Thomas Bock (Psychologe)
Thomas Bock (* 1954) ist ein deutscher Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychiatrie.[1] Seine Arbeitsschwerpunkte sind die (Sozial-) Psychiatrie, bipolare Störungen, Psychosen und partizipative Forschung.
Bock habilitierte sich mit seinen Arbeiten über Lebensläufe psychoseerfahrener Menschen ohne Kontakt zu psychiatrischer Behandlung.
Im Jahr 1989 entwickelte er gemeinsam mit Dorothea Buck das Format des trialogischen Psychoseseminars.[2] Dabei handelt es sich um Gesprächsforen, in denen Psychose-Erfahrene, Angehörige derselben und professionell psychiatrisch Tätige sich in Form eines Trialogs auf Augenhöhe austauschen, um ein gemeinsames, ganzheitliches Verständnis von Psychosen zu entwickeln und die psychiatrische Praxis weiterzuentwickeln.
1994 organisierte Thomas Bock als Sprecher des Programm-Komitees den ersten Weltkongress für Soziale Psychiatrie auf deutschem Boden nach den Verbrechen der Nazipsychiatrie, zugleich der erste mit trialogischer Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen. Unter dem Motto „Abschied von Babylon“ ging es um eine internationale Abkehr von Größenwahn und Sprachverwirrung in der Psychiatrie.[3]
Gemeinsam mit dem Verein „Irre menschlich Hamburg“ engagiert er sich für mehr Sensibilität und Toleranz sowie gegen Vorurteile und Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen.[4] 2005 begründete er das Magazin In Balance der deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen.[5] Er engagierte sich außerdem in der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) und im Dachverband Psychosen-Psychotherapie (DDPP).
Ab 2010 war er an der Entwicklung der S3 Leitlinien für Bipolare Störungen beteiligt.[6] Seit 2019 ist er Mitglied der Dialoggruppe des Bundesministeriums der Gesundheit zur Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch erkrankte Menschen.
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) war Thomas Bock zuletzt tätig als Leiter der sozialpsychiatrischen Ambulanz und einer Krisen-Tagesklinik für Menschen mit Psychose-Erfahrung.[7]
Thomas Bock ist verheiratet und hat drei Kinder.
Auszeichnungen
- 1994: Preis der Universität Hamburg für besondere Verdienste in der Lehre für das „Psychoseseminar“[8]
- 1998: Schizophrenia-reintegration-Award für das Kinderbuch Die Bettelkönigin[8]
- 2010: Diotima-Ehrenpreis der Bundespsychotherapeutenkammer[9]
- 2018: Areträus-Preis der DGBS für die Therapie Bipolarer Störungen[10]
Schriften (Auszug)
- Lichtjahre. Psychosen ohne Psychiatrie. Krankheitsverständnis und Lebensentwürfe von Menschen mit unbehandelten Psychosen. Bonn 1997. ISBN 3-88414-204-6.
- Achterbahn der Gefühle. Leben mit Manien und Depressionen. Freiburg im Breisgau 1998. ISBN 3-451-26366-1.
- Umgang mit psychotischen Patienten. Bonn 2003. ISBN 3-88414-332-8.
- Eigensinn und Psychose. „Noncompliance als Chance.“ Neumünster 2006. ISBN 3-926200-90-1.
- Stimmenreich, Psychiatrieverlag 2007. ISBN 978-3-86739-013-2.
- Psychosen – Ringen um Selbstverständlichkeit (mit Andreas Heinz) Psychiatrieverlag 2016, ISBN 978-3-88414-602-6.
- Irren ist menschlich (mit Klaus Dörner, Ursula Plog, Peter Brieger, Andreas Heinz, Frank Wendt). Psychiatrieverlag 2019, ISBN 978-3-88414-610-1.
Einzelnachweise
- ↑ Thomas Bock: Bücher & mehr online kaufen | Thalia. Archiviert vom am 12. Dezember 2024; abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Iza: Geschichte des Trialogs. In: Trialog-Psychoseseminar.de. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Annette Bolz: Abschied von Babylon: Schizophrenie ist nicht überall dasselbe. In: Die Tageszeitung: taz. 29. April 1994, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ 03 Sensibilität und Toleranz – Was macht, was will “Irre menschlich Hamburg e.V.“? - Prof. Dr. Thomas Bock - Universität Hamburg. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Home ■ DGBS. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen DGBS und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik, und Nervenheilkunde DGPPN (Hrsg.): S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen; Langversion. 2019 (dgppn.de [PDF]).
- ↑ Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Interview mit Prof. Dr. phil. Thomas Bock, Leiter der Ambulanz für Psychosen und Bipolare Störungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): „Die Menschen ringen mit einem sinnhaften Bezug ihrer Erkrankung“. 9. August 2015, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ a b DDPP-Vorstand: Thomas Bock - Startseite DDPP. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Diotima-Ehrenpreis 2010. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Aretäus-Preis 2018 ■ DGBS. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
Weblinks
- Literatur von und über Thomas Bock im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Bock auf Dialog Online-Vorlesungsreihe »Anthropologische Psychiatrie« der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und Thomas Bock