Townhouse (Stadthaus)

Ein Townhouse bezeichnet im englischen Sprachraum einen Typus des Reihenhauses, englisch: Terraced house. Ein modernes Townhouse hat oftmals einen kleinen Grundriss und mehrere Geschosse. In neuester Zeit wird in Deutschland ein Gebäudetyp (flächensparend gebaute Reihenhäuser in innerstädtischer Lage) im Sinne des englischen Begriffs Townhouse und in Anlehnung an Stadtvilla ebenfalls Stadthaus genannt.

Geschichte

In den kontinental-europäischen Residenzstädten gehen die Ursprünge des Stadthauses auf die Stadtpalais der Renaissance zurück.

Auf den britischen Inseln war ein Townhouse dagegen der städtische Wohnsitz einer [Familie des Landadels (Gentry). Seit dem 18. Jahrhundert zogen viele Landbesitzer mit ihrer Dienerschaft in der Ball-Saison und der gesellschaftlichen Veranstaltungen in ein Town-Haus (Stadthaus).[1][2] Daher wird im englischen Sprachraum der städtische Wohnsitz (normalerweise in London) von jemandem, dessen Haupt- und größerer Wohnsitz auf dem Land (English country house) liegt, als Townhouse bezeichnet. Nur ein kleiner Teil von ihnen, im Allgemeinen die größten, sind frei stehend, aber selbst Adlige mit riesigen Landsitzen lebten in der Stadt in Reihenhäusern. Beispielsweise gehörte dem Duke of Norfolk Arundel Castle, während sein Haus in London, das Norfolk House, ein 30 Meter breites Reihenhaus war. Zweistöckige Reihenhäuser (Terraces) werden dagegen meist von Arbeitern bewohnt.

Europa

Deutschland

Etwa seit der IBA 1987 in Westberlin wird in Deutschland der Begriff Stadthaus in Anlehnung an den nordamerikanischen Begriff des Stadthauses verwendet.

Nordamerika

In den Vereinigten Staaten und in Kanada entstanden die älteren Townhouses vor der Einführung des Automobils. Sie stellen ein Haus mit kleinem Grundriss in der Stadt dar, wobei es mit manchmal sechs oder mehr Geschosse) sehr viel Wohnraum bietet, oftmals auch mit Räumen für die Dienerschaft. Durch den geringen Flächenbedarf ist ein Standort manchmal innerhalb fußläufiger Distanz zu den Geschäfts- und Gewerbestandorten der Stadt möglich, auf jeden Fall ein Standort mit Anbindung an Öffentliche Verkehrsmittel, der entsprechend teuer ist und prestigeträchtig für wohlhabende Einwohner der Stadt.[3] Ein Townhouse ist dort teuer, wo freistehende Einfamilienhäuser nicht üblich sind, so in New York City, Chicago, Boston, Philadelphia, Toronto, Washington, D.C. und San Francisco.

Reihenhäuser (Rowhouses) sind gleich gestaltet und bestehen aus mehreren aneinander angebauten gleichförmigen Einheiten und befanden sich zunächst in älteren, vor-automobilen Stadtvierteln von Baltimore, Philadelphia, Richmond, Charleston, Savannah und New Orleans, später dann auch in niedrigpreisigen Wohnstandorten in den Vororten (Suburbs). Bei einem Reihenhaus laufen Dächer und Fundamente fort und eine einfache Wand trennt benachbarte Townhäuser. Es gibt aber auch welche mit einer Doppelwand mit einem Zentimeter-breiten freien Raum zwischen ihnen auf einem gemeinsamen Fundament. Ein Reihenhaus ist im Allgemeinen kleiner und weniger luxuriös als ein Townhouse.

Später wurde die Bezeichnung Townhouse (oder: Townhome) verwendet, um nicht-uniforme Einheiten in den Suburbs zu beschreiben, deren Gestaltung freistehende Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser nachahmte. Heute wird die Bezeichnung „Townhouse“ auch für einen Komplex mit mehreren Wohneinheiten verwendet, die Einfamilienhäusern nachempfunden sind. ' Townhouses haben üblicherweise mehrere Stockwerke und eine eigene Außentür, (im Gegensatz zur Eingeschossigkeit und Zugang über einen Innenflur oder einen Außengang im Balkonstil (bei wärmerem Klima)). „Apartment“ bezeichnet in den meisten US-amerikanischen Gebieten außerhalb der größten Städte Mietwohnungen, während der Begriff „Townhouse“ individuelles Eigentum bezeichnet, mit keiner Wohneinheit darüber oder darunter, auch wenn die Bezeichnung (Miet-)Apartment im Townhouse-Stil für Apartments auf zwei Ebenen ebenfalls geläufig ist. Townhäuser können jedoch auch „gestapelt“ werden. Solche Häuser haben Einheiten übereinander (typischerweise zwei), normalerweise jede mit eigenem Eingang von der Straße oder zumindest von draußen. Sie können in einer Reihe zu dritt oder mehr stehen, wobei sie dann bisweilen „Reihenhäuser“ genannt werden. Ein Townhouse in einer Zweiergruppe läuft ebenfalls unter dem Begriff „Townhouse“, wird aber in Kanada und den USA typischerweise Doppelhaus („semi-detached home“) und in einigen Gebieten im westlichen Kanada „half-duplex“ genannt.

In Kanada werden Einfamilienhäuser, egal, welcher Typ, ob freistehende Einzelhäuser, Apartments, Mobilheime oder auch Townhouses, nach den beiden folgenden Eigentumskategorien unterschieden:

  • Condominium: hier ist man Eigentümer des Inneren der Wohneinheit (Eigentumswohnung), während andere Flächen im Gebäude und auf dem Grundstück „Gemeinschaftseigentum“ darstellen.
  • Freehold: hier ist man exklusiv Eigentümer von Gebäude und Grundstück ohne jeden „Condominium“-Aspekt. Die Fundamente können geteilt sein, aber zwischen den Einheiten befinden sich schmale Lufträume.

„Condominium townhouses“ ebenso wie „Condominium apartments“ werden oft als Condos bezeichnet, was sich eher auf die Eigentums- als auf die Bauform bezieht. Seitdem „Apartment style condos“ am verbreitetsten sind, nehmen viele fälschlicherweise an, dass es sich, wenn vom „Condo“ die Rede ist, um eine Wohnung im Apartment-Stil handeln müsse und dass nur Wohnungen im Apartment-Stil Condos sein können. Aber es können alle Wohnungen Condos sein, auch Townhouses.

Eine Besonderheit, die sich nur in New York findet, ist das „Brownstone“-Townhouse.

Asien, Australien, Südafrika, Simbabwe

In Asien, Australien, Südafrika und Simbabwe wird der Begriff im nordamerikanischen Sinn gebraucht. Townhouses werden im Allgemeinen im Komplex gebaut. Große Komplexe haben oft einen hohen Sicherheitsstandard und Einrichtungen wie Swimming Pools, Fitnessstudios, Parks und Spielplätze. Üblicherweise befindet sich das Townhouse-Gelände im Eigentum einer Eigentümergemeinschaft und die Häuser darauf in dem individueller Eigentümer.

In dicht besiedelten asiatischen Städten, die von hochhausartigen Wohnblocks geprägt werden, wie Hongkong, wohnen in Townhouses privater Entwickler fast ausschließlich die besonders Wohlhabenden. In den Vorstädten der größeren Städte ist es verbreitet, ein altes Haus auf einem großen Grundstück abzureißen und durch eine kurze Reihe Townhouses zu ersetzen, mit dem Ende zur Straße.

Siehe auch

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Commons: Townhouses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Olsen, Kirsten. Daily Life in 18th-Century England. Greenwood 1999, pp. 84–85
  2. Stewart, Rachel. The Town House in Georgian London. Yale University Press for the Paul Mellon Centre for Studies in British Art, 2009.
  3. Zur Geschichte des Townhauses in den Vereinigten Staaten: Herman, Bernard L. Town House: Architecture and Material Life in the Early American City, 1780–1830. UNC Press, 2005.

Literatur