The Zia Company
Die The Zia Company war ein amerikanisches Dienstleistungsunternehmen, das von 1946 bis 1986 für den technischen Betrieb der Los Alamos National Laboratory sowie zeitweise auch für den Betrieb der gesamten Siedlung Los Alamos verantwortlich war.
Geschichte
1942 wurde für das Atomforschungsprojekt Manhattan-Projekt die Los Alamos Ranch School in New Mexico sowie anliegende Ranches und Wohnstätten erworben. Der Bau und Betrieb des Geländes oblag zunächst dem Corps of Engineers. Für die wissenschaftlichen Arbeiten und den wissenschaftlichen Betrieb wurde die University of California gebunden. Es mussten innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Gebäude aller Art sowie die Laboratorien errichtet werden. 1943 wurde damit die M. M. Sundt Construction Company aus Las Vegas beauftragt. In den Jahren 1944 und 1945 war die Robert E. McKee Company mit den weiteren Baumaßnahmen beauftragt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war zunächst die Zukunft des gesamten Komplexes ungewiss. Nachdem sich der US-Kongress 1946 mit dem Atomic Energy Act zum Weiterbetrieb der Anlagen unter Federführung der neu geschaffenen Atomic Energy Commission entschlossen hatte, lehnten sowohl die US Army (Corps of Engineers) als auch die Universität die Verantwortung für den Betrieb der Einrichtungen und der gesondert gesicherten Siedlung Los Alamos ab. Die Robert E. McKee Company konnte überzeugt werden, den Betrieb zu übernehmen. Unter dem Namen The Zia Company wurde dafür im März 1946 ein Tochterunternehmen gegründet, das am 1. April 1946 den Betrieb aufnahm. Benannt wurde das Unternehmen nach dem Sonnenzeichen des indigenen Volkes der Zia. Das Zeichen ist auch das Flaggenzeichen von New Mexico. Mit dem Atomic Energy Act erlangte das Unternehmen eine komplette Steuerbefreiung.[1]
Das Unternehmen wurde mit einem Startkapital von 100.000 Dollar gegründet. Später wurde das Kapital entsprechend dem Bedarf aufgestockt. 1950 betrug das Eigenkapital bereits 500.000 Dollar. Zunächst beschäftigte das Unternehmen rund 1500 Personen. In der Zeit von 1946 bis 1950 stieg die Einwohnerzahl von Los Alamos von weniger als 4000 auf über 9500. Dies bedeutete einen permanenten Druck auf die The Zia Company, entsprechende Gebäude (Wohn- und Geschäftshäuser) und Einrichtungen für die Angestellten der Laboratorien und die Laboratorien zu errichten und zu betreiben. Dabei wurden die entstandenen Kosten zuzüglich einer Dienstleistungsgebühr gegenüber der Atomenergiebehörde in Rechnung gestellt.
Es wurden nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Schlafquartiere für die Beschäftigten errichtet.
Ab 1947 erfolgte der Bau der Siedlung White Rock für Beschäftigte und Arbeiter, die nicht im Sicherheitsbereich der Siedlung Los Alamos wohnen mussten. Auch diese Siedlung wurde durch The Zia Company betrieben. Nachdem ab 1952 die Bauarbeiten zurückgingen, wurde die Siedlung zurückgebaut und ab 1962 dann durch einen neuen Investor als reines Wohnquartier neu errichtet.
Neben dem gesamten technischen Betrieb der Laboratorien, der wissenschaftliche Betrieb oblag weiterhin der University of California, war das Unternehmen in den Anfangsjahren für den Betrieb der Siedlung Los Alamos verantwortlich und nahm dabei viele öffentlichen Aufgaben der Daseinsvorsorge wahr. Dabei variierten die übernommenen Aufgaben und Dienstleistungen je nach den zeitlich bedingten Notwendigkeiten. Zunächst musste die provisorisch errichtete Siedlung in eine dauerhafte Ansiedlung umgewandelt werden. So waren die meist provisorisch verlegten und unzureichend dokumentierten Versorgungsleitungen zu orten und neu zu legen, Straßen zu bauen und zu unterhalten.
Die The Zia Company betrieb zeitweilig die Feuerwehr, die Schulen, ein Jugendzentrum, das medizinische Zentrum und stellte Reinigungsdienste zur Verfügung. Zia betrieb Busse und Taxis und kümmerte sich um alle Reparaturen und Wartungsarbeiten an Fahrzeugen und Geräten. Zu den betriebenen Objekten und Dienstleistungen gehörten außerdem die Strom- und Wasserversorgung, ein Kühlhaus, eine Eisfabrik, die Versorgung mit Holz, Eis und Heizöl und die Müllabfuhr und die Abwasserbeseitigung. Bis Anfang 1949 wurde auch ein Dienstmädchen-Service angeboten.[2]
Zia betrieb Cafeterien und ein Hotel (Fuller Lodge), verwaltete alle Konzessionen im Ort, betrieb den Radiosender, die Bibliothek und gab die Lokalzeitung heraus. Die Wohngebäude waren zunächst Bundeseigentum und wurden an die Bewohner vermietet. The Zia Company zog die Mieten ein und unterhielt die Gebäude. Auch der Betrieb des Flughafens gehörte zu den Aufgaben des Unternehmens.
Im Jahr 1947 wurde zeitweilig ein Scheckeinlöseservice angeboten, damit die Bewohner ihre Schecks in Bargeld umwandeln konnten. Nachdem die First National Bank of Santa Fe eine Filiale eröffnete, entfiel diese Dienstleistung.
Ende der 1949er Jahre wurde durch den Kongress entschieden, dass der zivile Betrieb der Siedlung nicht mehr durch die Bundesverwaltung erfolgen und auf die kommunale Ebene (der Los Alamos County wurde am 10. Juni 1949 gegründet) übertragen werden sollte. Die abgeriegelte Wohnsiedlung Los Alamos wurde ab 1957 geöffnet und frei zugänglich.
In einem mehrjährigen Prozess, bis in die 1960er Jahre hinein, übernahm die County-Verwaltung die Finanzierung und Verantwortung für die öffentlichen Aufgaben. Der Betrieb der Laboratorien verblieb bei der The Zia Company.
In diesem Zusammenhang wurden 1959 die Wohngebäude an die Bewohner veräußert. Viele nutzten dabei die Möglichkeit, die Gebäude vor Erwerb grundhaft sanieren zu lassen.
1955 gründeten rund 200 Bedienstete der The Zia Company die heute noch bestehende Kreditgenossenschaft Zia Credit Union.[3]
Neben den Dienstleistungen im Los Alamos National Laboratory war The Zia Company auch in den Einrichtungen White Sands Test Facility, der Nevada Test Site und den Sandia National Laboratories sowie für die Konzerne Dow Chemical und Grumman Corporation tätig.
1973 wurde die Robert E. McKee Company von der Santa Fe Industries übernommen. 1980 wurde der Vertrag für den Betrieb der Laboratorien für weitere fünf Jahre für rund 250 Millionen Dollar verlängert. Für die Verlängerung über 1985 erfolgte erstmals eine Ausschreibung, die die The Zia Company verlor.[4] Am 1. Juli 1986 übernahm der Flughafen- und Militärbasenbetreiber Pan Am World Services (1989 von Johnson Controls erworben) den Betrieb.[5] Rund 1600 der zuletzt 1700 Beschäftigten der Zia Company wurden von Pan Am übernommen.
Die Zia Company ist heute Teil des Burlington-Northern-Santa-Fe-Konzerns (Berkshire Hathaway).
Literatur
- Robert E. McKee: The Zia Company in Los Alamos. C. Hertzog, El Paso, Tex. 1950 (hathitrust.org).
Weblinks
- 75th Anniversary of The Zia Company: Inside the Archives – Los Alamos Historical Society. (amerikanisches Englisch).
- New Mexico Office of the State Historian | people. Archiviert vom am 26. August 2018 (englisch).
- https://losalamosdevelopment.com/wp-content/uploads/2023/07/A-Brief-History-of-Los-Alamos.pdf
- https://cdn.lanl.gov/files/ddops-history-book-2022_25e6f.pdf
Einzelnachweise
- ↑ Jul 22, 1947, page 4 - Albuquerque Journal at Newspapers.com™. Abgerufen am 17. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Feb 02, 1949, page 5 - The Santa Fe New Mexican at Newspapers.com™. Abgerufen am 18. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Zia: A More Complete History. 3. Februar 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Nov 10, 1985, page 62 - Albuquerque Journal at Newspapers.com™. Abgerufen am 18. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Jul 01, 1986, page 1 - The Santa Fe New Mexican at Newspapers.com™. Abgerufen am 18. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).