Thomas McMahon (IRA-Mitglied)

Thomas McMahon (* 1948 in Carrickmacross, County Monaghan) ist ein irischer Sprengstoffexperte und ehemaliger Aktivist der Provisional Irish Republican Army (IRA). Er wurde 1979 als einzige Person für den Bombenanschlag auf Lord Mountbatten und dessen Familie verurteilt, bei dem vier Menschen getötet wurden. Die Sicherheitskräfte auf beiden Seiten der irischen Grenze betrachteten ihn als einen der gefährlichsten Männer auf den Britischen Inseln.

Herkunft und frühe IRA-Aktivitäten

McMahon wuchs im County Monaghan auf, etwa drei Kilometer südlich der irischen Grenze. Er trat 1966 Sinn Féin bei, bevor er zu einem Schlüsselmitglied der berüchtigten South Armagh Brigade der IRA wurde, die 114 britische Soldaten tötete.[1]

Er entwickelte ein besonderes Interesse an Sprengstoffen und war einer der ersten IRA-Männer, die nach Libyen geschickt wurden, um dort mit Zündern und Zeitmechanismen zu trainieren. Die Polizei bezeichnete ihn als führenden Experten für ferngesteuerte Bomben im provisorischen Flügel der IRA. Obwohl er 1972 und 1975 von einem Dubliner Gericht vom Vorwurf der IRA-Mitgliedschaft freigesprochen wurde, galt er für die Sicherheitsbehörden als einer der erfahrensten Bombenbauer der Organisation.[1][2]

Der Anschlag auf Lord Mountbatten

Am Morgen des 27. August 1979 wurden McMahon und sein Begleiter Francis McGirl, ein Totengräber, bei einer Routinekontrolle einer Steuerplakette in County Longford um 9:40 Uhr angehalten. Der Fahrer McGirl gab der Polizei einen falschen Namen, und der Beifahrer McMahon, der keine Ausweispapiere bei sich trug, wirkte nervös.[1]

Kurz vor Mittag, während beide Männer noch verhört wurden, wurde die Shadow V, das 8-Meter-Fischerboot von Lord Mountbatten mit sieben Personen an Bord, durch eine Explosion eines per Funk ferngesteuerten Sprengsatzes zerrissen. Als McGirl ausrief: „Ich habe keine Bombe in das Boot gelegt“, wusste die irische Polizei, dass sie die Täter gefasst hatte. Der Anschlag forderte vier Todesopfer: Lord Mountbatten, seinen 14-jährigen Enkel Nicholas Knatchbull, den 15-jährigen Bootsjungen Paul Maxwell und die 82-jährige Dowager Lady Brabourne, die am Tag nach dem Angriff ihren Verletzungen erlag.[3][4]

McMahon hatte in der Nacht zuvor heimlich das unbewachte Boot betreten und eine funkgesteuerte 50-Pfund-Bombe (23 kg) angebracht. Die Bombe wurde um 11:39 Uhr per Fernsteuerung gezündet, als sich das Boot etwa 180 Meter vom Hafen von Mullaghmore in County Sligo entfernt befand.[3][4]

Am selben Tag töteten zwei ferngesteuerte Bomben 18 britische Soldaten, darunter 16 vom Parachute Regiment, bei einem Hinterhalt in Warrenpoint, County Down.[1][4]

Verurteilung und Haft

Der Anschlag führte zu einer der größten polizeilichen Ermittlungen in der irischen Geschichte. Zwei Männer wurden angeklagt: McMahon und Francis McGirl. Die forensischen Untersuchungen begannen bereits, während sich beide noch in Polizeigewahrsam befanden.[3][4]

Der Sand an den Schuhen und Socken von McMahon und McGirl war derselbe Typ wie der in Mullaghmore. Grüne und weiße Farbsplitter von der Shadow V wurden auf McMahons Kleidung gefunden, die auch Spuren von Nitroglyzerin und Ammoniumnitrat aufwies. Weil es nicht genügend Beweise gab, um McGirls Aufenthalt am Tatort nachzuweisen, wurde er freigesprochen. (McGirl starb 1995 bei einem Traktorunfall.) Die wissenschaftlichen Beweise gegen McMahon waren jedoch überwältigend.[1][3]

Die forensische Arbeit wurde vom Gründungsdirektor des Forensic Science Laboratory, James Donovan, geleitet. Der Fall gegen McMahon wurde einer von Donovans größten und bedeutendsten Fällen. Seine detaillierten forensischen Gutachten bildeten das Herzstück der Anklage.[5]

Der Prozess dauerte 14 Tage vor dem Special Criminal Court, einem dreiköpfigen Richtergremium ohne Jury. McMahon wurde für schuldig befunden und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Richter Ian Hamilton erklärte, die Anklage habe nachgewiesen, dass McMahon Sprengstoff auf Lord Mountbattens Boot platziert hatte.[2]

McMahon verbüßte die ersten 13 Jahre seiner lebenslangen Haftstrafe im IRA-Flügel des Portlaoise-Gefängnisses. Seine anhaltende Bedeutung für die IRA zeigte sich in den Versuchen, ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Im Jahr 1985 gehörte McMahon zu elf IRA-Gefangenen, die mit geschmuggelten Waffen, Sprengstoff und gefälschten Gefängniswärteruniformen versuchten, aus Portlaoise auszubrechen. Drei Jahre später feuerte er einen Schuss aus einer Browning-Pistole ab, die in eine Zelle im Four Courts in Dublin geschmuggelt worden war, aber die Kugel traf die Decke und er wurde überwältigt.[1][3][4]

1990 erklärte McMahon, seine Verbindungen zur IRA abgebrochen zu haben, und 1992 erklärte er, der IRA den Rücken gekehrt zu haben. In den letzten zwei Jahren seiner Haft wurde ihm im Rahmen eines Wiedereingliederungsprogramms erlaubt, das Gefängnis für kurze Zeiträume zu verlassen, um sich als Zimmermann ausbilden zu lassen.[1][6]

Freilassung und Leben nach der Haft

Im August 1998 wurde McMahon als einer der ersten Gefangenen im Rahmen des Karfreitagsabkommens freigelassen, das unter anderem vorsah, dass Gefangene terroristischer Gruppen, die weiterhin Waffenstillstände einhalten, innerhalb von zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden. McMahon, damals 50 Jahre alt, war einer der am längsten inhaftierten Gefangenen in Irland und der siebte Häftling, der in jenem Monat freigelassen wurde.[6]

Die Nachricht von seiner Freilassung stieß auf eine Welle der Empörung. Für viele brachte sie die Schrecken der Ermordung von Lord Mountbatten zurück, dem einzigen Mitglied der britischen Königsfamilie, das jemals im 30-jährigen Nordirlandkonflikt getötet wurde.[6]

Nach seiner Freilassung lebte McMahon mit seiner Frau Rose in einem Hügelbungalow in Lisanisk nahe seiner Heimatstadt Carrickmacross in County Monaghan. Rose McMahon, eine ehemalige Sinn-Féin-Stadträtin und frühere Bürgermeisterin von Carrickmacross, hat mit ihm zwei erwachsene Söhne. Laut Telegraph arbeitete McMahon 2009 vermutlich von zu Hause aus als Zimmermann. In seinem Haus hängen einige Landschaftsgemälde, die er während seiner 18-jährigen Haftzeit gemalt hatte.[3]

Zudem half McMahon bei der Präsidentschaftskampagne von Martin McGuinness, er wurde beim Aufhängen von Plakaten für McGuinness in seiner Heimatstadt beobachtet.[4][7]

Haltung zu den Opfern

McMahon hat sich nie öffentlich zu seiner Rolle bei dem Bombenanschlag geäußert. Im Jahr vor seiner Freilassung sagte seine Frau: „Tommy spricht nie über Mountbatten, nur über die Jungen, die starben. Er hat echte Reue. Oh Gott, ja.“[3][4]

McMahon hat sich nie bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt und hat zwei Anfragen um ein Treffen mit John Maxwell, dem Vater des getöteten Bootsjungen Paul Maxwell, abgelehnt. Maxwell sagte, er würde McMahon gerne fragen: „Wenn ich Ihren Sohn aus welchem Grund auch immer getötet hätte, wie würden Sie sich dabei fühlen? Wären Sie in der Lage, sich in meine Lage zu versetzen?“[3][7]

Drei Menschen überlebten den Anschlag, darunter Timothy Knatchbull, 14, der Zwillingsbruder von Nicholas, der durch die Explosion auf einem Auge erblindete. Bei der Gedenkfeier für Lord Mountbatten im Dezember 1979 griff Prinz Charles, der seinem Großonkel sehr nahestand, „die Art von subhumanem Extremisten“ an, „der Menschen in die Luft jagt, wenn ihm danach ist“.[3]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Toby Harnden: Republican trained by Libyans. In: The Telegraph. 8. August 1998, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  2. a b Mountbatten Case Brings a Conviction. In: The New York Times. 24. November 1979, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  3. a b c d e f g h i Andrew Alderson, Kathryn Johnston: Killer of Lord Mountbatten enjoys freedom, 30 years on from IRA murder. In: The Telegraph. 9. August 2009, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  4. a b c d e f g Queen forced to put aside IRA murder of Lord Mountbatten to meet McGuinness. In: The Telegraph. 27. Juni 2012, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  5. Ronan McGreevy: Forensic scientist Dr James Donovan remembered as a 'true visionary' at funeral Mass. In: The Irish Times. 21. Februar 2025, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  6. a b c Sarah Lyall: Mountbatten Bomber Is Freed, Outraging Many in Britain. In: The New York Times. 8. August 1998, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).
  7. a b Philip Ryan: Cowardly Mountbatten murderer campaigns for Sinn Fein. In: Irish Independent. 22. Mai 2014, abgerufen am 14. Januar 2026 (englisch).