons Schaffhausen AG (EKS AG) für den Unterhalt der Trolleybus-Fahrleitungen zuständig.[2]

In der Volksabstimmung Ja zum E-Bus am 17. November 2019 votierten 54 % der Bürger für die vollständige Umstellung auf Batteriebusse und somit gegen den Fortbestand des Trolleybusses. Statt der Integration der Linie 3 ins Trolleybusnetz gingen somit 2021, primär für diese, 15 Batteriebusse in Betrieb. Am Bahnhof wurden hierzu zwölf Schnellladestationen installiert. Die damals vorhandenen sieben Trolleybusse wurden schon 2019 auf die In-Motion-Charging-Technologie umgerüstet. Anschliessend wurde die Fahrleitung in der Bahnhofstrasse und im Zentrum von Neuhausen entfernt.[3][4][5][6]

Im November 2024 wurde bekanntgegeben, dass die letzten Trolleybusse 2026 durch sechs Batteriebusse des spanischen Herstellers Irizar ersetzt werden sollen. Grund dafür waren geplante Strassenbauarbeiten, welche eine Umverlegung von Fahrleitungen erfordert hätten. Dies wurde allerdings als nicht wirtschaftlich betrachtet, da ab 2029 ohnehin die Demontage sämtlicher Oberleitungen geplant war.[7][8] Aufgrund der raschen Ablieferung der neuen Irizar-Gelenkbusse konnte der Gesamtbetrieb bereits zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2025 auf Batteriebetrieb umgestellt werden. Eine offizielle Abschiedsfahrt mit den Wagen 102 und 104 fand am Sonntag, dem 14. Dezember 2025 statt, dem ersten Tag im neuen Fahrplan.

Fahrzeuge

Erste Generation (Berna)

Die erste Fahrzeuggeneration von 1966 stammte von den Schweizer Herstellern Berna, Schindler Waggon, Ramseier + Jenzer, MFO und BBC.[9] Sie bestand aus den fünf zweimotorigen Gelenkwagen 101 bis 105 des Typs 4 GTP und den fünf einmotorigen Solowagen 201 bis 205 des Typs 4 TP-A. Weil die Solowagen zur Eröffnung noch nicht fertiggestellt waren, mussten anfangs fünf ältere Fahrzeuge des Baujahrs 1948 vom Trolleybus Winterthur in Schaffhausen aushelfen.[10] Der letzte Gelenkwagen der ersten Generation schied 1994 aus dem Bestand, der letzte Solowagen 1995.

Drei der Berna-Trolleybusse – die Wagen 102, 103 und 203 – wurden schon im Dezember 1992 an den Oberleitungsbus Valparaíso in Chile abgegeben. Dort stand 203 bis 2017 im Einsatz, 102 wurde schon 2009 infolge eines technischen Defekts ausgemustert.[11] Wagen 101 wurde verschrottet, Wagen 104 ging als Ersatzteilspender nach Winterthur. Die Wagen 105 und 202 sind als historische Fahrzeuge erhalten und gehören heute Rétrobus Léman beziehungsweise dem Trolleybusverein Schweiz.[12]

Ein sechster Gelenkwagen mit der Nummer 106 wurde 1975 im Zuge der Einführung der Linie 9 nachbeschafft. Das von Volvo, Hess und Siemens hergestellte Fahrzeug war ein Nachbau des VST-Einheitstrolleybusses, gleichartige Wagen verkehrten auch beim Trolleybus Luzern. Das Einzelstück trug die Typenbezeichnung B58 und wurde 1999 als Ersatzteilspender nach Luzern verkauft.

1980 gelangten aufgrund der Verlängerung bis Herbstäcker ausserdem noch zwei gebrauchte Saurer/Schindler-Solowagen, beide Baujahr 1961, aus Luzern nach Schaffhausen. Mit insgesamt 13 Trolleybussen erreichte der Bestand damit seinen historischen Höchststand. Diese beiden Fahrzeuge mit den Nummern 206 (ehemals Luzern 226) und 207 (ehemals Luzern 227) waren bis 1991 im Einsatz. Wagen 207 ist heute ebenfalls im Besitz von Rétrobus.[13]

Zweite Generation (NAW/Hess)

Die zweite Fahrzeuggeneration vom Typ BGT 5-25 wurde in den Jahren 1991 und 1992 gebaut und ersetzte die Wagen aus dem Eröffnungsjahr sowie die beiden Gebrauchtwagen aus Luzern. Sie besassen die Betriebsnummern 111 bis 118 und waren eine Gemeinschaftsproduktionen der Schweizer Unternehmen Carrosserie Hess, NAW, Ramseier & Jenzer und ABB. Erstmals in seiner Geschichte hatte der Schaffhauser Trolleybus damit ab 1995 einen vollständig homogenen Wagenpark.

Als erster Trolleybus der zweiten Generation wurde Wagen 114 schon Ende 2007 abgestellt und schliesslich Anfang Januar 2009 durch einen universell einsetzbaren Dieselgelenkbus ersetzt. Mit nur noch sieben einsatzfähigen Wagen erreichte der Bestand damals seinen historischen Tiefstand. Ursächlich für die Stilllegung des Trolleybusses 114 war ein Brand im Aussengelände des Depots, dieser entstand aufgrund eines technischen Defekts am Notstromaggregat. Der Wagen diente fortan als Ersatzteilspender.[14]

Einige Trolleybusse der zweiten Generation erhielten in den letzten Betriebsjahren statt der vormaligen Rollbandanzeigen modernere Matrixanzeigen, bevor in den Jahren 2011 und 2012 auch die letzten sieben Hochflurwagen aus dem Bestand schieden.

Dritte Generation (Swisstrolley)

Als Ersatz für die zweite Generation gelangten 2011 sieben niederflurige Gelenktrolleybusse des Typs Swisstrolley 3 von Carrosserie Hess nach Schaffhausen, sie trugen die Betriebsnummern 101 bis 107. Die hierfür notwendige Entscheidung durch den Stadtrat fiel am 20. April 2010, die Fahrzeuge kosteten zusammen 10,5 Millionen Schweizer Franken.[15]

Die ersten beiden Swisstrolleys wurden am 29. Juni 2011 nach Schaffhausen überführt, die letzten folgten im September 2011. Für den Betrieb der Linie 1 wurden im Normalbetrieb zuletzt sechs Wagen benötigt, das siebte Fahrzeug war Reserve.

Zum Zeitpunkt der Einstellung des Trolleybusbetriebs im Dezember 2025 war noch kein Käufer für die sieben Fahrzeuge gefunden.

Commons: Trolleybusse in Schaffhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fahrzeit – Das Magazin der Schaffhauser Verkehrsbetriebe, Ausgabe 10/2016
  2. Buszytig, Ausgabe Juni 2010, Seite 2
  3. Dario Muffler: 1.5 Millionen Franken für Trolleybusbatterien. In: Schaffhauser Nachrichten. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  4. Stadt Schaffhausen: Strategie- und Planungskreditvorlage Traktionsarten der VBSH(Nächste Generation Trolleybus), Vorlage des Stadtrats vom 2. Mai 2017 auf www.stadt-schaffhausen.ch
  5. tram 147, 08-10.2021, ISSN 1422-5344
  6. Kurt Metz: Boom bei elektrischen öV-Bussen: Schweizer Städte und Agglomerationen setzen auf umweltfreundliche Trolley- und Batteriebusse. In: Schweizer Jahrbuch für Verkehr 2021, Herausgeber Prof. Dr. Christian Laesser, Prof. Dr. Thomas Bieger, Prof. Dr. Kay W. Axhausen, St. Gallen, ISBN 3-906523-33-X, ISSN 1423-4459
  7. Festland AG: Wegen Strassenbauarbeiten: Verkehrsbetriebe Schaffhausen ersetzen 2026 Trolleybusse durch Elektrobusse. Abgerufen am 28. Mai 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  8. Frühzeitige Ablösung: VBSH ersetzen 7 Trolleybusse durch spanische E-Busse | Schaffhauser Nachrichten. 25. November 2024, abgerufen am 28. Mai 2025.
  9. Schaffhausen, Obus Nr. 104. In: Elektrischer Nahverkehr. Abgerufen am 9. November 2024.
  10. Steckbrief zur Trolleybusserie 20-25 (1948) auf trolleybus.ch, abgerufen am 6. April 2017
  11. Trolleybus Magazine Nummer 292 (Juli–August 2010), Seiten 88–89. ISSN 0266-7452.
  12. Schaffhausen auf trolleybus.ch
  13. Véhicules RétroBus Suisse allemande auf retrobus.ch
  14. Sind 12 Mio. SFR zu viel für die Umwelt? (Memento vom 27. Januar 2016 im Internet Archive) auf www.trolleymotion.eu, 20. April 2009.
  15. Sieben neue HESS-SwissTrolleys sind bestellt! (Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive). auf www.trolleymotion.eu, 26. April 2010.