Theodor Hügi
Theodor Hügi (* 9. Mai 1913 in Langenthal (heimatberechtigt in Niederbipp); † 11. Januar 2003) war ein Schweizer Geologe und Mineraloge.
Werdegang
Nach dem Gymnasium in Burgdorf studierte er Naturwissenschaften in Bern, Paris und Tübingen, erhielt 1938 das Diplom des Höheren Lehramtes und promovierte 1940 an der Universität Bern mit einer Arbeit über das Aarmassiv.[1] Er war Schüler des Geologen Heinrich Huttenlocher. Anschliessend absolvierte er weiterführende Studien an den Universitäten in Aberdeen und Cambridge.
Von 1939 bis 1945 arbeitete Hügi als wissenschaftlicher Assistent in Zürich und Bern und war während des Zweiten Weltkriegs dem Geologischen Dienst der Armee zugeteilt.[2] 1945 trat er eine Stelle als Experte beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum an[3][4] und verliess diese auf Ende September 1947 wieder. 1947 wurde er Oberassistent am Mineralogisch-petrographischen Institut der Universität Bern. In den frühen 1950er Jahren wurde Hügi von der UNESCO beauftragt, an der Technischen Universität Istanbul ein hydrogeologisches Institut aufzubauen. Dort leitete er den Aufbau eines Studiengangs und einer hydrogeologischen Dokumentation und war an praktischen Felduntersuchungen in Anatolien beteiligt.[5][6][7] 1955 erhielt er die Venia Legendi für Mineralogie und Petrographie und war massgeblich am Aufbau der Geochemie an der Universität Bern beteiligt. 1957 erfolgte seine Ernennung zum Extraordinarius[8] und 1971 zum Ordinarius für Geochemie und Petrochemie. Er leitete die Abteilung Geochemie am Mineralogischen Institut, war 1976/77 Dekan der Fakultät[9] und trat 1979 in den Ruhestand.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit umfasste ein Spektrum von Feldpetrographie über archäologische Untersuchungen, Meteoritenkunde, Lagerstätten, Hydrologie bis zu Laboratoriumsmethoden der Geochemie. Er veröffentlichte über 70 wissenschaftliche Arbeiten.[10]
Engagement und Bedeutung
Neben Forschung und Lehre engagierte er sich für Naturschutz und Bildung. Bekannt wurde er durch seine umfangreichen Studien zum Aarmassiv und zur Lagerstättenkunde sowie für die Erstellung der geologischen Karte des Lötschentals.[11]
Seit 1956 leitete er den «Arbeitsausschuss für die Untersuchung schweizerischer Mineralien und Gesteine auf Atombrennstoffe und seltene Elemente»[12] und beschäftigte sich intensiv mit den Schweizer Uranvorkommen.
1966 wurde er Mitglied der Eidgenössischen Fachkommission für schweizerische Uranvorkommen, wo er bis in die späten 1970er Jahre beratend tätig war und die prospektorischen sowie wissenschaftlichen Aktivitäten innerhalb der Schweiz massgeblich beeinflusste.[13]
Hügi trug wesentlich zur Erforschung der Uranvorkommen in der Schweiz bei und publizierte in den 1950er Jahren wichtige geologische und geochemische Studien, die den Stand der Uranforschung dokumentierten und grundlegende Erkenntnisse lieferten. Seine Arbeiten sind bis heute eine wertvolle Grundlage für die geologische Bewertung der Uranressourcen in der Schweiz.
Er widmete sich nach seiner Professur verstärkt familiären Interessen und verbrachte Aufenthalte im Lötschental, dessen geologische Karte er mitverfasste.[11][14]
Schriften (Auswahl)
- Theodor Hügi, Viktor Köppel, Francis de Quervain, Erwin Rickenbach: Die Uranvererzungen in Isérables (Wallis) In: Beiträge zur Geologie der Schweiz Geotechnische Serie. 42, 1967.[15]
- Theodor Hügi: Uranvorkommen in der Schweiz. In: Jahrbuch des Oberaargaus. 6, 1963. S. 127–142.[16]
- Heinrich Huttenlocher, Theodor Hügi: Der Meteorit von Utzenstorf: Eine petrologische und petrochemische Studie." In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern, N.F., 9, 1952. S. 67–128.
- Theodor Hügi: Petrographische Beobachtungen im Zuleitungsstollen Gadmenthal-Rotlaui der Kraftwerke Oberhasli AG. In: Eclogae Geologicae Helvetiae, 48,1955, 703–710.
- Theodor Hügi: Petrographische Beobachtungen zwischen Lonza und Petersgrat (westliches Aarmassiv). In: Eclogae Geologicae Helvetiae, 40, 1947, 487–495.
- Theodor Hügi: Zur Petrographie des östlichen Aarmassivs (Bifertengletscher, Limmerboden, Vättis) und des Kristallins von Tamins. In: Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen. 21, 1941, 1. S. 1–120.[1] Dissertation Universität Bern.
Literatur
- Ulrich Imhof: Hochschulgeschichte Berns 1528–1984: zur 150-Jahr-Feier der Universität Bern 1984. Universität Bern, 1984. S. 754.[17]
- Toni Labhart, Ernst Niggli: Prof. Dr. Theodor Hügi: 70jährig. In: Der Bund. Band 134. Nummer 106, 7. Mai 1983.
- Ist die Schweiz wirklich rohstoffarm? In: Der Bund. Band 126, Nummer 121, 28. Mai 1975.
- Prof. Dr. Theodor Hügi 60jährig. In: Neue Berner Zeitung. Band 129, Nummer 108, 10. Mai 1973.
- Die Suche nach Uranvorkommen. In: Schweizerische Bauzeitung. 82. Jg., Nr. 45, 1964, S. 792.
- Uran im Wallis. In: Walliser Volksfreund. Band 39, Nummer 16, 25. Februar 1958.
- Walter Nabholz: Der militärgeologische Dienst in der Schweizerischen Armee. In: Technische Mitteilungen für Sappeure, Pontoniere und Mineure. 4, 1949. S. 151–156.
Einzelnachweise
- ↑ a b Theodor Hügi: Zur Petrographie des östlichen Aarmassivs (Bifertengletscher, Limmerboden, Vättis) und des Kristallins von Tamins. In: Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen. Band 21, Nr. 1, 1941, S. 1–120 (online [abgerufen am 29. September 2025]).
- ↑ Aus dem Geologischen Dienst der Schweizer Armee, 1939–1945. Rudolf Trümpy †. In: Swiss bulletin für angewandte Geologie. 14. Jg., Nr. 1/2, 2009, S. 6 (Abbildung: Trinkwasser-Kurs des Geologischen Dienstes, Ende 1944. Vordere Reihe; PDF; 4,4 MB).
- ↑ Herr Dr. phil. Theodor Hügi, geb. 1913, von Niederbipp, wird mit Wirkung ab 1. Januar 1947 als wissenschaftlicher Experte II Kl. (8. Besoldungsklasse) des Amtes für geistiges Eigentum gewählt. In: Protokoll der 2. Sitzung des schweizerischen Bundesrates. 7. Januar 1947, S. 25 (PDF; 13,7 MB).
- ↑ Hügi Theodor, 9.5.1913 (Dossier). In: Schweizerisches Bundesarchiv. Abgerufen am 3. Oktober 2025. Online-Zugang zum Bundesarchiv.
- ↑ Adreß-Aenderungen. In: Bulletin der Vereinigung Schweiz. Petroleum-Geologen und -Ingenieure. Band: 18 (1951), Heft: 55, Seite 22. Abgerufen am 4. Oktober 2025: „[S. 22, Adreß-Aenderungen]: Hügi, Th., Dr., Geologe, z. Zt. c/o Unesco Technical Assistance Mission, Teknik Universitesi, Istanbul (Türkei) [Nachrichten] Dr. Th. Hügi, Wabem-Bern, ist von der Unesco für Vorlesungen über Mineralogie nach Istanbul berufen worden.“
- ↑ Die technische Hilfe der Unesco an die Türkei. In: Bulletin der Vereinigung Schweizerischer Petroleum-Geologen und -Ingenieure. Vol. 19, Nr. 57, 31. Dezember 1952, S. 62–64 (PDF; 1,7 MB).
- ↑ UNESCO-Bericht, 1950er Jahre.
- ↑ Professor Dr. Theodor Hügi. In: Der Bund. Abendausgabe. Band 108, Nr. 439, 20. September 1957 (online): «Der Regierungsrat des Kantons Bern hat PD Professor Dr. Theodor Hügi, Oberassistent am Mineralogisch-Petrographischen Institut, zum außerordentlichen Professor befördert.»
- ↑ Dekanate. (PDF; 5,5 MB) In: archivwissenschaft.ch. S. 20, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Prof. Dr. Th. Hügi 60jährig. Der Bund, Band 124, Nummer 107, 9. Mai 1973.
- ↑ a b Erläuterungen zum Atlasblatt 82, 1286 Lötschental
- ↑ Die Suche nach Uranvorkommen. In: Schweizerische Bauzeitung. 82. Jg., Nr. 45, 1964, S. 792, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Eidgenössischer Staatskalender, 1967, S. 307:
Fachkommission für schweiz. Uranvorkommen (PDF; 4,8 MB)
Vorsitzender:- Der Delegierte für Fragen der Atomenergie, Bern
- Eugster Ernst, Dr., Direktor der Eisenbergwerke Gonzen AG , Sargans
- Gilliéron Felix, Dr., Adjunkt, Eidg. Amt für Wasserwirtschaft, Bern
- Hügi Theodor, Dr., Professor, Arbeitsausschuss für die Untersuchung Schweiz. Mineralien und Gesteine auf Atombrennstoffe und seltene Elemente, Wabern
- Niggli Ernst, Dr., Professor, Studiengesellschaft für die Nutzbarmachung Schweiz. Lagerstätten mineralischer Rohstoffe, Liebefeld-Bern
- Woodtli Robert, Dr ès sc., professeur de minéralogie, Grandvaux.
- ↑ Theodor Hügi: Willkommene Orientierungshilfe. Zur Geologischen Karte des Lötschentals. In: Walliser Volksfreund. Band 66, Nr. 38, 12. Dezember 1985 (e-newspaperarchives.ch).
- ↑ Inhaltsverzeichnis
- ↑ Theodor Hügi: Uranvorkommen in der Schweiz. In: Jahrbuch des Oberaargaus. Band 6, 1978, S. 127–142 (online [PDF; 464 kB]).
- ↑ Ulrich Im Hof: Hochschulgeschichte Berns 1528-1984: zur 150-Jahr-Feier der Universität Bern 1984. Universität Bern, 1984 (google.ch [abgerufen am 4. Oktober 2025]): „Während langer Zeit befasste sich diese Abteilung in den sechziger und siebziger Jahren mit Uranprospektion und Urangeologie. Nachfolger Hügis wurde Tjerk Peters.“