Theodor Julius Jaffé
Theodor Julius Jaffé, auch Julius Jaffé (* 17. August 1823 in Berlin; † 11. April 1898 in Dresden) war ein deutscher Opernsänger, Theaterregisseur und Theaterschauspieler.
Leben
Jaffé war der Sohn eines Berliner Kaufmanns. Er wurde von seinen Eltern für die juristische Laufbahn bestimmt und wurde adher wissenschaftlich ausgebildet. Er widmete sich jedoch, seiner Neigung folgend, dem Gesang und später dem Theaterspiel. Er nahm Gesangsunterricht von Josef Elßler (dem Bruder von Fanny Elßler) und Vinzenz Kugler in Berlin und ließ sich später in Wien bei Giovanni Gentiluomo zum Opernsänger ausbilden.[1] Nachdem er seine Gesangsstudien vollendet hatte, trat er 1844 erfolgreich als Baritonsänger und Schauspieler in Troppau, dann in Lübeck, Halle, Magdeburg und Köln in komischen Opernpartien auf. Doch mehr und mehr erkannte er, dass das rezitierende Drama das eigentliche Feld für seine Begabung war, ging er 1847 zum Schauspiel über und übernahm in Bremen das erste Charakterfach.[2]
Im Jahr 1849 wurde Jaffé Mitglied des Weimarer Hoftheaters und kam 1853 als Charakterspieler und Regisseur nach Breslau. Hier trat er am 25. November 1853 in den Bund der Freimaurer ein, kam dort jedoch nie über den Lehrlingsgrad hinaus. Später war er bis zu seinem Tod als ständiger Besucher in den Dresdner Logen Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute und Zum goldnen Apfel.[3] Sein letztes Gastspiel in Breslau war er am 25. und 26. Mai 1873 im Lobe-Theater in dem Trauerspiel Die Räuber und dem Lustspiel Carl der Zwölfte auf der Heimkehr zu sehen.[4]
Ab 1856 arbeitete er am Hoftheater in Braunschweig, wo er seine Fähigkeiten weiter entwickelte und sich die Gunst des Herzogs und die Sympathie des Publikums erwarb. Durch seinen stetigen Erfolg wurde er 1864 als Nachfolger Bogumil Dawisons an das Königliche Hoftheater nach Dresden geholt. Er war bis zu seiner Pensionierung im Dezember 1894 dort tätig.[5] Lange Jahre hindurch fungierte er zudem als Lehrer der Schauspielkunst am königlichen Konservatorium. Als diese Arbeit neben seiner künstlerischen Tätigkeit zu viel Zeit beanspruchte, gab er seine Lehrtätigkeit auf.[6]
Am 30. November 1894 trat er in den Ruhestand und wurde zum Professor ernannt. 1894 wurde Jaffé zum Professor ernannt und erteilte Schauspielunterricht. Er nahm unter den deutschen Schauspielern eine hervorragende Stellung ein, obwohl er dem modernen Virtuosentum wie der Reklame fern steht.
Er verstarb 1898 und wurde auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden beigesetzt.[7]
Rollen (Auswahl)
- Nathan in Nathan der Weise (Gotthold Ephraim Lessing)
- Richard III. in Richard III. (William Shakespeare)
- Shylock in Der Kaufmann von Venedig (William Shakespeare), unter anderem in der Abschiedsvorstellung im Dezember 1894
- Jago in Othello (William Shakespeare)
- Franz Moor in Die Räuber (Friedrich Schiller)
- Vetter Siegel in Der gerade Weg der beste (Lustspiel August von Kotzebue), 13. März 1873 im Stadttheater in Posen
- Mephisto in Faust I (Johann Wolfgang von Goethe)
- Philipp II. in Don Carlos (Friedrich Schiller)
- Marinelli, Carlos, Graf Thorane in Der Königsleutnant (Karl Gutzkow)
- Narziß, Tartüff in Tartuffe (Molière)
Mitgliedschaften (Auswahl)
- Mitglied der Freimaurerloge „Amalia“ in Weimar[3]
Familie
Jaffé war mit Minna Emilie (geborene Schwabe) verheiratet, mit der er mindestens einen Sohn hatte:
- Carl Jacob Anton Max Jaffé (1852–1919) ⚭ Marie Louise Nachod (1848–1924)
Literatur
- Jaffé, 2) Theodor Julius, Schauspieler. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 123.
- Hermann Arthur Lier: Jaffé, Theodor Julius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 732 f.
- Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 469–470 (daten.digitale-sammlungen.de).
Weblinks
- Theodor Julius Jaffé sammlungsdatenbank-museen-dresden.de (Fotografien)
Einzelnachweise
- ↑ 11. Theodor Julius Jaffé, Königl. Sächs. Hofschauspieler a. D., Königl. Professor. In: Deutsches Buhnen-Jahrbuch. Hamburg 1899, S. 169 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Jaffé, 2) Theodor Julius, Schauspieler. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 123.
- ↑ a b Weimar. In: Robert Fischer (Hrsg.): Latomia. Neue Folge 21, 1898, S. 70 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Breslauer Zeitung. 54. Jahrgang, Nr. 239. Eduard Trewendt, 25. Mai 1873, S. 1880, Spalte 2 oben (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 469–470 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Adolph Kohut: Julius Jaffé. In: Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. A. H. Payne, Leipzig-Reudnitz 1900, S. 213 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Todtenschau. In: Dresdner Geschichtsblätter. Nr. 4, 1898, S. 135.