The Foggy Dew
The Foggy Dew (deutsch Der neblige Tau) ist ein Irish-Folk-Song von Charles O’Neill, der zur Irish Rebel Music gezählt wird.[1]
Hintergrund
Das Lied berichtet vom Osteraufstand, bei dem vom 24. April bis 29. April 1916 militante irische Republikaner versuchten, die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien gewaltsam zu erzwingen. Der Aufstand scheiterte und 16 Anführer wurden hingerichtet. Trotzdem gilt der Aufstand als Wendepunkt im irischen Streben nach Unabhängigkeit. Die antibritische Stimmung wuchs weiter an, was zum Irischen Unabhängigkeitskrieg (1919–1921) und schließlich zur Unabhängigkeit des Irischen Freistaats 1922 führte. Auch die Irish Republican Army (IRA) ging aus diesem Ereignis hervor.[2]
Als Verfasser des Liedtextes wird auch Peadar Kearney genannt, die meisten Quellen schreiben es aber dem Priester Charles O’Neill (1887–1963) aus der Diözese Down und Connor zu, der Kurator der Kathedrale St. Peter in Belfast war, als er den Text niederschrieb. Später war er Pfarrer in Kilcoo und in Newcastle.[3] Am 21. Januar 1919 trat erstmals das Dáil Éireann zusammen, das Parlament der einseitig erklärten unabhängigen Irischen Republik. O’Neill war Zeuge, dass ein großer Teil der Mitglieder des Parlaments nicht anwesend war, weil sie sich in britischer Gefangenschaft befanden. Sobald der Name von einem von ihnen aufgerufen wurde, wurde mit dem Satz „faoi ghlas ag na Gaill“ (von den Engländern eingesperrt) geantwortet. Im Eindruck dieses Geschehens schrieb O’Neill zu Hause den Text zu The Foggy Dew nieder.[1][4][5]
Bereits das Liebeslied The Moorlough Shore, das mindestens seit 1886 bekannt ist, verwendete die Melodie. O’Neill soll sie einem Manuskript entnommen haben, das im Besitz von Kathleen Dallat war, der Schwester von Bischof Michael Dallat aus Ballycastle. In diesem Manuskript wird Carl Hardebeck als Arrangeur genannt.[1][6]
Inhalt und Bedeutung
In dem Lied berichtet der Erzähler, wie er am Ostermorgen nach Dublin kommt und auf bewaffnete Männer trifft. Weder Dudelsäcke noch Trommeln werden von ihnen gespielt, nur die Angelusglocke ist über den Liffey im nebligen Tau zu hören.
In der Stadt weht stolz eine Kriegsflagge, ein Hinweis auf die Flagge von Theo FitzGerald, die auf dem General Post Office gesetzt wurde. Der Erzähler erklärt, dass es besser sei, unter dem Himmel Irlands zu sterben, als in Suvla oder Sud-el-Bar (Sedd el Bahr). Damit wird auf die Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg Bezug genommen, in dem 210.000 irische Soldaten für Großbritannien in den Kampf zogen, 35.000 Iren starben. Allgemein wurde der Krieg gegen Deutschland als gerecht angesehen. 140.000 Iren waren als Freiwillige in den Krieg gezogen. Der irische Politiker John Redmond erklärte 1914, es sei Irlands Pflicht, die „Freiheit der kleinen Nationen, wie Belgien und Serbien“ zu verteidigen, und setzte diese mit dem Recht auf die Freiheit Irlands gleich. Er hatte das Ziel, Irland so in die Selbstverwaltung (Home Rule) zu führen. Nach dem Osteraufstand kippte aber die Stimmung in Irland.[2] Charles O’Neill war als Unterstützer der republikanischen Sinn Féin bekannt und weniger als Befürworter von Redmonds Plänen.[5]
Dann berichtet der Erzähler von den starken Männern der irischen Miliz Royal Meath, die von den Ebenen nach Dublin eilten, während die „britischen Hunnen“ mit ihren Kanonenbooten im nebligen Tau ankamen. Bei den Briten war „Hunne“ eine gängige, abwertende Bezeichnung für die Deutschen, die in dem Lied aber für die von den Iren als Barbaren angesehenen Briten verwendet wird.
In der schwarzen Nacht bringen laut dem Erzähler die Gewehrschüsse das „perfide Albion“ (ein alter Name für Großbritannien) ins Wanken. In einem bleiernen Regen leuchteten sieben Flammenzungen über den Linien aus Stahl. Bei jeder leuchtenden Klinge wurde ein Gebet gesprochen, dass Irlands Söhne ihm treu bleiben mögen. Am nächsten Tag weht noch immer im nebligen Tau die Kriegsflagge.
In der folgenden Strophe greift der Erzähler wieder den Einsatz irischer Soldaten („Wildgänse“) im Ersten Weltkrieg auf. Er weist auf die Gräber irischer Soldaten an den Wellen der Bucht von Suvla und am Rande der Nordsee. Der Erzähler wünscht sich, sie seien stattdessen an der Seite von Patrick Pearse gestorben oder hätten mit Cathal Brugha gekämpft, zwei der Aufständischen von 1916. So würden ihre Namen die gleiche Ehrerbietung erhalten wie jene der Fenian Brotherhood.[1][2] In manchen Versionen wird statt Brugha der Name von Éamon de Valera genannt.[1]
Weiter berichtet der Erzähler, dass die Tapfersten fielen und die Requiemglocke für jene läutete, die zu Ostern starben. Die Welt sehe mit tiefem „Staunen auf diese wenigen furchtlosen Männer“, die kämpften, damit „das Licht der Freiheit durch den nebligen Tau scheinen konnte“. In der letzten Strophe reitet der Erzähler mit vor Kummer schmerzendem Herzen wieder durch die Stadt. Er erinnert sich an die „tapferen Männer“, die er nicht wiedersehen würde. In seinen Träumen geht der Erzähler herum, kniet nieder und betet für sie, da die „Sklaverei floh“, als die „glorreichen Toten“ im nebligen Tau fielen.
Musik
Die Melodie hat die Form A B A. Die Tonart variiert zwischen B- und E-Moll. Die Melodie nutzt die pentatonische Moll-Tonleiter. Es wird zwischen einem 2/4- und einem 4/4-Takt variiert. Die Harmonien, das Tempo und die rhythmischen Muster des Liedes unterscheiden sich je nach Interpret sehr deutlich. Oft wird eine langsame Version der Melodie gewählt, da diese emotionaler und bewegender wirkt.[1]
Interpretation
The Foggy Dew ist eines der beliebtesten und bekanntesten Lieder der irischen Folkmusik, insbesondere unter Musikern. Es gibt über 150 verschiedene Aufnahmen des Liedes.[1] Es wurde von zahlreichen irischen Musikern aufgeführt, so von Shane MacGowan mit Alan Stivell, den Chieftains mit Sarah McLachlan und Sinéad O’Connor, den Clancy Brothers, den Dubliners und der umstrittenen Gruppe The Wolfe Tones.[1] In Deutschland brachten das Lied die Band Suidakra auf ihrem Album Lays from Afar (1999) und die Band Santiano auf ihrem Album Da braut sich was zusammen (2025) heraus.
Sinead O’Connor und Caroline Lavelle sangen sowohl The Foggy Dew als auch das ursprüngliche The Moorlough Shore.[1]
Im Irischen Bürgerkrieg (1922/23) wurde unter dem Namen Soldiers of ’22 die Melodie erneut mit einem anderen Text versehen.
Weblinks
- Text von The Foggy Dew
- Textvarianten und Liste von Interpreten von The Foggy Dew
- Youtube Clip (Sinéad O’Connor & The Chieftains, 1995)
- Youtube Clip (The Dubliners, 2003)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i Outreach Ethnomusicology - The Foggy Dew Meaning and Lyrics: The History of an Irish Rebel Song. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ a b c BBC - History - British History in depth: Ireland and World War One. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Cathal O'Boyle, Songs of the County Down, Skerries, Co. Dublin 1973, ISBN 0-86233-012-2.
- ↑ BBC - History - 1916 Easter Rising - Rebel Songs (Part 4). Abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ a b Eugene Dunphy: A Hundred Years in the Foggy Dew. In: History Ireland. Band 27, Nr. 1, 2019, ISSN 0791-8224, S. 32–35, JSTOR:26566001.
- ↑ Frank Harte: Songs of Dublin, Skerries, Co. Dublin 1978, ISBN 0-946005-51-6.