Terroranschlag auf die Diskothek Dolphinarium

Der Bombenanschlag auf die Diskothek Dolphinarium war ein Selbstmordattentat, das am 1. Juni 2001 um 23:27 Uhr vor der Diskothek Dolphinarium an der Strandpromenade von Tel Aviv verübt wurde. Bei dem islamistischen Terroranschlag wurden 21 Menschen ermordet, 16 davon waren Jugendliche. 120 weitere Personen wurden verletzt. Es war die höchste Opferzahl eines Anschlags in Israel seit fünf Jahren.[1] Der Anschlag ereignete sich während der Zweiten Intifada.

Dolphinarium

Das Dolphinarium wurde 1981 als Unterhaltungskomplex eröffnet, der ursprünglich Delfinshows beinhaltete. Das Unternehmen schloss 1985 aufgrund hoher Betriebskosten. Das Gebäude wurde anschließend von verschiedenen Unternehmen genutzt, darunter Nachtclubs, Kinos, Veranstaltungshallen und Sportgeschäfte, jedoch mit begrenztem Erfolg. 1993 erwog die Stadt den Abriss des Gebäudes.[2]

Terroranschlag

Der Selbstmordattentäter stand an einem Freitagabend vor dem Dolphinarium in der Schlange, als der Bereich voller Teenager war. Die meisten waren junge Leute aus russischsprachigen Familien aus der ehemaligen Sowjetunion, die darauf warteten, zu einer Tanzparty in der Dolphin-Disco eingelassen zu werden, andere standen Schlange, um in einen benachbarten Nachtclub zu gelangen.[3] Auch die Mehrheit der späteren Opfer waren sowjetstämmige israelische Teenager-Mädchen.[4] Überlebende des Anschlags beschrieben später, wie der palästinensische Terrorist in einer Verkleidung zwischen ihnen umherwanderte, die seine Opfer dazu veranlasste, ihn für einen orthodoxen Juden aus Asien zu halten.

Um 23:27 Uhr detonierte sein Sprengstoffgürtel. Augenzeugen berichteten, dass Körperteile über das gesamte Gebiet verstreut lagen und Leichen auf dem Gehweg übereinandergestapelt waren, bevor sie eingesammelt wurden. Viele Personen in der Nähe des Anschlagsortes eilten herbei, um den Rettungsdiensten zu helfen. Dem Selbstmordanschlag war fünf Monate zuvor ein gescheiterter Anschlagsversuch auf dasselbe Ziel vorausgegangen.[5]

Täter

Sowohl der Islamische Dschihad als auch eine Gruppe namens „Hisbollah-Palästina“ beanspruchten zunächst die Verantwortung für den Selbstmordanschlag, zogen ihre Behauptungen jedoch wieder zurück.[6] Später wurde bekannt, dass der Anschlag von Saeed Hotari, einem 22-jährigen Terroristen, verübt wurde, der der palästinensischen islamistischen Terrororganisation Hamas nahe stand.[7][8]

Reaktionen

Israelische Beamte bezeichneten den Terroranschlag als Massaker. Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, verurteilte den Anschlag und rief zu einem Waffenstillstand auf.[9]

UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, er „verurteile diesen wahllosen Terroranschlag auf das Schärfste“ und dass der Anschlag „die Dringlichkeit unterstreiche, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen“.[10]

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags zu politischen Gesprächen in Tel Aviv. Nach dem Attentat gelang es Fischer durch seine Vermittlung, einen israelischen Gegenschlag zu verhindern. Dieses Ereignis verstärkte Fischers persönliches Engagement für den Nahost-Konflikt.[11]

Folgen

Nach dem Anschlag forderten viele in der israelischen Öffentlichkeit eine harte militärische Vergeltung; dennoch entschied Ministerpräsident Ariel Scharon, keine sofortigen Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Deutschland, die USA und andere Regierungen übten starken diplomatischen Druck auf Israel aus, von Maßnahmen abzusehen.[12]

Gedenkstätte

Nach dem Anschlag wurde die Dolphinarium-Diskothek aufgegeben. Ihre letzte Nutzung war als Surfschule. Das Gebäude blieb bis zu seinem Abriss im Mai 2018 an der Strandpromenade von Tel Aviv stehen.[2]

Viele Jahre lang kämpften die Familien der Opfer dafür, das zerstörte Gebäude dauerhaft als Denkmal für den Anschlag zu erhalten. Schließlich wurde das Gebäude abgerissen, um die Promenade entlang der Küste zu erweitern. Gedenkgottesdienste für die Opfer des Anschlags wurden jedes Jahr am früheren Standort von Freunden und Familien der Opfer abgehalten.

Commons: Terroranschlag auf die Diskothek Dolphinarium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Suzanne Goldenberg: Suicide bomb massacre at Israeli disco. In: The Guardian. 2. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  2. a b Melanie Lidman: Show's over for Tel Aviv's Dolphinarium eyesore. In: Times of Israel. 16. Mai 2018, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  3. David Rudge: Bomb horror hits Tel Aviv disco. In: The Jerusalem Post. 4. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  4. 20 year anniversary of the Dolphinarium Discotheque terrorist attack. In: Government of Israel. 31. Mai 2021, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  5. Bloody Terrorist Attack in Tel Aviv 18 Youth Killed. In: Ynet. 2. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024 (hebräisch).
  6. Chronology of suicide bombing attacks on civilians. In: Human Rights Watch. 2002, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  7. Inside the Mind of a Suicide Bomber. In: ABC News. 6. Dezember 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  8. The bomber who came from a 'good family'. In: The Guardian. 4. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  9. Deborah Sontag: Arafat Calls for Cease-Fire, Deploring Tel Aviv Attack. In: The New York Times. 3. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  10. Press Release SG/SM/7829. In: United Nations. 1. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  11. Isabel Schäfer, Dorothée Schmid: Ein Tandem für Nahost. Deutschlands und Frankreichs Beitrag für eine Konfliktlösung. In: Internationale Politik. Februar 2006, abgerufen am 13. Dezember 2024.
  12. Sharon Visit Will Pitch Retaliation. In: Los Angeles Times. 25. Juni 2001, abgerufen am 13. Dezember 2024.