Tatort: Der Weg ins Paradies
| Folge 821 der Reihe Tatort | |
| Titel | Der Weg ins Paradies |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Länge | 90 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Studio Hamburg im Auftrag des NDR |
| Regie | Lars Becker |
| Drehbuch | Alexander Adolph |
| Produktion | Lisa Blumenberg |
| Musik |
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| Kamera | Hannes Hubach |
| Schnitt | |
| Premiere | 18. Dez. 2011 auf Das Erste |
| Besetzung | |
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| → Episodenliste | |
Der Weg ins Paradies ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Lars Beckers Film ist der fünfte Fall des Hamburger Ermittlers Cenk Batu. Die Erstausstrahlung des vom Norddeutschen Rundfunk produzierten Beitrags war am 18. Dezember 2011 im Ersten Deutschen Fernsehen.
Handlung
Eine islamistische Terrorzelle in Hamburg plant einen Anschlag; das BKA will einen Verdeckten Ermittler in die Gruppe einschleusen. Deren Bombenspezialist hat in Marokko Selbstmord begangen, um seiner Verhaftung zu entgehen; Batu soll als Ersatzmann fungieren. Bevor Batu den Auftrag antritt, gibt er sich noch die Kante und lernt die trinkfeste Boutiquebesitzerin Gloria kennen, mit der er eine Nacht verbringt. Am nächsten Tag erhält Batu seine neue Identität: Seine Legende ist der türkischstämmige Taylan, der die letzten fünf Jahre in einem syrischen Gefängnis verbracht hat und nun wieder nach Deutschland zurückkehrt. Im Gefängnis wurde er streng religiös und sucht nun Anschluss in Deutschland. In einer Moschee arbeitet der vermutliche Kopf der Terrorzelle, der Konvertit Christian Marschall. Über einen Arbeitskollegen und Mitbewohner kann Batu zu diesem Kontakt aufbauen und wird nach einigen Tests seiner Koranfestigkeit und Loyalität Mitglied der nun vierköpfigen Gruppe. Er wird hierfür vom Emir eingeschworen. Marschall hegt jedoch weiter den Verdacht, dass Batu ein Polizeispitzel sein könnte.
Marschall hält sich für ein Genie und gibt seine Planungen nur scheibchenweise von sich, „das wirst du sehen, wenn es soweit ist“. Beispielsweise erfährt Batu während einer Autofahrt, dass das Anschlagsziel der Kongress deutscher Afghanistan-Veteranen der Bundeswehr im CCH sein soll. Ziel der Fahrt ist zunächst das Elternhaus Marschalls, aus dem er und Batu eingelagerte Chemikalien holen. Im Anschluss daran konfrontiert Marschall ihn mit seinem Anruf bei seiner Bekanntschaft Gloria. Auf der Rückfahrt wird Batu zu einem Gasthof gebracht, wo er dem Emir persönlich vorgestellt werden soll. Dieser will überprüfen, ob Batu vertrauenswürdig ist. Obwohl der Emir Batus Wanze entdeckt, lässt er sich nichts anmerken.
Zurück im Unterschlupf der Gruppe soll Batu mit dem Bau der Bomben beginnen. Er behauptet, dafür Watte zu benötigen, und holt sie aus einer Apotheke. Die ist ein vereinbarter Kontaktort und er informiert Uwe Kohnau über das Anschlagsziel. Wieder im Versteck bereitet Batu die Bomben in zwei Trolley-Koffern vor und tauscht zur Sicherheit die Chemikalien gegen Wasser aus. Die Gruppe macht sich auf den Weg und setzt unterwegs Akbar an einer Bushaltestelle ab. Er soll von draußen die Explosion des Hotels filmen und den Streifen dann online stellen. Die anderen drei betreten mit den Koffern das Hotel, wo bereits eine SEK-Einheit wartet. Bevor die drei das gebuchte Zimmer betreten, gibt Batu sich als Polizist zu erkennen und damit das Zeichen zum Zugriff. Seine beiden Begleiter leisten bewaffneten Widerstand und werden erschossen.
Batu hat inzwischen erkannt, dass die Gruppe irgendwie von seiner Infiltration erfahren hat und die echte Bombe sich bei Akbar befinden muss, dem vierten Mitglied der Gruppe. Der fährt noch mit dem Bus durch Hamburg; Batu und Kohnau nehmen die Verfolgung auf. An einer Haltestelle verschafft sich Batu Zutritt zum Fahrzeug und evakuiert die Passagiere. Er versucht, Akbar vom Selbstmordattentat abzubringen, kann aber nicht zu ihm durchdringen.
Nach dem Einsatz erfährt Kohnau verärgert, dass der Emir Mitglied des syrischen Geheimdienstes ist und mit dem BKA zusammen gearbeitet hat. Batu startet einen zweiten Versuch mit der Boutiquebesitzerin Gloria.
Hintergrund
Die Dreharbeiten zu Der Weg ins Paradies fanden vom 12. Juli 2011 bis zum 11. August 2011 in Hamburg statt.[1] Die Innen-Szenen, die in Marrakesch spielen, wurden ebenfalls in Hamburg gedreht.
Die Spezialeffekte in Der Weg ins Paradies (Explosion der Handgranate, Schießerei im Hotel, Explosion des Linienbusses) wurden von der Firma Nefzer Babelsberg GmbH produziert.[2]
Die im Film dargestellte Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Sicherheitsbehörden stieß in der Politik auf Kritik.[3]
Rezeption
Einschaltquoten
Die Erstausstrahlung von Der Weg ins Paradies am 18. Dezember 2011 wurde in Deutschland insgesamt von 6,76 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 18,5 % für Das Erste; in der Gruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer konnten 2,47 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von 16,1 % erreicht werden.[4]
In Österreich wurden 434.000 Zuschauer und 14 Prozent Marktanteil erzielt.[5]
Kritik
„‚Der Weg ins Paradies‘ ist ein ungewöhnlicher ‚Tatort‘. Lars Beckers Film lebt anstatt von einem Whodunit vom sich langsam, atmosphärisch aufbauenden Thrill einer Undercover-Aktion mit einem völlig unberechenbaren Gegner. Hochspannend die Schluss-Halbestunde. Das ist typisch Lars Becker: nicht immer logisch, aber hoch effektiv, gut erzählt, stimmungsvoll fotografiert, klar montiert, bestens besetzt, doppelbödig gespielt.“
„‚Der Weg ins Paradies‘ – so der Titel des hervorragend erzählten und spannenden ‚Tatorts‘ – führt für ihn und seine Komplizen nur über die Ermordung der ‚Kafir‘, der Ungläubigen. […] Der Film nimmt sich eines äußerst heiklen Themas an. […] Dem Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker gelingt es – ohne die Figuren plakativ zu vereinfachen. […] Lange hat man keinen so guten ‚Tatort‘ mehr gesehen.“
„Was einem nach dem endgültigen Abgang Kurtulus’ 2012 fehlen wird, das wird einem am Sonntag noch mal beim vorletzten Hamburg-‚Tatort‘ bewusst: Wie er hier als Undercover-Ermittler vollkommen in einer islamistischen Zelle aufgeht, entspricht einer weiteren Komplettverwandlung – nicht nur in äußerlicher Hinsicht. […] Wie der türkischstämmige Ermittler Batu im Duell mit dem deutschen Fanatiker immer wieder seine eigene Identität verschleiern, ja verleumden muss, ist große psychologische Krimi-Kunst, die sich nicht dem Zuschauer anzubiedern versucht. Wo man sonst im ‚Tatort‘ angekumpelt wird, da wird man durch den Ermittler Batu und seinen Darsteller Kurtulus herausgefordert. Mehmet Kurtulus und der Hamburger ‚Tatort‘ sind gescheitert? Vielleicht. Aber wie großartig sie dabei doch aussahen!“
Einzelnachweise
- ↑ Tatort: Der Weg ins Paradies bei crew united, abgerufen am 1. Juli 2021.
- ↑ daserste.de: W wie Wissen - Explosiv! Pyrotechnik im Hamburger Tatort, abgerufen am 12. Januar 2014.
- ↑ Melanie Bergs: Politiker protestieren gegen „unsensiblen“ Terror-Tatort. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 20. Dezember 2011, abgerufen am 20. Dezember 2011.
- ↑ Quotenmeter.de: Primetime-Check: Sonntag, 18. Dezember 2011, abgerufen am 19. Dezember 2011.
- ↑ Medienforschung ORF, Daten von Sonntag, 18. Dezember 2011.
- ↑ tittelbach.tv: Reihe „Tatort – Der Weg ins Paradies“, abgerufen am 19. Dezember 2011.
- ↑ FAZ.net: Die Hassprediger nehmen ihm seinen Glauben , abgerufen am 19. Dezember 2011.
- ↑ spiegel.de: Ich, der Schläfer, abgerufen am 19. Dezember 2011.
Weblinks
- Tatort: Der Weg ins Paradies bei IMDb
- Der Weg ins Paradies in der Online-Filmdatenbank
- Der Weg ins Paradies auf den Internetseiten der ARD
- Der Weg ins Paradies bei Tatort-Fans.de