Technische Schule der Luftwaffe 1

Technische Schule der Luftwaffe 1
— TSLw 1 —
III


Verbandsabzeichen
Aktiv 16. Dezember 1957 bis 18. Dezember 2013
Staat Deutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Luftwaffe
Typ Ausbildungseinrichtung der Luftwaffe
Truppenteile Luftwaffenmusikkorps 1, Luftwaffenmusikkorps 2
Stärke ca. 650
Unterstellung Kommando Unterstützungsverbände Luftwaffe
Fliegerhorst Kaufbeuren Kaufbeuren
Luftfahrzeuge
Ausbildung Tornado, Eurofighter

Die Technische Schule der Luftwaffe 1 (TSLw 1) war eine seit dem Jahre 1957 bestehende Ausbildungseinrichtung der Luftwaffe der Bundeswehr in Kaufbeuren. Im Dezember 2013 wurde die TSLw 1 mit der Technischen Schule der Luftwaffe 3 in Faßberg zum Technischen Ausbildungszentrum Luftwaffe (TAusbZLw) mit Sitz in Faßberg vereinigt. Der Fliegerhorst Kaufbeuren ist seit dem 1. Januar 2014 Standort der Abteilung Süd des TAusbZLw.[1]

Ausbildungsauftrag

Der Auftrag der Schule war die fachliche Aus- und Weiterbildung von Soldaten aller Dienstgrade sowie zivilem Personal des Heeres, der Luftwaffe und der Marine. Die Schule führte zuletzt Lehrgänge im Ausbildungsspektrum von der Grundlagenausbildung für Luftfahrzeugtechnik über die Qualifizierung von luftfahrzeugtechnischem Personal aller Ebenen für die Waffensysteme Phantom, Tornado und Eurofighter sowie deren Bewaffnung, für Personal der Militärischen Flugsicherung, der Elektronischen Kampfführung und Lehrgänge für computergestützte Betriebsführung durch. Die praktische Ausbildung erfolgte an originalen Einsatzluftfahrzeugen sowie an Simulatoren.[2] Das Stammpersonal am Standort Kaufbeuren umfasste etwa 650 Soldaten und zivile Arbeitnehmer. Das Lehrpersonal bestand aus Offizieren, Unteroffizieren, Beamten und Angestellten.

Geschichte der Schule

Am 14. Dezember 1957 übergab der Oberbefehlshaber der US Air Force in Europa, General Frank F. Everest, bei einer Feierlichkeit in Erding die Fliegerhorste Erding, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech und Kaufbeuren an den damaligen Bundesminister der Verteidigung Franz Josef Strauß.

Die Aufstellung der Schule erfolgte am 16. Dezember 1957. Es folgten mehrere Umgliederungen im Verlauf der nächsten zehn Jahre. Schon 1958 wurde die Ausbildung des Personals des militärischen Nachrichtenwesens der Luftwaffe nach Köln-Wahn verlagert. Im Jahre 1960 gab die Schule die Ausbildung des Luftbildpersonals an die Waffenschule der Luftwaffe 50 ab. Ebenso wurden Lehrgänge für Fernmeldepersonal und Bodenfunkmechaniker an die Technische Schule der Luftwaffe 2 (TSLw 2) abgegeben. Die 1965 neu aufgestellte Nachschubschule der Luftwaffe übernahm Lehrgänge für Nachschub und Truppenversorgung. Die Flugkörpergruppe 11, aus der später das Flugkörpergeschwader 1 hervorging, wurde aus dem Lehrstab VII mit dem verlegbaren Technischen Ausbildungszug TM-61 Matador aufgestellt.

Im Jahre 1958 erhielt die TSLw 1 ein Flugkommando, ab 1959 eine Flugdienststaffel, deren Flugzeuge im Rahmen der Flugsicherungsausbildung der TSLw 1 und für die Ausbildung des Jägerleitpersonals an der TSLw 2 eingesetzt wurden. 1970 wurde die Flugdienststaffel als 7. Staffel dem Fernmelde- und Versuchsregiment 61 in Lagerlechfeld unterstellt, behielt jedoch ihren Standort Kaufbeuren, bis sie am 31. März 1980 aufgelöst wurde.

Im November 1971 erfolgte die Anerkennung der Schule als Elektronik-Schulungsstätte, an der der Absolvent einen bundeseinheitlichen Elektronikpass erwerben kann.

Aus Gründen des Lärmschutzes baute man im Oktober 1976 für 25 Mill. DM eine Lärmschutz-Doppelhalle.

Am 5. September 1991 wurde im Rahmen der Einnahme der Luftwaffenstruktur 4 die Fliegerhorstgruppe TSLw 1 aufgelöst und am 30. September 1991 der militärische Regelflugbetrieb auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren eingestellt. Aus der Verschmelzung der TSLw 2 mit der TSLw 1 sowie der Unterstellung der Luftwaffenmusikkorps 1 und 2 als auch des Ausbildungszugs MIG-29 in Laage entstand 1994 die neue Technische Schule der Luftwaffe 1 mit den Standorten Kaufbeuren, Lechfeld, Erndtebrück (Hachenberg-Kaserne), Brakel/Auenhausen, Karlsruhe, Neubiberg und Laage.[3]

Am 18. Februar 2003 landete der erste Eurofighter auf dem Horst. Im Frühjahr 2004 wurde die Ausbildungsbereitschaft für dieses Flugzeugmuster erklärt. 2004 zog die Lehrwerkstatt des inzwischen aufgelösten Jagdbombergeschwader 34 „Allgäu“ vom Fliegerhorst Memmingen nach Kaufbeuren. Seit 2005 können mit Hilfe der neu erbauten Ausbildungshalle 114 und der komplett erneuerten Lehrwerkstatt in Gebäude 8 zivile Ausbildungsplätze für 24 Fluggerätmechaniker angeboten werden.[4] Infrastrukturmaßnahmen bei der Technischen Schule der Luftwaffe 1 sind Teil des Sanierungsprogramms Sanierung Kasernen West.[5]

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde am 26. Oktober 2011 die Schließung des Standorts bekannt gegeben. Die Technische Schule der Luftwaffe 1 (TSLw 1) am StO Kaufbeuren und die TSLw 3 am StO Faßberg (Fliegerhorst Faßberg) sollen zum 31. Dezember 2013 aufgelöst werden. Am StO Faßberg (Fliegerhorst Faßberg) wird das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe (TAusbZLw) zum 1. Januar 2014 aufgestellt und dem Kommando Unterstützungsverbände Luftwaffe (KdoUstgVbdeLw) FB Log/Nu unterstellt werden. Am StO Kaufbeuren wird das TAusbZLw Abt Süd zum 1. Januar 2014 aufgestellt und bei Vorliegen der Voraussetzungen an den StO Untermeitingen (Fliegerhorst Lechfeld) verlegt. Die Ausbildungsgruppen I – IV werden dem TAusbZLw in Faßberg unterstellt. Die Ausbildungsgruppen (AusbGrp) V – VII (technische Ausbildung der Fluggerätemechaniker für Eurofighter und Tornado) werden dem TAusbZLw Abt Süd in Kaufbeuren (Untermeitingen in der Zielstruktur) unterstellt.[6] Die Ausbildung der Fluglotsen sollte nach Erndtebrück (Hachenberg-Kaserne) verlagert werden.[7]

Trotz Schließung des Bundeswehrstandortes soll die Fluglotsenausbildung in Kaufbeuren erhalten bleiben. Das bestätigte der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, dem BR. Die Ausbildung wird in einer zivil-militärischen Kooperation weitergeführt, das habe das Bundesministerium der Verteidigung beschlossen. Demnach werde nun ein europaweites Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht, bei dem sich Unternehmen für das gemeinsame Projekt mit der Bundeswehr am Standort Kaufbeuren bewerben können. Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2014 soll es dann einen Zuschlag geben, noch vor dem Abzug Ende 2017 könnte die Fluglotsenausbildung als Öffentlich-private Partnerschaft dann an den Start gehen. Dabei würde ein privates Unternehmen auf dem Fliegerhorst in Kaufbeuren Fluglotsen sowohl für den zivilen als auch den militärischen Bereich ausbilden. Die Bundeswehr wäre dann einer von mehreren Kunden.[8]

Zum 30. September 2013 wurde mit Oberst Richard Drexl der letzte Kommandeur der TSLw 1 in den Ruhestand verabschiedet.[9] Im Dezember 2013 wurde die TSLw 1 mit der TSLw 3 in Faßberg zum Technischen Ausbildungszentrum Luftwaffe (TAusbZLw) mit Sitz in Faßberg vereinigt. Der Fliegerhorst Kaufbeuren fungiert vom 1. Januar 2014 an als Abteilung Süd des TAusbZLw.

Bibliothek

Die Einrichtung betreibt eine nach Anmeldung öffentlich zugängliche Bibliothek mit einem Bestand von mehr als 10.000 Werken in den Themenbereichen Luftfahrzeugtechnik, Militärische Luftfahrt und Flugsicherung.[10]

Gliederung

  • AusbUstgGrp Ausbildungsunterstützungsgruppe.
  • AusbGrp I Systemprüfer
  • AusbGrp II Munition, Rettungssysteme
  • AusbGrp III Flugsicherung/Radar
  • AusbGrp IV Grundlagen/Mission Support Systems

Unterstellte Einheiten

Ausbildungsberufe

  • Fluggerätmechaniker Fachrichtung Instandhaltungstechnik,
  • Fluggerätmechaniker Fachrichtung Triebwerkstechnik,
  • Flugsicherungsausbildung Towerpersonal, GCA, Radar Controller
  • Elektroniker für Geräte und Systeme

Kommandeure

  • Oberst Werner van Hees: von der Einrichtung bis Ende März 1962
  • Oberst Rolf Kluge: von April 1962 bis Ende September 1964
  • Oberst Hugo Blumberg: von Oktober 1964 bis Ende März 1973
  • Oberst Adolf Martin: von April 1973 bis Ende März 1979
  • Oberst Josef Brendgen: von April 1979 bis Ende März 1981
  • Oberst Georg Dassler: von April 1981 bis Ende März 1984
  • Oberst Hermann Ranzinger: von April 1984 bis Ende März 1989
  • Oberst Axel Rothe: von April 1989 bis Ende September 1991
  • Oberst Peter Mücke: von Oktober 1991 bis Ende 1992
  • Oberst Klaus Zeller: von Anfang 1993 bis Ende 1996
  • Oberst Arnulf Richardt: von Anfang 1997 bis Ende 1998
  • Oberst Burkhard Kühn: von Anfang 1999 bis Ende März 2001
  • Oberst Klaus Knepper: von April 2001 bis Ende März 2002
  • Oberst Karl-Heinz Göttling: von April 2002 bis Ende Juli 2005
  • Oberst Detlef Thull: ab August 2005
  • Oberst Richard Drexl: von 2008 bis zur Auflösung

Einzelnachweise

  1. Luftwaffenschule in Kaufbeuren offiziell außer Dienst gestellt. In: all-in.de. 18. Dezember 2013, abgerufen am 21. Februar 2023.
  2. Technische Schule der Luftwaffe – Der Auftrag (Memento vom 20. September 2011 im Internet Archive)
  3. Technische Schule der Luftwaffe 1 – Historischer Rückblick (Memento vom 19. September 2011 im Internet Archive)
  4. Bundeswehr: Fliegerhorst verabschiedet Jungfacharbeiter 3. August 2008
  5. Kasernen in Füssen und Kaufbeuren werden saniert. In: all-in.de. 19. Januar 2008, abgerufen am 21. Februar 2023.
  6. Karl Müller: Realisierungsplan für die Einnahme der Luftwaffenstruktur. (PDF; 670 kB) Bundesministerium der Verteidigung, 12. Juni 2012, abgerufen am 24. August 2013.
  7. Den Fliegerhorst wird es auch 2015 noch geben. In: all-in.de. 28. Oktober 2011, abgerufen am 21. Februar 2023.
  8. Bayerischer Rundfunk: Fluglotsenausbildung bleibt erhalten. Bayerischer Rundfunk, 2. August 2013, abgerufen am 23. August 2018.
  9. Kommandeur der Luftwaffe auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst verabschiedet. In: all-in.de. 11. September 2013, abgerufen am 21. Februar 2023.
  10. Technisches Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abt Süd, Bibliothek und Fachinformationsstelle. In: Deutsche ISIL-Agentur und Sigelstelle. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 16. Juli 2018.

Koordinaten: 47° 52′ 21″ N, 10° 36′ 46″ O