The Masses

The Masses war eine illustrierte amerikanische Zeitschrift sozialistischer Ausrichtung, die von 1911 bis 1917 monatlich erschien. Ihre Veröffentlichung endete, als Bundesstaatsanwälte Anklage gegen die Herausgeber erhoben, weil sie sich während des Ersten Weltkriegs verschworen hätten, die Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten zu behindern. Auf The Masses folgten zunächst The Liberator und später New Masses. Die Zeitschrift veröffentlichte Reportagen, Prosa, Lyrik und Kunstwerke führender Radikaler ihrer Zeit, darunter Max Eastman, John Reed, Dorothy Day und Floyd Dell.

Geschichte

Anfänge

Piet Vlag, ein exzentrischer sozialistischer Einwanderer aus den Niederlanden, gründete die Zeitschrift 1911. Im ersten Jahr ihres Erscheinens wurden die Druck- und Gravurkosten der Zeitschrift von einem wohlgesinnten Förderer, Rufus Weeks, einem Vizepräsidenten der New York Life Insurance Company, übernommen.[1] Vlags Traum von einer genossenschaftlich betriebenen Zeitschrift scheiterte jedoch, und nach nur wenigen Ausgaben zog er nach Florida. Seine Vision einer illustrierten sozialistischen Monatszeitschrift hatte jedoch einen Kreis junger Aktivisten aus Greenwich Village zu The Masses hingezogen; dazu gehörten bildende Künstler wie John French Sloan aus der Ashcan School. Diese Künstler und Schriftsteller aus Greenwich Village baten einen der Ihren, Max Eastman (der damals an der Columbia University unter John Dewey promovierte), die Redaktion der Zeitschrift zu übernehmen. John Sloan, Art Young, Louis Untermeyer und Inez Haynes Gillmore schickten Eastman im August 1912 einen knappen Brief:

„Du bist zum Herausgeber von The Masses gewählt. Keine Bezahlung.“[2]

In der Februarausgabe 1913 von The Masses veröffentlichte Eastman folgendes Manifest:

A Free Magazine — This magazine is owned and published cooperatively by its editors. It has no dividends to pay, and nobody is trying to make money out of it. A revolutionary and not a reform magazine; a magazine with a sense of humour and no respect for the respectable; frank; arrogant; impertinent; searching for true causes; a magazine directed against rigidity and dogma wherever it is found; printing what is too naked or true for a money-making press; a magazine whose final policy is to do as it pleases and conciliate nobody, not even its readers—There is a field for this publication in America. Help us to find it.

Eine freie Zeitschrift – Diese Zeitschrift gehört ihren Herausgebern und wird gemeinschaftlich von ihnen verlegt. Sie hat keine Dividenden auszuschütten, und niemand versucht, mit ihr Geld zu verdienen. Eine revolutionäre und keine reformistische Zeitschrift; eine Zeitschrift mit Sinn für Humor und ohne Respekt vor dem Respektablen; offen; arrogant; frech; nach den wahren Ursachen suchend; eine Zeitschrift, die sich gegen Starrheit und Dogma richtet, wo immer sie zu finden sind; die druckt, was für eine gewinnorientierte Presse zu nackt oder zu wahr ist; eine Zeitschrift, deren endgültige Politik darin besteht, zu tun, was ihr gefällt, und niemanden zu beschwichtigen – nicht einmal ihre Leser. Es gibt in Amerika ein Feld für diese Publikation. Helft uns, es zu finden.“[3]

The Masses war klar durch ihre Verbindung zur künstlerischen, "bohemian" Kultur New Yorks geprägt. „Die Geburt von The Masses“, schrieb Eastman später, „fiel zusammen mit der Geburt von ‚Greenwich Village‘ als eine sich seiner selbst bewusste Entität, einer amerikanischen Bohème oder eines kosmopolitischen (im Original "zigeunerhaft") denkenden Quartier Latin, doch ihre Beziehung zu dieser Entität war kompliziert.“[4] The Masses war stark in ein spezifisches großstädtisches Milieu eingebettet, im Gegensatz zu anderen konkurrierenden sozialistischen Periodika (wie etwa Appeal to Reason, einer populistisch geprägten Wochenzeitung mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren, die in Girard, Kansas, produziert wurde).

Die Zeitschrift nahm innerhalb der linken Druckkultur der Vereinigten Staaten eine einzigartige Stellung ein. Sie war gegenüber Reformen der Progressiven Ära, wie dem Frauenwahlrecht, aufgeschlossener als Emma Goldmans anarchistische Zeitschrift Mother Earth. Gleichzeitig kritisierte sie scharf etabliertere linke Publikationen wie The New Republic aufgrund mangelnder Radikalität.[5] Nachdem Eastman die Leitung übernommen hatte, und insbesondere nach August 1914, war der antimilitaristische Kurs und die Kritik am Ersten Weltkrieg dominant. In der Septemberausgabe 1914 seiner Kolumne „Knowledge and Revolution“ schrieb Eastman „Probably no one will actually be the victor in this gambler's war—for we may as well call it a gambler's war. Only so can we indicate its underlying commercial causes, its futility, and yet also the tall spirit in which it is carried off.“ (deutsch: „Wahrscheinlich wird in diesem Spielerkrieg tatsächlich niemand der Sieger sein – denn wir können ihn ebenso gut einen Spielerkrieg nennen. Nur so lassen sich seine zugrunde liegenden kommerziellen Ursachen, seine Sinnlosigkeit und zugleich auch der hochmütige Geist, in dem er geführt wird, zum Ausdruck bringen.“)[6]

Bis Mai 1916 hatte der in The Masses veröffentlichte radikale Inhalt dazu geführt, dass die Zeitschrift von zwei großen amerikanischen Zeitschriftenvertriebsunternehmen boykottiert wurde: der United News Co. aus Philadelphia und der Magazine Distributing Co. aus Boston. Außerdem wurde sie aus dem kanadischen Postverkehr ausgeschlossen sowie aus Universitätsbibliotheken, Buchhandlungen und von den Zeitungskiosken des U-Bahn-Systems von New York City entfernt.[7]

Klagen der Associated Press

Im Juli 1913, im Nachgang des Paint-Creek–Cabin-Creek-Streiks von 1912 in West Virginia, veröffentlichte Max Eastman in The Masses einen Leitartikel, in dem er der Associated Press (AP) vorwarf, „die Berichterstattung über diesen Streik zugunsten der Arbeitgeber unterdrückt und verfälscht zu haben“.[8] Eastman führte aus, dass die AP angeblich Informationen über Misshandlungen durch ein Militärtribunal unterdrückt habe, das zur Bestrafung streikender Bergarbeiter eingesetzt worden war. Zudem beschuldigte er die AP eines Interessenkonflikts, nachdem bekannt geworden war, dass der lokale Korrespondent der AP zugleich Mitglied dieses Tribunals gewesen war.[9] Begleitet wurde der Leitartikel von einer Karikatur von Art Young mit dem Titel „Poisoned at the Source“ („An der Quelle vergiftet“), die eine Gestalt der AP zeigte, die das Nachrichtenreservoir mit „Lügen“, „unterdrückten Fakten“, „Vorurteilen“, „Verleumdung“ und „Hass auf Gewerkschaftsorganisationen“ vergiftete.[10]

Die AP reichte über ihren Anwalt William Rand Klage wegen strafrechtlicher Verleumdung gegen Eastman und Young ein; diese Klage wurde jedoch von einem Richter abgewiesen. Rand erreichte daraufhin, dass der Staatsanwalt von New York City eine Grand Jury einberief, die Eastman und Young im Dezember 1913 wegen strafrechtlicher Verleumdung anklagte.[8] Die beiden Herausgeber wurden am 13. Dezember festgenommen und gegen eine Kaution von jeweils 1000 US-Dollar freigelassen; im Falle einer Verurteilung drohte ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Einen Monat später wurden sie zusätzlich beschuldigt, den Präsidenten der Associated Press, Frank Brett Noyes, persönlich verleumdet zu haben, nachdem festgestellt worden war, dass die Darstellung der AP in Youngs Karikatur dessen Züge trug.[9]

Young und Eastman wurden unentgeltlich von Gilbert Roe vertreten, und ihre Lage zog die Unterstützung zahlreicher Aktivisten auf sich, darunter Lincoln Steffens, Charlotte Perkins Gilman, Inez Milholland und Amos Pinchot. Auf einer Unterstützungsversammlung für Eastman und Young in der Cooper Union erklärte Pinchot seine Solidarität mit ihrer Sache und stimmte der Einschätzung der beiden Herausgeber zu, dass die AP als Monopol „auf Kosten der Wahrheit“ operiere. Die AP forderte ihn auf, diese Aussage unter Androhung einer Verleumdungsklage in Höhe von 150.000 US-Dollar zurückzunehmen; Pinchot überzeugte die Organisation jedoch davon, dass eine solche Klage negative Publicity nach sich ziehen würde, woraufhin die Angelegenheit im Sande verlief.[9] Die Verteidigung konsultierte zudem den Anwalt Samuel Untermyer, der angab, die Verzerrung der Berichterstattung aus West Virginia durch die AP persönlich miterlebt zu haben. Nach zwei Jahren juristischer Auseinandersetzungen ließ die Staatsanwaltschaft die Klagen gegen Young und Eastman stillschweigend fallen.[9]

Erster Prozess

Nach der Verabschiedung des Espionage Act (Pub. L. 65-24, 40 Stat. 217, in Kraft getreten am 15. Juni 1917) versuchte The Masses, die neuen Bestimmungen einzuhalten, um weiterhin für den Versand durch den Postdienst der Vereinigten Staaten zugelassen zu bleiben. Der Geschäftsführer Merrill Rogers bemühte sich um Rechtskonformität, indem er Rechtsrat bei George Creel, dem Vorsitzenden des Committee on Public Information, einholte; dennoch verweigerte das Postamt weiterhin die Nutzung des Postwegs.[11] The Masses focht das Postverbot an und erzielte kurzzeitig Erfolg, als die Verfügung aufgehoben wurde. Nachdem die Zeitschrift jedoch öffentliche Aufmerksamkeit auf die Angelegenheit gelenkt hatte, benannte die Regierung offiziell das „verräterische Material“ in der Augustausgabe 1917 und erhob kurz darauf Anklage gegen Max Eastman, Floyd Dell, John Reed, Josephine Bell, H. J. Glintenkamp, Art Young und Merrill Rogers. Ihnen wurde vorgeworfen, „unrechtmäßig und vorsätzlich … die Rekrutierung und Anwerbung“ des US-Militärs behindert zu haben; im Falle einer Verurteilung drohten Geldstrafen von bis zu 10.000 US-Dollar sowie Freiheitsstrafen von bis zu zwanzig Jahren.[12]

Der Prozess begann am 15. April 1918, und trotz der aufgeheizten Stimmung zeigten sich die Angeklagten wenig beunruhigt. Die Gruppe um The Masses, sich der konstruierten Anklage bewusst, begegnete dem Verfahren mit einer demonstrativ lässigen, teils absurd-humoristischen Haltung. „Zu der karnevalesken Atmosphäre am ersten Prozesstag trug eine Kapelle bei, die direkt vor dem Gerichtsfenster patriotische Melodien spielte, um Kriegsanleihen zu verkaufen, und dabei die Würde des Gerichtssaals störte. Jedes Mal, wenn die Kapelle das ‚Star-Spangled Banner‘ spielte, sprang Merrill Rogers auf, um die Flagge zu grüßen. Erst beim vierten Mal und erst nachdem der Richter ihn dazu aufforderte, unterließ Rogers schließlich den Salut.“[11] Letztlich erschienen nur fünf der sieben Angeklagten zum Prozess: John Reed befand sich noch in Russland, und der Aufenthaltsort von H. J. Glintenkamp war unbekannt; Gerüchten zufolge hielt er sich irgendwo zwischen Südamerika und Idaho auf. Louis Untermeyer kommentierte: „Im Verlauf des Prozesses wurde deutlich, dass die Anklage ein juristisches Manöver war und dass in Wirklichkeit die Frage der Pressefreiheit vor Gericht stand.“[11]

Bevor er die Geschworenen zur Beratung entließ, änderte Richter Learned Hand die Anklagepunkte und wies die Jury auf ihre verfassungsrechtlichen Pflichten hin. Er ließ alle Anklagen gegen Josephine Bell fallen und strich zudem den ersten Anklagepunkt – „Verschwörung zur Meuterei und Dienstverweigerung“ – gegen die übrigen Angeklagten. Vor der Beratung erklärte Hand: „Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, dass jeder Mensch das Recht hat, jene wirtschaftlichen, philosophischen oder religiösen Ansichten zu vertreten, die ihm am besten erscheinen, seien sie sozialistisch, anarchistisch oder atheistisch.“[13] Nach Beratungen von Donnerstagnachmittag bis Samstag kam die Jury zu zwei Ergebnissen: Erstens konnte sie sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen. Zweitens – und vielleicht noch bedeutsamer – machten die Geschworenen, die eine Verurteilung anstrebten, einen einzelnen Juror dafür verantwortlich, der sich der Mehrheitsmeinung nicht anschließen wollte, da er Sozialist und damit angeblich unamerikanisch sei. Die übrigen elf Geschworenen forderten nicht nur den Staatsanwalt auf, Anklage gegen diesen einen Juror zu erheben, sondern wollten ihn auch auf die Straße zerren und lynchen. Angesichts dieses Tumults erklärte Richter Hand das Verfahren für gescheitert und ordnete einen neuen Prozess an.

Zweiter Prozess

Im September 1918 standen The Masses erneut vor Gericht, diesmal gemeinsam mit John Reed, der sich eigens aus Russland in die Vereinigten Staaten zurückgeschmuggelt hatte, um am Prozess teilzunehmen. Abgesehen von neuen Verteidigern verlief das Verfahren weitgehend ähnlich wie der erste Prozess.

Am Ende seines Schlussplädoyers beschwor Staatsanwalt Barnes das Bild eines gefallenen Soldaten in Frankreich und erklärte: „Er liegt tot da, und er starb für Sie und er starb für mich. Er starb für Max Eastman. Er starb für John Reed. Er starb für Merrill Rogers. Seine Stimme ist nur eine von tausend stummen Stimmen, die fordern, dass diese Männer bestraft werden.“ Art Young, der während des größten Teils der Verhandlung geschlafen hatte, erwachte am Ende von Barnes’ Rede und flüsterte laut: „Was? Ist er nicht für mich gestorben?“ John Reed, der neben Young saß, antwortete: „Kopf hoch, Art, Jesus ist für dich gestorben.“[12] Wie zuvor konnte sich die Jury nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen, diesmal jedoch ohne Gewaltdrohungen.

Nach dem Ende von The Masses waren Eastman und andere Autoren nicht bereit, den Geist der Zeitschrift mit ihr sterben zu lassen. Im März 1918 erhielt ihre neue Monatszeitschrift den Namen von William Lloyd Garrisons berühmtem Blatt The Liberator.

The Masses diente Radikalen noch lange nach ihrem Verbot als Vorbild. „Die einzige Zeitschrift, die ich kenne, die eine gewisse Ähnlichkeit mit (Dwight Macdonalds Magazin) Politics aufweist und dreißig Jahre zuvor eine vergleichbare Funktion erfüllte“, schrieb Hannah Arendt 1968, „war das alte Masses (1911–1917).“[14]

Politische Inhalte

Arbeitskämpfe

Die Zeitschrift berichtete über die meisten bedeutenden Arbeitskämpfe ihrer Zeit: vom Paint-Creek–Cabin-Creek-Streik von 1912 in West Virginia über den Patersoner Seidenstreik von 1913 bis hin zum Ludlow-Massaker in Colorado. Sie sympathisierte stark mit „Big Bill“ Haywood und dessen Industrial Workers of the World (IWW), mit den politischen Kampagnen von Eugene V. Debs sowie mit einer Vielzahl weiterer sozialistischer und anarchistischer Persönlichkeiten. The Masses verfolgte zudem empört die Ereignisse im Nachgang des Bombenanschlags auf die Los Angeles Times.

Frauenrechte und sexuelle Gleichberechtigung

Die Zeitschrift setzte sich nachdrücklich für Geburtenkontrolle ein (und unterstützte dabei Aktivistinnen wie Margaret Sanger) sowie für das Frauenwahlrecht. Mehrere ihrer Autoren aus Greenwich Village, darunter John Reed und Floyd Dell, praktizierten in ihrem Privatleben freie Liebe und propagierten diese – teils in verhüllter Form – auch in ihren Beiträgen. Die Unterstützung dieser sozialen Reformen war innerhalb marxistischer Kreise jener Zeit mitunter umstritten; manche argumentierten, sie lenkten von dem vermeintlich eigentlichen politischen Ziel, der Klassenrevolution, ab. Emma Goldman äußerte sich einmal spöttisch:

„Es ist eher enttäuschend, THE MASSES eine ganze Ausgabe dem Thema ‚Frauenwahlrecht‘ widmen zu sehen. Vielleicht hat Mother Earth als einziges Blatt Vertrauen in Frauen … dass Frauen fähig sind und bereit, für Freiheit und Revolution zu kämpfen.“[15]

Literatur und Kulturkritik

Der amerikanische Realismus war eine wichtige und wegweisende Strömung der damaligen Literatur, und mehrere ihrer führenden Vertreter waren bereit, Beiträge unentgeltlich für die Zeitschrift zu liefern. Der Name, der am stärksten mit The Masses verbunden ist, ist Sherwood Anderson. Anderson wurde vom Literaturredakteur der Zeitschrift, Floyd Dell, „entdeckt“, und seine dort veröffentlichten Texte bildeten die Grundlage für seine späteren Erzählungen in Winesburg, Ohio. In der Novemberausgabe 1916 von The Masses beschrieb Dell seine frühere Überraschung beim Lesen eines unverlangt eingesandten Manuskripts Andersons:

„Da schrieb Sherwood Anderson – mir fiel kein anderer Ausdruck ein – wie ein großer Romanautor.“[16] Anderson wurde später vom Umfeld der Zeitschrift Partisan Review als eines der ersten genuin amerikanischen literarischen Talente bezeichnet.

Die literaturkritische Rubrik der Zeitschrift, redigiert von Floyd Dell, trug – zumindest zeitweise – den augenzwinkernden Titel „Books that Are Interesting“ („Bücher, die interessant sind“). Dells scharfsinnige Rezensionen würdigten zahlreiche bedeutende Werke der Epoche, darunter An Economic Interpretation of the Constitution, die Spoon River Anthology, die Romane Theodore Dreisers, Carl Jungs Psychologie des Unbewussten, die Werke G. K. Chestertons, die autobiografischen Schriften Jack Londons sowie viele weitere prominente Veröffentlichungen.

Kunst und Illustrationen

Obwohl die Gründung der Zeitschrift mit dem Aufkommen des Modernismus zusammenfiel und ihr Mitarbeiter Arthur B. Davies zu den Organisatoren der Armory Show gehörte, veröffentlichte The Masses überwiegend realistische Kunstwerke, die später der Ashcan School zugeordnet wurden. Art Young, der während der gesamten Erscheinungszeit Mitglied des Herausgebergremiums war, wird zugeschrieben, den Begriff „Ashcan Art“ erstmals 1916 verwendet zu haben. Diese Künstler versuchten, das reale Leben festzuhalten und unverfälschte Bilder zu schaffen; häufig bedienten sie sich dabei der Kreidetechnik. Diese Technik ermöglichte es, „das Gefühl einer rasch vor Ort angefertigten Skizze einzufangen und eine direkte, unvermittelte Reaktion auf das Gesehene zuzulassen“[17] und findet sich auf den Seiten von The Masses besonders häufig in den Jahren 1912 bis 1916.

Nach dem Künstlerstreik von 1916 wurde diese Form der Illustration seltener, da viele Künstler die Zeitschrift verließen. Der Streik brach aus, als Max Eastman begann, größeren Einfluss auf die veröffentlichten Inhalte auszuüben und Material zu drucken, ohne es zuvor dem Herausgebergremium zur Abstimmung vorzulegen. Während die Mehrheit des Herausgebergremiums Eastman unterstützte, stellten einige Mitarbeiter „das infrage, was sie als Eastmans Versuch sahen, The Masses in eine ‚Ein-Mann-Zeitschrift statt eines genossenschaftlichen Blattes‘ zu verwandeln“.[19] Einer der zentralen Streitpunkte war, dass Eastman und Floyd Dell zahlreichen Illustrationen Bildunterschriften hinzufügten, ohne das Wissen oder die Zustimmung der Künstler. Dies verärgerte insbesondere John Sloan, der die Zeitschrift als von ihrem ursprünglichen Zweck abweichend empfand und erklärte: „The Masses ist nicht länger das Ergebnis der Ideen und der Kunst mehrerer Persönlichkeiten. The Masses hat eine ‚Politik‘ entwickelt.“[18]

Da Sloan diese Vorstellung einer festen politischen Linie ablehnte – eine Entwicklung, die sich mit der Eskalation des Ersten Weltkriegs weiter zuspitzte –, traten er und andere Künstler, darunter Maurice Becker, Alice Beach Winter und Charles Winter, 1916 aus der Redaktion aus. In den späteren Jahren ihres Bestehens öffnete sich die Zeitschrift stärker als zuvor modernistischen Kunstrichtungen, ohne jedoch realistische Illustrationen vollständig aufzugeben. Mehrere Titelblätter aus den Jahren 1916 und 1917 belegen diesen Wandel: Anstelle von Kreidezeichnungen realistischer Szenen mit sanfter sozialer Satire zeigten sie nun häufig modern gekleidete Frauenfiguren, die einen modernistischen Stil verkörperten.[19] Als Beispiel hierfür wird häufig Frank Walts’ Darstellung der Schauspielerin Mary Fuller angeführt.[19]

Neben realistischen und modernistischen Kunstwerken war die Zeitschrift auch für ihre zahlreichen politischen Karikaturen bekannt. Art Young ist hierfür wohl der bekannteste Vertreter, doch auch andere Künstler wie Robert Minor trugen wesentlich zu diesem Bereich bei. Die Karikaturen, insbesondere jene von Young und Minor, waren mitunter stark umstritten und wurden nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg aufgrund ihrer antimilitaristischen Haltung als verräterisch angesehen.

Die veröffentlichten Illustrationen dienten häufig der sozialistischen Agenda, für die The Masses bekannt war. John Sloans Darstellungen der Arbeiterklasse und von Einwanderern setzten sich etwa für Arbeitsrechte ein; Alice Beach Winters Arbeiten betonten Mutterschaft und die Notlage arbeitender Kinder; und Maurice Beckers Stadtszenen karikierten den luxuriösen Lebensstil der Oberschicht. Obwohl viele Illustrationen in The Masses eine politische oder soziale Aussage verfolgten, veröffentlichte Max Eastman regelmäßig auch Kunstwerke um ihres ästhetischen Wertes willen. Er verstand die Zeitschrift als ein Medium, das revolutionäre Ideen mit Literatur und Kunst als eigenständigen Ausdrucksformen verbinden sollte.

Einzelnachweise

  1. Leslie Fishbein: Rebels in Bohemia: The Radicals of The Masses, 1911–1917. In: Robert A. Rosenstone (Hrsg.): The American Historical Review. Band 88, Nr. 3, 1. Juni 1983, ISSN 1937-5239, S. 17, doi:10.1086/ahr/88.3.767.
  2. Eastman, Max: Enjoyment of Living. New York: Harper & Brothers 1948, S. 394.
  3. Modernist Journals | Masses. Vol. 4, No. 5. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  4. Max Eastman: Enjoyment of Living. Harper & Brothers, New York 1948, S. 418.
  5. The Masses, April 1916, S. 12.
  6. The Masses, September 1914, S. 4.
  7. Fishbein 1982, S. 20–21.
  8. O’Neill 1966, S. 33.
  9. a b c d Fishbein 1982, S. 20.
  10. O’Neill 1966, S. 35.
  11. a b c Maik 1994.
  12. „Socialists to Test the Espionage Act: Editors of Radical Publications Would Establish Their Right to the Mails“, The New York Times, 10. Juli 1917.
  13. Sayer, John: „Art and Politics, Dissent and Repression: The Masses Magazines versus the Government, 1917–1918“, in: American Journal of Legal History 32/1 (1988), S. 42–78.
  14. Arendt, Hannah: „He’s All Dwight“, in: The New York Review of Books, 1. August 1968.
  15. Zitiert in: The Masses, Januar 1916, S. 20.
  16. The Masses, November 1916, S. 17.
  17. Zurier 1988, S. 140.
  18. Zurier 1988, S. 52.
  19. a b Morrisson, Mark S.: „Pluralism and Counterpublic Spheres: Race, Radicalism, and The Masses“, in: The Public Face of Modernism: Little Magazines, Audiences, and Reception 1905–1920. Madison: University of Wisconsin Press 2001, S. 167–202.

Literatur

  • Fishbein, Leslie: Rebels in Bohemia: The Radicals of The Masses, 1911–1917. Chapel Hill: University of North Carolina Press 1982.
  • Maik, Thomas A.: The Masses Magazine (1911–1917): Odyssey of an Era. New York: Garland 1994.
  • O’Neill, William: Echoes of Revolt: The Masses, 1911–1917. Chicago: Ivan Dee 1966.
  • Schreiber, Rachel: Gender and Activism in a Little Magazine: The Modern Figures of The Masses. London: Routledge 2016 (zuerst Ashgate 2011).
  • Watts, Theodore F.: The Masses Index 1911–1917. Easthampton, MA: Periodyssey 2000.
  • Zurier, Rebecca: Art for The Masses: A Radical Magazine and Its Graphics, 1911–1917. Philadelphia: Temple University Press 1988.