TFR-Klasse 23E
| TFR-Klasse 23E | |
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Drei Lokomotiven der Klasse 23E vor einem Manganerzzug
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| Nummerierung: | 23 001 – 240 |
| Anzahl: | 240 |
| Hersteller: | Bombardier Transportation Alstom |
| Baujahr(e): | 2017– |
| Achsformel: | Co’Co’ |
| Spurweite: | 1067 mm (Kapspur) |
| Länge über Kupplung: | 22.900 mm |
| Höhe: | 4140 mm (Stromabnehmer gesenkt) |
| Breite: | 2900 mm |
| Drehzapfenabstand: | 13.400 mm |
| Drehgestellachsstand: | 3700 mm |
| Dienstmasse: | 132 t |
| Radsatzfahrmasse: | 22 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 100 km/h |
| Dauerleistung: | 3,8 MW |
| Anfahrzugkraft: | 480 kN |
| Treibraddurchmesser: | 1220/1136 (neu/abgenutzt) |
| Stromsystem: | 25 kV, 50 Hz ~ 3 kV = |
| Anzahl der Fahrmotoren: | 6 |
| Antrieb: | Tatzlager-Antrieb |
Die Transnet-Freight-Rail-Klasse 23E (vom Hersteller auch Traxx 23E[1] bezeichnet) sind ab 2018 in Dienst gestellte, sechsachsige Zweisystemlokomotiven für den Güterverkehr der Transnet Freight Rail (TFR) in Südafrika. Sie wurden von Bombardier Transportation entworfen und sind für den Betrieb mit 3 kV Gleich- und 25 kV Wechselspannung bei einer Frequenz von 50 Hz ausgelegt.[2] Seit der Übernahme von Bombardier durch Alstom wird die Fertigung durch Alstom fortgeführt.[1]
Geschichte
Im März 2014 unterzeichnete Bombardier Transportation und TFR einen Vertrag über die Lieferung von 240 Lokomotiven, die im Manganerzverkehr und vor allgemeinen Güterzügen eingesetzt werden sollen. Das Auftragsvolumen des Vertrags beträgt umgerechnet EUR 933 Mio. Davon werden über 60 % für Material und Dienstleistungen in Südafrika ausgegeben. Mit einem Technologietransfer schaffte Bombardier 300 Arbeitsplätze in Südafrika, womit das Broad-Based Black Economic Empowerment (B-BBEE) der Regierung unterstützt wird.[2][3]
Die Lokomotiven wurden vollständig in Südafrika gebaut. Neunzig verschiedene südafrikanische Lieferanten lieferten nach Bombardier-Plänen Teile für die Lokomotiven. Die wichtigsten sind DCD in Boksburg für den Wagenkasten, das Bombardier-Werk in Isando für die Gerätegerüste und die Stromrichter sowie IEC Holden für die Fahrmotoren. In einem Unterhaltungswerk von Transnet in Durban wird die Endmontage durchgeführt. Dasselbe Werk baut auch die Drehgestelle der Lokomotiven.[2][3]
Die erste Lokomotive wurde von TFR im Dezember 2017 an den Kunden übergeben. Der kommerzielle Betrieb wurde 2018 aufgenommen.[3] Die Lokomotiven verkehren ausschließlich auf der Manganerzbahn von Hotazel über Postmasburg und Kimberley nach Port Elizabeth.
Im November 2025 wurde die 200. Lokomotive fertig gestellt. Die übrigen Lokomotiven sollen bis Juni 2026 gebaut werden.[1]
Technische Merkmale
Allgemeines
Bei den Fahrzeugen der Klasse 23E handelt es sich um Streckenlokomotiven für den Güterverkehr mit Achsfolge Co’Co’, sie ähneln äußerlich denen der Baureihe 22E. Der geschweißte Wagenkasten ist eine selbsttragende Konstruktion. Die beiden dreiachsigen Drehgestelle mit Tatzlagerantrieben ähneln denjenigen der MTAB IORE der LKAB Malmtrafik. Zwei Entgleisungsbalken an den Kopfträgern der Drehgestelle verhindern, dass die Lokomotive bei Entgleisungen umkippt oder die Radsatzgetriebe beschädigt werden.
Anordnung der Geräte
Die 23E-Lokomotiven haben nur an einem Ende einen Führerstand. Im Maschinenraum sind die Geräte links und rechts von einem Mittelgang angeordnet. Von vorne nach hinten ist die Anordnung wie folgt:[2]
| Linke Seite | Rechte Seite |
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Unterflur zwischen den beiden Drehgestellen ist das Transformator- und Drosselsystem in einem gemeinsamen Kessel angeordnet.
Hochspannungs- und Antriebsausrüstung
Die beiden Einholmstromabnehmer sind jeweils über den Drehpunkten der Drehgestelle auf den beiden äußeren Dachsegmenten angeordnet. Sie können für beide Stromsysteme verwendet werden. Unüblich ist die Anordnung beider Stromabnehmer mit dem Knie nach hinten. Über Stromschienen und Trennschaltern sind die Stromabnehmer mit dem mittleren Dachsegment verbunden, auf dem sich die Überspannungsableiter und der Systemwahlschalter befinden. Über Dachdurchführungen wird die elektrische Energie getrennt nach Stromsystem in das Hochspannungsgerüst im Inneren des Maschinenraums geführt. Im Hochspannungsgerüst ist jeweils ein Hauptschalter für den Gleichspannung- bzw. Wechselspannungsbetrieb angeordnet.[2]
Der Hauptstromkreis wird abhängig von der an den Stromabnehmern anliegenden Spannung selbsttätig auf Gleich- oder Wechselspannungsbetrieb umgeschaltet. Die Phasen- und Systemtrennstellen werden dem Fahrzeug durch Gleismagnete signalisiert. Diese aktivieren an den Enden der Lokomotive angebrachte Reedschalter, welche automatisch die Zugkraft abschalten, den Hauptschalter ausschalten, den Systemwahlschalter umschalten und den anderen Hauptschalter nach der Schutzstrecke wieder einschalten. Danach wird die Zugkraft selbsttätig wieder aufgebaut.[2]
Das Antriebssystem einer Lokomotive besteht aus zwei unabhängigen Traktionsstromrichtern, die jeweils einem Drehgestell zugeordnet sind und in einem gemeinsamen Stromrichterschrank angeordnet sind.[2]
Im Wechselspannungsbetrieb wird die Fahrleitungsspannung auf zwei in Reihe geschaltete Primärwicklungen des Transformators geschaltet. Auf den Sekundärseiten sind je Traktionsstromrichter drei Traktionswicklungen angeordnet. Ein Traktionsstromrichter besteht aus jeweils drei Vierquadrantenstellern, die jeweils mit einer Traktionswicklung verbunden sind, sowie aus einem Gleichspannungszwischenkreis und aus drei Motorstromrichtern, die jeweils einen Fahrmotor speisen. Die Vierquadrantensteller wandeln die Wechselspannung in Gleichspannung um und speisen diese in den Zwischenkreis ein. Zur Glättung der Gleichspannung im Zwischenkreis sind Stützkondensatoren und ein Saugkreis vorhanden. Die Drosseln der Saugkreise sind auch im Transformator- und Drosselkessel angeordnet. Im Gleichspannungsbetrieb wird die Fahrleitungsspannung über je eine Drossel direkt in die Zwischenkreise geleitet. Die Motorstromrichter wandeln die Gleichspannung des Zwischenkreises in Dreiphasenwechselstrom um und versorgen die Fahrmotoren einzeln. Dadurch können diese auch einzeln geregelt werden und der Kraftschlussbeiwert Rad-Schiene kann optimal ausgenutzt werden.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c LOK Report - Südafrika: Alstom und Transnet feiern einen wichtigen Meilenstein - Die 200. Traxx 23E-Lokomotive verlässt das Werk. Abgerufen am 24. November 2025 (deutsch).
- ↑ a b c d e f g h Ewald Falke: TRAXX Africa – Lokomotiven Class 23E für schweren Güterverkehr in Südafrika. In: eb. Band 113, Heft 12, Dezember 2015, S. 635–643.
- ↑ a b c Bombardier and Transnet Freight Rail Celebrate Handover of First TRAXX Locomotive Africa at Ceremony in Durban. Bombardier, 8. Dezember 2018 (englisch).