Theodor Wendelstadt
Theodor Friedrich Wendelstadt (* 12. Juni 1820 in Hannover; † 27. Mai 1881 in Pau (Frankreich)) war ein deutscher Bankmanager und Handelskammervorsitzender.
Leben
Wendelstadt war der Sohn der Wegebaumeisters Georg Dietrich Wendelstadt (* 1790; † 1860). Dieser war Wegebaumeister bei der Generalbaukommission in Hannover, 1844 Wegebaumeister für den Bezirk Stade, zuletzt mit dem Titel Wegebaurat. Der Großvatre war der Kammeralarzt in Wetzlar, Johann Georg Wendelstadt (* 1744; † 1797). Die Mutter war Magdalene Margarete Elisabeth geborene Wehner (* 1798; † 1874) aus Stade, die Tochter des Hofrats in Stade David Heinrich Mathias Wehner und der Amalie Elisabeth Dorothea Spillner.
1854 heiratete er in Amsterdam Alberta Johanna Walkart van Idsinga (* 1832; † 1901 auf Schloss Neubeuern). Aus der Ehe ging der gemeinsame Sohn Johann (Jan) Georg Victor (* 1856; † 1909) hervor. Dieser wurde gemeinsam mit seiner Mutter am 19. Februar 1887 in den Sachsen-Meiningenischer Freiherrnstand erhoben. Johann (Jan) Georg Victor Freiherr von Wendelstadt heiratete Julie Gräfin von Degenfeld-Schonburg (* 1871; † 1942), eine Briefpartnerin Hugo von Hofmannsthals.
Die finanziellen Verhältnisse der Familie erlaubten den Kindern kein Studium. Über die Mutter verfügte die Familie über Verbindungen zu international tätigen Kaufmannsfamilien. Theodors älterer Bruder Victor Wendelstadt heiratete eine Enkelin von Abraham Schaaffhausen. Hierdurch entstanden enge familiäre Beziehungen zur Hochfinanz. 1853 wurde Wendelstadt Direktor (Vorstand) der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt. 1867 erwarb er das Bürgerrecht in Darmstadt. Er wurde Mitglied, 1873 stellvertretender Präsident und von 1875 bis 1880 Präsident der Handelskammer Darmstadt.
Ehrungen
Wendelstadt wurde zum Großherzoglich Hessischen Geheimen Kommerzienrat ernannt. Am 12. Februar 1872 erhielt der die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des Kommandeurkreuzes des spanischen Ordens Karls III. Am 25. Mai 1878 wurde er mit dem Komturkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet.
1872 wurde die Wendelsstadtstraße im Johannesviertel in Darmstadt nach ihm benannt. Die Nationalsozialisten waren der fälschlichen Annahme, Wendelsstadt sei Jude gewesen und benannten die Straße am 10. Oktober 1938 in Sudetengaustraße um. Auch nachdem der Irrtum aufgefallen war, blieb die Umbenennung bestehen. Nach dem Krieg wurde die Straße in Wilhelm-Leuschner-Straße umbenannt. 1992 wurde die Wendenstadtanlage in Kranichstein nach ihm benannt.
Literatur
- Kurzbiographie im Stadtlexikon Darmstadt Digitalisat, Beitrag von Susanne Király
- Morten Reitmayer: Bankiers im Kaiserreich – Sozialprofil und Habitus der deutschen Hochfinanz, 2000, ISBN 978-3-647-35799-7, S. 92, Digitalisat.
Weblinks
- Wendelstadt, Theodor. Hessische Biografie. (Stand: 4. August 2025). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).