Taocher

Die Taocher oder Taochoi (altgriechisch Τάοχοι; auch Τάοι) waren ein antikes, im nördlichen Armenien lebendes Gebirgs- und Hirtenvolk. Sie siedelten im Tal des Glaukos, einem Nebenfluss des Çoruh.

Das Volk wird vor allem in der Anabasis des Xenophon erwähnt.[1] Auch Sophainetos, der wie Xenophon in den Reihen eines starken griechischen Söldnerheers an der Militärexpedition Kyros des Jüngeren gegen dessen Bruder, den persischen Großkönig Artaxerxes II., teilgenommen hatte (Zug der Zehntausend), erwähnte die Taocher in seinem nur äußerst fragmentarisch erhaltenen Bericht über diesen Feldzug.[2] Zwar waren die Taocher keine direkten Untertanen der Achämeniden-Könige, wurden von diesen aber bisweilen als Söldner rekrutiert.[3]

Das griechische Söldnerheer kam einige Monate nach der Schlacht bei Kunaxa (September 401 v. Chr.), in der Kyros gefallen war, auf dem Rückmarsch durch das Gebiet der Taocher. Es war wieder einmal auf Nahrungssuche. Die Taocher besaßen feste, schwer zugängliche Plätze, in denen sie ihre Lebensmittel lagerten. Nach fünf Tagen sahen die Griechen auf ihrer Proviantsuche eine solche Bergfestung der Taocher, die durch Steilabhänge, unterbrochen von einer Rampe, geschützt war. An diesem Ort hatten Angehörige des Hirtenvolks mit zahlreichem Vieh Zuflucht gesucht. Als die Söldner den nur von wenigen Bewaffneten verteidigten Platz zu stürmen versuchten, wälzten Frauen der Taocher Steine einen die Rampe überragenden Felsen hinunter. Hierdurch wurden etlichen Söldnern die Beine zerschmettert; und der Angriff misslang. Xenophon riet, dass ein kleiner Voraustrupp die Frauen zum häufigen Herabwerfen der Steine verleiten sollte, bis diese zur Neige gingen. Er wagte mit Cheirisophos und 70 Mann den etwa 45 Meter langen Anstieg zur Rampe. Hierbei suchten die Griechen hinter vereinzelten Tannen Schutz, sprangen dann hervor und zogen sich vor den herabrollenden Steinen rasch wieder hinter die Bäume zurück. Fünf arkadische Hauptleute wetteiferten miteinander, den Stützpunkt der Taocher zu erstürmen. Als dieser Platz nicht mehr zu halten war, stürzten sich die Frauen mit ihren Kindern aus Angst vor Versklavung in die Tiefe. Der Lochage Aineas aus Stymphalos versuchte einen Taocher, der ein schönes Gewand trug, vom Sturz in einen Abgrund zurückzuhalten, wurde aber mit in die Tiefe gerissen. Die Söldner vermochten nur wenige Taocher gefangen zu nehmen, erbeuteten aber Rinder, Schafe und Esel.[4]

Literatur

Anmerkungen

  1. Xenophon, Anabasis 4, 4, 18; 4, 6, 5; 4, 7, 1 f.; 5, 5, 17.
  2. Sophainetos (= Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 109), F 2 bei Stephanos von Byzanz, Ethnika, s. Taochoi.
  3. Burchard Brentjes. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp. 17.
  4. Xenophon, Anabasis 4, 7, 1-14; dazu Wolfgang Will: Der Zug der 10 000, die unglaubliche Geschichte eines antiken Söldnerheers, 2022, S. 136 ff.