T-Aktie
Der Begriff T-Aktie steht für die Aktie der Deutschen Telekom AG. Die T-Aktien (WKN 555750, ISIN DE0005557508) werden von der Deutschen Börse unter dem Kürzel DTE notiert und sind Bestandteil des DAX sowie des DivDax an der Frankfurter Wertpapierbörse.
Geschichte
Das ehemalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom hat bislang drei Börsengänge absolviert. Am 18. November 1996 kamen erstmals T-Aktien in den Handel. Die Telekom inszenierte dafür eine bis dahin beispiellose Werbekampagne mit Manfred Krug als Galionsfigur.[1] Die T-Aktie wurde vor allem den Privatanlegern als sogenannte „Volksaktie“ angepriesen. Die Werbeaktion hatte zu dem Zeitpunkt einen durchschlagenden Erfolg. Es war der Beginn einer neuen Aktieneuphorie in Deutschland für Privatinvestoren, die zunächst über mehrere Jahre anhielt, bis es im Jahr 2000 zu einem signifikanten Kurseinsturz kam.[2]
Börsengänge
Zum Börsenstart am 18. November 1996 wurden 713 Millionen Papiere im Zuge einer Kapitalerhöhung platziert. Bei einem Emissionskurs von 28,50 DM (14,57 Euro)[1] nahm die Telekom rund 20 Milliarden DM (rund 10 Milliarden Euro) ein.
Der zweite Börsengang und damit eine weitere Kapitalerhöhung erfolgte am 28. Juni 1999. Zum Preis von 39,50 Euro wurden 281 Millionen Aktien ausgegeben und 10,8 Milliarden Euro eingenommen.[3]
Am 19. Juni 2000 verkaufte der Bund über die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 200 Millionen T-Aktien zum Preis von 66,50 Euro.[3] Aus diesem dritten Börsengang flossen rund 13 Milliarden Euro in die Staatskasse. Die Börseneuphorie war zuvor auf ihrem Höhepunkt angelangt. Die Telekom-Aktie notierte im März 2000 über 103 Euro, ihrem Allzeithoch.[3] Ab diesem Zeitpunkt kam es zu einem Aktiencrash, durch den die T-Aktie unter den Einstandswert fiel.
Die drei Börsengänge führen bis heute (Mai 2025) die Liste der größten Börsengänge Deutschlands an.
Kurseinbruch und Entwicklungen bis in die 2020er Jahre
Die riskanten Firmenzukäufe des damaligen Konzernchefs Ron Sommer vor allem in den USA setzten der Aktie stark zu. Fehlerhafte Unternehmensstrategien, ein überteuerter Kauf der UMTS-Lizenzen, ein enormer Schuldenstand und ein zu hoher Preis für den Erwerb des ehemaligen US-Mobilfunkanbieters VoiceStream, so lauten die häufigsten Vorwürfe an den Telekom-Chef.[4]
Am 16. Juli 2002 trat Ron Sommer zurück,[5][6] die T-Aktie notierte am 26. Juni 2002 auf ihrem vorübergehenden Tiefststand von 8,16 Euro.[7] Im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 erreichte die Aktie einen erneuten Tiefststand von 7,83 Euro am 8. Mai 2009. Im Jahr 2011 erholte sich die Aktie auf einen Höchstwert von 11,38 Euro und markierte am 5. Juni 2012 einen weiteren Tiefststand bei 7,69 Euro. Im gleichen Jahr (2011) versuchte die Deutsche Telekom seine T-Mobile USA Sparte an AT&T zu verkaufen. Der Deal scheiterte jedoch im Dezember und AT&T zog sein Angebot zurück.[8][9]
Ab dem Jahr 2010 gab es mehrere Aktienrückkaufprogramme. Erst im Oktober 2013 kletterte die T-Aktie wieder über die 10-Euro-Marke. Im Jahr 2015 notiert die Aktie in einem Korridor zwischen rund 13 Euro und rund 18 Euro (Stand: Februar 2021).[10] Sie lag damit weiterhin unter den Ausgabepreisen des zweiten und dritten Börsengangs.
Die T-Aktie steht Ende 2025 bei über 26 Euro und überschritt die 20 Euro-Marke ab dem Jahr 2024. Der höchste Wert seit den letzten Jahren (seit dem Crash) wurde am 3. März 2025 mit 35 Euro notiert.[11]
Aktionärsstruktur
Es gibt 4.761.458.596 T-Aktien.
| Anteil | Anteilseigner | Sitz |
|---|---|---|
| 17,4 % | KfW (staatliche Förderbank) | Frankfurt am Main |
| 14,5 % | Bundesrepublik Deutschland | Berlin |
| 50,5 % | Institutionelle Anleger | |
| 17,6 % | Private Anleger |
Rechtsprozesse
Klagen zum zweiten Börsengang
Im Juni 1999 folgte der zweite Börsengang der Deutschen Telekom AG. Einige Anleger klagten aufgrund von vermuteten Unrichtigkeiten im Verkaufs- und Börsenzulassungsprospekts auf Schadenersatz für erlittene Kursverluste. Das LG Frankfurt am Main legte in seinem Beschluss vom 22. November 2006 dem OLG Frankfurt am Main Fragen zur Klärung vor. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main stellte in seinem Beschluss vom 3. Juli 2013 keine wesentlichen Fehler im Börsenprospekt fest. Im November 2016 veröffentlichte der Bundesgerichtshof (BGH) einen Beschluss: Wie bereits vom OLG festgestellt, ließen sich aus dem Prospekt des zweiten Börsengangs keine wesentlichen Fehler ableiten. Laut der die Kläger vertretenden Kanzlei Tilp sind von dem Urteil einige Dutzend Kläger betroffen, die insgesamt 1,2 Mio. Euro verloren hätten.[13]
Klagen zum dritten Börsengang
2001 klagten die ersten Anleger in der Hoffnung auf Schadenersatz für erlittene Kursverluste. Im April 2008 begann ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main aufgrund angeblicher fehlerhafter Bewertung des Immobilienvermögens der Deutschen Telekom und unkorrekter Angaben in ihren Verkaufsprospekten zum dritten Börsengang der T-Aktie. Es klagten in einem Musterprozess über 17.000 Aktionäre auf Schadenersatzzahlungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro. Bei einem ähnlichen Prozess in den USA hatte die Telekom sich 2005 im Rahmen eines Vergleichs auf eine Zahlung von 120 Millionen US-Dollar eingelassen.[14] Im Oktober 2014 erklärte der Bundesgerichtshof den Verkaufsprospekt für fehlerhaft[15][16] und hob die Entscheidung des OLG Frankfurt am Main aus Mai 2012 auf, welches einen Schadenersatzanspruch zurückgewiesen hatte. Das OLG Frankfurt am Main musste erneut über das Verfahren entscheiden. Es urteilte im November 2016, dass die Deutsche Telekom den festgestellten Fehler im Börsenprospekt zu vertreten hat. Allerdings muss die Kausalität des Fehlers im Prospekt für die Anlageentscheidung pro Anleger individuell vom LG Frankfurt am Main geprüft werden. Der BGH hob im Dezember 2020 die Entscheidung des OLG Frankfurt auf. Der BGH bestätigte die Ausführungen des OLG zur Frage der Ursächlichkeit des fehlerhaften Prospekts für den Aktienerwerb und zum Verschulden der Telekom im Wesentlichen, verwies sie hinsichtlich der Frage, inwieweit der im Prospekt unrichtig dargestellte Sachverhalt auch zu einer Minderung des Börsenwertes beigetragen hat, an das OLG zur erneuten Entscheidung nach Einholung eines Sachverständigengutachtens.[17]
Kontroversen
Der Crash der T-Aktie wird von Fachleuten als einer der Gründe für eine verhaltene Beteiligung von Privatpersonen am Aktienmarkt gesehen. Bei Haushalten, die während des Kurseinbruchs T-Aktien besaßen, sei dieser Effekt besonders stark ausgeprägt.[18]
Aufgrund der über die Jahre konstant überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite ist die T-Aktie seit September 2011 im DivDAX vertreten.[19]
Trivia
- Das Dokumentarhörspiel „Spekulation Sommer“ von Walter Filz u. a. aus dem Jahr 2005[20][21]
Siehe auch
Literatur
- Nicole Essiger: Die T-Aktie Als Marke: Staatliche und Private Einflussnahme Zur Kurspflege einer Volksaktie. 2nd ed Auflage. Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-8244-7971-0.
- Nicole Munk: Die T-Aktie als Marke. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-322-81641-9, doi:10.1007/978-3-322-81640-5.
Weblinks
- Telekom > Investor Relations > Aktie. Deutsche Telekom AG, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Persönlich: Manfred Krug: Werbung für T-Aktie war größter Fehler. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 14. Mai 2023; abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Lotteriespiel mit vielen Nieten. In: SZ. 4. Dezember 2008, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ a b c 20 Jahre Telekom-Börsengang: Eine Aktie fürs Volk. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Dezember 2025]).
- ↑ It’s Ron Sommer Calling–Again. In: July 31, 2000. Time, 31. Juli 2000, abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Ron Sommer tritt zurück: Ehemaliger Henkel-Chef Sihler leitet nun die Telekom. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. April 2023; abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Deutsche Telekom AG: "Die Nervosität war hoch". 25. Mai 2020, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ DEUTSCHE TELEKOM – Bald wieder einstellig? stock3 AG, 7. Februar 2018, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Michael J. de la Merced: T-Mobile Sale May Close Tough Chapter for Deutsche Telekom. 21. März 2011, abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ AT&T; Ends Bid To Add Network Capacity Through T-Mobile USA Purchase. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juli 2015; abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Deutsche Telekom historische Aktienkurse | Kurshistorie | Schlusskurse. In: boerse.de. Abgerufen am 1. Februar 2019.
- ↑ Deutsche Telekom AG: Aktie. Deutsche Telekom AG, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Aktionärsstruktur. Deutsche Telekom, Stand 31. Dezember 2020. Abgerufen am 10. April 2021
- ↑ BGH weist Kläger zum zweiten Telekom-Börsengang ab. In: heise.de. 1. Februar 2016, abgerufen am 3. Februar 2017.
- ↑ securities.stanford.edu
- ↑ Telekom-Aktie – Ein Fehler, der Millionen kosten kann. In: Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017
- ↑ Kleinanleger dürfen auf Schadensersatz von der Telekom hoffen. In: Spiegel online, 11. Dezember 2014, abgerufen am 26. Dezember 2017
- ↑ Pressestelle de BGH: Bundesgerichtshof entscheidet über Rechtsbeschwerden nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) im Telekom-Verfahren ("dritter Börsengang"). Pressemitteilung Nr. 044/2021; Beschluss vom 15. Dezember 2020 - XI ZB 24/16. Bundesgerichtshof, 26. Februar 2021, abgerufen am 26. Februar 2021.
- ↑ Chi Hyun Kim, Alexander Kriwoluzky: Der Fall der T-Aktie: Börsencrashs können dauerhaft Investitionsentscheidungen von Haushalten negativ beeinflussen. In: DIW Wochenbericht. Band 88, 2021, doi:10.18723/DIW_WB:2021-25-1 (diw.de [abgerufen am 30. Dezember 2025]).
- ↑ Historische Indexzusammensetzung DivDAX. (PDF) In: dax-indices.com. Ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 13. Januar 2019 (englisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
- ↑ ARD Hörspieldatenbank: Spekulation Sommer. (dra.de [abgerufen am 30. Dezember 2025]).
- ↑ Walter Filz: Spekulation Sommer – Walter Filz (2005). 2005, abgerufen am 30. Dezember 2025.