Tourismus im Vereinigten Königreich
Der Tourismus im Vereinigten Königreich bildet einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Im Jahre 2024 wurde das Land von insgesamt 40 Millionen ausländischen Gästen besucht und zählt damit zu den meistbesuchten Ländern der Welt. Allein in England hängen direkt und indirekt 2,6 Millionen Arbeitsplätze vom Tourismus ab. Insgesamt gibt es hier über 30.000 Hotels und Gasthäuser.[1] Das Vereinigte Königreich beherbergt insgesamt 33 UNESCO-Welterbestätten und liegt damit weltweit an achter Stelle. Die mit Abstand meistbesuchte Stadt im Land ist die Hauptstadt London, welche 2024 mit über 20 Millionen ausländischen Besuchern die am dritthäufigsten besuchte Stadt der Welt war.[2] Weitere häufig besuchte Städte sind Edinburgh, Manchester, Birmingham, Liverpool, Glasgow, Bristol und Oxford.[3]
Mit der Förderung des Tourismus im Vereinigten Königreich ist der nationalen Tourismusagentur Visit Britain beauftragt, während es mit VisitEngland, Visit Wales, VisitScotland und Tourism Northern Ireland jeweils eigene Touristenagenturen für die verschiedene Landesteile des UK gibt.[4]
Geschichte
Der Ursprung des modernen Tourismus wird oft in Großbritannien verortet. „Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein galt der Engländer als der Tourist schlechthin“, wie der Soziologe und Historiker Hasso Spode feststellt.[5] Tatsächlich kamen bereits im 18. Jahrhundert Kur- und Erholungsreisen in Mode. Wohlhabende Briten reisten zu Heilquellen in Kurorte wie Bath oder unternahmen mehrwöchige Aufenthalte in den ersten Seebädern an Englands Küsten. Auch ins Ausland (z. B. nach Italien) reisten wohlhabende Briten im Rahmen der sogenannten Grand Touren gerne. Solche Aufenthalte waren zunächst ein Privileg des Adels und des vermögenden Bürgertums.[6] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts trug sogar das Königshaus zur Popularität der Seebäder bei: König George III. verbrachte seine Sommer in Weymouth, und der Prinzregent (spätere George IV.) machte Brighton zu einem mondänen Badeort.[7]
Im frühen 19. Jahrhundert erleichterten technische Fortschritte im Verkehrswesen das Reisen. Dampfschiffe boten Ausflugsfahrten für eine breitere Öffentlichkeit an, etwa von London nach Margate oder von Glasgow zu Orten am Firth of Clyde. Ab den 1840er-Jahren revolutionierte die Eisenbahn den Tourismus: Erschwingliche Zugverbindungen und erste bezahlte Urlaubstage ermöglichten nun auch der Mittelschicht Urlaubsreisen an die Küste und zu Sehenswürdigkeiten im Inland. In dieser Zeit organisierte der Reiseunternehmer Thomas Cook im Jahr 1841 die ersten Pauschalreisen, ein Meilenstein, der als Beginn des kommerziellen Massentourismus gilt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden Reisen schrittweise für immer größere Bevölkerungskreise zugänglich. Gegen Ende des Jahrhunderts unternahmen zunehmend auch weniger wohlhabende Schichten Ferienreisen und Ausflüge. Um 1900 waren Urlaubsreisen an den Strand schließlich für fast alle Gesellschaftsschichten erschwinglich.[7][6]
Neben den Küstenbädern gewannen im Viktorianischen Zeitalter auch Kultur- und Naturreisen an Bedeutung: Britische Touristen erkundeten romantische Landschaften wie den Lake District oder die schottischen Highlands und besuchten historische Stätten wie Stonehenge, Burgen und Schlösser. In bekannten Seebädern wie Blackpool entstanden große Piers, Wintergärten, Theater und sogar Ferienlager, um den Besucherandrang zu bewältigen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Urlaubstrend vieler Briten ins Ausland.[7] Ab den 1960er-Jahren verbrachten immer mehr Briten mit dem Aufschwung des Flugverkehrs ihre Hauptferien an den sonnigen Mittelmeerküsten, wodurch traditionelle heimische Badeorte an Bedeutung verloren, welche dadurch häufig in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten.[8] Zugleich etablierte sich Großbritannien selbst als attraktives Ziel für ausländische Besucher, und London profilierte sich als eine der meistbesuchten Städte der Welt.
Inlandstourismus
Inländische Reisen (Binnen- oder Inlandstourismus) spielen im Vereinigten Königreich eine zentrale Rolle. Viele Briten verbringen ihren Urlaub im eigenen Land – sei es in traditionellen Badeorten, bei Städtetrips oder in ländlichen Regionen. Im Jahr 2024 unternahmen britische Bewohner insgesamt etwa 108,6 Millionen Übernachtungsreisen innerhalb des Vereinigten Königreichs. Hinzu kamen rund eine Milliarde touristische Tagesausflüge im Inland. Damit übertraf der Binnentourismus in seinem Umfang deutlich den Auslandstourismus der Briten und generierte auch höhere Gesamtausgaben als der internationale Besucherverkehr. Im Jahr 2024 gaben inländische Touristen über 87 Milliarden Pfund für Reisen im eigenen Land aus, wesentlich mehr als ausländische Besucher im UK im selben Zeitraum.[9] Der ökonomische Einfluss des Inlandstourismus ist dementsprechend groß: Er stützt zahlreiche lokale Betriebe und Arbeitsplätze, insbesondere außerhalb der Hauptstadt. Binnenreisen sind zudem geografisch breiter verteilt und weniger auf London konzentriert als internationale Besuche. Insbesondere Küstenregionen (etwa in Cornwall oder Schottland) und Nationalparks profitieren von der hohen Nachfrage nach Urlaubs- und Wochenendreisen der Briten.
Auslandstourismus
Besuche ausländischer Gäste im UK tragen wesentlich zur britischen Wirtschaft bei. Vor der COVID-19-Pandemie zählte das Vereinigte Königreich jährlich knapp 40 Millionen internationale Besucher (2019 waren es etwa 39,4 Mio.). Nach einem Einbruch im Jahr 2020 auf rund 10 Millionen Ankünfte, haben sich die Zahlen wieder erholt und 2024 mit 42,5 Millionen ausländischen Besuchern einen neuen Höchststand erreicht.[9][10] Damit gehört Großbritannien weiterhin zu den Top-Destinationen weltweit (nach absoluten Besucherzahlen rangierte es 2022 auf Platz 6).[11] Die wirtschaftlichen Effekte des Auslandstourismus sind beträchtlich: Im Jahr 2022 betrugen die Einnahmen durch internationale Touristen rund 64 Milliarden Euro, etwa 1,9 % des britischen Bruttoinlandsprodukts.[11] Währungsentwicklungen können die Attraktivität des Reiseziels beeinflussen – so führte beispielsweise die Pfund-Abwertung nach dem Brexit-Votum 2016 zu einem Besucherrekord im Jahr 2017, als im Juli erstmals über 4 Millionen ausländische Gäste in einem Monat gezählt wurden.[12]
Die meisten internationalen Touristen stammen aus europäischen Nachbarländern und Nordamerika: 2024 zählten die USA, Frankreich, Deutschland und Irland zu den wichtigsten Herkunftsmärkten.[9] Rund die Hälfte aller Auslandsgäste besucht die Metropole London, die mit Abstand meistfrequentierte Destination des Landes.[2] Weitere populäre Ziele der internationalen Besucher sind Städte wie Edinburgh, Manchester oder Birmingham, doch auch Sehenswürdigkeiten außerhalb der Großstädte stehen bei ausländischen Reisenden hoch im Kurs. Insgesamt unterstützt der Tourismussektor (In- und Auslandstourismus zusammen) direkt über 1,2 Millionen Arbeitsplätze.[9]
Ankunftsstatistik
Die Anzahl der internationalen Touristen und die Einkünfte darauf haben sich wie folgt entwickelt:[11]
| Jahr | Anzahl Touristenankünfte | Touristeneinnahmen |
|---|---|---|
| 1995 | 21,7 Mio. | 20,2 Mrd. $ |
| 2000 | 23,2 Mio. | 25,5 Mrd. $ |
| 2005 | 28,0 Mio. | 27,5 Mrd. $ |
| 2010 | 28,9 Mio. | 29,1 Mrd. $ |
| 2015 | 35,1 Mio. | 50,3 Mrd. $ |
| 2016 | 37,4 Mio. | 47,9 Mrd. $ |
| 2017 | 39,5 Mio. | 48,6 Mrd. $ |
| 2018 | 38,7 Mio. | 47,4 Mrd. $ |
| 2019 | 39,4 Mio. | 52,2 Mrd. $ |
| 2020 | 10,7 Mio. | 23,3 Mrd. $ |
| 2021 | 6,3 Mio. | 27,9 Mrd. $ |
| 2022 | 30,7 Mio. | 64,2 Mrd. $ |
| 2023[13] | 37,2 Mio. | 73,4 Mrd. $ |
| 2024[13] | 41,8 Mio. | 84,5 Mrd. $ |
Ankünfte nach Ländern
Die häufigsten Herkunftsländer von Gästen im Vereinigen Königreich waren 2023:[14]
| Vereinigte Staaten | 5.122.000 |
| Frankreich | 3.172.000 |
| Deutschland | 2.957.000 |
| Irland | 2.889.000 |
| Spanien | 2.210.000 |
| Niederlande | 1.960.000 |
| Italien | 1.696.000 |
| Polen | 1.628.000 |
| Australien | 1.169.000 |
| Kanada | 1.003.000 |
Sehenswürdigkeiten
Das Vereinigte Königreich verfügt über eine Fülle berühmter Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Die reiche kulturelle Historie des Landes spiegelt sich in einer Vielzahl beeindruckender historischer Stätten, Schlösser, Kirchen und Museen wider. Vor allem London zieht mit seinen weltbekannten Wahrzeichen und Kulturschätzen jedes Jahr Millionen Touristen an, von königlichen Palästen bis hin zu renommierten Museen wie dem British Museum. Aber auch außerhalb der Hauptstadt gibt es zahlreiche Highlights: Das Spektrum reicht von prähistorischen Monumenten über mittelalterliche Burgen bis zu modernen Freizeitattraktionen. Neben London laden viele historische Städte wie Edinburgh, Oxford, Cambridge, York oder Bath mit reichem kulturellen Erbe Besucher ein. Zudem besitzt Großbritannien spektakuläre Landschaften, beispielsweise die grünen Hügel und Seen im Lake District, die weißen Klippen von Dover oder die schottischen Highlands, die jedes Jahr unzählige Naturtouristen begeistern.[11]
Zu den ikonischsten Sehenswürdigkeiten des Landes zählen unter anderem:
- Buckingham Palace (London, Residenz der britischen Monarchen)
- Tower of London (London, mittelalterliche Festungsanlage und Weltkulturerbe)
- Westminster Abbey (London, gotische Krönungs- und Ruhmeskirche)
- British Museum (London, weltberühmtes Museum für Kulturgeschichte)
- Big Ben (Elizabeth Tower am Palace of Westminster, Londoner Wahrzeichen)
- London Eye (London, Riesenrad und Aussichtsplattform an der Themse)
- Stonehenge (Wiltshire, prähistorischer Steinkreis und UNESCO-Welterbe)
- Edinburgh Castle (Edinburgh, historisches Schloss und Wahrzeichen Schottlands)
Siehe auch
- Welterbe im Vereinigten Königreich
- Liste der Kathedralen im Vereinigten Königreich
- Liste von Burgen und Schlössern im Vereinigten Königreich
- Nationalparks im Vereinigten Königreich
Weblinks
- Visit Britain nationale Tourismusagentur
Einzelnachweise
- ↑ Tourism's Contribution To UK Economy | VisitBritain.org. Abgerufen am 29. September 2025 (britisches Englisch).
- ↑ a b Alison Adams: How Many Tourists Visit London Each Year? [30+ London Tourism Statistics]. In: hotelagio.com. 12. August 2025, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ Inbound Tourism Spend & Trends By UK Town | VisitBritain.org. Abgerufen am 29. September 2025 (britisches Englisch).
- ↑ About Britain & The UK's Tourism Industry | VisitBritain.org. Abgerufen am 29. September 2025 (britisches Englisch).
- ↑ ingrid.teufl: Geschichte des Tourismus: Vom Luxus zum Massenphänomen. 22. Juli 2025, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ a b Tourismusgeschichte: Sommerfrische und andere Abgründe. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. September 2025]).
- ↑ a b c The Serious Business of Holidaymaking | Historic England. 7. August 2019, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ Coastal towns in cycle of poverty, says think tank. In: BBC News. 5. August 2013 (bbc.com [abgerufen am 29. September 2025]).
- ↑ a b c d Tourism: Statistics and policy House of Commons
- ↑ UK Tourism Statistics 2021. Abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ a b c d Entwicklung des Tourismus im Vereinigten Königreich. Abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Pfund-Schwäche beschert Großbritannien Touristen-Rekord. In: Reuters. 22. September 2017 (reuters.com [abgerufen am 29. September 2025]).
- ↑ a b UN Tourism Data Dashboard | Key Indicators. Abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ Travel trends - Office for National Statistics. Abgerufen am 29. September 2025.