Tom Middendorp

Tom Middendorp (* 6. September 1960 in Rheden) ist ein niederländischer General im Ruhestand. Er war von 2012 bis 2017 Befehlshaber der Niederländischen Streitkräfte. Seitdem beschäftigt er sich mit dem Zusammenhang zwischen Klimawandel und globaler Sicherheit. Er ist Vorsitzender des 2019 von ihm mit gegründeten International Military Council on Climate and Security (IMCCS) und Autor des Buchs The Climate General.

Leben und militärische Laufbahn

Tom Middendorp wurde in Rheden, in der Provinz Gelderland, geboren. Im Jahr 1979 trat er den Streitkräften seines Heimatlandes bei und begann seine Offiziersausbildung an der Niederländischen Militärakademie in Breda. Vier Jahre später schloss er als Offizier im Ingenieurkorps ab. Nach mehreren Einsätzen in den Niederlanden und Deutschland in Panzerpioniereinheiten absolvierte er den Stabsdienstlehrgang und besuchte fortgeschrittene Kurse an der Führungsakademie. 1993 wurde er in die Konzeptentwicklung des Armeestabs versetzt, wo er die Umgestaltungspläne für alle NLD-Kasernen entwarf, um sie für eine reine Freiwilligenarmee tauglich zu machen. 1997 schloss er sein Studium am Command und General Staff College in Fort Leavenworth ab und wurde schließlich Assistent des stellvertretenden Verteidigungschefs. Zwei Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück, wo er als Leiter des Nationalen Planungsbüros zum 1. Korps (DE/NL) in Münster wechselte und dort das Kommando des Ingenieursbataillons 101 in Wezep übernahm. Teile seiner Einheit nahmen an mehreren Operationen im Irak, in Afghanistan und im Balkan teil. Im März 2004 wurde er zum leitenden Richtlinienberater des Verteidigungsministers ernannt. In dieser Position war er für alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem nationalen Einsatz der Streitkräfte zuständig. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Innern und dem Ministerium der Justiz erarbeitete er mehrere Grundsatzpapiere über den Einsatz von Streitkräften bei der Katastrophenhilfe, dem Grenzschutz und der Terrorismusbekämpfung. Im November 2006 wurde er als stellvertretender ziviler NATO-Beauftragter nach Afghanistan entsandt, wo er direkt für den NATO-Generalsekretär arbeitete und für die Koordinierung der zivilen und politischen Aspekte der Mission zuständig war. Im Januar 2008 übernahm er das Kommando über die 13. Mechanisierte Brigade in Oirschot, nachdem er kurzzeitig als Leiter der Grundsatzabteilung der Königlichen Niederländischen Armee tätig war. Von Februar bis August 2009 war er erneut in Afghanistan im Einsatz, diesmal als Kommandeur der multinationalen Taskforce Uruzgan (TFU 6). Am 24. Dezember 2009 wurde er mit seiner Ernennung zum Direktor für Operationen im Verteidigungsstab in Den Haag zum Generalmajor befördert. Nach seiner Beförderung zum Generalleutnant im Januar 2012 wurde er am 28. Juni 2012 zum Verteidigungschef ernannt und damit zum ranghöchsten Offizier der niederländischen Verteidigungsorganisation. Am 3. Oktober 2017 trat er zusammen mit der damaligen Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert nach einem kritischen Bericht des Untersuchungsrates für Sicherheit bezüglich eines Mörserunfalls während der Militärmission in Mali, bei dem zwei Soldaten gestorben sind, zurück. Sein Nachfolger wurde Rob Bauer.

Klimawandel und Sicherheit

Während seiner Auslandseinsätze, u. a. in Afghanistan, beobachtete er Zusammenhänge zwischen Klima und Sicherheit, etwa in Bezug auf die Verteilung von Wasser und damit zusammenhängende Konflikte. In seiner Zeit als Verteidigungschef wurde er eingeladen, im Jahr 2016 beim Halifax International Security Forum zum Klima und Sicherheit zu sprechen, sowie zum selben Thema auf der Planetary Security Conference in Den Haag. Auch im Kontext der politischen Ereignisse in den USA (Ankündigung von Donald Trump, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen) erhielt er in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit, und ihm wurde der Spitzname grüner General oder Klima-General gegeben. Nach seinem Rücktritt vom Militär beschäftigte er sich zunehmend mit dem Thema Klimawandel und Sicherheit. Er gründete im Jahr 2019 zusammen mit Sherri Goodman den International Military Council on Climate and Security (IMCCS), ein globales Netzwerk von erfahrenen militärischen Führungskräften aus verschiedenen Ländern sowie Forschungsinstituten, und veröffentlichte im Jahr 2022 sein Buch Klimaatgeneraal, das 2023 auf Englisch erschien (The Climate General).[1][2][3]

Veröffentlichungen

  • Tom Middendorp mit Antonie van Campen: The Climate General: Stepping up the fight. Éditions La Butineuse, 2023, ISBN 978-2-493-29155-4.
Commons: Tom Middendorp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Biografie von Tom Middendorp auf der Internetseite der NATO
  • Biografie auf der Internetseite von NATO Parliamentary Assembly
  • Biografie auf der Internetseite von The Hague Centre for Strategic Studies

Einzelnachweise

  1. Elsa Barron: Tom Middendorp. The Making of a Climate General: An Interview with the IMCCS Chair. The Hague Centre for Strategic Studies, 12. August 2022, abgerufen am 14. Januar 2026.
  2. Borzou Daragahi: From the US to the Netherlands, military leaders are speaking up on climate change 'We see climate change as a security threat, and it’s an important threat'. The Independent, 21. Februar 2019, abgerufen am 14. Januar 2026.
  3. Climate and Security. Dare to "Think Big, Act Small, Start Somewhere". Vortrag Studium Generale, Week of Inspiration. (Video) Universität Twente, 9. Mai 2023, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).