Tandem (Fuhrwerk)

Als Tandem bezeichnet man ein von zwei hintereinander gehenden Pferden gezogenes, meist einachsiges Gespann.

Das Vorderpferd sollte leichter und eleganter sein als das direkt vor der Kutsche zwischen den Anzen gehende Gabelpferd. Üblicherweise trägt das Gabelpferd ein Kumt, während das Vorderpferd meist mit einem Brustblattgeschirr angeschirrt ist. Der größte Teil der Zuglast wird vom Gabelpferd übernommen.

Tandem- und die verwandte Random-Anspannung kommen aus England und haben gegenüber nebeneinander gehenden Pferden den Vorteil, dass auch sehr schmale Wege befahrbar sind. Aufgrund der ungleichen Zuglastverteilung wird das vorne gehende Pferd kaum belastet und steht nach der Fahrt als ausgeruhtes Reitpferd zur Verfügung. Tandem- und Random-Anspannung wurden aus diesem Grund auch häufig bei Jagden genutzt: Am Ziel angekommen, wurden die Vorderpferde für die Jagd gesattelt.

In der Tandem-Anspannung wird fast immer eine einachsige Cart oder auch Tandem-Cart genannte Kutsche mit sehr großen Rädern gefahren.

Die Tandem-Anspannung ist schwerer zu fahren als ein Vierspänner und stellt weit höhere Ansprüche an das Können von Kutscher und Pferden als die Anspannung von zwei Pferden nebeneinander. Sie wird heute nur noch zu Show-Zwecken gefahren.

Das Wort Tandem stammt aus dem Lateinischen und bedeutet dort „schließlich, endlich, zuletzt“.[1] Die Übernahme des lateinischen Begriffes auf das Gefährt ist nicht völlig geklärt, beruht aber vermutlich auf einem Wortspiel (küchenlateinischer Scherz, eventuell Schülerwitz): Die englische Übersetzung des Wortes ist „at length, finally“[2] und das auf einen Zeitraum bezogene „at length“ wurde dann umgedeutet auf die räumliche Anordnung der Pferde „der Länge nach“. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der leichte Fuhrwagen mit dem lateinischen Begriff tantum („[nur] so viel“) bezeichnet worden wäre und sich aus diesem Wort in der englischen Aussprache der Fuhrleute über tandum zu tandem weiterentwickelt hätte.[3]

Belege

  1. Vergleiche Karl Ernst Georges: tandem. In: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage. Band 2: I–Z. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1918, Sp. 3018 (Digitalisat. zeno.org).
  2. Vergleiche Charlton T. Lewis, Charles Short: tandem. In: A Latin Dictionary. 1876 (englisch, Latein, Digitalisat).
  3. Wolfgang Pfeifer et al.: Tandem. In: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. 1993 (Artikel zu Tandem).