Theophil Brendle
Theophil Brendle (* 21. März 1896 in Heilbronn; † 24. März 1987 ebenda) war ein deutscher evangelischer Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er wirkte von 1926 bis 1962 als Gemeindepfarrer, zunächst in Hochdorf an der Enz und anschließend in Sontheim (Heilbronn). Während der Zeit des Nationalsozialismus spielte er im Rahmen des Kirchenkampfes eine bedeutsame Rolle bei den kirchlichen Protesten gegen die Absetzung des württembergischen Landesbischofs Theophil Wurm.
Leben und Ausbildung
Theophil Brendle wurde als Sohn des Oberschullehrers Oskar Brendle und dessen Ehefrau Karoline, geb. Lederer, geboren.[1] Nach dem Abitur nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und war unter anderem an der Schlacht an der Somme eingesetzt. Für seinen Kriegsdienst erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter das Eiserne Kreuz II. Klasse.[1]
Nach Kriegsende studierte Brendle Evangelische Theologie an den Universitäten Erlangen (1920–1921) und Tübingen (1921–1922). Nach dem Vikariat legte er 1926 die zweite theologische Dienstprüfung ab.[1]
Pfarramt in Hochdorf an der Enz (1926–1935)
1926 übernahm Brendle seine erste Pfarrstelle in Hochdorf an der Enz (Landkreis Ludwigsburg), wo er bis 1935 als Ortspfarrer an der evangelischen Michaelskirche wirkte.[1]
Während des nationalsozialistischen Kirchenkampfes spielte Brendle eine bedeutsame Rolle bei den Protesten gegen die Absetzung des württembergischen Landesbischofs Theophil Wurm im Jahr 1934. In Hochdorf an der Enz initiierte und organisierte er eine Unterschriftensammlung zur Unterstützung Wurms, an der sich ein Großteil der evangelischen Gemeindeglieder beteiligte, und die als Protestgemeinde maßgebend für das Ablassen Hitlers von seiner Absetzung war.[2]
Die von Brendle gesammelten Unterschriften wurden Teil einer landesweiten, koordinierten Protestbewegung zahlreicher württembergischer Pfarrer und Kirchengemeinden. Diese breite kirchliche Mobilisierung gilt in der kirchenhistorischen Forschung als ein wesentlicher Faktor dafür, dass das nationalsozialistische Regime die Absetzung Wurms letztlich nicht durchsetzen konnte.[2]
Brendle dokumentierte die Vorgänge umfassend in einer eigenen Aktenmappe zum Kirchenkampf. Im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten kam es zu polizeilichen Ermittlungen sowie zur Beschlagnahme eines Gemeindeblatts. Sein Handeln ist archivisch belegt und wird als Beispiel für die Wirksamkeit lokalen kirchlichen Widerstands gegen staatliche Eingriffe gewertet.[2]
Pfarramt in Sontheim (1935–1962), Konflikte mit dem NS-Regime
Nach einem zeitgenössischen Bericht von Helmut W. Ziefle geriet Brendle bereits vor seinem Wechsel nach Sontheim in Konflikt mit dem nationalsozialistischen Regime. Während seiner Amtszeit im Raum Vaihingen an der Enz kritisierte er in einem Artikel des kirchlichen Gemeindeblatts die zunehmende staatliche Kontrolle über die Kirchen sowie die Abkehr des Regimes von der ursprünglich propagierten Politik der Nichteinmischung. Dabei zitierte er den Galaterbrief des Apostels Paulus (Gal 2,4), um vor einer Unterwanderung kirchlicher Freiheit zu warnen.[3]
Als Reaktion darauf untersagten die nationalsozialistischen Behörden das Erscheinen des Gemeindeblatts für mehrere Monate.[4]
Auch während seiner Tätigkeit in Sontheim stand Brendle unter Beobachtung staatlicher Stellen. Öffentliche Kritik am Regime von der Kanzel unterließ er nach eigenen zeitgenössischen Einschätzungen aus Sorge vor einer Verhaftung. Gleichwohl setzte er sich weiterhin für die kirchliche Unterweisung und den Gebrauch der Bibel im Gemeindeleben ein. Laut Ziefle wurde Brendle dabei von der Gestapo überwacht und von Schulbehörden wiederholt kritisiert. In einem geschilderten Vorfall wurde er von Polizeibeamten vom Schulgelände entfernt, als er dort weiterhin Religionsunterricht erteilen wollte.[5]
Ziefle beschreibt zudem Störungen von Gottesdiensten durch nationalsozialistische Aufmärsche und Gesang, die das Predigen erheblich beeinträchtigten. Trotz dieser Einschüchterungsversuche setzte Brendle seine seelsorgerliche Tätigkeit fort.[6]
1935 wechselte Brendle als Pfarrer an die evangelische Matthäusgemeinde in Sontheim, heute ein Stadtteil von Heilbronn. Er blieb dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962 tätig.
Bereits zu Beginn seiner Amtszeit setzte er sich für eine Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Gemeinde ein. 1937 entzog ihm das württembergische Kultusministerium das Recht, Religionsunterricht zu erteilen. Diese Maßnahme stand im Zusammenhang mit den kirchenpolitischen Spannungen zwischen der Landeskirche und dem nationalsozialistischen Staat.[7]
Während der letzten Kriegsmonate und der unmittelbaren Nachkriegszeit dokumentierte Brendle die Ereignisse vor Ort in einer später verfassten lokalen Kriegschronik. Nach 1945 beteiligte er sich am Wiederaufbau des kirchlichen Lebens in Sontheim, unter anderem durch Benefizveranstaltungen sowie durch die Förderung ökumenischer Kontakte.[2]
Ruhestand und Tod
Nach seiner Emeritierung im Jahr 1962 lebte Brendle in Heilbronn. Auch im Ruhestand blieb er kirchlich interessiert und stand mit verschiedenen Gemeinden in brieflichem Kontakt. Theophil Brendle starb am 24. März 1987 im Alter von 91 Jahren.[1]
Familie
Theophil Brendle war verheiratet mit Martha Maria Friederike Brendle, geb. Dippon; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.[1] Unter seinen Enkeln ist Simon Brendle (* 1981), Professor für Mathematik an der Columbia University in New York.
Nachlass
Der Nachlass von Theophil Brendle wird im Evangelischen Archiv Baden und Württemberg (Bestand D 204) aufbewahrt.[1] Er umfasst Unterlagen aus den Jahren 1924 bis 1984, darunter Predigtmanuskripte, Korrespondenzen, Dokumente zum Kirchenkampf, eine Kriegschronik sowie persönliche Aufzeichnungen. Der Bestand gilt als wichtige Quelle für die lokale Kirchengeschichte Württembergs im 20. Jahrhundert.[2]
Literatur
- Evangelisches Archiv Baden und Württemberg: Nachlass Theophil Brendle (Bestand D 204).
- Württembergische Kirchengeschichte Online: Beiträge zur Erschließung des Nachlasses Brendle.
- Heilbronner Stimme: Archivartikel zur Matthäusgemeinde Sontheim.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Nachlass Brendle, Theophil (1896–1987). In: Evangelisches Archiv Baden und Württemberg. Abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ a b c d e Pfarrer Theophil Brendle (1896–1987) – Ein kleiner Name in der großen Geschichte. In: Württembergische Kirchengeschichte Online. Abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Helmut W. Ziefle: One Woman Against the Reich: The True Story of a Mother's Struggle to Keep Her Family Faithful to God in a World Gone Mad. New York 1981, S. 27.
- ↑ Helmut W. Ziefle: One Woman Against the Reich. 1981, S. 27.
- ↑ Helmut W. Ziefle: One Woman Against the Reich. 1981, S. 27.
- ↑ Helmut W. Ziefle: One Woman Against the Reich. 1981, S. 27.
- ↑ Der Weg zur eigenen Gemeinde war weit. In: Heilbronner Stimme. Abgerufen am 5. Januar 2026.