Taigaschnäpper

Taigaschnäpper

Taigaschnäpper (Ficedula albicilla), Männchen

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Schmätzer (Saxicolinae)
Gattung: Höhlenschnäpper (Ficedula)
Art: Taigaschnäpper
Wissenschaftlicher Name
Ficedula albicilla
Pallas, 1811

Der Taigaschnäpper[1] (Ficedula albicilla) ist ein Zugvogel der Familie der Fliegenschnäpper. Erstmals wurde er 1811 von Peter Simon Pallas beschrieben. Äußerlich ähnelt die Art sehr dem in Mitteleuropa seltenen Zwergschnäpper, als deren Unterart er früher angesehen wurde. Er brütet im nordöstlichen Eurasien in weiten Teilen Russlands jenseits des Urals bis zur Pazifikküste und in der nördlichen Mongolei. Das natürliche Habitat ist die namensgebende Taiga. Die Art wird global betrachtet als ungefährdet eingestuft, ist in Mitteleuropa aber ein äußerst seltener Irrgast.

Aussehen

Der Taigaschnäpper weist als Schwesterart große Ähnlichkeit zum Zwergschnäpper auf.[2] Adulte Männchen sind oberseits braun, im Gegensatz zu Zwergschnäppern ist im Prachtkleid der orangerote Kehlfleck unten durch ein graues Brustband begrenzt. Zügel und Überaugenstreif sind bleigrau, die Scheitelkappe ist aber im Gegensatz zum Zwergschnäpper meist braun. Adulte Weibchen sind oberseits ebenfalls braun, die Kehle ist jedoch reinweiß und kontrastiert deutlich zur graubraun gefärbten Brust. Individuen im ersten Kalenderjahr ähneln adulten Weibchen, weisen jedoch meist weißlich anstatt beige gesäumte Flügeldecken und Schirmfedern auf. Die Zeichnung des Schwanzes ist in allen Kleidern schwarz mit weißen Seiten und identisch zum Zwergschnäpper. Bei Weibchen und unausgefärbten Individuen sind die Oberschwanzdecken jedoch stets tiefer schwarz als die oberen Steuerfedern.[2] Der Schnabel ist stets dunkel, ohne die beim Zwergschnäpper vorhandene rosa-braune Aufhellung der Unterschnabelbasis.

Stimme

Der häufigste Ruf kann mit einem recht schnell vorgetragenen „trrrt“ umschrieben werden.[2] Der Gesang unterscheidet sich deutlich von dem des Zwergschnäppers. Er ist komplexer, mit pfeifenden und trillernden Elementen.[3]

Verbreitung

Der Taigaschnäpper ist ein in der östlichen Paläarktis vorkommender Brutvogel der sibirischen Taiga von der westlichen Grenze des Urals bis zur Pazifikküste.[2] Die Verbreitung erstreckt sich von West- bis Ostrussland bis hin zur südlichen bis nördlichen Mongolei und dem nordöstlichen China.[1] Die Art überwintert in Süd- bis Südostasien, von Indien, Bangladesch, Myanmar bis nach Kambodscha und das nördliche Malaysia.[4] In Mitteleuropa gilt er als „extreme Ausnahmeerscheinung“[2]. Es existieren bislang lediglich 13 europäische Nachweise, von denen einer der bislang einzige Nachweis für Deutschland am 31. Oktober 2024 auf Helgoland war.[5] Wenige Tage lang war dort ein Taigaschnäpper im ersten Jahreskleid zu beobachten.

Bestandssituation

Der globale Bestand wird als ungefährdet (least concern) eingeschätzt, wenngleich der aktuelle Populationstrend abnehmend ist.[4]

Namensherkunft

Die deutsche Bezeichnung bezieht sich mit der Taiga auf das Habitat und mit dem Namensteil -schnäpper auf die Jagdmethode der Gattung. In der taxonomischen Bezeichnung bezieht sich der Gattungsname Ficedula ursprünglich auf einen Feigen fressenden Vogel (lat. ficus ‚Feige‘). Das Artepitheton albicilla setzt sich aus lat. albus, dt. ‚weiß‘, und neulateinisch cilla, dt. irrtümlich als ‚Schwanz‘ entlehnt, zusammen.[6]

Commons: Taigaschnäpper (Ficedula albicilla) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Barthel, P. H., Barthel, C., Bezzel, E., Eckhoff, P., van den Elzen, R., Hinkelmann, C, & Steinheimer, F. D.: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen. In: Vogelwarte. Band 60, 2022, S. 449, doi:10.17617/2.3418299.
  2. a b c d e Lars Svensson (Text, Karten), Killian Mullarney, Dan Zetterström (Illustrationen und Bildlegenden): Der Kosmos-Vogelführer: alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. 2. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12384-3, S. 338–339 (schwedisch: Fågelguiden. Übersetzt von Peter H. Barthel).
  3. Taigaschnäpper. In: eBird.org. Abgerufen am 2. November 2025.
  4. a b Red-throated Flycatcher. In: iucnredlist.org. Abgerufen am 2. November 2025.
  5. Nüssen, O., & Dierschke, J.: Erstnachweis des Taigaschnäppers Fidecula albicilla für Helgoland und Deutschland. In: Ornithologischer Jahresbericht Helgoland. Band 35, 2025, S. 115–120.
  6. Jobling, J. A.: The Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4, S. 38 (englisch, archive.org [abgerufen am 2. November 2025]).