Theaterplatz (Aschaffenburg)

Theaterplatz
Platz in Aschaffenburg

Blick über die Ostecke des Theaterplatzes auf Rathaus und Stadtverwaltung
Basisdaten
Ort Aschaffenburg
Ortsteil Stadtmitte (Altstadt)
Angelegt 20. Jahrhundert
Neugestaltet 2008 bis 2011
Einmündende Straßen Dalbergstraße, Judengasse, Schloßgasse
Bauwerke Stadttheater Aschaffenburg, Altes Rathaus, Kirche Unsere Liebe Frau, Rathaus und Stadtverwaltung Aschaffenburg
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Öffentlicher Verkehr, Tiefgarage
Technische Daten
Platzfläche ca. 1600 m²

Der Theaterplatz liegt zentral in der Altstadt Aschaffenburgs. Der nahezu quadratische Platz wird im Nordwesten vom namensgebenden Stadttheater Aschaffenburg, im Nordosten von neuerer Wohnbebauung, im Südosten vom moderneren Gebäude des Neuen Rathauses und der Stadtverwaltung, im Süden vom Alten Rathaus und im Westen von der ältesten Pfarrkirche Aschaffenburgs, der Muttergottespfarrkirche, eingerahmt.

Er wurde nach der Neugestaltung um 2010 als großflächige Sonnenuhr angelegt und ist in seiner Südecke durch eine überdachte Stadtloggia mit Gastronomie aufgewertet. Die archäologischen Untersuchungen der 1990er Jahre und die späteren Auswertungen lassen den Schluss zu, dass der Platz wie die Altstadt Aschaffenburgs, der Aschaffenburger Stadtberg, gegen Ende des 4. Jahrhunderts bzw. am Beginn des 5. Jahrhunderts – also bereits in der Spätantike – dauerhaft besiedelt wurde.

Geschichte

Der Theaterplatz war ursprünglich ein bebauter Teil der Altstadt Aschaffenburgs, der jedoch durch die Bombardierung Aschaffenburgs während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört wurde und als Brache mit einer Fläche von etwa 8000 Quadratmetern lange das Altstadtbild prägte. Die eingeebnete Freifläche erhielt ihren Namen zunächst durch den Volksmund vom nordwestlich anstoßenden, 1811 unter Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg erbauten Stadttheater, ehe Jahrzehnte später der Platz offiziell so bezeichnet wurde. Das Areal wurde bis in die 1990er Jahre als Parkplatz genutzt.

Im Zuge einer geplanten Neugestaltung mit Architekturwettbewerb für eine großzügige Neubebauung mit Tiefgarage ab Mai 1994 erfolgte in den Jahren 1995[1] bis 1997 die größte archäologische Flächengrabung in Aschaffenburg in zwei größeren Suchschnitten, die interessante Informationen zur Geschichte Aschaffenburgs ergab. Dabei wurde eine größere Fläche südlich des Theaters und dann das östliche Ende Richtung Pfaffengasse ergraben. Insgesamt ergaben sich ca. 10.300 archäologische Fundkomplexe. Die Tiefe der festgestellten Kulturschichten reichte von durchschnittlich 2 bis auf 5 Metern Tiefe. Funde reichen zurück bis zu einem mittelpaläolithischen Faustkeil aus Feuerstein und einem Seitenschaber aus Hornstein, die dem Neandertaler zugeordnet werden.

Dem Neolithikum konnte eine Steinbeilklinge und Fragmente von zwei Lochhammeräxten zugewiesen werden. Der bronzezeitliche Fundniederschlag ist nur gering. Eine kleine Keramikserie aus dem südwestlichen Areal des ersten Grabungsabschnittes lässt sich der Urnenfelderzeit zuordnen. Funde von bronzenen Fibeln und bearbeitete und verzierte Perlen werden der frühen und mittleren Latènezeit zugerechnet.

Funde aus der Spätantike und der Zeit der Völkerwanderung zeigen Pfostenreste von Grubenhäusern und verweisen auf eine erste Besiedlungsphase. Dabei wurden z. B. Fragmente rädchenverzierter sogenannte Argonnensigillata, Mayener Ware und Reste von Reibschüsseln gefunden, wie auch Utensilien des täglichen Lebens u. a. Überreste von bronzenen Fibeln, einer Pinzette, einer Gürtelgarnitur, Glasperlen sowie ein Spielstein aus blauem Glas, ein Knochenkamm und verzierte Spinnwirtel. Durch Münzen, darunter eine Siliqua von Constantius III. (um 410), kann ein Bezug auf die vom Geographen von Ravenna erwähnte alamannische Siedlung „ascapha“ gegeben sein. Direkte frühmittelalterliche Funde fehlen.

Erst für das Hochmittelalter sind Funde für das 10./11. Jahrhundert nachweisbar, die durch eine großflächige Aufplanierung des Geländes im 11./12. Jahrhundert und neuer Gebäude der erfolgten Stadtbildung überlagert wurden. Hier konnten verschiedene Fundamente der sogenannten Stiftshöfe nachgewiesen werden. Die Ausgrabung an der Ostseite zeigt, das ein Feuer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts größere Teile der Altstadt verheert haben muss. Der Wiederaufbau nach dem Brand wurde offenbar zu Veränderungen in der Parzellierung genutzt. Durch die Steinbauten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit haben sich kaum weitere Kulturschichten gebildet. Allein die ehemalige städtische Zehntscheuer aus dem 16./17. Jahrhundert wurde angegraben und ein Teil einer Giebelfront und einer Traufseite erfasst. Die Funde sind bis dato noch nicht vollständig ausgewertet (Stand 2025).[2][3]

Der zur Dalbergstraße hin gelegene, despektierlich auch nur Vorplatz des Stadttheaters genannte, Platz wurde dann ab 2006 in einem intensiven Prozess mit verschiedenen Interessengruppen der Stadt und in den Jahren 2008 bis 2011 nach Entwürfen der Firma Scheffler+Partner neu gestaltet. Das Stadttheater erhielt zum Platz hin einen Anbau mit Glashalle sowie ein auskragendes Vordach. Die Nordostseite des Platzes wurde durch eine Wohnbebauung geschlossen. An der Südecke zur Dalbergstraße und Altem Rathaus hin wurde eine moderne Art offene Stadtloggia mit auf Stelzen stehender Überdachung und großflächiger Verglasung angebaut. In ihr befindet sich eine Gastronomie.

Der Platz selbst wurde großflächig mit einer Bodensonnenuhr belegt, die die berühmte Sonnenuhr von Kaiser Augustus in Rom zum Vorbild nahm und versucht, moderne Stadtplanung mit antiker Astronomie zu verbinden und gleichzeitig eine Brücke zur spätantiken Besiedlung Aschaffenburgs zu schlagen. Der Gnomon der Sonnenuhr ist ein 6,40 Meter hoher Schattenwerfer; in eine Aussparung war ursprünglich ein computergesteuerter Halogenstrahler eingesetzt, damit nachts die Zeit (MEZ) auf dem Platz abgelesen werden konnte. Die Sonnenuhr ist so aufgebaut, dass sie die wahre Ortszeit anzeigt.[4][5] Die Bodensonnenuhr wurde 2006 bis 2007 von dem Bildhauer Christian Tobin in Zusammenarbeit mit Gnomist Yves Opizzo geschaffen.[6]

An der Westseite des Platzes führt ein kleiner Wasserlauf parallel zur Schlossgasse vom Eingang des Stadttheaters bis zur Stadtloggia. Auf der östlichen Seite wurden mehrere Lichtstelen installiert. Die Oberfläche des Theaterplatzes wurde mit Granit aus dem Bayerischen Wald belegt.[4]

Literatur

  • Ina Gutzeit, Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 215–233
  • G. Ermischer u. a.: Aschaffenburg „Obere Stadt“ – Beginn der Rettungsgrabungen auf dem Theaterplatz. Das Archäologische Jahr in Bayern 1995, 147–150.
  • M. Dupper, I. Wolf, Aschaffenburg „Obere Stadt“ – die Ausgrabung auf dem Theaterplatz, Das Archäologische Jahr in Bayern 1996 (1997), S. 177–180.
  • K. Ramstetter: Die völkerwanderungszeitliche Siedlung auf dem Aschaffenburger Stadtberg. Ergebnisse der Ausgrabungen 1996/97 auf dem Theaterplatz. Berichte der Bayerischen Bodendenkmalpflege 54, 2013, S. 201–319.
  • I. Wolf, J. Wörner: Stadtkernarchäologische Ausgrabung Aschaffenburg „Theaterplatz“-Grabung vom 01.04.96–27.03.97. Unveröffentlichter Grabungsbericht.
Commons: Theaterplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1995 mit einer Sondagengrabung, ab April 1996 dann bis Ende März 1997 in zwei ausgewählten Schnitten: Schnitt 1 in einem neuzeitlichen Gartenbereich, so dass die tieferen zeitlichen Kulturschichten leicht erreicht wurden, Schnitt 2 in einem Hofbereich zwischen zwei Gebäuden, mit dem Ziel der Erfassung der Fundamente des sogenannten Stäblerhauses, das als ältester 1182 beurkundeter profaner Steinbau Aschaffenburgs galt.
  2. Bodendenkmäler – Theaterplatz auf aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de (Aschaffenburg 2.0 Das partizipative Stadtlabor); abgerufen am 20. November 2025
  3. Aschaffenburg, Theaterplatz im BaLISminK (Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik); abgerufen am 20. November 2025
  4. a b Die Altstadt, Website der Stadt Aschaffenburg; abgerufen am 20. November 2025.
  5. Sonnenuhr Aschaffenburg, Informationsseite der Astronomiefreunde Aschaffenburg e.V. ehemals Förderkreis Sonnenuhr Aschaffenburg e.V.; abgerufen am 20. November 2025.
  6. Sonnenuhr „Im Lauf der Zeit“, auf aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de (Aschaffenburg 2.0 Das partizipative Stadtlabor); abgerufen am 4. Dezember 2025.

Koordinaten: 49° 58′ 26″ N, 9° 8′ 40,8″ O