Tirana’s Rock

Tirana’s Rock
Skanderbeg Building
Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten im Oktober 2025 war das Skanderbeg-Gesicht schon klar zu erkennen
Basisdaten
Ort: Tirana, Albanien
Bauzeit: 2021
Status: Erbaut
Baustil: Postmoderne
Architekten: MVRDV
Koordinaten: 41° 19′ 48″ N, 19° 49′ 10″ O
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Gemischt: Läden, Büros, Wohnen
Eigentümer: ANA sh.p.k.
Technische Daten
Höhe: 85 m
Etagen: 25
Nutzungsfläche: 35.000 m²
Anschrift
Anschrift: Rruga e Dibrës
Stadt: Tirana
Land: Albanien

Tirana’s Rock ist ein Hochhaus in der albanischen Hauptstadt Tirana. Es gehört zu den höchsten Gebäuden im Land, fällt aber insbesondere durch seine Form auf, die an den Kopf des albanischen Nationalhelden Skanderbeg erinnert. Das vom niederländischen Architekturbüro MVRDV geplante Hochhaus ist also eine gigangtische Skulptur.[1]

Das 85 Meter hohe Gebäude, das Ende 2025 noch nicht ganz vollendet war, wird ein neues Wahrzeichen der Stadt sein.[2]

Geschichte und Lage

Kurz nach der Jahrtausendwende ließ der damalige Bürgermeister Edi Rama eine Stadtplanung – ein „Masterplan“ – für Tiranas Innenstadt entwickeln, die der raschen Entwicklung und Bevölkerungszunahme Rechnung tragen sollte. Der Plan sah vor, dass der zentrale Skanderbeg-Platz vom Verkehr befreit werden und weiterhin als offener, nicht-kommerzieller Raum bestehen bleiben sollte. Ein Grüngürtel und zahlreiche Hochhäuser rund um den Platz sollten den freien Platz mit der dichten Stadt verbinden. Es sollte lange dauern, bis der Plan zur Umsetzung gelangte. Erst 2017 waren die Arbeiten am Skanderbeg-Platz abgeschlossen, der TID Tower (heute: Maritim Hotel Plaza Tirana) als erstes Hochhaus war erst 2016 vollendet. Mit der Zeit gelang es dem neuen Bürgermeister Erion Veliaj und Edi Rama, zwischenzeitlich Ministerpräsident Albaniens, aber, immer mehr Investoren und internationale Architekten für die Hochhausprojekte zu gewinnen. Dabei war es das erklärte Ziel von Rama, der selbst auch Künstler ist, kreative Projekte umsetzen zu lassen. Architekten genießen hier Freiheiten wie sonst kaum irgendwo.[3][4][5][6]

Tirana’s Rock
Karte Tiranas

Das Hochhaus Tirana’s Rock liegt gleich bei der Nordostecke des Skanderbeg-Platzes im Herzen von Tirana an der Dibrastraße gegenüber dem Kulturpalast. Das Grundstück zwischen dem Tirana International Hotel und dem Pallati me kuba respektive Rruga e Dibrës und innerer Ringstraße (Unaza e vogël) beherbergte einige zweistöckige Villen und Stadthäuser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu den Gebäuden gehört auch der ehemalige Buchladen Flora,[7] wo einst Enver Hoxha unter falschem Namen arbeitete. Diese Gebäude wurden im Frühjahr 2020 während der Corona-Pandemie abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen, nachdem 2018 die Bewilligung erteilt worden war.[8]

Der Bau stieß auf einige Kritik: Ein weiterer Abriss historischer Bausubstanz zugunsten neuer „Betonburgen“ wurde genauso bedauert wie die „Einkesselung“ des Skanderbeg-Platzes durch zahlreiche Hochhäuser. Im Falle von Tirana’s Rock wird auch beklagt, dass das Grundstück fast vollständig überbaut wurde ohne öffentliche Freiflächen. Zudem seien der Bedarf an und die Finanzierung der vielen Hochhäuser unklar. Es steht der Vorwurf von Geldwäsche im Raum. Die Verhaftung von Erion Veliaj im Frühjahr 2025 wegen angeblicher Korruption erhellt die Situation nicht weiter. Zuletzt stören sich einzelne auch am nationalistischen Charakter des Gebäudes.[4][9][10]

MVRDV hat in Tirana zahlreiche weitere große Projekte realisiert – darunter den Umbau der Pyramide oder das Hochhaus Downtown One, bei Errichtung mit 140 Metern und 37 Stockwerken das höchste Gebäude Albaniens – und plant weitere Bauten, die die Stadt prägen sollen. Zur Kritik erklärte das Architekturbüro, dass die Herkunft der Finanzen ihrer Geschäftspartner überprüft werde und dass Nationalismus, der „sexy und cool“ sei, dem Land guttue.[10][11]

Bauausführung

Das weiß gehaltene Gebäude möchte an eine Marmor-Büste von Skanderbeg erinnern. Die um das ganze Gebäude herumführenden geschwungenen Balkone ermöglichen, dass eine Art Profil mit Nase, Augenhöhlen und Ohren sowie Helm, Bart und Schulter entsteht. Dank ausgeklügelter Beleuchtung der Balkone ist die Form auch nachts erkennbar.[12]

Das Haus überragt den Skanderbeg-Platz, der im starren Blickfeld des Nationalhelden liegt: einerseits von der Gebäude-Büste, andererseits vom Skanderbeg-Denkmal auf der Südseite.

Der Sockelbau füllt die verwinkelte Grundstückfläche praktisch vollständig aus. Das Erdgeschoss ist für Geschäfte vorgesehen. Darüber liegen vier Stockwerke mit Büroflächen. Auf den folgenden 20 Stockwerken, die mitunter den Kopf von Skanderbeg bilden, befinden sich Wohnungen. Jede Etage hat ihren eigenen Grundriss.[1] Das Gebäude verfügt über fünf unterirdische Stockwerke mit Parkgarage.[13]

Die Architekten erklärten, dass es sich um einen nachhaltigen Bau handelte. Die breiten Balkone und weitere Maßnahmen wie eine Begrünung am Gebäude würden dazu beitragen, das Gebäudeinnere im warmen Klima Albaniens kühl zu halten.[1]

Den Architekten war es zudem wichtig, einen Gegenpunkt zu setzen gegen Architektur, die Städte weltweit immer ähnlicher werden lässt.

„To me, the Skanderbeg Building is an opportunity to do just that. It brings new meaning to existing elements of Albanian architecture. […] – it stresses Albania’s history, character, and presence in a unified Europe of many states.“

„Für mich ist das Skanderbeg Building eine Möglichkeit, genau dies zu tun. Es bringt eine neue Bedeutung zu bestehenden Elementen der albanischen Architektur. […] Es betont die Geschichte, den Charakter und die Gegenwart Albaniens innerhalb eines vereinten Europas vieler Staaten.“

Winy Maas: MVRDV-Website[1]
Commons: Tirana's Rock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Skanderbeg Building. In: MVRDV. Abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  2. Elisabeth Schneyder: Ein Nationalheld als Gebäude. In: ubm magazin. 13. August 2022, abgerufen am 18. Dezember 2025.
  3. Architekturbüro 51N4E: Das Entwurfskonzept für den Skanderbeg-Platz. In: Adolph Stiller (Hrsg.): Tirana. Architektur im Ringturm XXII. Müry Salzmann Verlag, Salzburg/Wien 2010, ISBN 978-3-99014-030-7, S. 85–93.
  4. a b The Government's Plan to Erase the Centre of Tirana. In: Exit. 1. April 2019, abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  5. Starr Charles: Why are so many unusual skyscrapers being built in Tirana? In: Dezeen. 13. Februar 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  6. Peter Swinnen: Squaring the Circle. In: CRIT. architects. 2. April 2020, abgerufen am 17. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  7. ‘Qyteti i betonit’, si do të ndryshojnë Muzeu Kombëtar, Pallati i Kulturës dhe qendra e Tiranës, Fotot. In: 55 News. 30. März 2019, abgerufen am 17. Dezember 2025 (albanisch).
  8. More Villas Demolished to Make Space for High-Rise Building in Central Tirana. In: Council on Vertical Urbanism. 29. Mai 2020, abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  9. ENRI: Tirana's Towering Transformation. In: albaniavisit.com. 6. Juli 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  10. a b Oliver Wainwright: What the Marble Arch Mound architects did next: a skyscraper shaped like Albania’s national hero. In: The Guardian. 15. August 2022, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
  11. Projects: Albania. In: MVRDV. Abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch, Suche nach Projekten von MVRDV in Albanien).
  12. MVRDV baut in Tirana Wolkenkratzer in Form von Skanderbeg-Kopf. In: Baublatt. 12. August 2022, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  13. Tirana Rock. In: Ana Shpk. 13. August 2020, abgerufen am 17. Dezember 2025 (albanisch).