Takuichi Fujii
Takuichi Fujii (* 26. September 1891 in Hiroshima, Japan; † 16. Juli 1964 in Chicago, Illinois) war ein japanisch-amerikanischer Maler der ersten Generation japanischer Einwanderer in den USA (Issei).[1] Bekannt wurde er vor allem durch sein umfangreiches illustriertes Tagebuch, das während der Internierung japanischstämmiger Amerikaner im Zweiten Weltkrieg entstand.[2] Sein künstlerischer Nachlass, insbesondere das Tagebuch, wurde später von seinem Enkel, dem Kunsthistoriker Sandy Kita, erforscht und übersetzt. Takuichi Fujii gilt heute als wichtiger Chronist der japanisch-amerikanischen Internierungen in den Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg.[1]
Leben
Takuichi Fujii wurde 1891 in Hiroshima geboren und besuchte dort bis zur achten Klasse die Schule. Zudem erhielt er zwei Jahre lang Privatunterricht in Pinsel- und Tuschemalerei. Im Jahr 1906, kurz nach seinem 15. Geburtstag, wanderte er nach Seattle im US-Bundesstaat Washington aus, wo sein Vater und ein älterer Bruder arbeiteten. Er fand zunächst Beschäftigung bei der Main Fish Company im japanischen Viertel („Nihonmachi“) Seattles und war dort acht Jahre Verkäufer. 1917 eröffnete er ein eigenes Fischhandelsgeschäft. 1916 kehrte Fujii kurzzeitig nach Hiroshima zurück und heiratete Fusano Marumachi (1896–1995). Das Paar hatte zwei Töchter: Satoko Mary Rose Fujii Kita (1917–1999) und Masako Fujii Nelson (1919–ca. 2000). 1930 trat Takuichi Fujii erstmals als Künstler in Erscheinung, als eines seiner Ölgemälde in die Jahresausstellung Northwest Annual aufgenommen wurde. Er malte im realistischen Stil, beeinflusst vom amerikanischen Modernismus, und stellte regelmäßig in Seattle und im Raum San Francisco aus.[1]
Im Jahr 1935 wurde er zusammen mit den Issei-Künstlern Kenjiro Nomura und Kamekichi Tokita Mitglied der Group of Twelve. Im Jahr 1936 gehörten alle drei zu den zehn Künstlern, die den Bundesstaat Washington bei der First National Exhibition of American Art in New York vertraten. 1937 zog Fujii mit seiner Familie für zwei Jahre nach Chicago, wo er im Rahmen der Jahresausstellung des Art Institute of Chicago ausstellte. 1939 kehrten er und seine Frau nach Seattle zurück und eröffneten das Mary Rose Florist Shop, das hauptsächlich von Fusano geführt wurde, während Fujii sich erneut der Malerei widmete und an regionalen Ausstellungen teilnahm.[1]
Internierung im Zweiten Weltkrieg
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurden Takuichi Fujii, seine Frau und ihre Töchter im Jahr 1942 wie nahezu alle japanischstämmigen Einwohner der US-Westküste interniert. Zunächst wurden sie im provisorischen Puyallup Assembly Center (Washington State Fairgrounds) festgehalten, anschließend im Minidoka War Relocation Center in Idaho. Die Töchter verließen das Lager 1943 im Rahmen eines Arbeitsfreigabeprogramms, während Fujii und seine Frau bis zur Schließung des Lagers im Oktober 1945 dort bleiben mussten.[1]
Das Tagebuch und spätere Arbeiten
Im Mai 1942 begann Takuichi Fujii, ein bebildertes Tagebuch zu führen. Es umfasst rund 400 Seiten und dokumentiert den Zeitraum von der Zwangsumsiedlung bis zur Schließung des Lagers. Jede Tuschezeichnung ist mit einem erläuternden Text versehen. Das Werk zeigt Lageransichten, den Alltag, Arbeiten und Freizeitbeschäftigungen. In seinem Umfang gilt das Tagebuch als eines der umfassendsten visuellen Zeugnisse der Internierung japanischstämmiger Amerikaner.[2]
Neben dem Tagebuch entstanden etwa 130 Aquarelle und großformatige Tuschezeichnungen, teils als Wiederholungen, teils als eigenständige Kompositionen. Viele dieser Arbeiten wurden offenbar direkt im Lager geschaffen, einige sind möglicherweise spätere Reflexionen. 42 Aquarelle wurden auf Karton aufgezogen und in einer handgefertigten Mappe aufbewahrt, was auf eine geplante Ausstellung hindeutet, deren Durchführung jedoch nicht belegt ist. Fujii fertigte außerdem Illustrationen für die im Jahr 1943 im Lager veröffentlichte Jahrbuch-Publikation Minidoka Interlude an. Zudem produzierte er Ölgemälde und Holzschnitzarbeiten, die bei Ausstellungen im Lager und in der nahegelegenen Stadt Twin Falls gezeigt wurden. Takuichi Fujii starb 1964.[2]
Literatur
- Barbara Johns: The Hope of Another Spring: Takuichi Fujii, Artist and Wartime Witness. Seattle, University of Washington Press, 2017.
- John Ruff: Witness to Wartime: The Painted Diary of Takuichi Fujii, in: Asian Diasporic Visual Cultures and the Americas, 7, 2022.
Weblinks
- Densho Encyclopedia
- Stories of Pacific Northwest Issei Artists Who Achieved Recognition in the Years Before World War II—Part Two: Takuichi Fujii
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Takuichi Fujii | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 12. August 2025; abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c Stories of Pacific Northwest Issei Artists Who Achieved Recognition in the Years Before World War II—PART TWO: Takuichi Fujii. 23. September 2024, abgerufen am 9. November 2025 (amerikanisches Englisch).