The Haunt
| The Haunt | ||||
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| Studioalbum von Bobby Naughton, Wadada Leo Smith & Perry Robinson | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
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| Label(s) | Otic Records, NoBusiness Records | |||
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Format(e) |
LP, CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
5/6 | |||
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39:39 (LP) | ||||
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Besetzung |
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Danas Mikailionis | ||||
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Studio(s) |
Blue Rock Studio, NYC | |||
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The Haunt ist ein Musikalbum von Bobby Naughton, Wadada Leo Smith und Perry Robinson. Die am 21. April 1976 im Blue Rock Studio in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen zunächst in kleiner Auflage als Langspielplatte auf Naughtons eigenem Label Otic. Sie wurden am 15. August 2018 in erweiterter Fassung als Compact Disc auf NoBusiness Records wiederveröffentlicht.
Hintergrund
Das Studioalbum The Haunt des Vibraphonisten Bobby Naughton ist eines seiner wenigen Alben als Bandleader. Zu dieser Zeit war Naughton ein fester Bestandteil der Formationen des Trompeters Wadada Leo Smith und wirkte an Alben wie Divine Love (ECM, 1979) und Go in Numbers (Black Saint, 1982) mit. Außerdem trat er mit Roscoe Mitchell und Anthony Braxton auf. Doch die Bedingungen des Musikerlebens frustrierte ihn so sehr, dass er sich Mitte der 1980er-Jahre praktisch aus der Szene zurückzog und nur noch selten, etwa auf den Alben Zoar (Otic, 2002) und Pawtucket (Otic, 2013), zu hören war, notierte John Sharpe. Für seine schwebenden Kammermusikwerke auf The Haunt holte sich Naughton den Trompeter Leo Smith und den Klarinettisten Perry Robinson hinzu.[1]
Titelliste
- Bobby Naughton / Leo Smith / Perry Robinson: The Haunt (NoBusiness Records NBCD 105)
- The Haunt 7:18
- Slant 5:45
- Places 8:11
- Rose Island 9:14
- Ordette 9:11
- Slant (alternate take) 6:49
Die Kompositionen stammen von Bobby Naughton.
Rezeption
Nach Ansicht von John Sharpe, der das Album in All About Jazz rezensierte, würde Naughtons Musik auf diesem Album viele Ähnlichkeiten mit der von Leo Smith aus dieser Zeit aufweisen, vor allem in seinem großzügigen Umgang mit Raum und den sich überlagernden, dialogischen Fäden. In gewisser Weise spiegle sie die Verschmelzung von Free Jazz und zeitgenössischer Musik durch die AACM wider und vermeide sowohl erweiterte Spieltechniken als auch die Klischees des wilden freien Spiels. Naughton würde auf dem Vibraphon einen eigenen Weg beschreiten, es vorwiegend als einstimmiges Instrument behandeln und zugunsten der Klangfarbenvariation auf die Akkordrolle verzichten. Naughtons Melodien seien verschlungen, und die Gesamtwirkung grenze an Strenge – so streng, wie es eben mit Robinson, einem Urgestein des Jazz Composer’s Orchestra, Gunter Hampels Galaxie Dream Band und Charlie Hadens Liberation Music Orchestra, möglich sei. Der Klarinettist würde das Zusammenspiel mit einem vokalisierten, menschlichen Ausdruck bereichern. Leo Smiths zutiefst persönlicher Zugang zur Klanggestaltung sei zu diesem Zeitpunkt bereits angelegt gewesen, obwohl sein Spiel noch nicht die emotionale Direktheit aufweise, die er später entwickeln sollte.[1]
Es sei eine selbstlose Musik, basierend auf einem feinfühligen Zusammenspiel, das einer unsichtbaren Logik zu folgen scheint, voller dynamischer Wechsel, plötzlicher Crescendi und Passagen stiller Zartheit, so Sharpe weiter. Kurze Unisono-Klänge tauchten auf, als wären sie an hauchdünnen Fäden aus Naughtons spektralen Klangkarten aufgehängt, wie im ätherischen Titeltrack. Die Verläufe seien gelassen und erstreckten sich über weite, offene Klangflächen, insbesondere in „Places“, wo Vibraphon-Obertöne in der Luft schweben und immer wieder von Klarinetten- oder Trompetensoli unterbrochen werden. Naughton wirkt besonders unprätentiös. Seine Linienführung erscheine oft architektonisch, sie forme und lenke den Dialog zwischen Smith und Robinson. Erst im bittersüßen „Ordette“ würden unbegleitete Passagen für jedes Instrument folgen. Selbst diese seien so präzise, dass sie eher als strukturelle Bausteine denn als Soli im herkömmlichen Sinne gelten könnten. Die Session liefere, falls nötig, den Beweis, dass der Free Jazz dieser Ära weitaus nuancierter und vielschichtiger war, als Kritiker oft behaupten.[1]
Weblinks
- The Haunt von Bobby Naughton. In: Bandcamp. (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b c John Sharpe: Bobby Naughton / Leo Smith / Perry Robinson: The Haunt. In: All About Jazz. 27. Dezember 2018, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).