Tosylierung
Tosylierung ist eine Reaktion der organischen Chemie, bei der eine Tosylgruppe in ein Molekül eingeführt wird. Besonders große Bedeutung hat dabei die Umwandlung von Alkoholen in Tosylate mit Tosylchlorid. Auch Aminogruppen und Carbonsäuregruppen können tosyliert werden.
Tosylierung von Alkoholen
Die Tosylierung von Alkoholen ist eine sehr wichtige Methode der organischen Synthese. Unter typischen Bedingungen werden der Alkohole als Edukt, Tosylchlorid und Pyridin im Verhältnis 1:1,5:2 in Chloroform eingesetzt. Die Reaktion kann auch in Benzol / Natronlauge unter Phasentransferkatalyse mit Benzyltriethylammoniumchlorid durchgeführt werden. Eine gute Alternative ist die Reaktion von Alkoholen mit Tosylchlorid, Triethylamin und einer katalytischen Menge Trimethylamin-Hydrochlorid. Weiterhin möglich ist die Kombination von Tosylchlorid mit Trimethylamin-Hydrochlorid und Kaliumcarbonat in Methylisobutylketon, mit Kaliumcarbonat unter Mikrowellenstrahlung für eine lösungsmittelfreie Reaktion, mit DABCO in Methyl-tert-butylether. Mit DABCO können Alkohole und Tosylchlorid auch durch Verreiben im Mörser umgesetzt werden. Tosylierung unter neutralem pH-Wert ist mit Tosylchlorid, Silber(I)-oxid und Kaliumiodid in Dichlormethan möglich. Primäre Hydroxygruppen können meist in Gegenwart sekundärer Gruppen selektiv tosyliert werden. Zur Monofuktionalisierung eines Glycols kann dieser zunächst mit einer Organozinnverbindung in ein Acetal überführt werden. Mit Dibutylzinnoxid kann eine Selektivität für eine primäre vor einer sekundären Hydroxygruppe erzielt werden.[1.1] Die umgekehrte Selektivität kann erzielt werden, wenn das Acetal mit Hexamethylenzinnoxid gebildet wird.[2]
Andere Edukte
Auch Aminogruppen können tosyliert werden, wobei ein Sulfonsäureamid entsteht. Bei der Umsetzung von 2-Aminophenol mit Tosylchlorid ändert sich je nach eingesetzter Base die Selektivität für die Amino- oder Hydroxygruppe. Mit Pyridin kommt es bevorzugt zur N-Tosylierung. Mit Triethylamin als stärkerer Base kommt es zur selektiven O-Tosylierung, vermutlich durch Deprotonierung der Hydroxygruppe unter Bildung eines stärker nucleophilen Phenolats. Die Homologisierung von α-Aminosäuren zu β-Aminosäuren gelingt durch Aktivierung (Tosylierung) der Carbonsäuregruppe mit Tosylchlorid und anschließende Umsetzung mit Diazomethan und Silberbenzoat.[1.1]
Einzelnachweise
- ↑ Philip L. Fuchs, André B. Charette, Tomislav Rovis, Jeffrey W. Bode: Essential Reagents for Organic Synthesis. John Wiley & Sons, 2016, ISBN 978-1-119-27830-6 (google.de [abgerufen am 3. Januar 2026]).
- ↑ T.Bruce Grindley, Xianqi Kong: Inversion of regioselectivity in reactions of diols through the use of hexamethylenestannylene acetals as intermediates. In: Tetrahedron Letters. Band 34, Nr. 33, August 1993, S. 5231–5234, doi:10.1016/S0040-4039(00)73960-8 (elsevier.com [abgerufen am 3. Januar 2026]).