Trinity and Brazos Valley Railway
| Trinity and Brazos Valley Railway | |
|---|---|
| Rechtsform | Corporation |
| Gründung | 1902 |
| Auflösung | 1930 |
| Sitz | Houston, Texas, |
| Branche | Schienenverkehr |
Die Trinity and Brazos Valley Railway (TB&V) war eine Bahngesellschaft im US-Bundesstaat Texas, die eine Verbindung zwischen dem Raum Dallas-Fort Worth, Houston und Galveston herstellte. Das 1902 gegründete Unternehmen war ab 1905 eine gemeinsame Tochterfirma der Colorado and Southern Railway (C&S) und Chicago, Rock Island and Pacific Railroad. 1930 wurde die T&BV zur Burlington-Rock Island Railroad.
Geschichte
Am 17. Oktober 1902 wurde in Hillsboro die Trinity and Brazos Valley Railway gegründet, um eine Bahnstrecke zwischen dem nordöstlich des geographischen Zentrum von Texas gelegenen Johnson County und dem Raum Beaumont im Osten des Bundesstaats zu errichten. Der Name leitet sich von den Flüssen Trinity und Brazos River ab, die beide wie die projektierte Strecke aus Zentraltexas zum Meer führen. Bereits einen Monat nach Gründung der Gesellschaft konnten die Bauarbeiten an einem ersten Streckenabschnitt zwischen Hillsboro und Mexia aufgenommen werden, der im Oktober 1903 in Betrieb genommen wurde. Im Januar 1904 folgte die Eröffnung der Verbindung zwischen Hillsboro und Cleburne, womit die Strecke der T&BV eine Länge von 125 km erreichte.[1]
Die Einnahmen der T&BV lagen jedoch unter den Erwartungen ihrer Kreditgeber, die daraufhin die Finanzierung des weiteren Ausbaus ablehnten. Zugleich suchten jedoch die Colorado and Southern Railway (C&S) und die Chicago, Rock Island and Pacific Railroad nach Wegen, ihre Streckennetze an die texanische Golfküste zu erweitern. Die C&S konnte die T&BV zum 1. August 1905 erwerben und verkaufte im folgenden Jahr über ein beauftragtes Bauunternehmen die Hälfte der T&BV-Firmenanteile an die Rock Island. Ebenfalls 1906 wurde der Firmensitz nach Cleburne und Forth Worth verlegt, 1908 nach Houston.[1][2]
Unter den neuen Eigentümern wurden von 1905 bis 1907 zwei weitere, zusammen 360 km lange Streckenabschnitte von Mexia über Teague nach Houston sowie von Teague nach Waxahachie errichtet. Zudem erhielt die T&BV Streckennutzungsrechte für die Infrastruktur der Missouri-Kansas-Texas Railroad (MKT) zwischen Waxahachie und Dallas, für die Verbindung der Houston and Texas Central Railway zwischen Waxahachie und Fort Worth sowie auf den Strecken der Gulf, Colorado and Santa Fe Railway (GC&SF) zwischen Cleburne und Fort Worth bzw. Houston und Galveston. Es bestanden zahlreiche Übergänge zu Strecken anderer Betreiber, wovon die Verbindung zur mehrheitlich von der C&S gehaltenen Fort Worth and Denver City Railway in Fort Worth einer der Wichtigsten war. In Houston erwarb die T&BV über eine 25 %-Beteiligung an der Houston Belt and Terminal Railway Zugang zu wichtigen Güter- und Übergabebahnhöfen, während C&S und Rock Island in Galveston zu diesem Zweck über die Galveston Terminal Railway eigene Anlagen errichtete.[1][2][3]
Das wirtschaftliche Ergebnis der T&BV verbesserte sich jedoch nicht, woraufhin das Unternehmen am 16. Juni 1914 Insolvenz anmelden musste. Der Betrieb wurde unter Insolvenzverwaltung fortgeführt. Durch steigende Transportmengen im Güterverkehr wurde die T&BV ab den 1920er-Jahren als Class-I-Gesellschaft geführt. Allerdings verlor die T&BV während der Insolvenz die Nutzungsrechte der MKT und GC&SF.[1]
Im Juli 1930 wurde das Unternehmen aus der Insolvenzverwaltung in eine neue Gesellschaft, die zu gleichen Teilen von der Chicago, Burlington and Quincy Railroad (seit 1908 Eigentümer der C&S) und der Rock Island gehaltene Burlington-Rock Island Railroad, überführt.[2]
Aus ihrer Abkürzung T&BV leitete sich mit The Boll Weevil (der englische Name des Baumwollkapselkäfers) ein gängiger Spitzname der Bahngesellschaft ab.[1]
Infrastruktur
Die T&BV besaß zwei Strecken einer Gesamtlänge von 485 km:
- Cleburne–Hillsboro–Mexia–Teague–Houston
- Teague–Waxahachie
Unter Berücksichtigung der Nutzungsrechte auf Strecken anderer Betreiber erreichte das Netz der T&BV eine Länge von etwa 730 km.
Verkehr
1916 verzeichnete die T&BV Einnahmen in Höhe von 0,2 Millionen US-Dollar (2026: 5,90 Millionen Dollar) aus dem Personenverkehr und 0,842 Millionen (2026: 24,83 Millionen Dollar) aus dem Güterverkehr.
1926 lagen die Einnahmen bei 0,17 Millionen US-Dollar (2026: 3,01 Millionen Dollar) aus dem Personenverkehr und 2,6 Millionen (2026: 46,09 Millionen Dollar) aus dem Güterverkehr.[1]
Fahrzeuge
1926 besaß die T&BV 37 Lokomotiven und 1383 Wagen, darunter 20 Personenwagen.[1][2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Nancy Young: History of the Trinity and Brazos Valley Railway Company. In: tshaonline.org. Texas State Historical Association, 1. August 1995, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ a b c d The Historical Guide to North American Railroads. 3. Auflage. Kalmbach Media, 2014, ISBN 978-0-89024-970-3, S. 54 (englisch).
- ↑ Robert S. Farnsworth: The Grand Western Railroad Game The History of the Chicago, Rock Island, & Pacific Railroads: Volume I. Dorrance Publishing Company, 2017, ISBN 978-1-4809-2707-0, S. 443–444 (englisch).