Trisha Donnelly

Trisha Donnelly (* 22. April 1974 in San Francisco) ist eine amerikanische Künstlerin, die mit den verschiedensten Medien wie Fotografie, Audio- und Videomedien, Zeichnung, Bildhauerei und mit Performances arbeitet. Ende 2016 wurde sie als Professorin an die Kunstakademie Düsseldorf berufen.

Leben

Zur künstlerischen Strategie der Künstlerin gehört es, wenig über ihr persönliches Leben preiszugeben. Die gleichbleibenden biografischen Angaben lauten: Trisha Donnelly schloss die University of California in Los Angeles 1995 mit dem Bachelor of Fine Arts ab, an der Yale University machte sie 2000 ihren Master-Abschluss (M.F.A.). Seit 2008 lehrte Donnelly am Art and Art Professions-Departement der Steinhardt School der New York University.[1] Im Jahre 2012 lebte sie in San Francisco, Kalifornien. Im Dezember wurde sie als Nachfolgerin von Rosemarie Trockel als Professorin an die Kunstakademie Düsseldorf berufen.[2]

Anfang der 2000er-Jahre wurde in Kunstkritiken bisweilen gemutmaßt, Donnelly könne „ebenso gut ein Phantom“ sein – ein Hinweis auf ihre mediale Zurückhaltung und die Seltenheit von Fotografien –, wodurch sich ihr Ruf einer schwer fassbaren Künstlerin verfestigte.[3] Stand 2025 ist Donnelly Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf.[3]

Aktionen

Die Künstlerin wurde mit kurzen, ephemeren Auftritten bekannt, die sie selbst Demonstrationen nennt. 2001 verkleidete sie sich als napoleonischer Kurier und ritt durch das abendliche Manhattan zur Casey Kaplan Gallery in Chelsea, wo sie von einem weißen Pferde herab eine Botschaft verlas: „Seien Sie still, und hören Sie mir zu. Ich bin nur ein Bote. Aber ich bringe Neues von der Zerstörung. Wenn das Wort Kapitulation wirklich nötig ist, so soll es denn sein. [...] Der Kaiser ist gefallen, er legt seine Last auf eure Seele und die meine, und hiermit bin ich elektrisch. Ich bin elektrisch.“ Eine Aktion und Botschaft, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ungewöhnlich wirkte, vor allem weil die Künstlerin anschließend ihr Pferd wendete und in der Nacht verschwand.[4] Solche Auftritte trugen zu dem sagenumwobenen Nimbus der frühen Jahre bei, der ihre öffentliche Wahrnehmung lange prägte.[3]

Bildhauerei

Gegen ihre flüchtigen, ungreifbaren Aktionen setzt Donnelly in ihrem bildhauerischen Werk massive Steinskulpturen. Sie bearbeitet große Marmortafeln, die sie zu fragilen, flachen Gebilden schleift und in die sie archaische Zeichen einritzt. Marmorblöcke höhlt sie bis an den Rande ihrer Zerbrechlichkeit aus und formt Gebilde, die an Warmwasserheizkörper erinnern. In massive quadratische Kalksteinblöcke fräst sie einfache Muster und fragmentarische Zeichen. Die bildhauerischen Arbeiten bezieht sie bei Ausstellungen in Sound- und Videoinstallationen ein.

Seit den 2010er-Jahren präsentiert Donnelly zunehmend monolithische, tonnenschwere Steinobjekte, deren marmorierte Oberflächen von gefrästen Rillen, konkav und konvex geschwungenen Formen sowie farbigen Gesten durchzogen sind, die sich mit den roten Adern rosafarbenen Marmors kreuzen.[3] Einzelne Blöcke sind nach innen stark ausgehöhlt – Details, die sich mitunter erst in Bodennähe offenbaren –, wodurch der Eindruck eines „funktionslosen Funktionalismus“ entsteht.[3] Einige Formen verweisen auf den ursprünglichen Gebrauchscharakter des Materials und erinnern entfernt an spezifische Elemente eines Heizkörpers oder einer Klimaanlage.[3] Entstanden sind diese Werke in Zusammenarbeit mit einem Marmorbildhauer in Italien; laut Berichten erfolgte die Bearbeitung über einen längeren Zeitraum mit Unterbrechungen und teils dafür ungeeigneten Gerätschaften, was die haptische Eigenart der Oberflächen prägt.[3] Zu den gezeigten Arbeiten zählen u. a. Untitled (2019, Sammlung Marguerite Steed Hoffman) und Untitled (2023, Sammlung James L. Cahn & Jeremiah J. Collatz).[3]

Installationen und Ausstellungsstrategien

In ihren Ausstellungen verzichtet Donnelly häufig auf Wandtexte und Werkbeschreibungen, um einen freien, nicht didaktisch gesteuerten Rundgang zu ermöglichen.[3] In Frankfurt legte sie mehrere Wege durch die Architektur offen: Hinter einer Wand mit Stromverteilerkästen setzte sie einen zart nach Wintergrün duftenden Torbogen, während in einem grau gestrichenen Nebenraum Wind hinter einem Türschacht heulte.[3] Begleitet werden die Skulpturen von wenigen zweidimensionalen Arbeiten – etwa einem kurzen, flackernden Videoloop und dem kopierten Bild einer gemalten Wildkatze mit dem Schriftzug „sometimeses“ –, die den Eindruck einer Welt der Dinge „vor den Dingen“ verstärken.[3] Laut Begleittext kreisen diese Setzungen um die (Un-)Möglichkeit zweier Gleichzeitigkeiten an einem Ort und um Momente, in denen Begriffe geschärft werden, bevor das konkrete Ding greifbar wird.[3]

Documenta 13

Donnelly war Teilnehmerin an der documenta 13.

Einzelausstellungen

Auszeichnungen/Ehrungen

Literatur

  • Lena Ziese (Hrsg.): Untitled: Trisha Donnelly, Famed, Friederike Feldmann, .... Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin-Kreuzberg 2010, ISBN 978-3-938515-37-2.
  • Trisha Donnelly. Univ. of Pennsylvania, 2008, ISBN 978-0-88454-114-1.
  • Trisha Donnelly, Carsten Höller, Rudolf Stingel. Parkett-Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-907582-37-3.

Einzelnachweise

  1. Trisha Donnelly. Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development, 2014, archiviert vom Original am 6. Oktober 2014; abgerufen am 10. Mai 2024 (englisch).
  2. Presseinformation 2016 (Memento des Originals vom 10. Januar 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kunstakademie-duesseldorf.de, kunstakademie-duesseldorf.de, abgerufen am 5. Januar 2021
  3. a b c d e f g h i j k l m Katharina J. Cichosch: Ausstellung Trisha Donnelly in Frankfurt – Die Dinge, bevor sie Dinge werden. In: taz. 2. Dezember 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (Ort: Frankfurt am Main).
  4. Niklas Maak: Mehr Labradoreszenz! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. April 2010.
  5. Internetseite asey Kaplan Gallery
  6. Internetseite Air de Paris
  7. Niklas Maak: Die Spur der Steine. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 10. Oktober 2010, S. 40.
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 10. September 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.modernartoxford.org.uk
  9. Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Köln WOLFGANG-HAHN-PREIS, abgerufen am 30. April 2017