Tony Fitzpatrick (Schauspieler)

Tony Fitzpatrick (* 24. November 1958 in Chicago, Illinois; † 11. Oktober 2025 ebenda) war ein US-amerikanischer Künstler, Dichter und Schauspieler, der seine Inspiration aus dem Leben in „Chicagoland“ zog – der Metropolregion Chicago.[1][2][3][4] Fitzpatricks charakteristische Kunst basiert auf Druckgrafik und Mixed-Media-Collagen. Er veröffentlichte mehrere Bücher mit seinen Kunstwerken sowie Gedichten und stellte seine Arbeiten in zahlreichen Kunstgalerien in den Vereinigten Staaten aus.

Leben

Fitzpatrick wurde als Anthony Patrick als eines von acht Kindern in Chicago geboren und wuchs katholisch in Lombard auf, einem Vorort der Metropole.[4][5] Sein Vater war ein Verkäufer von Grabkammern und Veteran des Zweiten Weltkriegs.[6] Wegen schlechten Benehmens wurde Fitzpatrick regelmäßig von der katholischen Schule suspendiert. An diesen Tagen begleitete er seinen Vater auf Geschäftsreisen und hörte dessen Geschichten über das Leben in Chicago, was ihn prägte. Während seiner Jugend waren Vögel für ihn von besonderer Bedeutung und beeinflussten später auch seine Arbeit. Laut einer Aussage seiner Großmutter, könne er „für den Preis eines Stücks Brot […] Gott singen hören.“[7]

An der Montini Catholic High School viel er im Fach Kunst durch und bestand die übrigen Fächer nur knapp. Nach seinem Abschluss nahm er zunächst eine Reihe von Gelegenheitsjobs an, darunter Türsteher, Taxifahrer, Caddie, Barkeeper und Tagelöhner.[8] Später studierte er Kunst am College of DuPage.[4] Fitzpatrick heiratete seine Frau Michele am 5. Juni 1991, mit der er zwei Kinder hatte,[9][10] Max und Gabrielle.[11]

Fitzpatrick thematisierte offen seinen Kampf mit dem Alkohol und Drogen, die phasenweise sein Leben und seine Arbeit beeinträchtigt hatten.[8] Im Jahr 2024 sagte er in einem Interview, dass er über einen Zeitraum von 33 Jahren keinen Alkohol konsumiert habe.[6]

Im Sommer 2025 wurde bei Fitzpatrick eine interstitielle Lungenerkrankung diagnostiziert und er wartete nach Angaben seiner Familie auf eine doppelte Lungentransplantation. Er starb im Alter von 66 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts im Rush Medical Center in Chicago.[4][12]

Karriere

In den späten 1980er-Jahren zeigte sich Fitzpatricks multidisziplinärer Ansatz: er trat als Schauspieler in Filmen und im lokalen Theater auf, moderierte eine Radiosendung mit Filmkritiken, schrieb für eine Lokalzeitung und stellte seine Arbeiten in Gruppenausstellungen in New York und Philadelphia aus. 1989 erhielt er einen entscheidenden Karriereschub, als die Neville Brothers ihn beauftragten, das Cover ihres Albums Yellow Moon zu gestalten – ein Werk, das den internationalen Durchbruch der Band markierte und ihnen einen Grammy einbrachte.

Fitzpatrick spielte zu dieser Zeit auf der Bühne des Steppenwolf Theatre in Chicago sowie in Produktionen in New York City und trat in einer Reihe von großen Kinofilmen und Fernsehserien auf.[13] Er wirkte in 15 Filmen mit, darunter Philadelphia und im Jahr 1993 in Auf der Flucht.[13] 1990 wurde Fitzpatrick mit dem Joseph Jefferson Award („Jeff“) in der Kategorie „Bester Schauspieler“ für die Hauptrolle im Stück Mass Murder am Prop Theatre in Chicago ausgezeichnet.[13] Im deutschen Sprachraum wurde Fitzpatrick unter anderem von Detlef Bierstedt, Andreas Mannkopff, Michael Narloch, Erich Räuker und Lutz Schnell synchronisiert.[14][15]

1992 eröffnete Fitzpatrick in Chicago ein Druckgrafikstudio, Big Cat Press, das 2010 zum Ausstellungsraum Firecat Projects erweitert wurde.[16][17] Später gründete Fitzpatrick gemeinsam mit Partnern Adventureland und eröffnete zudem den Ausstellungsraum The Dime.[18]

Zu Fitzpatricks veröffentlichten Büchern gehören zunächst Max and Gabby’s Alphabet (2001),[19] gefolgt von Bum Town (2001),[20] sowie der dreibändigen Reihe The Wonder: Portraits of a Remembered City (2004–2009). Danach erschienen Dirty Boulevard (2010),[21] This Train: An Artist’s Journal mit einem Vorwort von Alex Kotlowitz (2010), Dime Stories (2015),[22] und The Secret Birds (2016).[23] Später folgten The Apostles of Humboldt Park sowie The Sun at the End of the Road: Dispatches from an American Life, das kurz vor seinem Tod im Jahr 2025 von Eckhartz Press veröffentlicht wurde.[24]

Seine Collagen und Radierungen, die oft Tiere inmitten von Zahlen, musikalischen Notationen oder anderen ornamentalen Motiven zeigen, fanden Eingang in bedeutende Sammlungen. So wurden Fitzpatricks Werke unter anderem im Metropolitan Museum of Art,[25] im Museum of Modern Art (MoMA),[26] im Art Institute of Chicago,[27] im Museum of Contemporary Art (MCA) in Chicago, im Philadelphia Museum of Art sowie dem Smithsonian American Art Museum gezeigt.[28]

Seine Werke spiegelten über Jahrzehnte den Geist Chicagos wider und fanden sich nicht nur in Museen, sondern auch in U-Bahn-Stationen, Kneipen und Privathäusern. Bekannte Arbeiten im öffentlichen Raum sind etwa das fünfzackige Sternlogo des Taco-Lokals Big Star sowie das Poster für das Festival Lollapalooza 2015. Neben seiner Tätigkeit als bildender Künstler gestaltete Fitzpatrick auch Albumcover für Musiker wie Lou Reed, die Neville Brothers und Steve Earle.

Fitzpatrick ließ sich von vielen Quellen inspirieren, vor allem vom Leben in den Städten des Mittleren Westens der Vereinigten Staaten.[29] In seinen Arbeiten stellte er häufig einheimische Vögel dar[30] und integrierte Elemente der Volkskunst.[31] Seine Werke sind visuell dicht, farbenfroh, detailreich und spielen mit Symbolik.[30][31] Fitzpatrick kombinierte Zeichnungen und Gemälde mit Collagen und Poesie, wobei seine Bilder zu Storytelling wurden und seine Texte zu visuellen Kommentaren.[32] Er entwarf auch seine eigenen Tätowierungen[33] und war zeitweise selbst als Tätowierer tätig.[34]

Fitzpatrick war auch eine Zeit lang als Hörfunkmoderator tätig und wurde später Podcaster. Als Galerist setzte er sich regelmäßig für Künstlerinnen und Künstler ein, die keinen klassischen Kunstschulweg gegangen waren, deren Stimmen er aber als wertvoll empfand.

Literatur

  • Tony Fitzpatrick: Signals from the Heartland. Walker & Co., New York 1993, ISBN 978-0-8027-1260-8 (englisch, 230 S., google.com).
  • Tony Fitzpatrick: Bum Town. Tia Chucha Press, Chicago 2001, ISBN 978-1-882688-25-8 (englisch, 45 S., archive.org).
  • Tony Fitzpatrick: Max and Gabby's Alphabet. Museum of Contemporary Art, Chicago 2001, ISBN 978-0-933856-67-7 (englisch, 26 Blätter (Illustrationen), mcachicago.org).
  • Tony Fitzpatrick: The Wonder: Portraits of a Remembered City, Vol. 1. Last Gasp, San Francisco 2004, ISBN 978-0-86719-629-0 (englisch, 90 S., google.com).
  • Tony Fitzpatrick: The Wonder: Portraits of a Remembered City, Vol. 2. Last Gasp, San Francisco 2006, ISBN 978-0-86719-655-9 (englisch, 70 S., openlibrary.org).
  • Tony Fitzpatrick: The Wonder: Portraits of a Remembered City, Vol. 3. Last Gasp, San Francisco 2009, ISBN 978-0-86719-655-9 (englisch, 95 S.).
  • Tony Fitzpatrick: Dime Stories. Curbside Splendor Publishing, Chicago 2015, ISBN 978-1-940430-50-8 (englisch, 358 S., google.com).
  • Tony Fitzpatrick: This Train: An Artist’s Journal. Firecat Projects, Chicago 2010, ISBN 978-0-615-38576-1 (englisch, 159 S., google.com).
  • Tony Fitzpatrick: The Secret Birds. Curbside Splendor Publishing, Chicago 2016, ISBN 978-1-940430-76-8 (englisch, 58 S., google.com).
  • Kimberly Lyons: Abracadabra (mit Cover von Tony Fitzpatrick). Granary Books, New York 2000, ISBN 978-1-887123-31-0 (englisch, 100 S., google.com).

Werkliste (Auswahl)

Fitzpatrick arbeitete vor allem mit Collage, Druckgrafik und Mixed Media. Viele seiner Werke sind serienartig angelegt, darunter The Wonder, Dime Stories oder The Secret Birds. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre von über 200 Collagen und Druckgrafiken, die teilweise der Pop Art zuzurechnen sind.

Metropolitan Museum of Art (New York City)

  • 1991: Ass Hopper (Collage/Druckgrafik)
  • 1991–2016: Group of 11 Prints (Serie)
  • 1999–2000: Max and Gabby’s Alphabet (Serie von Drucken)
  • 2001: Monument to a Standing New Yorker (Collage)
  • 2003: A Half Dozen Pigeon Stories (Collage)
  • 2011: Chicago Snowman; The Grey Dog; Hud’s Girl; Tracy, of Chicago (Collagen)
  • 2013: Drugs (Collage)
  • 2014: Jail Dog (Collage)
  • 2016: Yellow Daze (Collage)

Museum of Modern Art (MoMA; New York City)

  • Werke aus den Serien Max and Gabby’s Alphabet und The Wonder (Collagen/Drucke)

Art Institute of Chicago

  • 1991: Circus Dog (Collage)
  • 1994: The First Radiant Mermaid (Collage)
  • 1995: Immigrant Flowers; The Orbit Dog (Collagen)
  • 1997: Summer Bug (Collage)
  • 1998: Atomic Dice (Collage)
  • 1999: All Souls Day; Our Joe; A; The Music of Slaughter (Collagen)
  • 2000: Chicago Sailor (Collage)
  • 2001: Autumn Planets (Collage)
  • Insgesamt über 230 Werke im Bestand

Museum of Contemporary Art Chicago

  • 1998: Post Horse; The Biggest Wish; Lucky Spider; The King of Penny-Poker; Jack Flower; The Geography of Luck; Moth of Clubs; Atomic Dice; Big Chief; Club 666 (Collagen/Drucke)
  • 2000: Max and Gabby’s Alphabet (Serie)
  • 2001: Tijuana King (Collage)

Philadelphia Museum of Art

  • 1988: Richard Speck – Bad Blood: Portraits of Murderers (Farbstift/Acryl auf Schiefer)
  • 1990: James Cool Papa Bell (Farbstift auf Papier)
  • 1990: Red Circus 1 (Farbstift auf Papier)

Smithsonian American Art Museum (Washington, D.C.)

  • Collagen und Druckgrafiken aus den Serien The Wonder und Max and Gabby’s Alphabet

Kollektionen

Filmografie (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. Tony Fitzpatrick. Internet Movie Database, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  2. Tony Fitzpatrick in The Movie Database, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  3. Tony Fitzpatrick bei Fernsehserien.de, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  4. a b c d Mark Guarino: Chicago artist Tony Fitzpatrick — a fiercely independent essayist, painter and gallerist — dies at 66. WBEZ, 11. Oktober 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  5. Mary Haidri: Things We Drowned In the Rain Barrel. In: Pigeon Pages. 10. März 2019, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  6. a b Mike Thomas: Tony Fitzpatrick. Chicago Magazine, 23. April 2024, abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  7. Tony Fitzpatrick. In: The Poetry Foundation. Abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  8. a b Patrick McGavin: What Makes Tony Tick? In: Chicago Reader. 1. August 1991, abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  9. Mark Guarino: Chicago artist Tony Fitzpatrick — a fiercely independent essayist, painter and gallerist — dies at 66. In: Chicago Sun-Times. 12. Oktober 2025, abgerufen am 13. Oktober 2025 (englisch).
  10. Jae-Ha Kim: Mastering the Art of True Love, 17. Oktober 1999. Abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch). 
  11. Tony Fitzpatrick. Frederick Holmes & Company, abgerufen am 24. April 2017 (englisch).
  12. Rick Kogan: Tony Fitzpatrick, a Chicago artist in many realms, has died at 66 In: Chicago Tribune, 11. Oktober 2025. Abgerufen am 13. Oktober 2025 (englisch). 
  13. a b c Tony Fitzpatrick. In: www.steppenwolf.org. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  14. Sprecher und Stimme Tony Fitzpatrick. In: Sprecherdatei.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  15. Tony Fitzpatrick. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  16. Tony Fitzpatrick. In: MATRIX press. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  17. Firecat Projects | About. In: firecatprojects. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  18. Chicago Gallery News | A Man Walks Into a Museum: For Tony Fitzpatrick, 2021 is a Return to More Than Before. In: www.chicagogallerynews.com. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  19. Tony Fitzpatrick: Max And Gaby’s Alphabet – Mickey Cartin; Jonathan Demme; Tony Fitzpatrick; Lynne Warren: 9780933856677. AbeBooks, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  20. Search: 1 result found for “Tony Fitzpatrick”. In: Tia Chucha’s Centro Cultural & Bookstore. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  21. Tony Fitzpatrick Bio. Pierogi Gallery, 16. März 2010, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  22. Tony Fitzpatrick at The Book Cellar. In: curbside splendor. 1. August 2015, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  23. Tony Fitzpatrick and Frank Catalano. In: curbside splendor. 31. Juli 2016, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  24. The Sun at the End of the Road: Dispatches from an American Life. Eckhartz Press, 11. September 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  25. Results for “Tony Fitzpatrick” – The Metropolitan Museum of Art. In: www.metmuseum.org. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  26. Tony Fitzpatrick | MoMA. In: The Museum of Modern Art. Abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  27. Tony Fitzpatrick: The Switching Yard. 1999, abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  28. Tony Fitzpatrick. Smithsonian American Art Museum, abgerufen am 16. September 2025 (englisch).
  29. Remembered City: Prints and Drawings by Tony Fitzpatrick. Depaul Art Museum, 2003, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  30. a b Neil Steinberg: Tony Fitzpatrick, a Chicago treasure: ‘You notice how lucky you are’. Chicago Sun Times, 12. Oktober 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  31. a b Purbita Saha: Reimagining the American Goldfinch. Audubon, 2016, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  32. Quinn Myers: Tony Fitzpatrick Looks Back on a ‘Less-Than-Holy’ Life in New Book, Steppenwolf Show. Block Club Chicago, 22. September 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  33. Stories from Memory: Tony Fitzpatrick Shares Tales and Art. Chicago Gallery News, 24. September 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
  34. Shawn Rossiter: Tony Fitzpatrick at Kayo Gallery. ArtistsOfUtah, 8. Dezember 2011, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).