Tobias Lenel

Tobias Lenel (* 20. September 1956 in Hamburg) ist ein deutscher Regisseur, Autor, Schauspieler und Produzent. Er ist bekannt für seine Theater- und Filmarbeiten sowie für zahlreiche deutsch-polnische Dokumentarfilmprojekte, die sich mit Geschichte, Erinnerung und europäischer Verständigung auseinandersetzen.

Leben und Ausbildung

Tobias Lenel wurde 1956 in Hamburg geboren. Er studierte Geschichte, Slawistik und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen und der Ludwig-Maximilians-Universität München und schloss 1982 mit einer Magisterarbeit über mittelalterliche Judenverfolgungen ab.[1]

Von 1984 bis 1985 studierte er Schauspielregie an der Folkwangschule Essen und arbeitete anschließend als Hospitant und Regieassistent an führenden Bühnen, darunter das Schauspielhaus Bochum, das Schillertheater Berlin, die Staatstheater Kassel und Stuttgart.[2]

Theaterarbeit

Seit 1988 wirkt Lenel als Regisseur für Schauspiel und Oper. Er inszenierte rund 75 Produktionen an Stadt- und Staatstheatern in Deutschland und Österreich.[3]

Darüber hinaus war er Dozent an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMdK) sowie an der Opernschule der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.[4]

Als Regisseur und Produzent freier Theaterprojekte realisierte er u. a.:[5]

  • Die Liebe – ein Grimmical (Ballhaus Ost, Berlin, 2007)
  • Reineke Fuchs / Liz Przecherva (teatr Gorzów/Kleist Forum, Frankfurt (Oder), 2010)
  • Sommernachtstraum / Sen nocy letniej (teatr Gorzów/Kleist Forum, Frankfurt (Oder), 2014)

Film und Fernsehen

Als Schauspieler (Auswahl)

Als Regisseur und Produzent (Auswahl)

  • ZuHause (2008)
  • Czechów (2011)
  • Winterfeld (2013)
  • Alte Liebe (2013)
  • Letztes Jahr (2013)
  • Jetzt ist die Sonne weg (2015)
  • Tezeusz (2018–2025)
  • Capriccio – Das falsche Kind (2021)
  • Toter Mann mit Hut (2025)

In Kooperation mit der HfMdK Frankfurt realisierte er zudem die Filmreihe „Frankfurter Filme“, darunter:

14 Min. FFM Hbf (2014), Der Frankfurter Garten (2015), Der Engel vom Gallus (2016), Frankfurter Dramen (2018), Tanken in Frankfurt (2019) und Frankenallee (2021).

Drehbucharbeiten (Auswahl)

  • Am Ende (NDR / 3sat, 1997)
  • Aus Liebe zu Deutschland (NDR / arte, 2000)
  • Die Nacht der großen Flut (NDR / arte, 2005)
  • Der kurze Rausch der Freiheit (NDR / arte, 2006)
  • Capriccio – Das falsche Kind (2021)

Dokumentarfilm und Internetprojekte

Seit den 2010er Jahren produziert Lenel eine Reihe dokumentarischer Filme mit Fokus auf deutsch-polnische Geschichten und europäische Zeitzeugnisse, u. a.:

  • Sonnenburg / Słońsk – Spuren eines Schreckensortes (2016)
  • Kostrzyn / Kietz – Erinnerungen an einen verschwundenen Bahnhof (2017)
  • Gustav Seitz (2018)
  • Kollwitz Skizzen (2018)
  • Neu Amerika (2018)
  • Vom Rand zur Mitte Europas (2022)
  • Fisch oder Schiff (2023)
  • Bürgerversammlung (2024)

Parallel dazu initiierte er mehrere Web-Projekte zur europäischen Geschichte und Erinnerungskultur, darunter:

  • oderkanal.de (2013)
  • odraoderodra.eu (2013)
  • oderpaare.eu (2014)
  • jenseitsderoder.de (2015)
  • 1945ff.eu (2021)

Privates

Tobias Lenel ist verheiratet, hat vier Kinder und zwei Enkel. Er lebt in Berlin, Hamburg und Kuhbrücke an der Oder.

Einzelnachweise

  1. michaelstumm: Tobias Lenel. In: Goldbaum Management. 2. Januar 2021, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  2. Tobias Lenel | Schauspieler, Drehbuch, Regie. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (deutsch).
  3. Tobias Lenel. In: actors.bbfc-cloud.de. Berlin Brandenburg Film Commission, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  4. Tobias Lenel | filmportal.de. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
  5. Michael Heider: Filmdreh zwischen Oderland und Küstrin: Regisseur Tobias Lenel über seinen Film „Capriccio – Das falsche Kind“. In: moz.de. 29. Mai 2022, abgerufen am 26. Oktober 2025.