Terumi Tanaka

Terumi Tanaka (japanisch 田中 煕巳 Tanaka Terumi; geboren am 29. April 1932 in Mandschukuo) ist ein japanischer Anti-Nuklear-Aktivist, Kriegsgegner und Hibakusha (被爆者), Überlebender des Atombombenabwurfs auf Nagasaki, der einen Großteil seines Lebens der Aufklärung über die Gefahren von Atomwaffen widmet.[1]

Leben

Terumi Tanaka wurde in der japanisch besetzten Mandschurei geboren. Als er fünf Jahre alt war, verlor er seinen Vater. Seine Mutter zog daraufhin mit ihm und seinen drei Geschwistern in ihren Heimatort, nach Nagasaki.[2] Dort erlebte er mit dreizehn Jahren den Abwurf der Atombombe im August 1945. Das Explosionszentrum war nur 3,2 Kilometer von seinem Aufenthaltsort entfernt, trotzdem blieb er fast unverletzt, jedoch verlor er fünf seiner Verwandten.[3] Um seine Familie im Nachkriegsjapan zu unterstützen, arbeitete er als Schüler im Hafen von Nagasaki.[4] Auch als Student in Tokio musste er nebenbei arbeiten. 1960 schloss er sein Studium an der Naturwissenschaftlichen Universität Tokio ab und wurde Physiker im Bereich Magnetochemie.[3] Er lehrte 36 Jahre lang als Professor an der Tohoku-Universität in Sendai und konnte in dieser Zeit seine Forschung mit seinem Aktivismus verbinden.[5]

Bis zu ihrem Tod war Tanaka mit Haruko Tanaka verheiratet, die beiden haben eine Tochter.[6] Heute lebt er in Niiza (Saitama) und spricht immer noch vor Schulklassen und in Veranstaltungen, um seine Erfahrungen zu teilen und vor den Atomwaffen zu warnen.[2]

Engagement gegen Atomwaffen und nukleare Aufrüstung

Da immer mehr seiner Freunde, die wie er den Atombombenabwurf erlebt hatten, verstarben, entschloss er sich, über seine Erlebnisse zu sprechen. Er begründete dies mit folgenden Worten: „Atomic bomb experiences aren't something to be compared with others. By increasing testimonies, the extent of the damage becomes more apparent. I came to feel that I also needed to talk more about what happened back then,“[2] (Erfahrungen mit Atombomben lassen sich nicht mit anderen vergleichen. Durch die zunehmende Zahl von Zeugenaussagen wird das Ausmaß der Schäden immer deutlicher. Ich kam zu der Überzeugung, dass auch ich mehr über die damaligen Ereignisse sprechen musste.) In den ersten sieben Jahren nach Kriegsende verbat die Besatzungsmacht USA den von dem Atombombenabwurf Betroffenen, darüber zu sprechen.[7] Terumi Tanaka teilte erst ab dem Jahr 1977 seine Erlebnisse mit anderen.[4] 1974 hatte er sich schon der Hibakusha-Bewegung angeschlossen. Diese kämpft für die Abschaffung von Atomwaffen und für eine staatliche Entschädigung für die durch die Bombenabwürfe verursachten Verluste. Ab dem Jahr 1978 nahm Tanaka an verschiedenen Konferenzen der Vereinten Nationen teil, um für sein Anliegen, die Abschaffung atomarer Waffen, Gehör zu finden.[3]

In Japan engagierte er sich 20 Jahre lang als Generalsekretär der Nihon Hidankyō (日本被団協 Japanischer Verband der Organisationen für Opfer von Atom- und Wasserstoffbomben) und wurde 2017 zum Mit-Vorsitzenden des Verbandes ernannt. Seit Jahrzehnten teilt er seine Geschichte mit Studenten und Staats- und Regierungschefs weltweit und setzt sich entschlossen für den UN-Vertrag über das Verbot von Kernwaffen (Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons, Atomwaffenverbotsvertrag) ein. Dabei zögert er nie, diejenigen Regierungen – einschließlich seiner eigenen – zu kritisieren, die Kernwaffen durch die Akzeptanz des Status quo befürworten.[1] Er meinte in einem Interview mit Thomas Hahn von der Süddeutschen Zeitung: „Alle, die Atomwaffen haben, müssen sie abgeben, nicht nur Amerika. Das ist die einzige Möglichkeit.“[6] Anlässlich des Besuchs des amerikanischen Präsidenten Obama in Hiroshima äußerte er im Namen der Betroffenen den Wunsch, dass sich die USA für den Abwurf der Atombomben bei den Opfern entschuldigten, da Amerika die Bombe hergestellt hatte und nicht einfach wie in Obamas Rede versprachlicht „Tod vom Himmel gefallen war“.[8]

2024 nahm Terumi Tanaka im Namen Nihon Hidankyō den Friedensnobelpreis entgegen und hielt die Rede während der Verleihungszeremonie. Im selben Jahr wurde ihm der Tohoku University International Award für sein Engagement zur nuklearen Abrüstung und zum Frieden von seiner Universität verliehen.[5]

Einzelnachweise

  1. a b Terumi Tanaka. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  2. a b c Touring the world at 92, hibakusha seeks to draw attention to A-bomb's horror. In: Mainichi Daily News. 9. Juli 2024 (mainichi.jp [abgerufen am 11. November 2025]).
  3. a b c Terumi Tanaka. In: Gold House. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  4. a b Survivors’ Stories: Terumi Tanaka, 90, Saitama Prefecture―I collapsed into tears when I cremated my aunt. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  5. a b Terumi Tanaka of Nobel Peace Prize Laureate Nihon Hidankyo Shares 'Hibakusha' Experience in Special Lecture. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  6. a b Thomas Hahn: „Die Leute sagen: Bitte sterben Sie nicht.“ In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 179, Mittwoch 6. August 2025, S. 7
  7. Nobel Prize: Nobel Prize lecture: Nihon Hidankyo, Nobel Peace Prize 2024 (English subtitles). 25. April 2025, abgerufen am 11. November 2025.
  8. Hibakusha: A-bomb sufferers' group official regrets praising Obama speech. In: Mainichi Daily News. 2. August 2016 (mainichi.jp [abgerufen am 11. November 2025]).