Toska Hesekiel

Toska Hesekiel, geb. Schultze (* 7. Juli 1912 in Braunschweig; † 6. Oktober 2010 in Lübeck) war eine deutsche Ärztin und Autorin.

Leben

Toska Schultze stammte aus einer Arztfamilie. Sie war eine Tochter des Mediziners Walter Hans Schultze und Enkelin von Wilhelm Schultze. Der Komponist Norbert Schultze war ihr Bruder.

Sie studierte Humanmedizin an der Universität Göttingen und wurde hier 1938 mit einer Dissertation Über Aortenruptur bei Eklampsie zum Dr. med. promoviert. Kurz danach heiratete sie den in Westpreußen tätigen Pastor Martin Hesekiel. Ab 1940 lebte die Familie am Stadtrand von Danzig. 1945 flüchtete sie nach Schleswig-Holstein. 1946 erhielt Martin Hesekiel eine Pfarrstelle in Lübeck.

In Lübeck praktizierte Toska Hesekiel als Ärztin für Allgemeinmedizin und engagierte sich kirchlich. Von 1954 bis in die Mitte der 1960er Jahre publizierte sie eine Reihe von Ratgebern zu Sexualpädagogik, Ehe und Familie aus christlicher Sicht, vor allem im Burckhardthaus-Verlag. Sie war in dieser Zeit eine „wichtige Autorin evangelischer Aufklärungsschriften für Mädchen“.[1] Ihr Ratgeber Mädchen fragen erreichte in zehn Jahren neun Auflagen mit einer Gesamtauflage von 90.000 Exemplaren. Ab 1970 leitete sie ehrenamtlich die Telefonseelsorge in Lübeck.

Anfang der 1980er Jahre widmete sie sich der Herausgabe der Briefe ihres Großvaters Wilhelm Schultze aus dessen Zeit in Japan. Sie fand in Deutschland keinen Verlag, so dass die Ausgabe im Eigenverlag erscheinen musste. Im Ausland fanden die Briefe als Zeitdokument jedoch mehr Aufmerksamkeit; es erschienen sowohl eine englische als auch eine japanische Übersetzung.[2] Es folgte eine Ausgabe von Briefen ihres Urgroßvaters Gustav Wegscheider. Aus ihrem Nachlass erschien noch ein Lebensbild ihres Ur-Urgroßvaters Julius August Ludwig Wegscheider.

Werke

  • Über Aortenruptur bei Eklampsie (Diss.) 1938
  • Mädchen fragen ... Ein Wort zur Liebe der Geschlechter. Gelnhausen; Berlin-Dahlem: Burckhardthaus 1954
    • 7., verb. Aufl. 1962; 9., verb. Aufl. (81.–90. Tsd.) 1964
  • Eltern antworten: Eine Hilfe zur Aufklärung unserer Kinder. Gelnhausen; Berlin-Dahlem: Burckhardthaus 1955
    • 6. Aufl. 1964
  • Liebe Frau Doktor! Gespräche um Liebe und Ehe. Gelnhausen; Berlin-Dahlem: Burckhardthaus 1957
  • Christsein in Ehe und Familie. Briefe an eine junge Frau. Stuttgart: Kreuz 1963
  • Das Thema liegt in der Luft: «Mit der Kirche bin ich fertig!» (= Alltägliches 5) Stuttgart: Kreuz 1968
  • (Hrsg.): Ein deutscher Chirurg und seine Frau in Japan vor 100 Jahren. Briefe von Dr. Wilhelm Schultze und seiner Frau Emma geb. Wegscheider an die Eltern Dr. Wegscheider in Berlin aus Japan 1878–1881. Lübeck: Eigenverlag 1980
  • (Hrsg.): Dr. Gustav Wegscheider: 1819–1893. Ein Lebensbild in Briefen. Lübeck: Eigenverlag 1981
  • Julius August Ludwig Wegscheider : Professor der Theologie in Halle ; ein Lebensbild. St. Katharinen: Ginster 2017, ISBN 978-3-9819463-2-1

Literatur

  • Volker Hanisch: Hesekiel, Toska, in: Deutsches Literatur-Lexikon Online. Berlin, Boston: De Gruyter, 2017 abgerufen am 22. November 2025
  • Sarah Jäger: Bundesdeutscher Protestantismus und Geschlechterdiskurse 1949–1971: Eine Revolution auf leisen Sohlen. (= Religion in der Bundesrepublik Deutschland 6) Tübingen: Mohr/Siebeck 2019, ISBN 978-3-16-157018-6 doi:10.1628/978-3-16-157018-6, zugl. Diss. München 2027, bes. S. 134f, 141f

Einzelnachweise

  1. Sarah Jäger: Bundesdeutscher Protestantismus und Geschlechterdiskurse 1949–1971: Eine Revolution auf leisen Sohlen. (= Religion in der Bundesrepublik Deutschland 6) Tübingen: Mohr/Siebeck 2019, ISBN 978-3-16-157018-6 doi:10.1628/978-3-16-157018-6, zugl. Diss. München 2027, S. 134
  2. Siehe dazu Hoi-eun Kim: Doctors of Empire: Medical and Cultural Encounters Between Imperial Germany and Meiji Japan. Toronto: University of Toronto Press 2014, ISBN 978-1-4426-4440-3, S. 201 Anm. 1