Tobias Hönig

Tobias Hönig (* 1980 in Amberg) ist ein deutscher Architekt und Universitätsprofessor.

Werdegang

Tobias Hönig wuchs im niederbayerischen Straubing auf.[1] Er studierte Architektur an der OTH Regensburg und der AdBK Nürnberg und arbeitete anschließend bei Arno Brandlhuber und Markus Emde in Berlin. 2017 gründete er zusammen mit Andrijana Ivanda, Markus Rampl und Paul Reinhardt das Architekturbüro c/o now in Berlin.[2] Hönig lehrte mit Sam Chermayeff an der Hochschule Anhalt (2014–16), als künstlerischer Mitarbeiter bei Arno Brandlhuber an der AdBK Nürnberg (2014–17), als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Stephan Trüby am Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA) der Universität Stuttgart (2018–21), als Lehrbeauftragter an der TH Nürnberg (2021) und der TU München (2017/18), sowie als Gastprofessor zusammen mit c/o now an der Kunstuniversität Linz (2021/22) und seit 2022 als Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Universität Siegen.

Themen

Bereits Hönigs von Arno Brandlhuber und Christian Posthofen betreute Abschlussarbeit an der AdBK Nürnberg beschäftigte sich unter dem Titel Das Doppelte Berlin mit der Wechselwirkung von Architektur und Ideologie und der im geteilten Berlin auch architektonisch ausgetragenen Systemkonkurrenz zwischen der Bundesrepublik und der DDR im spezifischen.[3] Das Projekt wurde u. a. 2012 Teil der von Valerie Smith im Haus der Kulturen der Welt kuratierten Ausstellung Between Walls and Windows - Architektur und Ideologie, während der ein Kongress (u.a. mit Thomas Krüger, Carlo Jordan und Bruno Flierl)[4] zum Doppelten Berlin stattfand und die von Heinz Emigholz angeleitete Klasse für experimentelle Filmgestaltung der UdK Berlin dort eine Sonderschau zu diesem Thema zeigte.[5] Hönig wie sein Büro betonen die Bedeutung von Ideologie als Einflussgröße auf Architektur wiederholt in verschiedenen Diskursbeiträgen. In der anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Freistaat Bayerns von c/o now mit herausgegebenen Publikation Bayern, München. 100 Jahre Freistaat. Eine Raumverfälschung unterstrichen er und das Büro beispielsweise in ihren Beiträgen den Zusammenhang zwischen einer überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten Vorstellung Bayerns und dessen gebauter Realität.[6][7] Zu den Fokuspunkten gehört darüber hinaus eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Räumen des ehemaligen Jugoslawiens.[8] Tobias Hönig und seine Büropartnerin Andrijana Ivanda fordern in diesem Zusammenhang mit Nachdruck dazu auf, „(post-)jugoslawische Räume betont vor dem Hintergrund ihrer kolonialen Geschichte zu lesen.“[9]

Mit Blick auf Lehre und Forschung spricht Tobias Hönig für sein Fach die Gebäudelehre davon, ihr käme „historisch die Aufgabe zu, komplexe Beziehungen unterschiedlichster Einflussgrößen auf Konzeptionen, Ausführungen und Fortschreibungen von Architekturen durch analytische Betrachtungen erkenn- und nachvollziehbar zu machen.“[10] Neben sozialen, ökologischen und ökonomischen Parametern benennt er dabei wiederum ganz eindeutig Ideologie als maßgebliche Einflussgröße.[11]

Im Jahr 2022 rief Hönigs Büro c/o now Kolleginnen und Kollegen öffentlich dazu auf es ihnen gleichzutun und Einladungen der Signa Holding zu Gesprächen mit der Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt über die Zukunft der Stadt nicht nur auszuschlagen, sondern sich auch nicht als Besucher an solchen Veranstaltungen zu beteiligen.[12] Hintergrund war, dass ein solches Gespräch in als Kunsthalle bezeichneten Räumen auf einer der Baustellen des umstrittenen Immobilienkonzerns stattfinden sollte.[13] In einem Interview mit Friederike Meyer und Gregor Harbusch darauf angesprochen deutete Kahlfeldt an, nicht über wie von c/o now eingeforderte, neutrale und nicht privatwirtschaftlichen Interessen unterworfene Räume verfügen zu können und gab weiter zu Protokoll: „Wir fragen ja gar nicht mehr nach den Möglichkeiten, die diese Veranstaltungen bieten, sondern nur noch danach, wer dieser Bauherr ist.“[14]

Hönig war 2023 einer der Initiatoren des Projekts Neue Architekturschule Siegen an der Universität Siegen, zu dem 2025 eine von ihm für c/o now zusammen mit Thorsten Erl als Gastredakteure mitgestaltete Ausgabe der Architekturmagazins ARCH+ erschien.[15][16]

Bauwerke

Auszeichnungen und Preise

  • 2023: Bauwelt-Preis für Schmergow, Brandenburg[21]
  • 2022: Shortlist – DAM Preis für Schmergow, Brandenburg[22]
  • 2025: Shortlist Ausland – DAM Preis für Diammaguen, Ville de Pikine[23]
  • 2026: Longlist – DAM Preis für Am Gut, Uckermark[24]

Ausstellungen

Publikationen

  • c/o now, Thorsten Erl et al. (Hrsg.): ARCH+ Stadtumbau: Schulen der Transformation. ARCH+ Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-931435-90-5.
  • Stephan Trüby, Verena Hartbaum et al. (Hrsg.): Bayern, München. 100 Jahre Freistaat. Eine Raumverfälschung. Schriftenreihe Architektur und Kulturtheorie, Band 5. Fink, München 2019, ISBN 978-3-8467-6374-2.
  • mit Arno Brandlhuber, Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo (Hrsg.): Arch+ Legislating Architecture. ARCH+ Verlag, Aachen 2016, ISBN 978-3-931435-34-9.
  • c/o now, Siegfried Atteneder (Hrsg.): Stahlstadtschule. Jovis, Berlin 2015, ISBN 978-3-98612-081-8.

Literatur (Auswahl)

  • Anh-Linh Ngo: Brandlhuber+ Emde, Schneider, Hönig – Temporäre Kunsthalle Berlin: Raumkonzept für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Sommer 2011. In: ARCH+ Berlin, ARCH+ Verlag, Berlin 2011, S. 174–177.
  • Anh-Linh Ngo: c/o now - Where the Wild Morels Grow. In: ARCH+ Berlin Praxis – Von Handlungsoptionen und politischer Verantwortung. ARCH+ Verlag Berlin 2021, S. 18–25, ISBN 978-3-931435-63-9.
  • Yorck Förster: Where the Wild Morels Grow... Groß Kreutz (Havel). In: Deutsches Architektur Jahrbuch 2023, Berlin 2023, S. 90–95, ISBN 978-3-86922-865-5.
  • Alexander Stumm: Anti-Landhaus in Brandenburg. In: Bauwelt, 3/2023, S. 36–41.
  • Barbara Zettel: Wohnhaus in einer Halle in Potsdam – Warum bauen einfacher werden muss. In: Detail, 1/2. 2024, S. 46–53.
  • Christina Gräwe: Diouwanem Diammaguen. In: Deutsches Architektur Jahrbuch 2025, Berlin 2025, S. 204–209, ISBN 978-3-86922-924-9.

Einzelnachweise

  1. Stephan Trüby, Verena Hartbaum: Anhang. In: Bayern, München. Brill Fink, 2019, ISBN 978-3-8467-6374-2, S. 473–475 (online [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  2. c/o now. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  3. Doppeltes Berlin – c/o now. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  4. Haus der Kulturen der Welt: Weltkulturerbe Doppeltes Berlin. 9. November 2022, abgerufen am 12. Januar 2026.
  5. Initiative Weltkulturerbe Doppeltes Berlin. 21. Juli 2021, abgerufen am 6. Oktober 2025 (englisch).
  6. Stephan Trüby, Verena Hartbaum et al.: Bayern, München: 100 Jahre Freistaat. Eine Raumverfälschung. Brill Fink, 2019, ISBN 978-3-8467-6374-2 (online [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  7. So schaffen wir das!: Politischer Wille als Bedingung von Stadt und Architektur. In: Bayern, München. Brill Fink, 2019, ISBN 978-3-8467-6374-2, S. 176–199 (online [abgerufen am 6. Oktober 2025]).
  8. Nikolaus Kuhnert (Hrsg.): Rechte Räume: Bericht einer Europareise (= Arch+. Nr. 235). Arch+ Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-931435-51-6 (52. Jahrgang).
  9. Hans-Rudolf Meier, Gabriele Dolff-Bonekämper: Graduiertenkolleg Identität und Erbe. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  10. A. Wöbking: Gebäudelehre und Entwerfen. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  11. Typologisch umdenken: Im Gespräch mit Tobias Hönig. 6. Oktober 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025.
  12. c/o now: Im Fokus: Berlin. Aus der Geschichte Konsequenzen ziehen | Berlin Platt Form. 18. Juni 2022, abgerufen am 6. Oktober 2025.
  13. News. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  14. Wir sitzen ja in keinem Elfenbeinturm – Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt im Gespräch. 17. Mai 2022, abgerufen am 6. Oktober 2025.
  15. Neue Architekturschule im alten Druckhaus. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  16. Stadtumbau – Schulen der Transformation. Abgerufen am 12. Januar 2026 (ISBN 978-3-931435-90-5).
  17. Wohnhaus von c/o now bei Potsdam. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  18. Wachsen lassen – Wohnhaus in Schmergow von co now. 9. Juni 2022, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  19. Wohnhaus in Schmergow | Nachhaltig Bauen | Wohnen. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  20. Anti-Landhaus in Brandenburg. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  21. Einfamilienhaus in Schmergow. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  22. DAM-Preis – Nominierungen – DAM Preis 2023 – Archiv. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  23. DAM-Preis – Nominierungen - DAM Preis 2025. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  24. DAM-Preis – Nominierungen – DAM Preis 2026. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
  25. Between Walls and Windows Architektur und Ideologie. 16. November 2022, abgerufen am 2. Oktober 2025 (englisch).
  26. c/o now. Abgerufen am 2. Oktober 2025 (englisch).
  27. Park Platz Ausstellung. Abgerufen am 2. Oktober 2025.
  28. conow — Magazin. Abgerufen am 2. Oktober 2025 (englisch).