Taff Vale Railway

Taff Vale Railway Company

Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1836
Auflösung 1922
Auflösungsgrund Eingliederung in die
Great Western Railway (GWR)
Sitz Cardiff, Wales
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Branche Eisenbahnverkehr

Die Taff Vale Railway (TVR) war eine regional bedeutende britische Eisenbahngesellschaft in Südwales. Sie wurde gegründet, um die rasch expandierende Kohle- und Stahlindustrie rund um Merthyr Tydfil mit den Docks in Cardiff zu verbinden. Die Bahn wurde 1840 eröffnet und entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert zur wichtigsten Transportachse des südlichen walisischen Kohlereviers. 1922 ging sie im Zuge der Zusammenlegung aller britischen Bahnen zu vier großen Gesellschaft gemäß dem Railways Act 1921 in der Great Western Railway (GWR) auf.

Die Taff Vale Railway war die erste große Kohlebahn in Südwales und trug maßgeblich dazu bei, dass Cardiff im späten 19. Jahrhundert zum größten Kohleexporthafen der Welt aufstieg. Außerdem war sie ein bedeutender Arbeitgeber und hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Geschichte

Gründung und Bau (1835–1841)

Die industrielle Expansion im Tal des River Taffs führte ab den 1830er Jahren zu Plänen für eine leistungsfähige Eisenbahnverbindung zwischen Merthyr Tydfil und Cardiff. 1835 wurde die Taff Vale Railway Company gegründet und 1836 wurde das entsprechende Gesetz durch das britische Parlament verabschiedet.[1] Im gleichen Jahr begann der Bahnbau. Die Strecke folgte größtenteils dem Verlauf des Tals und benötigte daher nur wenige Brücken und keine Tunnel. Isambard Kingdom Brunel, der Oberingenieur der Bahn, entwarf ein beeindruckendes Steinbogenviadukt in Pontypridd, das mit einer Stützweite von 34 m den Fluss Rhondda überquert, das noch heute in Gebrauch ist. Ein ähnliches Viadukt befindet sich in Quakers Yard.

Am 9. Oktober 1840 wurde der erste Abschnitt der eingleisigen Strecke zwischen Cardiff und Navigation House (heute Abercynon) eröffnet, der Ausbau auf zwei Gleise erfolgte erst 1857.[2] Am 23. April 1841 folgte die Verlängerung nach Merthyr Tydfil.

Expansion in die Kohlereviere (1840–1900)

Mit dem raschen Wachstum der Kohleförderung entstanden zahlreiche Zweigstrecken in die Seitentäler des Taff Vale.

Im Jahr 1841 wurden zwei Nebenstrecken eröffnet. Der 7,20 km lange Rhondda-Branch war eine Stichbahn von Pontypridd nach Dinas und der 5,41 km lange Llancaiach-Branch wurde von der Stormstown Junction nördlich von Pontypridd zur Llancaiach-Kohlengrube eröffnet.

1845 eröffnete die TVR ihre eigenen Werkstätten im Cardiff West Yard. 1857 entstand dort ihre erste selbstgebaute Lokomotive, die Venus.

Im Jahr 1849 wurde der Rhondda-Branch von Dinas weiter in das Tal des Flusses Rhondda Fawr bis nach Treherbert verlängert und um eine kurze Strecke von Porth nach Ynyshir ergänzt. Diese wurde 1856 zunächst bis Ferndale und schließlich bis Maerdy verlängert.

Die TVR verzeichnete ein hohes Verkehrsaufkommen. Durch den verkehrsreichsten Bahnhof Pontypridd fuhren zwei Züge pro Minute. Bis 1850 beförderte die TVR jährlich 600.000 Tonnen Kohle und zahlte eine Dividende von 6 %.

Die Strecke war ursprünglich als Güterbahn für den Transport von Eisenerz und Kohle konzipiert. Von Anfang an wurden jedoch auch Personenzüge eingesetzt. Täglich verkehrten zwei Personenzüge in jede Richtung, auch sonntags. Im Jahr 1844 wurde dies auf drei Verbindungen an Werktagen ausgeweitet. Die Einzelfahrpreise von Cardiff nach Merthyr betrugen 5 Schilling für die erste Klasse, 4 Schilling für die zweite Klasse und 3 Schilling für die dritte Klasse. Im Jahr 1845 wurden sie jeweils um einen Schilling gesenkt.[2]

Taff-Vale-Urteil und Grouping (1900–1922)

Ein Streik der Eisenbahnarbeiter führte 1901 zu einem wegweisenden Rechtsstreit, der als Taff Vale Case bekannt wurde. Die TVR verklagte die Gewerkschaft Amalgamated Society of Railway Servants (ASRS) wegen der durch den Streik entstandenen Schäden. Der Richter entschied zugunsten des Unternehmens,[3] was vom House of Lords bestätigt wurde. Der Taff Vale Case trug zur Gründung der Labour Party bei.

Ab 1903 verkehrten Dampftriebwagen, die als Motor Cars bezeichnet wurden.

Am 1. Januar 1923 wurde die Taff Vale Railway im Zuge des Railways Act 1921 Teil der Great Western Railway (GWR).

Streckennetz und Werkstätte

Die Hauptstrecke der TVR war 39 Kilometer lang. Die 23 Nebenstrecken erhöhten die Gesamtlänge des TVR-Netzwerks jedoch auf 200 km (Stand 1919). Die Gleislänge betrug 649 km. Viele Nebenstrecken waren ehemalige eigenständige Bahngesellschaften, die von der TVR übernommen worden waren.

Das Netz der TVR bestand aus:

  • der Hauptstrecke Cardiff–Abercynon–Merthyr Tydfil
  • umfangreichen Zweigstrecken in das Tal des Flusses Rhondda und weitere Seitentäler des Taff Vale
  • Hafenanschlüssen in Cardiff, insbesondere an das Penarth Dock

Die Hauptwerkstätten befanden sich ab 1845 im West Yard in Cardiff, später kamen Erweiterungen in den Stadtteilen Butetown und Cathays hinzu.

Literatur

  • John Hutton: The Taff Vale Railway. Silver Link,., 2006, ISBN 978-1-85794-249-1.
  • M. C. V. Allchin: Locomotives of the Taff Vale Railway (illustrated): Types, Building Dates, Etc. M.C.V. Allchin, 1944 (google.ch [abgerufen am 30. Dezember 2025]).
Commons: Taff Vale Railway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Taff Vale Railway. In: Graces Guide. Archiviert vom Original am 14. November 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. Taff Vale Railway Act 1836. Archiviert vom Original am 6. Februar 2024; abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b Taff Vale Railway. In: Graces Guide. Archiviert vom Original am 14. November 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
  3. J.T. Walton Newbold: The Railways 1825-1925. The Labour Pub. Co., London 1925.