Thomas Lang (Schriftsteller)
Thomas Lang (* 19. März 1967 in Nümbrecht, NRW) ist ein deutscher Schriftsteller.
Leben und Werk
Thomas Lang wurde 1967 in Nümbrecht geboren. Zum Studium der Literaturwissenschaft ging er 1988 nach Frankfurt am Main. 1997 zog Lang nach München, wo er seitdem als freier Schriftsteller lebt. Seit 2022 arbeitet er außerdem als Redakteur beim Literaturportal Bayern. Regelmäßig schreibt Lang für das Literaturmagazin Volltext. Von 2017 bis 2022 war der Autor Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.
Lang hat sieben Romane und eine Erzählung in Buchlänge veröffentlicht und ist dafür vielfach ausgezeichnet worden. 2002 erschien sein erster Roman Than, für den er den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur und den Marburger Literaturpreis erhielt. Than wurde in der Presse als „grandioses Debüt“ bezeichnet, „ein gekonnt inszeniertes Psychodrama – eine literarische Echolotung in einem imaginären oberbayerischen Bermudadreieck, die nach der Lektüre noch lange nachhallt“.[1]
Für einen Auszug aus seinem Roman Am Seil (2006) erhielt Lang 2005 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es „ist psychologisch fein geschildert, wie Vater und Sohn … sich nach Jahren des Schweigens einander unbeabsichtigt annähern“,[2] schrieb der KulturSPIEGEL über das Buch.
Auch Unter Paaren (2007) unternimmt eine literarische Erkundung zwischenmenschlicher Beziehungen. Der Roman handelt von zwei Paaren um die Vierzig, die ein Wochenende in einem Landhaus verbringen und dort der Gleichgültigkeit, die sie füreinander empfinden, auf die Spur kommen. Die Neue Zürcher Zeitung ordnete ein: „War schon Am Seil keine blosse Abschilderung eines kulminierenden Vater-Sohn-Verhältnisses, sondern der in Metaebenen getriebene Versuch, Literatur aus zwischenmenschlichen Situationen zu erzeugen, sie als Choreographie darzustellen, so ist Unter Paaren die Fortsetzung dieses Unterfangens mit anderen Mitteln. Was den Autor an den Oberflächen des Lebens- und Beziehungsdesigns interessiert, trifft auch auf die Literatur zu: Man muss wissen, wie all das gemacht ist.“[3]
Mit Bodenlos (2010) tauchte Thomas Lang in die bundesdeutsche Provinz der 1980er Jahre mit den Ängsten und Erwartungen ihrer jugendlichen Generation ab. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt den Roman „einen neuen Höhepunkt“ in Langs Werk. „Wer in den Achtzigern in Westdeutschland aufgewachsen ist, der weiß: So fühlte es sich wirklich an.“[4]
Die satirische Erzählung Jim (2012) handelt von der Rivalität eines wenig erfolgreichen Lyrikers mit seinem alten Freund und einem Orang-Utan. „Thomas Lang verweigert seinem Helden jede Tragik, aber er verspottet ihn auch nicht. Vielmehr hat er mit diesem Text ein kurzweiliges Scherzo komponiert, das dem bisherigen Werk des Ingeborg-Bachmann-Preisträgers eine ganz neue Facette hinzufügt.“[5]
2016 erschien der Roman Immer nach Hause über den jungen Hermann Hesse und dessen Zerrissenheit zwischen Häuslichkeit und freiem Künstlerdasein. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Dieser anscheinend stille, sich zurücknehmende Roman ist raffinierter und anspielungsreicher, als er auf den ersten Blick wirkt.“[6]
Der Roman Freinacht (2019) befasst sich mit den Folgen jugendlichen Leichtsinns und der Tragweite von Gruppendynamiken. Der Text beruht auf einer wahren Begebenheit.[7] Im Jahr 2021 sendete der Bayerische Rundfunk eine Hörspielfassung des Romans.[8] Die Presse sah in dem Buch „ein mehr als sympathisches Beispiel dafür, wie Literatur jenseits des ja ohnehin allenfalls mythischen Elfenbeinturms gelingen kann“.
In seinem 2026 erscheinenden Roman Melville verschwindet erzählt Lang aus der Perspektive seines Protagonisten Meander, ein gescheiterter Autor der Gegenwart, die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Herman Melville und seinem abenteuerlichen Leben.[9]
Werke
Romane
- Than. Roman. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2002.
- Am Seil. C. H. Beck Verlag, München 2006, ISBN 978-3-406-54368-5.[10]
- Unter Paaren. Roman. C. H. Beck Verlag, München 2007, ISBN 978-3-406-55610-4.[11]
- Bodenlos oder Ein gelbes Mädchen läuft rückwärts. Roman. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59070-2.[12]
- Jim. C. H. Beck Verlag, München 2012, ISBN 978-3-406-63003-3.[13]
- Immer nach Hause. Roman. Berlin Verlag, München/Berlin 2016, ISBN 978-3-8270-1333-0[14]
- Freinacht. Roman. Berlin Verlag, Berlin 2019.
Erzählungen
- Das Innenleben der Tiere. In: EDIT. 32, 2003.
- Sex-Monster. In: Wieder vereinigt. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2005.
Essays
- Salto mortale. Trampolin für eine Betrachtung über die Kunst des Beendens. In: EDIT, Nr. 32, 2006 (Kurzfassung in: Die Welt, 24. Dezember 2009)
- Das weiße Licht. (Frankfurter Rundschau, 22./ 23. Juni 2011)
- Ich möchte lieber doch. Ein Besuch in dem Farmhaus, in dem Herman Melvilles Moby-Dick entstand (Volltext, 4/2015)
- Das Leichentuch der Literatur. Karl Ove Knausgårds literarische Anpassungsleistung in seinem sechsbändigen Roman (Volltext, 2/2017)
- Die Verwirrung des Zöglings Körper. Über die rätselhaften Wandlungen des japanischen Schriftsteller Yukio Mishima (Volltext, 3/2020)
- Im Bauch von Moby-Dick (Literaturportal Bayern, o. J.)
Auszeichnungen
- 1998: Seminar für Romanautoren der Bertelsmann-Stiftung
- 1999: Stipendiat des Klagenfurter Literaturkurses[15]
- 1999: Literaturförderpreis der Stadt München[16]
- 2002: Marburger Literaturpreis (Hauptpreis)[17]
- 2002: Bayerischer Staatsförderpreis Literatur[18]
- 2004 Aufenthaltsstipendium der Künstlerresidenz Chretzeturm, Stein am Rhein
- 2005: Ingeborg-Bachmann-Preis (Hauptpreis)[19]
- 2006: Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse (Shortlist)[20]
- 2009: Aufenthaltsstipendium in der Casa Baldi, Italien[21]
- 2010: Aufenthaltsstipendium in der Villa Aurora, Los Angeles[22]
- 2015: Art Omi, Ghent, NY[23]
- 2018: Arbeitsaufenthalt am Baltic Centre for Writers and Translators, Visby, Schweden
- 2020: Arbeitsaufenthalt in Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg
- 2022: Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern
- 2024: Arbeitsstipendium der Stadt München
- 2025: Art Omi, Ghent, NY[24]
Weblinks
- Literatur von und über Thomas Lang im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Thomas Lang im Literaturportal Bayern (Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek)
- Thomas Lang Homepage
- Interaktiver Onlineroman Der gefundene Tod
- Thomas Lang auf volltext.net
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Thomas Lang bei Perlentaucher
- Website zu Than ( vom 31. Mai 2006 im Internet Archive)
- Thomas Lang beim Bachmannpreis
- Thomas Lang im Munzinger Online-Lexikon (nicht frei zugänglich)
Einzelnachweise
- ↑ Michael Bauer, Bayerischer Rundfunk, 12. Juni 2002.
- ↑ Claudia Voigt, KulturSPIEGEL, 10. Februar 2006.
- ↑ Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 21. Februar 2007.
- ↑ Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Juni 2010.
- ↑ Thorsten Krämer, WDR 3, 20. Februar 2012.
- ↑ Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 28. November 2016.
- ↑ Oliver Pfohlmann: Was der Dummheit folgt - Nach einem realen Fall: Über Thomas Langs „Freinacht“, eine Mischung aus Adoleszenz- und Gesellschaftsroman : literaturkritik.de. Abgerufen am 10. November 2025 (deutsch).
- ↑ ARD Hörspieldatenbank: Freinacht. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Münchner Arbeitsstipendien für Literatur vergeben. 13. September 2024, abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ Thomas Lang: Am Seil: Roman. 3. Auflage. C. H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-54368-5.
- ↑ Thomas Lang: Unter Paaren: Roman. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55610-4.
- ↑ Thomas Lang: Bodenlos, oder, ein gelbes Mädchen läuft rückwärts: Roman. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59070-2.
- ↑ Thomas Lang: Jim. eine Erzählung. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63003-3.
- ↑ Thomas Lang: Immer nach Hause: Roman. Berlin Verlag, Münche/Berlin 2016, ISBN 978-3-8270-1333-0.
- ↑ ORF at/Agenturen red: Tutoren des Literaturkurses 2021. 4. Mai 2021, abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Landeshauptstadt München Stadtverwaltung: Literaturstipendien. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ marburgnews-Kultur: Texte vom november 200. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Literaturpreise des Freistaats Bayern. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Bachmann-Preis: "Vielleicht passt das Experiment nicht in unsere Welt". In: Der Spiegel. 26. Juni 2005, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 10. November 2025]).
- ↑ Archiv. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Villa Massimo | Stipendien. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Lang. Abgerufen am 10. November 2025.
- ↑ Alumni Directory. In: Art Omi. Abgerufen am 10. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Art Omi Writers 2025 Spring. In: Art Omi. Abgerufen am 10. November 2025 (amerikanisches Englisch).