The Piper of Hamelin

Operndaten
Originaltitel: The Piper of Hamelin
Form: Oper für junge Leute
Originalsprache: Englisch
Musik: John Rutter
Libretto: Jeremy James Taylor
Literarische Vorlage: Der Rattenfänger von Hameln
Uraufführung: 17. Juni 1980
Ort der Uraufführung: York
Spieldauer: 45 bis 50 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Hameln, zu nicht genau bestimmter Zeit
Personen
  • Piper (Rattenfänger)
  • Lame Boy (Hinkender Junge)
  • Mayor (Bürgermeister)
  • Corporation (Rat der Stadt):
    • Secretary (Sekretär)
    • Treasurer (Schatzmeister)
    • Clerk (Schreiber)
    • Assistant Clerk (Hilfsschreiber)
    • Doctor (Arzt)
    • Architect (Baumeister)
    • 1st Alderman (1. Ältester)
    • 2nd Alderman (2. Ältester)
  • Shopkeeper (Ladenbesitzer)
  • Apprentice (Lehrling)
  • Schoolmaster (Lehrer)
  • Farmer (Bauer)
  • Old Man (Alter Mann)
  • 2 Fathers (2 Väter)
  • The Mayor’s Wife (Frau des Bürgermeisters)
  • The Mayor’s Daughter (Tochter des Bürgermeisters)
  • The Mayor’s Son (Sohn des Bürgermeisters)
  • Peter (Child/Kind)
  • Maria (Child/Kind)
  • Children (Kinder, mit je 4 Solorollen m & w)
  • Townsfolk (Volk von Hameln)
  • Heralds (Herolde)
  • Town Musicians (Stadtmusikanten)
  • Rats (Ratten)

The Piper of Hamelin ist eine Oper für junge Leute mit Musik von John Rutter auf ein Libretto von Jeremy James Taylor. Das Stück beruht auf der Sage vom Rattenfänger von Hameln.

Handlung

Die Stadt Hameln wird von einer Rattenplage heimgesucht. Dem Bürgermeister und den Stadträten ist das Problem lästig, und bei ihren Beratungen verzetteln sie sich in Kleinkram. Da tritt ein geheimnisvoller Fremder auf den Plan. Als Spezialist für solche Plagen sagt er zu, die Ratten im Handumdrehen zu beseitigen: Mit seinem Flötenspiel wird er die Tiere zwingen, sich selbst in der Weser zu ertränken. Natürlich hat die Arbeit ihren Preis: einen Gulden pro Kopf. Das Zögern der Stadtoberen weist der Fremde mit einem Hinweis darauf zurück, was seine Zauberkräfte schon in der Vergangenheit aus zahlungsunwilligen Auftraggebern gemacht haben. Die Leute von Hameln zerreißen sich die Mäuler über den diabolischen Rattenfänger und über ihre geizigen Volksvertreter, die doch sicher genug Geld gehortet haben.

Während der Rattenfänger den neugierigen Kindern der Stadt zeigt, wie man Flöte spielt, und ein lahmer Junge im Gespräch mit dem Ladenbesitzer Mitleid mit den überall ungeliebten Ratten bekundet, die doch wie alle anderen Wesen von Gott geschaffen sind, bringt die Tochter des Bürgermeisters mit einer unschuldigen Bemerkung ihren Vater auf einen Trick: Die toten Ratten werden alle auf dem Grund des Flusses liegen – wer kann da sagen, wie viele es sind? Nach vollbrachter Tat jubelt das erleichterte Volk und dankt dem Bürgermeister dafür, dass er den Fremden engagiert hat. Dieser erscheint und erbittet nun seinen Lohn: 10.000 Gulden, für ebenso viele tote Tiere. Der Bürgermeister fordert ihn auf, zum Beweis die Rattenköpfe vorzuweisen, was unmöglich ist. Der Rattenfänger stellt kühl fest, mit ihrem Betrug habe die Stadt ihre Zukunft verspielt – die unschuldigen Kinder aber, die gerade einen Funken Hoffnung für ihr Leben geschöpft haben, werde er von seiner Vergeltung ausnehmen.

Der Rattenfänger schildert den Kindern Hamelns die Freuden eines geheimen Wunderlandes. Sie folgen ihm und seinem Flötenspiel und verschwinden alle in einem sich öffnenden Hügel. Einzig der lahme Junge kann nicht Schritt halten und bleibt traurig zurück, als die Öffnung wieder verschwindet.

Musiknummern

  1. Prologue
  2. Chorus: „Hamelin was a happy town“ (Shopkeeper and Townsfolk)
  3. Solo and Chorus: „As I understand it“ (Piper, Mayor and Corporation), followed by Chorus: „One guilder for each head“ (Townsfolk)
  4. Scene Link
  5. Scene Link
  6. Scene Link
  7. Song and Chorus (Piper and Children)
  8. Scene Link
  9. Scene Link
  10. Scene Link
  11. Duet: „God who made war“ (Lame Boy and Shopkeeper)
  12. Procession
  13. Proclamation Scene and Dance of Piper and Rats (Full Cast)
  14. Celebration Scene (Mayor and Corporation, Townsfolk, Children)
  15. Procession and Song: „I’ve come for my money“ (Piper)
  16. Scene Link and Chorus: „Yank his tail“ (Children)
  17. Song and Chorus (Piper and Children)
  18. Song: „It’s dull in our town“ (Lame Boy)

Gestaltung

Das Stück wird von den Autoren als „opera for schools“ bezeichnet, konzipiert für Kinder zwischen 8 und 13 Jahren.

Das Instrumentalensemble ist besetzt mit: Flöte (auch Piccoloflöte), Oboe, Schlagwerk (1 Spieler*in: Glockenspiel, kleine Trommel, Xylophon, Hängebecken, Röhrenglocken), Klavier (auch Cembalo), Streicher (2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, soli oder chorisch besetzt). Die Flötenstimme erfordert professionelle Fertigkeiten; andere Instrumentalpartien sind einfacher gehalten.

Die Oper kann zur Gänze von Sopran- und Altstimmen gesungen werden; einige der Solorollen und Chorpartien eignen sich aber auch für Tenöre und Bässe. Solo-Gesangsrollen sind: Rattenfänger, Bürgermeister, Ladenbesitzer, hinkender Junge. Die meisten anderen Figuren haben kurze solistische Gesangspassagen, einige Rollen auch nur gesprochene Zeilen.

Das Stück ist unterteilt in Spielszenen in gesprochener Prosa und Musiknummern mit überwiegend gereimten Texten. Jeremy James Taylor griff für sein neu verfasstes Libretto in einigen Fällen auf Worte aus der im englischsprachigen Raum geläufigen Versdichtung von Robert Browning aus dem Jahr 1849 zurück.

In den musikalischen Teilen wechseln Solosongs, Ensembles und Nummern mit Chor. Im Stil ist die Partitur einfach und zugänglich gehalten, mit tonaler Harmonik und eingängigen Melodien, die meist liedhaft sind und zum Teil an Operette oder Musical erinnern; an zwei Stellen, „Yank his tail“ und „Second-hand rat traps going cheap“ sind dem Kinderchor Kanons zugeordnet. Durch das Cembalo ist im begleitenden Instrumentalensemble für eine altertümliche Klangfarbe gesorgt. Besonders charakteristisch ist außerdem das Motiv des Rattenfängers, das ebenso gesungen wie von der Flöte gespielt wird und diatonisch durch eine geheimnisvoll und fremdartig wirkende übermäßige Quarte aufsteigt.

Aufführungen

Die Uraufführung fand am 17. Juni 1980 im Rahmen des York Festival im Theatre Royal von York statt. Eigentlich hatte die Elternvereinigung der St John’s College School in Cambridge das Werk bei seinen Autoren zur 25-Jahr-Feier des Umzugs der Schule von der All Saints’ Passage in die Grange Road in Auftrag gegeben. (John Rutter war zuvor Musikdirektor des Clare College in Cambridge.) Aber Richard Gregson-Williams, Leiter der Festivals von Chichester, Salisbury und York und zugleich Vater des Ersten Chorknaben der St John’s College School, erfuhr von den Plänen und erhielt von der Schule das Recht der Premiere. Es folgten zwei Aufführungen in gleicher Besetzung am 3. und 4. Juli 1980 in der University Music School in Cambridge; es dirigierte Paul Bryan, Regie führte Jeremy James Taylor.[1]

Aufführung in Deutschland gab es 2012 in der Reihe „Bobby Klassik“ des Beethoven Orchesters Bonn und (in der Regie von Jens Kerbel) 2015 am Oldenburgischen Staatstheater, beide Male mit englischen Liedtexten sowie unter der musikalischen Leitung von Thomas Honickel.

Pressestimmen

“… in ‘The Piper of Hamelin’, Mr Rutter and his librettist, Jeremy James Taylor, have come up with a winner. In the space of an hour, it runs the gamut from broad comedy to genuine pathos. […] Twelve-year-old Nicholas Gedge, who played the enigmatic Piper […] in a beautifully phrased and enunciated solo describes the delights of the ‘other world’ to the spellbound children. But the best performance of the evening came from James Bett as the lame boy who is the sole child left behind in Hamelin. In the moving final scene, as the townsfolk silently pick und the hoops and dolls left behind by their vanished offspring, his account of how the door in the hillside shut before he could limp through, provoked audible sniffs and gulps from the audience.”

„Mit ‚The Piper of Hamelin‘ ist Herrn Rutter und seinem Librettisten Jeremy James Taylor ein Volltreffer gelungen. Innerhalb einer Stunde durchläuft das Werk die ganze Bandbreite von praller Komik bis hin zu echtem Sentiment. [...] Der zwölfjährige Nicholas Gedge, der den rätselhaften Rattenfänger spielt, [...] schildert in einem wunderschön phrasierten, klar vorgetragenen Solo den gebannten Kindern die Freuden der ‚anderen Welt‘. Die beste Darbietung des Abends jedoch kam von James Bett als der lahme Junge, der als einziges Kind in Hameln zurückbleibt. In der bewegenden Schlussszene, in der die Bürger der Stadt schweigend die Reifen und Puppen aufsammeln, die ihre verschwundenen Kinder zurückgelassen haben, löste seine Schilderung, wie sich die Tür in den Hügeln schloss, bevor er hindurchhumpeln konnte, hörbares Schniefen und Schlucken im Publikum aus.“

Sue Davies: Cambridge Evening News, 4. Juli 1980

„Rutters Musik ist eine Mischung aus Klassik, englischer Musiktradition, Pop und Jazz. Anspruchsvolle solistische Partien, facettenreiche und illustrierende Orchesterklänge sowie eine spannende Handlung mit überraschendem Ende machen das Werk zu einem Ereignis: Schon zu Beginn markiert die Ouvertüre den Widerspruch zwischen ländlich-behaglichem Idyll und der Bedrohung durch die Rattenplage. Der Chor als tragende Säule erzählt von den Heerscharen kleiner Nager.“

Stephan Onnen: Nordwest-Zeitung, 16. Oktober 2015[2]

Einspielung

Classix – junges Solistenensemble / Marco Agostini – Tenor / Bobbys Klassik Choirs / Beethoven Orchester Bonn / Thomas Honickel, Konzeption und Dirigent / Erzähler: Hanna Lüdecke, Bernhard Hoëcker / Piper: Scarlett Pulwey / Lame Boy: Laura lacovino / Shopkeeper: Felix Aring / Mayor: Marco Agostini; Musikproduktion Dabringhaus und Grimm 2012, MDG 337 1789-2 (mit deutschen Dialogen und original englischen Gesangstexten)

Notenausgabe (englisch)

  • Partitur, Klavierauszug und Stimmen ISBN 978-0-19-338054-7 (Leihmaterial)
  • Chorpartitur ISBN 978-0-19-338055-4

Einzelnachweise

  1. Programmheft der Aufführungen in Cambridge 1980, Archiv des Musikverlags Oxford University Press, mit freundlicher Unterstützung.
  2. Rattenfänger verheißt bessere Welt/. 16. Oktober 2015, abgerufen am 13. Januar 2026.