Tokugawa Iemochi
Tokugawa Iemochi (jap. 徳川 家茂; * 17. Juli 1846 in Edo; † 29. August 1866 in Chūō-ku, Osaka) war von 1849 bis 1858 der Daimyō des Kii-han (heute: Wakayama) und von 1858 bis 1866 der vorletzte Shōgun Japans.
Leben
Yoshitomis Vater war Tokugawa Nariyuki (1801–1846), seine Mutter Jitsujoin (1821–1904). 1849 wurde der aus der Kishū-Linie der Tokugawa stammende Yoshitomi zum künftigen Erben des kinderlosen Shōguns Tokugawa Iesada eingesetzt. Er nahm den Namen Iemochi an.
Nach dem Tod Iesadas am 14. August 1858 gelangte der erst 12 Jahre alte Tokugawa Iemochi letztlich mit Unterstützung der Feudalherren, der Fudai, an die Macht. Sein mächtigster Ratgeber und Unterstützer war Ii Naosuke.
Seine Regierungszeit fällt in die letzte Phase der Edo-Zeit, die von so vielen Umbrüchen gekennzeichnet ist, dass sie oft als eigene Zwischenepoche, als Bakumatsu bezeichnet wird. Der japanische Begriff bedeutet übersetzt „Ende des Shōgunats“. Sie begann unter seinem Vorgänger mit der Ankunft der „schwarzen Schiffe“ von Commander Perry 1853. Kurz vor Tokugawa Iemochis Regierungsantritt erfolgte die Unterzeichnung des Harris-Vertrags mit den Vereinigten Staaten.[1]
1861 ratifizierte Tokugawa Iemochi selbst in Edo den preußisch-japanischen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag. Während das deutsche Original der Urkunde heute in Verwahrung des Geheimen Staatsarchives Preußischen Kulturbesitzes in Berlin ist, ging das japanische Original beim großen Erdbeben des Jahres 1923 durch den Folgebrand verloren.[2]
Die scheinbare Nachgiebigkeit des Shōguns gegenüber dem Ausland führte zur Spaltung der Samurai: Während sich die einen für eine gewaltsame Vertreibung der Fremden einsetzten und für eine Reform des Herrscherhauses und der Gesellschaft eintraten, befürworteten andere die Beibehaltung des Bakufu und der bestehenden japanischen Feudalordnung. Dies war auch Ausgangspunkt für die oppositionelle Sonnō-jōi-Bewegung („Verehrt den Kaiser, hinweg mit den Barbaren“).
Der Tairō des Tokugawa-Shogunats, Ii Naosuke wurde während des Sakuradamon-Zwischenfalls am 24. März 1860 in Edo ermordet. In der Folge des Anschlags auf den Tairō kam es zu einer Welle von Übergriffen der Tenno-Loyalisten in ganz Japan. Der Poet Tsunada Tadayuki verfasste sogar ein Loblied auf die Mörder.[3]
Der junge Shogun und das Bakufu waren von dem Anschlag völlig überrascht. Es wurde versucht, die wahren Ereignisse zu vertuschen, indem man erst so tat, als wäre Ii noch am Leben, um dann eine Krankheit vorzuschieben und seinen Rücktritt vom Amt vorzutäuschen. Sein Tod wurde erst Monate später verkündet. Später wurden Iis Attentäter bei einer Generalamnestie des Bakufu begnadigt.[4]
Tokugawa Iemochi heiratete am 22. April 1863 Prinzessin Kazu no Miya (1846–1872), eine Schwester des Tennō Kōmei, um die Verbindung zwischen dem kaiserlichen Hof und dem Shogunat zu stärken. Am 22. April 1863 besuchte er als erster Shogun seit 230 Jahren Kyoto.[5]
Tokugawa Iemochi starb früh mit nur mit 20 Jahren am 29. August 1866 in Chūō-ku, Osaka.
Unter Iemochis Nachfolger Tokugawa Yoshinobu endete die Herrschaft der Shōgune mit der Rückgabe der Macht an den Tennō 1867, der sogenannten Meiji-Restauration.
Einzelnachweise
- ↑ D. Y. Miyauchi: Yokoi Shonan's Response to the Foreign Intervention in Late Tokugawa Japan, 1853–1862. In: Modern Asian Studies. Vol. 4, No. 3, 1970, ISSN 0026-749X, S. 269–290.
- ↑ Die Rheinpfalz: Hans-Ulrich Fechler, „Schicksalsgenossen“, erschienen in der Ausgabe Nr. 257 am 5. November 2011
- ↑ Anne Walthall: Off with their heads! The Hirata disciples and the Ashikaga shoguns. In: Monumenta Nipponica. Vol. 50, No. 2, 1995, S. 143.
- ↑ Walthall, S. 166.
- ↑ Richard Ponsonby-Fane (1956): Kyoto: the Old Capital of Japan, 794–1869, S. 325.