Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau
| Pressig-Rothenkirchen–Tettau | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Streckennummer: | 5014 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | 414y (1944, 1946) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 16,85 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 23 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 200 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau war eine Nebenbahn in Bayern. Sie zweigte in Pressig-Rothenkirchen von der Frankenwaldbahn ab und führte nach Tettau im Frankenwald. Die Strecke querte auf mehreren kurzen Abschnitten thüringisches Gebiet, was 1952 infolge der Errichtung der innerdeutschen Grenze zur Betriebseinstellung führte. Die Versorgung der Industrie in Tettau und Alexanderhütte wurde aus wirtschaftspolitischen Gründen mit Straßenrollern bis 1996 aufrechterhalten. Die formale Stilllegung der Strecke erfolgte bereits 1993.
Geschichte
Vorgeschichte und Bahnbau
Im Süden erhielt das Gebiet mit der Bahnstrecke Hochstadt–Kronach–Stockheim 1860/63 einen Bahnanschluss, im Norden mit der Bahnstrecke Gera–Eichicht 1871. Die zwischen beiden Strecken bestehende Lücke von circa 35 km sollte ebenfalls mit einer Bahnstrecke erschlossen werden. Aufgrund der notwendigen Streckenführung über den Frankenwald sowie vier Bundesstaaten (Bayern, Preußen, Sachsen-Meiningen und Schwarzburg-Rudolstadt) verzögerte sich die Eröffnung bis 1885. Eine dabei auch vorgeschlagene Linienführung über Tettau kam nicht zur Ausführung. Die neue Bahnstrecke stellte eine wichtige Verbindung zwischen Süd- und Norddeutschland dar und übertraf die Erwartungen sehr weit.
Nach Fertigstellung der Frankenwaldbahn wurde im April 1890 das erste Gesuch um den Bau einer Stichbahn nach Tettau an die Regierung in München gerichtet. Insbesondere die im sogenannten „Tettauer Winkel“ (auch „Tettaugrund“ genannt) ansässige Glas- und Porzellanindustrie war an einem Bahnanschluss interessiert. Die Generaldirektion der Verkehrsanstalten in München sprach sich 1898 für eine Trasse entlang des Flusses Tettau aus, während die Variante von Steinbach am Wald wegen zu hoher Kosten abgelehnt wurde. Für den Bau war allerdings ein Staatsvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Herzogtum Sachsen-Meiningen notwendig, da die Strecke auf einer Länge von 8,1 Kilometern auf dem Gebiet von Sachsen-Meiningen lag, wobei sie vierzehnmal die Landesgrenze und siebenmal die Tettau kreuzte. Noch im selben Jahr begannen erste Vermessungsarbeiten, im Herbst 1898 wurde das Bahnprojekt aber vorerst gestoppt. Bayern wollte die notwendige Finanzierung nicht tragen, wurde aber vom örtlichen Bahnbaukomitee einige Monate später doch noch überzeugt. Neben Einsparungen bei der Unterhaltung für die Flößerei auf der Tettau wurde auch die Gewinnung von Verkehrsaufkommen auf thüringischer Seite für die Bayrische Staatsbahn positiv hervorgehoben.
Am 10. März 1900 erteilte der Bayerische Landtag die Genehmigung für die Planung und den Bau der Lokalbahn, am 9. Juli 1901 wurde der Staatsvertrag der der beiden Staaten geschlossen. Der größte Teil der Finanzierung (1,2 Millionen Mark), der Bau und der Betrieb der Nebenbahn erfolgte durch Bayern. Baubeginn war im März 1902 und am 23. Juni 1903 wurde die Strecke eingeweiht, der fahrplanmäßige Betrieb begann am Folgetag.
Entwicklung bis 1945
Bis 1939 verkehrten täglich drei Personenzugpaare, danach waren es vier. Im Güterverkehr entwickelte sich die Strecke als wichtige Verbindung der lokalen Industrie für die Zufuhr von Rohstoffen (ungefähr 15 bis 20 Wagenladungen täglich) und den Transport der Fertigwaren (ungefähr 10 bis 12 Wagenladungen täglich).
Vom 9. bis 11. April 1945 wurde der Bahnhof Pressig-Rothenkirchen mehrfach bombardiert, am 12. April 1945 wurde der Zugverkehr infolge der Sprengung einer Tettaubrücke durch deutsche Truppen unterbrochen.
Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg
Zunächst lag die Bahnstrecke komplett in amerikanisch besetztem Gebiet. Aufgrund der gesprengten Bahnbrücke bei km 9,65 ruhte der Zugverkehr bis auf weiteres. Dies führte zu einer starken Behinderung der Produktion in den Industriebetrieben im Tettauer Winkel. Die Gegend galt als eines der industriereichsten Gebiete des Frankenwaldes.[1]
Da nach der Besetzung Thüringens durch sowjetische Truppen am 3. Juli 1945 die innerdeutsche Grenze, entsprechend den alten Landesgrenzen, die Strecke mehrfach querte, blieben die Zugverbindungen eingestellt. Auch die bereits begonnene Reparatur der Tettaubrücke wurde wieder abgebrochen. Neben der Bahn waren nur unzureichende Waldwege Richtung Steinbach am Wald vorhanden, die Straßen Richtung Thüringen waren gesperrt. Erst am 18. Oktober 1946 konnte nach der Reparatur der Brücke der Güterverkehr wieder aufgenommen werden. Es verkehrten drei Güterzüge wöchentlich. Ein Personentransitverkehr war ab 14. April 1947 mit zwei werktäglichen Zugpaaren möglich. Die Fahrgäste in den sogenannten Korridorzügen mussten während der Fahrt durch die SBZ Türen und Fenster geschlossen halten. In Heinersdorf führten sowjetische Soldaten Fahrgastkontrollen durch. Hierbei kam es aber teilweise zu erheblichen Verzögerungen und willkürlichen Schikanen gegenüber Fahrgästen.
Der Waldweg nach Steinbach wurde ab 1950 grundlegend ausgebaut. Im Frühjahr 1952 verlegte die Deutsche Bundesbahn auf der Strecke neue Schwellen und Gleise, am 28. Mai 1952 endete der Zugverkehr nach einer Streckensperrung seitens der DDR. Im Oktober wurden die Gleise auf ihrem Gebiet abgebaut.
Straßenrollertransporte ab 1952
Zur Versorgung der Industrie im Tettauer Winkel mit 2500 Beschäftigten nahm die Deutsche Bundesbahn am 1. Juni 1952 einen Straßenroller-Verkehr auf. Die im Bau befindliche Straße von Steinbach am Wald nach Alexanderhütte wurde schnellstmöglich fertiggestellt, um die Güterwagen zustellen zu können. Dort wurden die Waggons auf die Schiene gestellt und mit einer Kleinlokomotive Kö II weiter nach Tettau und Sattelgrund befördert. Die Mehrkosten für den Betrieb wurden vom Freistaat Bayern aufgebracht. Pläne für einen teilweisen Streckenneubau zur Umfahrung des DDR-Gebietes wurden Anfang der 1950er Jahre erstellt, jedoch nicht realisiert. Grund waren die hohen Baukosten und der nach einigen Jahren sich gut bewährende Straßenrollerbetrieb.[2]
Bereits in den 1960er Jahren nahm der Verkehr zur Station Sattelgrund stark ab, 1970 wurde nach einem Unfall mit einer entlaufenen Rangierfahrt die Strecke unterhalb von Alexanderhütte durch einen Prellbock gesperrt. Der Inselbetrieb zwischen Tettau und Alexanderhütte wurde Ende 1983 wegen des schlechten Streckenzustandes eingestellt. Seitdem wurde nur noch in Alexanderhütte mit der Kleinlok rangiert, die restlichen Ladestellen wurden direkt mit dem Culemeyer bedient.
Im Jahr 1987 übernahm eine private Spedition den Straßenrollerbetrieb. Jährlich wurden bis 1989 ungefähr 3400 Fahrten durchgeführt. Ende 1992 lief die Förderung des Betriebs aus. Erst im Mai 1993 konnte nochmals eine Verlängerung der Förderung um 2,5 Jahre erwirkt werden. Nach der jahrzehntelangen vorübergehenden Betriebseinstellung der Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau folgte die offizielle Stilllegung zum 13. Dezember 1993. Im Januar 1994 wurde die Kleinlok aus Alexanderhütte abgezogen, Rangierarbeiten wurden entweder durch Straßenfahrzeuge durchgeführt oder die Wagen direkt auf dem Culemeyer entladen.
Am 31. Mai 1996 endete der Straßenrollerbetrieb von Steinbach am Wald offiziell, allerdings wurde noch circa einen Monat länger Alexanderhütte übergangsweise nun von Pressig-Rothenkirchen aus bedient.
Literatur
- Wolfgang Bleiweis: Lokalbahn Rothenkirchen–Tettau, Verlag H & L Publikationen, Schweinfurt 2023, ISBN 3-938080-09-4
- Ulrich Rockelmann, Thomas Naumann: Die Frankenwaldbahn. Die Geschichte der Steilrampe über den Frankenwald. EK-Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-88255-581-5
- Wolfgang Beyer: Eisenbahn im Sonneberger Land. Eisenbahn-Fachbuch-Verlag, Neustadt/Coburg 2004, ISBN 3-9807748-5-6
- Bernhard Marcinowski: Der Tettauer Winkel, ein Fördergebiet besonderer Art in: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 7/1980, S. 201–203
Einzelnachweise
- ↑ Ralf Roman Rossberg: Grenze über deutsche Schienen. 2. Auflage. Eisenbahn-Kurier-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-88255-829-6, S. 209.
- ↑ ebd. S. 211.