Theodor Johannes Lehmann

Theodor Johannes Lehmann (* 10. August 1920 in Groß Wandriß, Kreis Strehlen, Provinz Niederschlesien; † 29. August 1991 in Hannover) war ein deutscher Maschinenbau- und Bauingenieur. Er wirkte als ordentlicher Professor für Mechanik an der Ruhr-Universität Bochum.

Leben

Theodor Lehmann besuchte das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium im schlesischen Strehlen, wo er 1937 sein Abitur erhielt. Er studierte – nach Reichsarbeitsdienst und Unterbrechungen durch den Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg – ab 1942 Allgemeinen Maschinenbau an der TH Breslau und der TH Hannover. Als Student trat er in Hannover der Kameradschaft I Johannes Böttcher des NSDStB bei, aus der nach dem Krieg wieder der Verein Deutscher Studenten Hannover I hervorging, dem er dann als Alter Herr angehörte.[1] Lehmann schloss das Studium 1949 als Diplom-Ingenieur ab und war verheiratet mit der promovierten Traute Lehmann, geborene Weber. Im November 1944 war sein Sohn, der Theologe und Erziehungswissenschaftler Rainer Hans-Jürgen Lehmann,[2] in Strehlen geboren worden. Ab 1949 war Theodor Lehmann Assistent am Lehrstuhl für Mechanik, an dem er 1952 mit der Dissertation Ein Beitrag zur Theorie axial durchströmter Schaufelgitter zum Dr.-Ing. promoviert wurde. Anschließend arbeitete er vier Jahre als Ingenieur im Senkingwerk in Hildesheim, bevor er 1956 an die TH Hannover zurückkehrte. Er war bis 1958 Oberingenieur am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (unter Otto Kienzle) und danach am Lehrstuhl für Mechanik und Festigkeitslehre bei Eduard Pestel in Hannover, bei dem er sich 1959 habilitierte mit dem Thema Einige Betrachtungen zu den Grundlagen der Umformtechnik. Er befasste sich damals insbesondere mit Plastizitätstheorie. Er war danach dort Privatdozent und ab 1961 ordentlicher Professor für Baumechanik. 1969 wurde er der erste Professor für Technische Mechanik (Lehrstuhl Mechanik I) an der Ruhr-Universität Bochum, an der er als 1972/1974 Prorektor amtierte. Zu seinen speziellen Arbeitsgebieten gehörte die Kontinuumsmechanik. Von 1977 bis 1983 war er Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Jahr 1983 erhielt er die Kopernikus-Medaille der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde 1985 in Bochum emeritiert, verwaltete den dortigen Lehrstuhl aber weiter kommissarisch bis zur Ernennung seines Nachfolgers Otto Bruhns 1987.

Er starb 1991 in Hannover nach einer Operation.

Schriften

  • mit Otto Bruhns: Elemente der Mechanik. 3 Bände. Vieweg 1993/94 (Band 1: Einführung, Statik, Band 2: Elastostatik, Band 3: Kinetik)
    • zuerst in 4 Bänden, Vieweg 1974–1979 (2. Auflage 1984/85)
  • mit Horst Klepp: Technische Mechanik, 2 Bände, Heidelberg: Hüthig 1987 (Band 1: Elastostatik, Band 2: Kinematik und Kinetik, Schwingungen, Stoßvorgänge)
  • als Herausgeber: The constitutive law in thermoplasticity. Springer Verlag, 1984.
  • als Herausgeber und Bearbeiter: Sandor Kaliszky: Plastizitätslehre. VDI Verlag, 1984 (aus dem Ungarischen).

Literatur

  • W. Muschik (Hrsg.) Non-equilibrium thermodynamics with application to solids: dedicated to the memory of Professor Theodor Lehmann. Springer Verlag, 1993.
  • Lehmann, Theodor. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 749.

Einzelnachweise

  1. Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/III: Bereich NORD, Federsee-Verlag Bad Buchau 2025, ISBN 978-3-948502-24-9, S. 508–509.
  2. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 749.