The Secret Agent (Film)

Film
Titel The Secret Agent
Originaltitel O Agente Secreto
Produktionsland Brasilien, Frankreich, Niederlande, Deutschland
Originalsprache Portugiesisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 158 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Kleber Mendonça Filho
Drehbuch Kleber Mendonça Filho
Produktion Kleber Mendonça Filho, Emilie Lesclaux, Wagner Moura, Brent Travers
Musik Mateus Alves, Tomaz Alves Souza
Kamera Evgenia Alexandrova
Schnitt Matheus Farias, Eduardo Serrano
Besetzung
  • Wagner Moura: Marcelo Alves / Armando / Fernando (als Erwachsener)
  • Maria Fernanda Cândido: Elza
  • Gabriel Leone: Bobbi
  • Carlos Francisco: Seu Alexandre
  • Alice Carvalho: Fatima
  • Robério Diógenes: Euclides
  • Hermila Guedes: Claudia
  • Igor de Araújo: Sergio
  • Ítalo Martins: Arlindo
  • Laura Lufési: Flavia
  • Udo Kier: Hans

The Secret Agent (Originaltitel: O Agente Secreto) ist ein Spielfilm von Kleber Mendonça Filho aus dem Jahr 2025. Der Thriller mit Wagner Moura in der Hauptrolle ist im Jahr 1977 in Brasilien während der Militärdiktatur angesiedelt und handelt von einem Mann, der wegen „subversiver Aktivitäten“ verfolgt wird. Die fiktive Geschichte wurde von Kindheitserinnerungen des Regisseurs an seine Heimatstadt Recife und seinem vorherigen Dokumentarfilm Retratos Fantasmas („Geisterportraits“, 2023) inspiriert. Die Premiere fand Mitte Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes statt, wo das Werk mit dem Regie- und Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Es folgten zahlreiche weitere Preise, darunter der Gewinn von zwei Golden Globe Awards 2026 (Bestes Filmdrama und Bester Hauptdarsteller). Monate später wurde The Secret Agent als brasilianischer Vorschlag für die Kategorie Bester Internationaler Film der Oscarverleihung 2026 ausgewählt. Ein regulärer Kinostart im deutschsprachigen Raum fand im November 2025 statt.

Handlung

Brasilien im Jahr 1977: Armando Alves, ein 43-jähriger ehemaliger Universitätsprofessor und Technologieexperte, ist auf der über 2600 km langen Fahrt von São Paulo nach Recife. In der Hafenstadt am Atlantik finden gerade die Feierlichkeiten zum jährlichen Karneval statt, was die Polizei schon in einer der ersten Szenen von eigentlich wichtigeren Aufgaben abzulenken scheint. Armando kommt unter dem Decknamen Marcelo bei Dona Sebastiana unter, die noch weitere Flüchtlinge (u. a. aus Angola) beherbergt. Er sieht seinen kleinen Sohn Fernando wieder, der nach dem Tod seiner Mutter bei seinen Großeltern mütterlicherseits aufwächst.

Unterdessen werden der korrupte Polizeichef Euclides und seine Leute von einer Karnevalsfeier zur Universität gerufen, nachdem dort im Magen eines toten Tigerhais ein menschliches Bein gefunden wurde. Die Polizisten zeigen sich besonders interessiert, welche Beweismittel (nicht) vorliegen. Später vertauschen zwei Mitarbeiter des Polizeichefs das Bein aus dem Kühlraum der Gerichtsmedizin gegen ein Tierbein, und entsorgen das menschliche Bein erneut im Fluss. Laut reißerisch-phantasievoller Zeitungsberichterstattung dazu (überspitzt im Film visualisiert), die die Schutzsuchenden bei Dona Sebastiana amüsiert gemeinsam lesen und kommentieren, wird es anschließend erneut an Land gesichtet, wo es in einem Park, der ein Cruising Spot für Schwule ist, Schrecken verbreitet.

Dona Sebastiana verschafft Armando/Marcelo eine Anstellung bei der örtlichen Meldebehörde. Dort soll er mit den anderen Mitarbeitern am ersten Tag deutlich vor der eigentlichen Öffnungszeit als Kulisse für Journalisten eine zweite Polizei-Stelle simulieren, damit dort eine einflussreiche Dame ungestört ihre Aussage zu einem ihr unangenehmen Fall machen kann. Dabei begegnet er Euclides, der ihn zu mögen scheint und ihm Schutz anbietet. Er nimmt ihn mit zu einem deutschen Auswanderer, den er aus Spaß nötigt, seine Narben vorzuführen, wobei sein Verhalten erkennen lässt, dass er mit anderen Menschen machen kann, was er will. Armando wirkt abgestoßen, macht aber gute Miene zum bösen Spiel.

Unterdessen erfährt man, dass der ehemalige Präsident des staatlich geführten Energiekonzerns Eletrobrás zwei Auftragsmörder, Bobbi und Augusto, engagiert, um Armando umzubringen. Er hatte zuvor bei einem Besuch der Universität, an der Armando eine Forschungsgruppe leitet, den Entzug aller Gelder angekündigt. Seine Arroganz lässt erkennen, dass auch er willkürlich über andere verfügen kann, wie es ihm passt und wie es seinen Interessen dient. Es wird angedeutet, dass Armando Patente hält, an die er kommen will. Bei einem Abendessen verhält er sich offen verächtlich und provokativ gegen Armando, und beleidigt dessen schwarze Ehefrau. Als die sich mit klaren Worten dagegen verwehrt, eskaliert der Streit auf handgreifliche Weise. Das spätere Ende von Armandos Forschungsgruppe und die Rufmordkampagne gegen ihn gehen offenbar direkt auf den Elektrobras-Mann zurück.

Im Vorführbereich des Kinos von Alexandre, Armandos Schwiegervater, treffen sich Armando und Alexandre mit Elza, der Anführerin einer politischen Widerstandsbewegung, die Armandos Untertauchen ermöglichte und nun Tonband-Aufnahmen der Geschichten von politisch Verfolgten anfertigt. - Kurze Zeitsprünge in die Gegenwart zeigen zwei Frauen, die diese Tonbänder anhören und sich über das Gehörte austauschen. - Elza verspricht, schnellstmöglich einen falschen Pass für Armando zu besorgen, damit er und sein Sohn ins Ausland fliehen können, wo Armando schon neue Angebote an anderen Forschungseinrichtungen hat. Dabei warnt sie ihn davor, dass Auftragsmörder auf ihn angesetzt sind. Bei einem gemeinsamen Abend mit seinen Nachbarn bei Dona Sebastiana merkt er, dass das nicht nur ihm so ergeht.

Die Auftragsmörder heuern zwischenzeitlich den armen Lagerarbeiter Vilmar an, um Armando aufzuspüren und zu töten. Vilmar identifiziert kurz darauf im Passamt Armando. Armando stiehlt sich schnell davon und versucht den Spieß umzudrehen, indem er Euclides und seine Leute darum bittet, sich den schrägen Typen im Passamt, der sicher Ärger machen wolle, genauer anzuschauen. Diese sind dazu auch bereit, werden aber von Vilmar erschossen, der verwundet entkommt. Auch Bobbi, der Vilmar daraufhin verfolgt, wird kurz darauf von ihm getötet.

Es folgt ein erneuter Sprung in die Gegenwart, wo immer noch die Geschichtsstudentin Flavia mit einer Kollegin die Tonaufnahmen anhört und diskutiert. Ihr geht der Fall nahe, sodass sie anhand von Zeitungsarchiven herausfindet, dass Armando letztlich doch ermordet wurde. Schließlich reist sie nach Recife und übergibt Kopien der Tonbandaufnahmen, zu denen sie unerwartet Anweisung erhalten hatte, sie zu löschen, an Armandos Sohn Fernando, der als Arzt in einer Blutspendeklinik arbeitet.[2][3][4][5]

Entstehungsgeschichte

Inspiration, Drehbuch und Besetzung der Hauptrolle

Regisseur Kleber Mendonça Filho (links) und Hauptdarsteller Wagner Moura bei der Präsentation des Films in Cannes (2025)

The Secret Agent ist der vierte Spielfilm des brasilianischen Regisseurs Kleber Mendonça Filho, der auch das Drehbuch verfasste. Zwar spiele das Werk im Jahr 1977, sei aber kein Film über die Militärdiktatur. Vielmehr greife The Secret Agent Kindheitserinnerungen des Regisseurs auf, der zum Zeitpunkt der Geschichte neun Jahre alt war. Für den Film habe Mendonça Filho viel Recherche in den Zeitungsarchiven der brasilianischen Nationalbibliothek betrieben. Auch habe ihm sein vorheriger Dokumentarfilm Retratos Fantasmas (2023) über seine Heimatstadt Recife zur Geschichte inspiriert. Darin fing der Regisseur das Stadtzentrum im 19. Jahrhundert über Archivmaterial und speziell dort beheimatete Kinos ein.[6]Retratos Fantasmas hat mir geholfen, diesen Film zu verstehen. Kennen Sie den Moment, wenn man mit dem Drehbuch nicht weiterkommt? Diese beiden Filme haben eine sehr starke Verbindung, weil sie so tief in die Vergangenheit eintauchen“, so Mendonça Filho.[7] Insgesamt arbeitete er drei Jahre lang an seinem Drehbuch.

Mit der Hauptrolle des Marcelo wurde der international bekannte brasilianische Film- und Fernsehschauspieler Wagner Moura betraut, für den es die erste Zusammenarbeit mit Regisseur Mendonça Filho war. Für Moura war es gleichzeitig die erste Filmrolle im brasilianischen Kino seit Jahren.[8] Das Drehbuch hatte Mendonça Filho ihm auf den Leib geschrieben. Der Schauspieler habe eigenen Angaben zufolge seit dessen Spielfilmdebüt Von großen und kleinen Haien (2012) mit dem Regisseur arbeiten wollen.[9] Das preisgekrönte Gesellschaftsporträt handelte von einem Gebäudekomplex in Recife, der sich vor der bedrohlichen Außenwelt mit Hilfe von allgegenwärtigen Wächtern abschottet.[10] Moura pries die Dreharbeiten an The Secret Agent rückblickend als „eine der besten Erfahrungen“, die er je als Schauspieler gemacht habe. Er hatte Mendonça Filho erstmals 2003 bei der Präsentation von Sérgio Machados Spielfilm Lower City (Cidade Baixa) beim Filmfestival von Cannes kennengelernt, wo dieser damals noch als Filmkritiker tätig war. Moura genoss die Arbeit im Nordosten Brasiliens in seiner Landessprache. Gleichzeitig kannte er Recife, wo er fast 25 Jahre zuvor in dem Theaterstück A Máquina von João Falcão aufgetreten war. Moura verbrachte insgesamt vier Monate in der Stadt, neben den Dreharbeiten einen Monat, um sich auf das Filmprojekt vorzubereiten.[2][9]

Weitere Besetzung und Produktion

In weiteren Rollen sind die brasilianischen Darsteller Gabriel Leone als Bobbi, Maria Fernanda Cândido als Elza und Thomás Aquino als Arlindo zu sehen. Auch der deutsche Schauspieler Udo Kier, der bereits in Kleber Mendonça Filhos Film Bacurau (2019) zu sehen war, findet sich auf der Besetzungsliste und übernahm den Part des Hans.[3]

Zwischen Januar und Mai 2024 fand über vier Monate die Vorproduktion statt. Von Juni bis August desselben Jahren folgten die zehnwöchigen Dreharbeiten in Recife, Brasília und São Paulo.[2][9] Als Kamerafrau fungierte Evgenia Alexandrova. Mendonça Filho und sie hegten eine gemeinsame Vorliebe für Panavision-Linsen („anamorphic B-series“), die laut Alexandrova einen „natürlichen, handwerklichen und wunderschönen unvollkommenen Look“ erzeugen. Die Bilder von The Secret Agent sollten „organisch“ sein, aber auch über „Charakter“ verfügen. Zur Verwendung kamen Kameras vom Typ ALEXA Mini und ALEXA 25 sowie das ARRIRAW-Format.[11] Drehorte in Recifes Innenstadt waren unter anderem das Cinema São Luiz, die Ponte Duarte Coelho sowie die Straßen Praça Machado de Assis Rua Clube Náutico Capibaribe, Rua Doutor Sebastião Lins und Rua da Aurora.[7]

Während der Postproduktion des Films wurde acht Monate an der finalen Schnittfassung gearbeitet. Als Editoren zeichneten Mendonça Filhos langjähriger Weggefährte Eduardo Serrano sowie Matheus Farias verantwortlich. Die Filmmusik komponierten Mateus Alves und Tomaz Alves Souza. Die Endphase der Produktion, die aus der Tonmischung und Bildbearbeitung bestand, fand in Berlin und Paris statt.[9][2]

Bei The Secret Agent handelt es sich um eine Produktion des brasilianischen Unternehmens CinemaScópio in Koproduktion mit der französischen mk2 films, der deutschen Firma One Two Films und dem niederländischen Unternehmen Lemming Film.[12] Das Projekt wurde mit 150.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg als Produktionsförderung finanziell unterstützt.[13]

Rezeption

Veröffentlichung

Die Uraufführung von The Secret Agent (französischer Titel: L’agent secret) fand am 18. Mai 2025 beim 78. Filmfestival von Cannes statt, wo das Werk in den Hauptwettbewerb um die Goldene Palme aufgenommen wurde. Das Premierenpublikum soll Mendonça Filhos Regiearbeit insgesamt 13 Minuten Applaus gespendet haben.[14] In den folgenden Monaten wurde der Film unter anderem in die Programme der Festivals von Jerusalem, London, New York, San Sebastián, Sydney, Telluride, Toronto und Zürich aufgenommen.[15]

In Brasilien wurde The Secret Agent erstmals am 10. September 2025 in Recife gezeigt, Hauptschauplatz des Films. Ein regulärer Kinostart fand dort ab 6. November 2025[15] im Verleih von Vitrine Filmes statt.[12]

Um den Weltvertrieb von The Secret Agent kümmert sich mk2 Films.[16] Ein Kinostart in Deutschland fand am 6. November 2025 im Verleih von Port au Prince Pictures statt. In der Deutschschweiz soll The Secret Agent ab 13. November 2025, in der Westschweiz ab 14. Januar 2026 gezeigt werden.[17]

Der französische Verleih Ad Vitam kategorisierte Mendonça Filhos Regiearbeit als Drama und Kriminalfilm ein und brachte The Secret Agent ab 17. Dezember 2025 in die französischen Kinos.[3]

Für Nordamerika sicherte sich das Unternehmen Neon die Verleihrechte.[18] Neon hat mit Parasite, Titane, Triangle of Sadness, Anatomie eines Falls, Anora und Ein einfacher Unfall auch die Nordamerika-Rechte der zwischen 2019 und 2025 mit der Goldenen Palme in Cannes preisgekrönten Filme erworben.[19][20] Für das Vereinigte Königreich sicherte sich der Streamingdienst Mubi die Verleihrechte.[18] Ein limitierter Kinostart in den USA soll ab 26. November 2025 erfolgen und dieser ab dem 5. Dezember 2025 ausgeweitet werden.[15]

Ein Teaser des Films wurde Anfang Dezember 2024 auf dem brasilianischen Festival Comic Con Experience (CCXP) im Beisein von Wagner Moura vorgestellt.[8] Ein Trailer wurde Mitte Oktober 2025 veröffentlicht.[21]

Kritiken

Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International erhielt Mendonça Filhos Regiearbeit 2,8 von 4 möglichen Sternen und belegte unter allen 21 Wettbewerbsbeiträgen einen Platz im Vorderfeld. Höchstnoten erhielt der Film dabei unter anderem von Peter Bradshaw (The Guardian) und Justin Chang (The New Yorker).[22] In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sahen mit Philippe Rouyer (Positif), Jacques Mandelbaum (Le Monde), Jean-Marc Lalanne (Les Inrockuptibles), Nicolas Schaller (Le Nouvel Obs) und Sandra Onana (Libération) fünf von 15 Kritikern den Film als Palmen-Favoriten an.[23] Auch der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte The Secret Agent zum Mitfavoriten auf den Hauptpreis und wies ihn unter allen gezeigten Wettbewerbsbeiträgen auf einen vierten Platz aus, hinter Sentimental Value aus Norwegen, Ein einfacher Unfall aus dem Iran und In die Sonne schauen aus Deutschland.[24]

Auf der Website Metacritic erhielt The Secret Agent eine Bewertung von 87 von 100 möglichen Punkten, basierend auf über einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) bewertet und es wurde eine eindeutige Filmempfehlung („must-see“) ausgesprochen.[25] Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 60 Kritiken wurden alle als positiv („fresh“) eingeschätzt. Der dortige Konsens der Rezensenten befand, dass es sich bei dem Film um einen „thematisch reichhaltigen und visuell fesselnden Politthriller“ handle, der „Grindhouse-Stilisierung mit bissiger Sozialkritik“ verbinde. Dadurch entfalte sich „eine lebhaft gefährliche und doch düster-menschliche Geschichte“.[26]

Brasilianische Medien und auch Mendonça Filho selbst hatten noch vor der Uraufführung von The Secret Agent Vergleiche zu Walter Salles’ kurz zuvor mit dem Oscar preisgekröntem Drama Für immer hier gezogen. Neben der Größe der Produktion verband beide Filme auch dasselbe Setting – Brasilien in den 1970er-Jahren während der Militärdiktatur.[2][9] Wie Salles zuvor[27] ist Mendonça Filho überzeugt davon, dass sich auch in seinem Film nach den turbulenten Präsidentschaftsjahren Jair Bolsonaros (2019–2022) Bezüge zum heutigen Brasilien herstellen lassen, auch wenn es sich bei dem Thriller um eine fiktive Geschichte handelt.[2][9]

Der Brite Peter Bradshaw (The Guardian), der an den „in jeder Hinsicht visuell und dramaturgisch hervorragenden“ Film die Höchstwertung von fünf Sternen vergeben hatte, kam Für immer hier ebenfalls in den Sinn. Mendonça Filhos Regiearbeit sei aber im Vergleich „ehrgeiziger, völlig komplexer und schwer fassbarer“. Bradshaw fühlte sich an die Filme Sergio Leones, Michelangelo Antonionis Beruf: Reporter (1975) und in seiner schrecklich gewaltsamen Auflösung an die Werke Elmore Leonards und Quentin Tarantinos, den brasilianischen Spielfilm City of God (2002) und den mexikanischen Oscar-Gewinner Roma (2018) erinnert. The Secret Agent verwandle „politische Gewalt in schwarze Komödie und Massenhalluzination“. Bradshaw lobte die Darstellerleistungen von Wagner Moura, Tia Maria und den Cameo-Auftritt von Udo Kier. Zuschauer, die einen „herkömmlichen Thriller“ erwarten würden, könnten aber mit „Ungeduld“ auf den Film reagieren.[28]

David Ehrlich vom amerikanischen Branchendienst IndieWire vergab an das „lebhaft strukturierten Epos,“ die Schulnote „B+“ (deutsches Schulsystem: 2+). Die Geschichte erinnerte ihn mehr an Wes Andersons Grand Budapest Hotel (2014), als an Für immer hier und sei für das Publikum nicht einfach zu verfolgen. Auch er pries die Leistung von Hauptdarsteller Wagner Moura sowie die Kameraarbeit und den Soundtrack des Films. Fans von Mendonça Filhos vorherigen Spielfilm Bacurau (2019) könnten enttäuscht werden, da The Secret Agent im Vergleich „durchweg weniger an Action als an Konsequenzen und weniger an Szenen als an Kulissen interessiert“ sei.[29]

Die internationale Filmkritikervereinigung FIPRESCI würdigte The Secret Agent als besten Wettbewerbsbeitrag von Cannes. In ihrer Begründung bemerkte sie die „romanhafte, epische Großzügigkeit“ des Films. „Abschweifungen, Abwechslung, Humor und Figuren“ würden zugelassen, „um eine Zeit und einen Ort sowie eine reiche, seltsame und zutiefst beunruhigende Geschichte von Korruption und Unterdrückung zu evozieren“.[30]

Auszeichnungen

Für The Secret Agent erhielt Kleber Mendonça Filho seine dritte Einladung in den Wettbewerb um die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes. Die Jury um die französische Schauspielerin Juliette Binoche bedachte das Werk mit dem Regie- und Darstellerpreis für Wagner Moura.[31] Die internationale Filmkritikervereinigung FIPRESCI wählte den Film zum besten Wettbewerbsbeitrag des Festivals.[30] Einige Monate später bei der Vergabe des Grand Prix de la FIPRESCI für den besten Film des Jahres in San Sebastián hatte Mendonça Filho gegenüber seinem brasilianischen Landsmann Walter Salles (Für immer hier) das Nachsehen.[32] Beim Zurich Film Festival 2025 wurde Wagner Moura für seine schauspielerische Leistung in dem Film als auch sein bisheriges Schaffen der Ehrenpreis Goldenes Auge zuerkannt.[17] Bei der Verleihung der Golden Globe Awards 2026 folgten drei Nominierungen in den Kategorien Bestes Filmdrama, Bester nicht-englischsprachiger Film und Bester Hauptdarsteller – Drama – den Preis gewannen The Secret Agent wurde als beste fremdsprachige Produktion sowie Wagner Moura als erster männlicher brasilianischer Darsteller überhaupt (im Jahr zuvor war Fernanda Montenegro als geschlechtsübergreifend erste brasilianische Schauspielerin geehrt worden).[32]

Mitte September 2025 setzte sich Mendonça Filhos Regiearbeit als brasilianischer Vorschlag für die Kategorie Bester Internationaler Film der Oscarverleihung 2026 durch. Ein von der brasilianischen Filmakademie eingesetztes 15-köpfigen Auswahlkomitee gab The Secret Agent den Vorzug vor fünf weiteren Produktionen, darunter die auf internationalen Filmfestivals preisgekrönten Beiträge Das tiefste Blau und Manas von Marianna Brennand. Dem Komitee gehörten unter anderem die Vorsitzende Sara Silveira (Produzentin von Cidade; Campo), der Schauspieler und Produzent Lázaro Ramos (Executive Order), der Produzent Rodrigo Teixeira (Für immer hier) und der Schauspieler Marcelo Serrado an. Für die Wahl von Brennands Film, der den sexuellen Missbrauch von Kindern dramatisiert, hatten unter anderem der US-amerikanische Schauspieler und Executive Producer Sean Penn sowie zahlreiche weibliche brasilianische Führungskräfte aus der Wirtschaft geworben.[33]

Festival / Filmpreis (Auswahl)[32] Kategorie Resultat Preisträger
1) Filmpreise
Golden Globe Awards (2026) Bester Film – Drama Nominiert k. A.
Bester nicht-englischsprachiger Film Gewonnen Brasilien
Bester Hauptdarsteller – Drama Gewonnen Wagner Moura
Gotham Awards (2025) Bestes Originaldrehbuch Nominiert Kleber Mendonça Filho
Beste Hauptrolle Nominiert Wagner Moura
2) Festivals
Cannes (2025) Goldene Palme – Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Beste Regie Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Bester Darsteller Gewonnen Wagner Moura
FIPRESCI-Preis – Bester Film Gewonnen Kleber Mendonça Filho
AFCAE-Preis Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Biarritz (2025) Lobende Erwähnung Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Chicago (2025) Goldener Hugo – Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Bester Darsteller Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Hamburg (2025) Arthouse Cinema Award Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Hamburg Producers Award – Internationale Kino-Koproduktionen Nominiert Port au Prince Pictures
Filmmaker in Focus Award Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Jerusalem (2025) Nechama Rivilin Award – Bester internationaler Film Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Köln (2025) Hollywood Reporter Award Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Lima (2025) Bester Film Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Bester Film – Preis der internationalen Filmkritik Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Premio APRECI – Lobende Erwähnung (Wettbewerb lateinamerikanische Spielfilme) Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Middleburg (2025) International Spotlight Award Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Morelia (2025) UNAM Film Library Medal Gewonnen Kleber Mendonça Filho
Pingyao (2025) Bester „Gala“-Film Gewonnen Kleber Mendonça Filho
San Sebastián (2025) Publikumspreis – Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Grand Prix de la FIPRESCI Nominiert Kleber Mendonça Filho
Santa Barbara (2025) Virtuoso Award Gewonnen Wagner Moura
Stockholm (2025) Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Sydney (2025) Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Virginia (2025) Craft Award – Beste Kamera Gewonnen Evgenia Alexandrova
Warschau (2025) Publikumspreis – Bester Film Nominiert Kleber Mendonça Filho
Zürich (2025) Goldenes Auge Gewonnen Wagner Moura
Köln (2025) The Hollywood Reporter Award Gewonnen Kleber Mendonça Filho

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für The Secret Agent. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 273454).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c d e f 'O Agente Secreto' aborda o passado, do Recife para o mundo. In: O Estado de S. Paulo, 15. April 2025, Caderno 2 (abgerufen via lizenzpflichtiger Datenbank Nexis Uni).
  3. a b c L’agent secret. In: advitamdistribution.com (abgerufen am 6. November 2025).
  4. The Secret Agent (2025). In: kino-zeit.de (abgerufen am 19. November 2025).
  5. The Secret Agent (2025). In: fusdb.com (abgerufen am 19. November 2025).
  6. Retratos Fantasmas. In: filmstarts.de (abgerufen am 22. April 2025).
  7. a b Emannuel Bento: 'O Agente Secreto': Gravações do filme de Kleber Mendonça despertam nostalgia e curiosidade no Recife. In: 24. Juli 2024 (abgerufen am 22. April 2025).
  8. a b Pedro N. Jordão: “O Agente Secreto”: Wagner Moura diz que foi proibido de falar sobre filme. In: cnnbrasil.com.br, 6. Dezember 2024 (abgerufen am 22. April 2025).
  9. a b c d e f 'O Agente Secreto' de Kleber Mendonça Filho, estrelado por Wagner Moura, é selecionado para o Festival de Cannes. In: gshow.globo.com, 10. April 2025 (abgerufen am 22. April 2025).
  10. Von großen und kleinen Haien. In: filmdienst.de (abgerufen am 22. April 2025).
  11. Sarah Shachat: Cannes 2025: How 61 Cinematographers Shot Their Films. In: indiewire.com, 16. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025).
  12. a b Felipe Grutter: O Agente Secreto, filme de Kleber Mendonça Filho com Wagner Moura, encerra filmagens. In: rollingstone.com.br, 20. August 2024 (abgerufen am 22. April 2025).
  13. The Secret Agent bei crew united (abgerufen am 22. April 2025).
  14. Mohamed Berkani: Festival de Cannes 2025 : "O agente secreto", extraordinaire plongée dans le Brésil de la dictature militaire des années 1970 dans un passionnant thriller. In: franceinfo.fr, 19. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025).
  15. a b c The Secret Agent – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 13. September 2025).
  16. The Secret Agent. In: port-prince.de (abgerufen am 22. April 2025).
  17. a b Zurich Film Festival ehrt Brasilianer Wagner Moura. In: swissinfo.ch, 20. August 2025 (abgerufen am 13. September 2025).
  18. a b Alex Ritman: Mubi Acquires Kleber Mendonça Filho’s ‘The Secret Agent’ for U.K., India and Latin America. In: variety.com, 22. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025).
  19. Jordan Ruimy: Plot Details for Sean Baker's ‘Anora,' Clocks in at 2 Hours 19 Minutes. In: worldofreel.com, 4. Mai 2024 (abgerufen am 5. Mai 2024).
  20. John Hazelton: Neon takes Sean Baker’s ‘Anora’ for North America. In: screendaily.com (abgerufen am 5. Januar 2024).
  21. Christian Blauvelt: ‘The Secret Agent’ Trailer: Wagner Moura Delivers One of the Best Performances of the Year in Cannes Favorite. In: indiewire.com (abgerufen am 6. November 2025).
  22. Cannes Film Festival 2025 jury grid. In: screendaily.com (abgerufen am 23. Mai 2025).
  23. Palmomètre du festival de Cannes 2025 - Les étoiles de la critique 10. In: lefilmfrancais.com, 23. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025).
  24. Ryan Lattanzio: Cannes 2025 Palme d’Or Contenders Ranked: Who Could Win the Top Prize?. In: indiewire.com, 24. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
  25. The Secret Agent. In: Metacritic. Abgerufen am 6. Oktober 2025 (englisch).
  26. The Secret Agent. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  27. "I’m still here": Walter Salles bewegendes Drama. In: ardmediathek.de, 9. September 2024 (4:43 Min ff.; abgerufen am 22. September 2024).
  28. Peter Bradshaw: The Secret Agent review – brilliant Brazilian drama of an academic on the run in the murderous 1970s. In: theguardian.com, 20. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
  29. David Ehrlich: ‘The Secret Agent’ Review: Wagner Moura Tries to Leave History Behind in Kleber Mendonça Filho’s Beautifully Remembered Period Thriller. In: indiewire.com, 18. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
  30. a b 78th Festival de Cannes. In: fipresci.org, 24. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
  31. Nancy Tartaglione: Cannes Film Festival Winners Announced: Wagner Moura Best Actor – Updating Live. In: deadline.com, 24. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025).
  32. a b c The Secret Agent – Auszeichnungen. In: imdb.com (abgerufen am 12. Januar 2025).
  33. Brazil Selects ‘The Secret Agent,’ Starring Wagner Moura, for the International Feature Oscar. In: variety.com, 15. September 2025 (abgerufen am 15. September 2025).