Takamitsu Muraoka

Takamitsu Muraoka (japanisch 村岡 崇光, Muraoka Takamitsu; * 1938 in Hiroshima) ist ein japanischer Semitist.[1] Von 1991 bis 2003 war er Lehrstuhlinhaber für Hebräisch, Israelitische Altertümer und Ugaritisch an der Universität Leiden in den Niederlanden. Er ist vor allem für seine Studien zur hebräischen und aramäischen Sprachwissenschaft sowie zu den alten Bibelübersetzung, insbesondere der Septuaginta, bekannt.

Leben

Bildung

Nach dem Studium der allgemeinen Sprachwissenschaft und der biblischen Sprachen bei dem verstorbenen Prof. Masao Sekine an der Tokyo University of Education (heute Universität Tsukuba) studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er seine Dissertation Emphasis in Biblical Hebrew unter der Betreuung von C. Rabin abschloss und 1970 seinen Doktortitel erwarb.

Karriere

Er unterrichtete semitische Sprachen, darunter modernes Hebräisch, zunächst als Dozent an der Universität Manchester, Großbritannien (1970–1980), anschließend als Professor für Nahoststudien an der Universität Melbourne, Australien (1980–1991). 1991 wechselte er an die Universität Leiden in den Niederlanden, wo er bis 2003 als Professor für hebräische Sprache und Literatur, israelitische Altertümer und ugaritische Sprache tätig war.

Darüber hinaus war er von 1980 bis 1992 Herausgeber der Fachzeitschrift Abr-Nahrain (heute Ancient Near Eastern Studies) und veröffentlichte mehrere Bände zur hebräischen Semantik der Bibel, zum Aramäischen von Qumran und zum Hebräischen der Qumran-Texte bzw. war an deren Herausgabe beteiligt. Seine umfassende Syntax des Koine-Griechischen der Septuaginta erschien im Jahr 2016.

Im Jahr 2000 war er Mitbegründer des niederländisch-japanisch-indonesischen Dialogs vor dem Hintergrund des Pazifikkriegs. Zudem ist er Vertreter der Biblischen Kirche in den Niederlanden.

Auszeichnungen

Im akademischen Jahr 2001/2002 war er Forschungspreisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung und in dieser Funktion Gastprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen. Bereits 1984 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Australian Academy of the Humanities gewählt, seit 2006 ist er Ehrenmitglied der Akademie für die hebräische Sprache.[2]

Am 27. September 2017 wurde ihm von der British Academy die Burkitt-Medaille für Hebräische Bibelstudien verliehen. Diese ehrte ihn für seine herausragenden Beiträge zur Erforschung der hebräischen Grammatik und Syntax sowie der Septuaginta – einer altgriechischen Übersetzung des Alten Testaments – über einen Zeitraum von sechs Jahrzehnten.

Im Ruhestand

Seit seinem Ausscheiden aus dem Lehrstuhl in Leiden im Jahr 2003 unternahm er jährlich Vortragsreisen, bei denen er als Freiwilliger mindestens fünf Wochen lang in asiatischen Ländern unterrichtete – insbesondere in solchen, die im 20. Jahrhundert unter dem japanischen Militarismus gelitten hatten.[3] Dabei lehrte er biblische Sprachen und die Septuaginta.

Seine Gedanken und Reflexionen zu diesem jährlichen Lehrdienst bis zum Jahr 2015 sind auf Englisch in My Via Dolorosa: Along the Trails of the Japanese Imperialism in Asia (AuthorHouse UK, 2016) veröffentlicht.

Seit 2021 unterrichtet er dieselben Fächer online.

Schriften (Auswahl)

Dissertation

  • Takamitsu Muraoka: Emphasis in Biblical Hebrew. PhD diss. Hebräischen Universität Jerusalem, 1970 (englisch).

Bücher

  • Takamitsu Muraoka: A Greek-Hebrew/Aramaic Index to I Esdras (= Septuagint & Cognate Studies. Band 16). Chico: Scholars Press, 1984, ISBN 0-89130-631-5 (englisch, vii + 85).
  • Takamitsu Muraoka: Emphatic Words and Structures in Biblical Hebrew. Brill, 1985, ISBN 965-223-554-7, doi:10.1163/9789004433496 (englisch, 206 S.).
  • Takamitsu Muraoka: Classical Syriac for Hebraists. Otto Harrassowitz Verlag, 1987, ISBN 3-447-02585-9 (englisch, 131 S.).
  • Takamitsu Muraoka: Classical Syriac: A Basic Grammar with a Chrestomathy. Wiesbaden, 1997, ISBN 3-447-03890-X.
  • Takamitsu Muraoka: Modern Hebrew for Biblical Scholars: An Annotated Chrestomathy with an Outline Grammar and a Glossary. Otto Harrassowitz Verlag, 1998, ISBN 3-447-04082-3 (englisch, 183 S.).
  • Takamitsu Muraoka: Classical Syriac. 2. Auflage. Wiesbaden, 2005, ISBN 3-447-05021-7.
  • Takamitsu Muraoka: A Greek-English Lexicon of the Septuagint. Peeters, Leuven 2009, ISBN 978-90-429-2248-8.

Einzelnachweise

  1. Takamitsu Muraoka. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Oktober 2015; abgerufen am 7. Oktober 2025.
  2. Fellow Profile: Takamitsu Muraoka. In: Australian Academy of the Humanities. Abgerufen am 10. Juli 2025 (australisches Englisch).
  3. Gwang-lip Moon: Japanese Hebraist takes his message across Asia. In: koreajoongangdaily.joins.com. 7. Februar 2014, abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).