Tristan Otto

„Tristan Otto“, auch nur „Tristan“, wird das Skelett eines Tyrannosaurus rex (kurz T. rex) genannt, das Anfang der 2010er Jahre im US-Bundesstaat Montana entdeckt und ausgegraben wurde. Das seit Dezember 2015 im Naturkundemuseum Berlin (MfN) ausgestellte Exemplar ist eines der besterhaltenen weltweit. Insbesondere der Schädel ist mit 98 Prozent außergewöhnlich vollständig erhalten.[1] Tristan Otto war das erste und bis September 2016[2] das einzige in Europa ausgestellte Originalskelett eines T. rex.[1]

Leben

Das Skelett von Tristan Otto besteht aus 300 Elementen, 170 davon sind originale Fossilien.[3] Trotz des weit zurückliegenden Lebenszeitraums gibt es einzelne Anhaltspunkte, die den Paläozoologen Aufschluss über das Leben Tristan Ottos geben. So offenbarten Untersuchungen der Knochen neben verheilten Verletzungen auch einen gutartigen Tumor im Unterkiefer und Anomalien der Zahnwurzeln – vermutlich hatte er starke Zahnschmerzen, verursacht von einem überlangen Zahn. Im Gegensatz zu den benachbarten Zähnen fiel er bei den periodischen Wechseln der abgenutzten Zähne nicht aus; der nachschiebende Zahn blieb dahinter und dürfte schmerzhaften Druck auf den Kieferknochen ausgeübt haben.[4][5]

Entdeckung, Verkauf, Namensgebung

Im Sommer 2012 wurden in Montana in der Hell-Creek-Formation auf einem Privatgrundstück die fossilen Knochen eines außergewöhnlich vollständigen Exemplars von T. rex ausgegraben.[1][5] Die Schichten der Hell-Creek-Formation sind allgemein bekannt für ihren Reichtum an Dinosaurierknochen aus der späten Kreidezeit.[1]

Die dänischstämmigen Mäzene Niels Nielsen, ein Londoner Investmentbanker,[5] und sein Kompagnon Jens Peter Jensen[6] kauften diese Knochen und überließen sie im Juli 2015 für drei Jahre dem Museum für Naturkunde in Berlin mit der Auflage weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen.

Das Exemplar erhielt die Inventarnummer MB.R.91216 und den Spitznamen „Tristan Otto“ nach den Vornamen der Söhne der beiden Mäzene.[7]

Das Skelett in Deutschland

Bei der Einfuhr nach Deutschland erhob der Zoll anfangs eine Gebühr von mehreren hunderttausend Euro, da der Schädel als Handelsobjekt und nicht als Kultur- und Wissenschaftsobjekt eingestuft wurde.[8] Davon wurde dann aber Abstand genommen.

Das Skelett traf am 14. November 2015 in Berlin ein und musste binnen eines Monats aufgebaut werden.[9] Da der originale Schädel mit seiner Masse von 180 kg für die Installation am Skelett zu schwer gewesen wäre, wurde er im 3D-Labor der Technischen Universität Berlin mittels Computertomographie digitalisiert, um nach einer umfangreichen Datenbearbeitung eine Schädelkopie in mehreren Einzelteilen sintern zu können.[10][11] Die wesentlich leichtere Kopie ersetzt am Skelett den Originalschädel, der in einer separaten Vitrine ausgestellt und somit auch jederzeit für die laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen besser zugänglich ist. Dies wird bei vielen großen Dinosaurier-Exponaten ähnlich gehandhabt, so auch beim Giraffatitan-Skelett im zentralen Lichthof (Jura-Saal) des Naturkundemuseums. Das montierte T. rex-Skelett bekam im Dezember 2015 in einer Nachbarhalle des Jura-Saals seinen Platz.[5][12] Nach Angaben des MfN kamen bis 2020 rund 3 Millionen Besucher, um Tristan Otto zu sehen.[7]

Leihgabe nach Kopenhagen

Ursprünglich sollte das Skelett im Frühjahr 2019 nach Kopenhagen überführt und im dortigen Naturkundemuseum ausgestellt werden, der Umzug verzögerte sich jedoch um ein Jahr.[13][14] In Berlin musste es für seine Reise in Einzelteile zerlegt und sorgfältig verpackt werden.[15][16] Ab Juni 2020 war Tristan Otto dann im Naturkundemuseum Kopenhagen zu sehen und konnte dort auch im Jahr 2021 bleiben. Das Interesse an der Ausstellung König der Dinosaurier war trotz Auflagen in der Corona-Pandemie sehr groß, von mehr als 100.000 Besuchern wird berichtet. Durch die Pandemie verzögerte sich die Rückreise nach Berlin.[17]

Zurück in Berlin

Seit August 2022 befindet sich Tristan Otto im Rahmen einer neuen Ausstellung wieder im Museum für Naturkunde in Berlin.[18] Anlässlich der Wiederaufstellung beschlossen die Fachleute eine andere Haltung des Dinos, die seinen damaligen Bewegungen und seiner Umwelt besser entspricht.

Zahlenangaben zum Skelett in seiner rekonstruierten Pose

Parameter Wert[1]
Alter des Fossils ca. 66 Millionen Jahre (Hell-Creek-Formation, spätes Maastrichtium)
geschätztes Lebensalter 20 Jahre
geschätzte Lebendmasse 7 Tonnen
Masse der fossilen Schädelknochen 180 kg
Vollständigkeit (321 Teile = 100 %) 157 Originalteile = 48,9 %, Rest ergänzt
Länge des Skeletts über alles 12 m
Höhe über alles (am Becken) 3,63 m
Höhe über Schädeldecke 3,31 m (stimmt nicht mit Foto überein)
Höhe unter dem offenen Unterkiefer 1,95 m
geringste Höhe unter dem Brustkorb 1,51 m
Höhe unter dem Schambein 1,45 m
geringste Höhe unter dem Schwanzskelett 2,76 m
maximale Höhe über dem Schwanzskelett 3,41 m

Literatur

  • Linda Gallé & Uwe Moldrzyk: T. rex - MB.R.91216. 1. Auflage. Berlin 2015, ISBN 978-3-9815029-8-5.
Commons: Tristan Otto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Caroline Ring: Der T. rex von Berlin. In: Spektrum.de. 17. Juli 2015, archiviert vom Original am 27. April 2017; abgerufen am 23. Oktober 2016.
  2. Trix the T Rex makes her mark on Leiden in new exhibition. In: DutchNews.nl. 9. September 2016, abgerufen am 23. Oktober 2016 (englisch).
  3. Berlins neuer Dinosaurier sprengt Dimensionen. In: Die Welt. 16. Dezember 2015, abgerufen im Jahr 2016 (mit Videobeitrag).
  4. Dino mit Zahnschmerzen: Skelett des T-rex fasziniert Forscher. In: Newsbeitrag des BMBF. 17. Dezember 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Januar 2016; abgerufen im Jahr 2023.
  5. a b c d „Wunderbares Biest“: Vorfreude auf T. rex „Tristan Otto“. In: Focus. 13. Juli 2015, abgerufen im Jahr 2016.
  6. Schädel eines T. Rex in Berlin eingetroffen. Der Tagesspiegel, 13. Juli 2015.
  7. a b Tristan – Berlin zeigt Zähne. Unterseite auf der Webpräsenz des MfN zur ersten Sonderausstellung, in deren Rahmen Tristan Otto präsentiert wurde, abgerufen am 4. Januar 2026
  8. „Die Wissenschaft ist der neue Sex!“ In: Der Tagesspiegel. 8. Februar 2016, abgerufen am 15. Februar 2019.
  9. Im Sog der Saurier Berliner Morgenpost, 14. Februar 2016.
  10. Tristan im 3D-Labor. Medieninformation Nr. 242/2015 der TU Berlin, 11. Dezember 2015.
  11. Der Tyrann aus dem 3D-Drucker. In: Der Tagesspiegel. 16. Dezember 2015, abgerufen am 30. April 2016.
  12. Tristan-Otto zeigt seine Zähne (Memento vom 28. Januar 2016 im Webarchiv archive.today). Berliner Abendblatt, 1. Januar 2016.
  13. Nach drei Jahren verlässt T. rex Tristan Otto Berlin. Berliner Morgenpost, 26. November 2018, archiviert vom Original am 3. April 2019;.
  14. Das Skelett eines Tyrannosaurus Rex wird ein Jahr länger als bisher geplant im Berliner Naturkundemuseum bleiben. In: Merkur Online. 24. Januar 2019, abgerufen im Jahr 2023.
  15. Julian Würzer: Wie Tristan Otto in seine Einzelteile zerlegt wird. In: Berliner Morgenpost. 4. April 2020, abgerufen am 26. März 2023.
  16. T. Rex reist in Dutzenden Kisten. Tristan Otto verlässt Deutschland. In: ntv.de. 26. Januar 2020, abgerufen am 26. März 2023.
  17. Berliner Botschafter Tristan Otto bleibt 2021 in Kopenhagen. Berliner Museum für Naturkunde, Pressemitteilungen, 2. März 2020, abgerufen am 26. März 2023.
  18. Tyrannosaurus rex Tristan Otto ist zurück in Berlin. rbb24, 23. August 2022, abgerufen am 27. August 2022.