Torkom I.
Torkom I. Koushagian (armenisch Թորգոմ Գուշակեան; * 27. Dezember 1874 in Bardizag (heute Bahçecik[1] bei İzmit); † 10. Februar 1939 in Jerusalem)[2] war ein armenisch-apostolischer Geistlicher. Von 1931 bis 1939 – unter dem Britischen Völkerbundsmandats für Palästina – amtierte er als Armenischer Patriarch von Jerusalem.
Leben
Getauft wurde er 1874 auf den Namen Mgrdich, mit der Priesterweihe erhielt er den Ordensnamen Torkom. Nach dem Studium am Priesterseminar von Armash empfing er die Priesterweihe am 25. September 1896. Von 1897 bis 1907 war er am Seminar von Armash in verschiedenen Funktionen tätig – als Lehrer, Dozent, Prediger und stellvertretender Dekan, bevor er Bischof Yeghishe Tourian als Dekan ablöste (1904–1907). Zwischen 1907 und 1913 amtierte er als Primas von Sebastia. Am 19. September 1910 empfing er in Etschmiadsin die Bischofsweihe. Am 18. August 1913 wurde er zum Armenischen Primas von Ägypten gewählt und ließ sich in Kairo nieder.[3]
Im September 1916 wurde er von Katholikos Kevork V. zu seinem offiziellen Gesandten und persönlichen Vertreter im Fernen Osten ernannt. Seine doppelte Aufgabe bestand darin, Mittel für das Katholikat von Etschmiadsin zu beschaffen und Zweigstellen der Armenian General Benevolent Union in den wohlhabenden armenischen Gemeinden Indiens, Javas, Sumatras, Singapurs, Burmas und Thailands zu gründen. Diese Mission dauerte achtzehn Monate, von Dezember 1916 bis März 1918. Nach Abschluss seiner Arbeit in Kalkutta kehrte Koushagian nach Kairo zurück, wo er seine Aufgaben als Primas der Armenischen Kirche in Ägypten wiederaufnahm. Katholikos Kevork V. ernannte ihn 1929 erneut zum bevollmächtigten Gesandten, diesmal um die Gründung von Diözesen in Europa voranzutreiben.
Am 27. April 1930 verstarb Yeghishe Tourian. 1931 wurde Koushagian vom britischen Militär gebeten, sich nach Jerusalem zu begeben, um dort die Osterfeierlichkeiten der Armenischen Kirche zu leiten. Er beaufsichtigte die Angelegenheiten des Armenischen Patriarchats, insbesondere hinsichtlich der Rechte und Privilegien der armenischen Kirche an den Heiligen Stätten und war 1931 der erste, der von der Armenischen Sankt-Jakobus-Bruderschaft in autonomer Wahl zum Armenischen Patriarchen von Jerusalem gewählt wurde.
Während seiner Amtszeit von sieben Jahren und drei Monaten gelang es Torkom I., die Vision seines Mentors und Vorgängers Yeghishe Tourian zu verwirklichen und eine neue Generation junger Intellektueller, Lehrer und Priester auszubilden, die der Armenischen Kirche und Nation dienen sollten. Er setzte die Modernisierung der Lehrpläne der drei armenisch-apostolischen Bildungseinrichtungen in Jerusalem – Priesterseminar, Theologische Akademie und Übersetzerschule – fort. Außerdem rekrutierte er armenische und nicht-armenische Lehrer für diese Einrichtungen. Während seiner Amtszeit weihte er 16 Priester und 12 Diakone.[4]
Torkom I. galt als fähiger Verwalter und charismatische Persönlichkeit, der mehrere einflussreiche und wohlhabende Freunde davon überzeugen konnte, erhebliche finanzielle Beiträge zu leisten. Es gelang ihm, freundschaftliche Beziehungen zu seinen Amtskollegen in der Griechisch-Orthodoxen und der Lateinischen Kirche im Heiligen Land aufzubauen. Koushagian war als Dichter und Übersetzer bekannt, der fließend Armenisch, Türkisch, Englisch und Französisch sprach. Außerdem verfasste er Abhandlungen kirchlich-theologischen Inhalts. Wie Patriarch Yeghische Tourian trug auch er eine bedeutende persönliche Bibliothek zusammen.[5]
Patriarch Torkom I. Koushagian starb am 10. Februar 1939 im Alter von 65 Jahren. Patriarch Mesrob III. Nishanian wurde sein Nachfolger.
Einzelnachweise
- ↑ Mihran A. Minassian: The Armenian Periodical Press at Bardizag, Hushamadyan. A project to reconstruct Ottoman Armenian town and village life, 10. Juli 2024.
- ↑ Sylva Natalie Manoogian: The Calouste Gulbenkian Library, Armenian Patriarchate of Jerusalem, 1925-1990: An Historical Portrait of a Monastic and Lay Community Intellectual Resource Center. Los Angeles 2012/13 (UCLA Electronic Theses and Dissertations), S. 95.
- ↑ Sylva Natalie Manoogian: Armenian Patriarchate of Jerusalem, 1925-1990, 2012/13, S. 96.
- ↑ Sylva Natalie Manoogian: Armenian Patriarchate of Jerusalem, 1925-1990, 2012/13, S. 97.
- ↑ Sylva Natalie Manoogian: Armenian Patriarchate of Jerusalem, 1925-1990, 2012/13, S. 98.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Yeghische Tourian | Patriarch von Jerusalem der Armenisch-apostolischen Kirche 1931–1939 | Mesrob III. |