Te Wahipounamu

Te Wāhipounamu – Südwest-Neuseeland
UNESCO-Welterbe


Lage der vier Nationalparks
Vertragsstaat(en): Neuseeland Neuseeland
Typ: Natur
Kriterien: (vii)(viii)(ix)(x)

Fläche: 2.600.000 ha
Referenz-Nr.: 551

UNESCO-Region: Asien und Pazifik
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1990  (Sitzung 14)

Unter dem Namen Te Wāhipounamu – South West New Zealand ist ein Verbund aus vier Nationalparks und zahlreichen weiteren Schutzgebieten im Südwesten der Südinsel Neuseelands zusammengefasst. Das Gebiet umfasst rund 2,6 Millionen Hektar (26.000 km²) und damit etwa zehn Prozent der Landfläche Neuseelands.[1] Es wurde 1990 als Weltnaturerbe der UNESCO unter den Kriterien (vii), (viii), (ix) und (x) in die Welterbeliste aufgenommen; Teile des Areals waren bereits 1986 als Weltnaturerbe anerkannt. Die Landschaft ist geprägt von vergletscherten Hochgebirgen, Fjorden, Seen, Flusstälern und temperierten Regenwäldern und gilt als eines der großflächigsten weitgehend unberührten Schutzgebiete der gemäßigten Breiten.[2][1]

Name

In der Sprache der Māori bedeutet Te Wāhipounamu sinngemäß „Ort des Pounamu (Greenstone)“ und verweist auf die Bedeutung des dort vorkommenden Nephrits als begehrtes Gestein.[3][4][5] Die Bezeichnung Te Wai Pounamu („Gewässer des Greenstone“) ist eine traditionelle Māori‑Bezeichnung für die gesamte Südinsel und nimmt auf die dortigen Vorkommen von Pounamu Bezug.[4][6] Pounamu gilt als kulturell bedeutsames taonga; die iwi Ngāi Tahu werden heute offiziell als Hüter und rechtliche Eigentümer der wichtigsten Pounamu‑Ressourcen anerkannt.[4][5]

Lage und Ausdehnung

Das Welterbegebiet erstreckt sich als rund 450 Kilometer langer Streifen entlang der Westküste der Südinsel von der Region West Coast bis in den Süden der Region Southland und reicht etwa 40 bis 90 Kilometer ins Inland.[1][7] Es umfasst zusammenhängende Hochgebirgs- und Küstenlandschaften der neuseeländischen Alpen und angrenzender Tiefländer mit zahlreichen Gletscher- und Fjordsystemen.[2][1] Die Fläche setzt sich aus 40 einzelnen Schutzgebieten verschiedener Kategorien zusammen; rund zwei Drittel des Areals besitzen Nationalparkstatus.[1]

Schutzgebiete innerhalb des Welterbes

Das Gebiet der Te Wāhipounamu World Heritage Area unterteilt sich in:[8][1]

sowie in

Naturraum

Geologie und Landschaft

Die Landschaft von Te Wāhipounamu wurde durch wiederholte Vereisungsphasen und tektonische Hebung geformt und weist tiefe Fjorde, steil eingeschnittene Täler, Seenketten und zerklüftete Küstenabschnitte auf.[1] Eine Besonderheit sind große Talgletscher wie der Franz-Josef-Gletscher und der Fox-Gletscher, die von den hochalpinen Nährgebieten der Neuseeländischen Alpen steil bis in Höhen von unter 300 Metern über dem Meeresspiegel abfließen und dort inmitten von gemäßigtem Regenwald enden.[9][10]

Flora und Fauna

Etwa zwei Drittel des Gebietes sind mit heimischen Wäldern aus Südbuchen (Nothofagus) und Podokarpen bewachsen, von denen einige Bestände ein sehr hohes Alter erreichen. Daneben prägen ausgedehnte alpine Grasländer und Kräuterfluren, Feuchtgebiete, weite Flussaueen sowie vielfältige Küstenökosysteme das Landschaftsbild, die Lebensraum für zahlreiche endemische Pflanzenarten bieten.[1] Das Gebiet bietet Lebensraum für seltene und bedrohte Vogelarten wie Kea, Takahe, verschiedene Kiwi‑Arten und andere endemische Wald- und Alpenvögel sowie für zahlreiche einheimische Reptilien und Wirbellose.[2][1][11] An der Küste und in den Gewässern des Schutzgebietes befinden sich große Brutkolonien des Neuseeland-Seebären; zudem sind mindestens 16 einheimische Süßwasserfischarten nachgewiesen.[12][1]

Geschichte des Welterbestatus

Der Fiordland-Nationalpark und der damalige Westland–Mount Cook National Park wurden 1986 zunächst als eigenständige Weltnaturerbestätten in die UNESCO‑Liste eingetragen.[1] 1990 fasste das Welterbekomitee diese Gebiete mit dem Mount Aspiring National Park und weiteren Schutzgebieten zum seriellen Welterbe Te Wāhipounamu – South West New Zealand zusammen.[2][1] Seitdem ist das Gebiet unter den natürlichen Kriterien (vii) bis (x) für seine außergewöhnliche landschaftliche Schönheit, seine geologischen Prozesse, die Entwicklung der Ökosysteme und die Erhaltung der Biodiversität anerkannt.[2][11]

Bedeutung und Nutzung

Für die iwi Ngāi Tahu besitzt Te Wāhipounamu hohe kulturelle und spirituelle Bedeutung, da viele Berge, Täler und Gewässer als heilige Orte und traditionelle Ressourcenlandschaften gelten.[11][13][5] Die Region ist ein wichtiges historisches Abbaugebiet von Pounamu, das als Material für Werkzeuge, Waffen und Schmuck sowie als symbolträchtiges taonga genutzt wurde.[5][4] Heute ist das Gebiet zugleich ein bedeutendes Ziel des Naturtourismus in Neuseeland; typische Aktivitäten sind mehrtägige Wanderungen, Kanutouren, Bergsport und Naturbeobachtung, die an die Schutzauflagen angepasst werden.[1][2]

Verwaltung und Schutz

Die Verwaltung des Welterbes liegt überwiegend beim neuseeländischen Department of Conservation, das für die Nationalparks und die meisten weiteren Schutzgebiete zuständig ist.[8][1] Zentrale Managementziele sind der langfristige Schutz der natürlichen und kulturellen Werte, die Ermöglichung naturverträglicher Erholung sowie eine begrenzte nachhaltige Nutzung von Ressourcen.[1] Als zentrale Herausforderungen werden unter anderem invasive Arten, Wildtiereinwirkungen, wachsender Besucherdruck und die Auswirkungen des Klimawandels auf Gletscher und Ökosysteme genannt.[2][14]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Te Wahipounamu – South West New Zealand. In: World Heritage Datasheet. UNEP-WCMC, 22. Mai 2017, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c d e f g Te Wahipounamu – South West New Zealand. In: World Heritage Centre. UNESCO, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  3. Cindy Carlsson: Te Wāhipounamu – South West New Zealand. In: WorldHeritageSites.net. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  4. a b c d Pounamu: Greenstone. In: New Zealand Tourism. Abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b c d Basil Keane: Pounamu – jade or greenstone. In: Te Ara – The Encyclopedia of New Zealand. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  6. Original Māori names for North and South Island approved. In: Radio New Zealand. 10. Oktober 2013, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  7. Vanda Claudino-Sales: 55. Te Wahipounamu Southwest, New Zealand. In: Coastal World Heritage Sites (= Coastal Research Library). 1. Auflage. Springer Netherlands : Imprint: Springer, Dordrecht 2019, ISBN 978-94-024-1528-5, S. 375–380, doi:10.1007/978-94-024-1528-5_55 (englisch).
  8. a b Te Wāhipounamu – South West New Zealand World Heritage Area. In: doc.govt.nz. Department of Conservation, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  9. Franz Josef Glacier/Kā Roimata o Hine Hukatere. In: doc.govt.nz. Department of Conservation, abgerufen am 11. Dezember 2025 (neuseeländisches Englisch).
  10. Eileen McSaveney: Landscapes – overview. In: Te Ara Encyclopedia of New Zealand. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  11. a b c Barb Lightner: Te Wahipounamu – South West New Zealand. In: EBSCO Research Starters. 2024, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  12. Te Wahipounamu South West New Zealand (551). In: Wildlife Institute of India. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  13. Gary Arndt: Te Wahipounamu UNESCO World Heritage Site, New Zealand. In: Everything Everywhere. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  14. Gavin Lister: Assessment against Te Wahipounamu Statement of Outstanding Universal Values (Effects on Landscape Values). (PDF; 638 kB) Isthmus, 21. Juli 2013, S. 7, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
Commons: Te Wahipounamu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien