Vierzehenschildkröte
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Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii) in Baikonur, Kazakhstan. | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Testudo horsfieldii | ||||||||||||
| Gray, 1844 |
Die Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii, Syn.: Agrionemys horsfieldii), auch Steppenschildkröte oder Russische Landschildkröte genannt, ist eine Art der Familie der Landschildkröten. Bis 1966 wurde diese Schildkröte ausschließlich in die Gattung Testudo gestellt,[1] während die Zuordnung zu der monotypischen Gattung Agrionemys später zunehmend akzeptiert wurde.[2] Die Schildkrötenart ist in Russland und Zentralasien verbreitet und wurde erstmals 1844 von John Edward Gray wissenschaftlich beschrieben.
Erscheinungsbild
Charakteristisch für die Vierzehenschildkröte ist der ovale bis kreisrunde Rückenpanzer, der insgesamt deutlich flacher ist als bei allen anderen Testudo-Arten. Die Färbung reicht von gelblich über oliv bis braun oder ocker mit verschieden großen dunklen Flecken. Sehr alte Tiere können fast schwarz (Afghanistan), aber auch fast zeichnungslos gelbbraun sein. Die Weichteile sind gelb bis braun manchmal sogar leicht grünlich, der Schwanzschild ungeteilt und an den kräftigen Vorderbeinen befinden sich, im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, grundsätzlich nur vier Zehen, die sehr kräftige Krallen tragen. Der Schwanz endet beim Männchen mit einem kleinen Hornnagel. Die Art erreicht eine Größe von 15 cm (Männchen) bis etwa 25 cm, sehr selten 28 cm Körperlänge (Weibchen) und wiegt dann etwa zwischen einem halben und zwei Kilogramm. Bei Männchen ist der Bauchpanzer zudem konkav geformt, außerdem haben diese einen längeren und dickeren Schwanz.
Verbreitung und Lebensraum
Die Tiere besiedeln in fünf Unterarten[1] die Region östlich des Kaspischen Meeres über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und südwärts bis Ost-Iran, Nord-Afghanistan, Pakistan und West-Belutschistan bis hinein in das westliche China. Dem Hauptverbreitungsgebiet nach handelt es sich um eine asiatische Art. Es gibt jedoch ein Vorkommen südlich von Samara, womit dies die am nördlichsten vorkommende Testudine wäre.
Die Vierzehenschildkröte heißt auch Steppenschildkröte, denn sie bewohnt ausgesprochen aride, teilweise steinige Landstriche wie auch Lehmsteppen. Aber auch Steppenbereiche in der Umgebung von Oasen sowie grasige Flächen in der Nähe von Quellen und Fließgewässern. Ein dritter Name – nämlich Russische Landschildkröte – ist immer noch geläufig, da die Hauptexportländer Kasachstan und Usbekistan über einen langen Zeitraum Teil des Russischen Reiches und dann der Sowjetunion waren. Von den Siebziger- und Achtzigerjahren bis heute wurden und werden die Tiere in großen Mengen eingesammelt und exportiert.
Lebensweise
Die kräftigen Krallen an den starken Vorderbeinen und der flache Panzer ermöglichen der Vierzehenschildkröte das Graben bis zu vier Meter langer Gänge, die wiederholt genutzt werden. Nachts, bei großer Hitze, während der Sommer- und der Winterruhe zieht sie sich in diese zurück, da sie Sicherheit vor Fressfeinden bieten und die Temperaturen in der Erde relativ konstant bleiben. Im Verbreitungsgebiet herrscht sommerheißes und trockenes sowie winterfeuchtes und eiskaltes Kontinentalklima vor. Dieses ist gekennzeichnet durch große tägliche und jahreszeitliche Temperaturschwankungen bis zu 40 °C, wobei Regenfälle den Hochsommer über oft völlig ausbleiben. Die Winterruhe dauert bis Mitte oder Ende März und damit bis zu 6 Monate. Im Hochsommer ist es in vielen Lebensräumen so heiß und trocken, dass sich die Tiere wegen Futtermangels und der Hitze zu einer ein- bis zweimonatigen Sommerruhe zurückziehen und, wenn überhaupt, erst im September wieder erscheinen. Den kurzen Zeitraum bis zur Winterruhe nutzen sie nochmals zur ausgiebigen Futtersuche, bis sie sich Mitte bis Ende Oktober aufgrund der nächtlichen, oft sehr kräftigen Minustemperaturen wieder in die Winterruhe begeben. In freier Natur werden zum Teil enorm große Reviere besiedelt. 10 Hektar für ein Männchen und bis zu 30 Hektar für ein Weibchen sind üblich. Die Schildkröten begegnen sich deshalb nur selten.
Fortpflanzung
Die Weibchen legen etwa zwei bis vier Wochen nach der Paarung relativ große Eier ab, in der Regel 2–5 (bis zu maximal 9) Stück. In der Form sind diese länglich-oval, etwa 35–40 Millimeter lang und etwa 15–20 g schwer. Die fast runden Jungtiere schlüpfen bei künstlicher Bebrütung der Eier bei 28–32 °C nach sechzig bis maximal 100 Tagen. Eine einzige erfolgreiche Paarung genügt, um die Eier für mehrere Gelege zu befruchten. Deshalb und wegen der hohen Paarungslust der Männchen ist es sinnvoll, in menschlicher Obhut Männchen und Weibchen außerhalb der eigentlichen Paarungszeit voneinander getrennt zu halten, um eine stressfreie Haltung sicherzustellen.
Haltung
Die Landschildkröten sind Weidengänger, sie benötigen frische geeignete Wildkräuter. Adulte Tiere sollten 10 Quadratmeter zur Verfügung haben. Im Außenbereich kann eine geeignete Barriere gegen Herausklettern und Ausgraben sinnvoll sein.[3][3.1] Im Herbst bereiten sich die Tiere auf die Winterstarre vor.[3.2] Wenn die Winterstarre ausbleibt, ist dies gesundheitsschädlich.
Schutzstatus und Gefährdung
Seit 1975 untersteht diese Art dem Washingtoner Artenschutzabkommen, wo sie in Anhang II gelistet wurde. Die EU-Artenschutzverordnung listet die Art in Anhang B. Daraus folgt, dass sie nur als Nachzucht und nur mit einem Herkunftsnachweis den Besitzer wechseln darf, in dem ausgewiesen ist, wo und wann die Schildkröte nachgezüchtet wurde. Weiterhin sind die Tiere innerhalb der EU bei der örtlich zuständigen Artenschutzbehörde meldepflichtig (= kostenlos).
Von der IUCN wird die Vierzehenschildkröte als „gefährdet“ (VU, vulnerable) eingestuft.[4]
Anmerkungen
- Die Vierzehenschildkröte wird von manchen Wissenschaftlern der monotypischen Gattung Agrionemys. zugerechnet. Überwiegend wird sie aber als Testudo horsfieldii. bezeichnet[1]
- Für diese Art wird bei der European Studbook Foundation ein Zuchtbuch geführt.
Bilder
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Ein Fall von Konvergenz. Gopherus flavomarginata (oben) und Testudo horsfieldii (unten). Beide besitzen die flachen Panzer und die kräftigen Arme
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Die knappen Panzer erleichtern das Graben im Erdreich. Dadurch sind die Weichteile besonders gut sichtbar.
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Vier kräftige Zehen
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Nicht an den Polen, sondern in der Mitte durchbrechen die Jungtiere das Ei
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Jungtiere: Ein deutlicher Mittelkiel auf dem Rückenpanzer erinnert an das Aussehen früherer Vorfahren
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Die Zuwachsringe sind bei dieser Vierzehenschildkröte hellgrün
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1,3 Agrionemys horsfieldii
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Der fast flächig schwarze Bauchpanzer ist typisch für viele Exemplare von Testudo horsfieldii
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Männchen (Mitte) und zwei Weibchen
Einzelnachweise
- ↑ a b c Testudo horsfieldii In: The Reptile Database; abgerufen am 29. April 2015. S. 89
- ↑ Manfred Rogner: Schildkröten – Biologie, Haltung, Vermehrung. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, S. 77, ISBN 978-3-8001-5440-1
- ↑ Ude Fass: Die Haltung der Steppenschildkröten Agrionemys horsfieldii. fastzinierende Tiere aus ariden Gebieten. 1. Auflage 2013. Kleintierverlag Thorsten Geier, Biebertal 2013, ISBN 978-3-9811212-8-5.
- ↑ Testudo horsfieldii in der Roten Liste. In: IUCN Red List. IUCN, abgerufen am 30. Juni 2022 (englisch).
Literatur
- Indraneil Das: Die Schildkröten des Indischen Subkontinents. Edition Chimaira, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-930612-35-6
- Manfred Rogner: Schildkröten – Biologie, Haltung, Vermehrung. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5440-1
- Ude Fass: Die Haltung der Steppenschildkröten Agrionemys horsfieldii – Faszinierende Tiere aus ariden Gebieten. Kleintierverlag, Biebertal 2013, ISBN 978-3-9811212-8-5.
Weblinks
- Testudo horsfieldii In: The Reptile Database
- Ein lesenswerter Artikel über die Lebensweise von Testudo horsfieldii im Habitat auf der Seite der „Interessengemeinschaft Testudo horsfieldii“.
- Eine Website über die Haltung und Zucht der Steppenschildkröte. Der Autor beschreibt seine Haltung, und geht dabei auch auf die eigenen Erfahrungen, Entwicklungen und Verbesserungen ein.
- Eine Webseite, die sich besonders mit der Physiologie der Steppenschildkröten, ihren Bedürfnissen und typischen haltungsbedingten Krankheiten befasst. Auch oder gerade für Einsteiger eine gut geeignete Seite.
- Testudo horsfieldii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Tortoise & Freshwater Turtle Specialist Group, 1996. Abgerufen am 11. Mai 2006.