Thaer-Denkmal (Berlin)

Das Thaer-Denkmal im Berliner Ortsteil Mitte erinnert an den preußischen Landwirtschaftsreformer Albrecht Thaer (1752–1828). Auf dem Schinkelplatz steht eine 2000 aufgestellte Kopie der Skulptur mit Rekonstruktion des Postaments; die 1857 bis 1860 von Christian Daniel Rauch und Hugo Hagen geschaffene Originalskulptur steht im Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität.

Geschichte

Ein Projekt zu einem preußischen Thaer-Denkmal bestand bereits seit 1843,[1] doch zogen sich Spendensammlung und Standortfragen hin. Schließlich bestimmte der Prinzregent Wilhelm (der spätere Kaiser Wilhelm I.), dass auf dem schon 1837 nach Plänen von Peter Joseph Lenné angelegten Schmuckplatz vor der Bauakademie drei Standbilder in einem Halbkreis aufgestellt werden sollten.[1] Als erstes Ende 1860 das Thaer-Denkmal enthüllt.[2] Das Beuth-Denkmal und das Schinkel-Denkmal folgten 1861 und 1869. Mit der Errichtung des dritten Denkmals änderte die Stadtverwaltung den Namen des Platzes in Schinkelplatz. Die Ehrung der drei Männer in dieser Form war ein Novum in der Berliner Stadtgeschichte, ein Ausdruck für das gewachsene Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums und das Ansehen seiner Leistungsträger. Der Bildhauer Christian Daniel Rauch sprach schon im Vorgriff von den „ersten Helden auf öffentlichem Platze ohne Degen“.[3][4]

Das Thaer-Denkmal, das zu den Werken der Berliner Bildhauerschule[5] zählt, war ab 1857 die letzte Arbeit von Christian Daniel Rauch[4], der noch vor seinem Tod 1857 das Modell fertigstellen konnte.[1] Die Ausführung erfolgte 1860 durch Rauchs Werkstattmitarbeiter, den Bildhauer Hugo Hagen;[4] das monumentale steinerne Postament und dessen Bronzereliefs wurden ganz von Hagen entworfen und geschaffen.[6] Den feierlichen Festakt der Einweihung am 5. November 1869 hat Theodor Fontane geschildert, von ihm stammt auch die erste ausführliche Beschreibung des Denkmals mit Deutung der Allegorien auf den Relieftafeln, der sich dabei teilweise auf den Kunsthistoriker Wilhelm Lübke stützte.[7]

In der DDR-Zeit wurde das kriegsbeschädigte Thaer-Denkmal zusammen mit den Denkmälern Schinkels und Beuths abgeräumt und auf dem Grundstück entstand ab 1964 das DDR-Außenministerium. Bereits 1952 kam das Thaer-Denkmal anlässlich des 200. Thaer-Geburtstages in das Vestibül des heutigen Instituts für Agrar- und Gartenbauwissenschaften (seit 2014: Thaer-Institut) der Humboldt-Universität zu Berlin (Invalidenstraße 42), wo es sich auf einem vereinfachten Postament noch heute befindet.[8][4] Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Abriss des Außenministeriums sollte der Schinkelplatz rekonstruiert werden. Dazu erfolgte 2000 die Aufstellung einer aus Spenden finanzierten Kopie des Thaer-Denkmals am ursprünglichen Ort in Kombination mit einer Rekonstruktion des verlorenen Originalpostaments. Von den ehemals acht Reliefs hatten sich nur drei erhalten. Die fehlenden Reliefs konnten 2008 auf der Grundlage von Fotos rekonstruiert werden.[8] Trotz des jungen Alters ist das Thaer-Denkmal im Schinkelplatz-Ensemble bereits denkmalgeschützt.[9]

Beschreibung

Die 2,70 m[8] hohe Plastik aus Bronze zeigt den preußischen Landwirtschaftsreformer in zeitgenössischer Bekleidung, den Kopf zur Seite gewandt. Seine rechte Hand ist in dozierender Geste erhoben, seine linke Hand ist auf einen Pflug gestützt.

Am 2,50 m[8] hohen, dreiteiligen Postament aus rotem Granit befinden sich mehrere Reliefs. Die oberen Reliefs zeigen vorne Ceres mit Ähre und Sichel zwischen Knaben mit Schriftrollen sowie die Inschrift „ALBRECHT THAER / GEB: 1752. GEST: 1828. / DEM BEGRÜNDER / DES WISSENSCHAFTLICHEN / LANDBAUES / DAS DANKBARE VATERLAND.“, rechts Thaer zwischen Allegorien der Gesundheit und der Philosophie, hinten Ceres zwischen Allegorien des Handels und des Gewerbes sowie links Thaer zwischen Allegorien der Landwirtschaft und der Wissenschaft. Die unteren Reliefs zeigen vorne Thaer als Dozent im Kreis seiner Schüler und Kollegen vor der Landwirtschaftsakademie Möglin, rechts die Schafwäsche auf dem Mustergut Möglin, hinten Thaer als Geehrten im Kreis seiner Familie und Freunde sowie links als einen der ersten Schüler Thaers noch in dessen Zeit in Celle, den Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Johann Heinrich von Thünen (1783–1850).[10]

Literatur

  • Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. Das klassische Berlin. Propyläen, Berlin 1978. ISBN 978-3-549-06631-7.
  • Ernst-Freiberger-Stiftung (Hrsg.): Helden ohne Degen. Der Schinkelplatz in Berlin. Wasmuth, Berlin 2000. ISBN 978-3-8030-4021-3.
  • Theodor Fontane: Denkmal Albrecht Thaer's zu Berlin nach dem Entwurfe von Chr. Rauch ausgeführt von H. Hagen. Verlag von Gustav Bosselmann, Berlin 1861. (Digitalisat)
  • Thaer's Denkmal in Berlin. Enthüllung desselben am 5. Nov. 1860. Erinnerung an Joh. Heinr. von Thünen. In: Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revüe der Landwirthschaft, Jg. 10, 1860, S. 544–547. (Digitalisat)
Commons: Thaer-Denkmal (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Theodor Fontane: Denkmal Albrecht Thaer's zu Berlin nach dem Entwurfe von Chr. Rauch ausgeführt von H. Hagen. Verlag von Gustav Bosselmann, Berlin 1861, S. 1. (Digitalisat)
  2. Thaer's Denkmal in Berlin. Enthüllung desselben am 5. Nov. 1860. Erinnerung an Joh. Heinr. von Thünen. In: Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revüe der Landwirthschaft, Jg. 10, 1860, S. 544–547. (Digitalisat)
  3. Helmut Engel, Ernst Freiberger, Rupert Scholz: Helden ohne Degen. Der Schinkelplatz in Berlin. Wasmuth Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-8030-4021-3.
  4. a b c d Albrecht Daniel Thaer. In: hu-berlin.de. Abgerufen am 9. November 2025.
  5. Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. Das klassische Berlin. Propyläen, Berlin 1978. ISBN 978-3-549-06631-7, S. 98 und S. 299.
  6. Theodor Fontane: Denkmal Albrecht Thaer's zu Berlin nach dem Entwurfe von Chr. Rauch ausgeführt von H. Hagen. Verlag von Gustav Bosselmann, Berlin 1861, S. 2. (Digitalisat)
  7. Theodor Fontane: Denkmal Albrecht Thaer's zu Berlin nach dem Entwurfe von Chr. Rauch ausgeführt von H. Hagen. Verlag von Gustav Bosselmann, Berlin 1861, S. 5. (Digitalisat)
  8. a b c d Albrecht Daniel Thaer. In: sammlungen.hu-berlin.de. Abgerufen am 9. November 2025.
  9. Bronzestandbilder von Karl Friedrich Schinkel, Peter Christian Beuth und Albrecht von Thaer. In: denkmaldatenbank.berlin.de. Landesdenkmalamt Berlin, abgerufen am 9. November 2025.
  10. Theodor Fontane: Denkmal Albrecht Thaers zu Berlin. Nach dem Entwurf von Chr. Rauch ausgeführt von H. Hagen. Verlag Gustav Bosselmann, Berlin 1862.